Bloober Team hatte auf der Gamescom 2026 gleich zwei gute Gründe für Horrorfans im Gepäck. Während SAW: Genesis das bekannte Film-Franchise in einen asymmetrischen Multiplayer-Escape-Room verwandelt, erweitert Cronos: The New Dawn – Lazarus eines der stärksten Survival-Horror-Spiele des vergangenen Jahres um ein neues Kapitel. Beide Titel konnten wir in Köln bereits anspielen – und obwohl sie spielerisch sehr unterschiedlich sind, verfügen sie über eine essentielle Gemeinsamkeit: permanenten Druck.
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SAW: Genesis – Gemeinsam stirbt es sich schwerer
Die vielleicht wichtigste Klarstellung zuerst: In SAW: Genesis kämpfen wir nicht direkt gegen John Kramer alias Jigsaw. Das Spiel setzt rund ein Jahrhundert vor den Filmen, in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, an und erzählt von einem sogenannten Judge, dessen perfide Vorstellungen von Bestrafung und Rehabilitation später Jigsaws Spiele beeinflussen sollen. Entwickelt wird der Titel von Broken Mirror Games und Anshar Studios, gemeinsam mit Lionsgate; Bloober Team NA übernimmt die Rolle des Publishers.
Das spielerische Prinzip ist simpel und passt zu der Marke: Drei „Accused“ treten gegen einen Judge an. Die Opfer müssen sich durch prozedural erzeugte Areale arbeiten, Rätsel lösen, Fallen überwinden und vor allem miteinander kommunizieren. Der Judge beobachtet das Geschehen dagegen aus dem Hintergrund, manipuliert die Umgebung und wartet darauf, dass die Gruppe Fehler macht.
Im Hands-on entwickelte sich daraus ein erstaunlich launiger, gleichzeitig gruselig-schöner 3vs1-Escape-Room-Survival-Spaß. Gerade die Kooperation ist nicht irgendeine aufgesetzte Multiplayer-Mechanik, sondern tatsächlich der wichtigste Überlebensgarant. Wer alleine loszieht, macht sich schnell zur idealen Beute. Wer zusammenbleibt, kann Rätsel effektiver lösen und gefangene Mitspieler retten.
Und genau hier kommt SAW ins Spiel. Gerät ein Spieler in eine der Maschinen, kann er auf Hilfe warten oder sich unter Umständen durch ein körperliches Opfer selbst befreien. Verletzungen bleiben dabei nicht folgenlos: Ein beschädigtes Bein reduziert beispielsweise die Beweglichkeit, Verletzungen an den Armen können Kämpfe oder Rätsel erschweren. Damit übersetzt Genesis eine zentrale Idee der Filme ziemlich geschickt in ein Gameplay-System: Wie viel bist du bereit zu opfern, um weiterzuleben?
Insgesamt zeigt die Umsetzung viel Nähe zu den filmischen Vorbildern. Fallen, Geräuschkulisse, heruntergekommene Räume und die moralisch fragwürdigen Entscheidungen liefern zahlreiche passende Referenzen, ohne einfach nur bekannte Filmszenen nachzustellen.
Nach der Gamescom-Runde blieb deshalb vor allem ein Gedanke hängen: Ich möchte noch einmal fliehen – und danach unbedingt ausprobieren, wie viel Spaß die Rolle des Bösewichts macht.
Die erste Closed Alpha erreichte laut Bloober Team bereits mehr als 4.500 Teilnehmer. Der Early Access ist für das vierte Quartal 2026 auf PC vorgesehen. Zum Start sind vier Accused, zwei Judges und zwei Schauplätze geplant; langfristig möchten die Entwickler den Umfang deutlich erweitern.

Cronos: Lazarus – schneller, aber noch immer Survival Horror
Deutlich vertrauter fühlt sich dagegen Cronos: The New Dawn – Lazarus an. Die Story-Erweiterung führt zurück in die Vergangenheit des Wardens: Wir übernehmen die Rolle des jungen Pathfinders, damals noch Agent des Collective, und erfahren damit mehr über eine der zentralen Figuren des Hauptspiels. Bloober Team bezeichnet die Erweiterung ausdrücklich als fehlendes Stück der bisherigen Lore und nicht nur als losgelöstes Nebenabenteuer.
Spielerisch fällt zunächst auf, dass sich Lazarus etwas flüssiger und weniger klobig anfühlt als das Hauptspiel. Das passt zur neuen Hauptfigur, denn der Pathfinder verfügt über deutlich dynamischere Möglichkeiten. Mit einer Teleportationsfähigkeit lassen sich kurze Distanzen überbrücken, ein Decoy erzeugt ein Trugbild zur Ablenkung der Gegner und mit dem Gladius kommt eine schnellere und mächtigere Nahkampfwaffe hinzu.
Bloober Team verschiebt den Schwerpunkt dadurch etwas stärker in Richtung Action, ohne aber die herausfordernde Survival-Horror-DNA über Bord zu werfen. Und genau das war im Hands-on eine gute Nachricht.
Denn Cronos bleibt Cronos: Munition ist knapp, Gegner halten einiges aus und jeder Schuss fühlt sich wie eine kleine wirtschaftliche Entscheidung an. Das Spiel lässt einen gerade genug Ressourcen finden, um weiterzukommen – aber selten genug, um sich wirklich sicher zu fühlen. Old-School-Survival-Horror in moderner technischer Verpackung bleibt damit auch für Lazarus die treffende Beschreibung.
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Zwei unterschiedliche Wege zum Horror
Bloober Team zeigt mit seinen beiden Gamescom-Titeln damit zwei bemerkenswert unterschiedliche Interpretationen von Horror. SAW: Genesis besitzt dank seines kooperativen Escape-Room-Ansatzes das Potenzial für wunderbar chaotische Multiplayer-Abende – vorausgesetzt, Balancing und Langzeitmotivation stimmen am Ende.
Cronos: Lazarus muss dagegen deutlich weniger beweisen. Die Erweiterung nimmt das funktionierende Fundament von The New Dawn, beschleunigt es an den richtigen Stellen und erweitert gleichzeitig eine Geschichte, die bereits im Hauptspiel zu dessen großen Stärken gehörte.
Nach den beiden Hands-ons bleibt deshalb ein ziemlich positives Bild: Bei SAW möchte man noch einmal fliehen – und danach selbst den Judge spielen. Bei Cronos möchte man einfach nur wissen, wie die Geschichte des Pathfinders weitergeht.
Cronos: The New Dawn – Lazarus erscheint im Herbst 2026 für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2.
