Seit Wochen prasselt Kritik auf Sony ein. Anfang Juli hatte der Konsolenhersteller das Ende der Disc bekanntgegeben. Seitdem sind Gamer weltweit verstimmt, machen sich ihrem Unmut spöttelnd Luft. Sony schien abwarten zu wollen, bis die harschen Worte vorüberziehen. Jetzt hat Sonys CFO das Schweigen gebrochen und die Entscheidung des Unternehmens bekräftigt.
Neue Spiele erscheinen ab 2028 nur noch digital
Am 1. Juli 2026 rief Sony im hauseigenen PlayStation Blog das Ende der Disc aus. Ab 2028 wird Sony neue Spiele nicht mehr auf physischen Datenträgern veröffentlichen. Titel, die sich schon im Umlauf befinden, sind von diesem Wandel nicht betroffen. Wenngleich heute mehr als 80 Prozent der Inhalte digital erworben werden, hat dieser Schritt einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen, der bis heute nicht abgeklungen ist. Wann immer Sony in den sozialen Medien von sich reden macht, mokieren sich verärgerte Spieler über das bevorstehende Disc-Aus.
Sony begründet das Vorgehen mit dem veränderten Konsumverhalten. Dass immer weniger Discs verkauft werden, ist aber auch dem Konsolenhersteller zuzuschreiben. Sowohl die PlayStation 5 Digital Edition als auch die 2024 erschienene PlayStation 5 Pro werden standardmäßig ohne Laufwerk ausgeliefert. Zwar lässt sich ein Laufwerk nachrüsten, aber viele Spieler begnügen sich mit digitalen Einkäufen. Abonnements werden üblicherweise digital abgewickelt, und einige Titel sind nur im PlayStation Store erhältlich. All dies beschert Sony die notwendigen Zahlen, um das Disc-Aus argumentativ zu unterfüttern.
Dass sich Branchen verändern, ist nicht ungewöhnlich. In den frühen 2000ern musste man einen klobigen Client herunterladen, um die Walzen an Video-Slots online zu drehen. Heutzutage lassen sich tausende Spielautomaten auf Casino.org direkt im Browser starten. Was sich ebenso laufend verändert, ist die Regulierung. Österreich plant beispielsweise, das Monopol der Casinos Austria aufzugeben. Stattdessen soll der Umstieg auf mehrere Lizenzen erfolgen, was einen stärkeren Wettbewerb ermöglicht. Dadurch könnte sich auch verändern, welche Spiele österreichischen Spielern künftig legal zur Verfügung stehen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Petitionen und Kritik verpuffen ohne Wirkung
Auf Reddit und YouTube haben sich die negativen Reaktionen regelrecht überschlagen. Noch am gleichen Tag wurde die Petition „Don’t Kill the Disc“ gestartet, die innerhalb weniger Tage über 350.000 Unterschriften sammelte. Lange hat Sony den Unmut abperlen lassen. In einer Fragerunde hat sich Ende Juli 2026 aber Lin Tao, ihres Zeichens Finanzchefin bei Sony, zu Wort gemeldet. Dass das Unternehmen seine Entscheidung überdenkt, ist ausgeschlossen. Tao zufolge hat sich Sony viel Zeit gelassen, zu seinem Entschluss zu gelangen. Publisher hätten die Möglichkeit, weiterhin auf den Einzelhandel zurückzugreifen. Statt einer Disc würden dann Downloadcodes verkauft.
Über 80 Prozent der Inhalte werden digital erworben
Tatsächlich werden weniger als 20 Prozent der Spiele als physisches Exemplar erworben. Wie in den sozialen Medien nachzulesen ist, wird dieses Konsumverhalten teilweise auch durch die Marktbedingungen begünstigt. Interessierte Gamer müssen zum Teil wochenlang warten, bis eine physische Kopie irgendwo zu beziehen ist. Publisher produzieren teils wenige Discs aus Sorge vor einer Überproduktion. Des Weiteren sind vollständige Versionen mit allen Inhalten (Gold und Complete Editions) begrenzt vorzufinden.
Ein weiterer Trend der jüngeren Vergangenheit: Spezielle Versionen, die bereits mehrere Tage vor dem eigentlichen Release einen früheren Zugang zum fertigen Spiel bieten. Für gewöhnlich werden solche Versionen ausschließlich digital vertrieben. Wer sich online zum frühestmöglichen Zeitpunkt am Diskurs beteiligen möchte, hat keine Wahl.
Sony setzt den Gebrauchtmarkt unter Druck
Einzelhändler, die sich auf den An- und Verkauf gebrauchter Videospiele spezialisiert haben, werden besonders in Mitleidenschaft gezogen. Ohne Discs wird das Geschäftsmodell nicht lange überleben. Oder aber der Fokus muss sich auf ältere Konsolengenerationen verlagern. Allerdings stehen nicht nur Händler, die ihren Lebensunterhalt sichern wollen, vor einem Problem. Auch Sammler werden sich wohl kaum Boxen ohne Inhalt in die Regale stellen wollen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Kosten für Gaming auf der PlayStation 5 für manche Spieler drastisch steigen werden. Wer sich im Freundeskreis zeitweise Spiele ausgeliehen, durchgespielte Titel weiterverkauft oder ohnehin mit gebrauchten Games vorliebgenommen hat, muss nun tiefer ins Portemonnaie greifen. In vielen öffentlichen Bibliotheken lassen sich seit geraumer Zeit Videospiele ausleihen, darunter neuere Titel. All das wird wegfallen, wenn die Disc ihrem Ende entgegengeht.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Ohne Einzelhandel könnte sich Preismonopol bilden
Worüber Sony nicht so gern spricht, ist der eigentliche Grund, warum die Disc weichen soll: Sony hofft, über den digitalen Vertrieb höhere Einnahmen zu generieren. Zwar wird nicht jeder Spieler, der vorher gebrauchte Titel erworben hat, in den PlayStation Store strömen. Doch selbst wenn nur ein Bruchteil den Widerstand aufgibt, steigen die Umsätze. Denn: Am Gebrauchtmarkt verdienen die Konsolenhersteller keinen müden Cent. Publisher und Entwickler, die den Online-Store verwenden, müssen hingegen 30 Prozent an Sony abgeben.
Ohne Gebrauchtmarkt und mit einem zahnlosen Einzelhandel könnte Sony die Preisgestaltung im eigenen Store deutlich stärker kontrollieren. Vor allem exklusive Titel waren schneller günstiger im Einzelhandel zu kaufen, bevor Sony erstmals mit einem nennenswerten Rabatt herausrücken wollte. Diese Entwicklung könnte sich künftig verschärfen.
Spannend ist die Frage, ob Sony ein solches Preismonopol bilden darf. Ob der Verkauf von Downloadcodes ausreicht, um die europäischen Verbraucherschützer zu besänftigen, ist fraglich. Während auf dem PC auch andere Stores Keys verkaufen, die sich bei Steam aktivieren lassen, unterbindet Sony dies seit vielen Jahren. 2017 hatte Humble Bundle in Kooperation mit 2K eines der letzten Bundles für PS3, PS4 und PS Vita geschnürt. Für einen schmalen Taler konnten Gamer Titel wie Borderlands, Mafia 2 und Spec Ops: The Line günstig erstehen. Aus Sicht der Verbraucher wäre es wünschenswert, wenn sich die EU einem drohenden Preismonopol entgegenstellt.
