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Gamescom 2026 – Tomb Raider: Legacy of Atlantis – Lara Croft zwischen alter Akrobatik und modernem Komfort

Mit Tomb Raider: Legacy of Atlantis kehrt Lara Croft 2027 dorthin zurück, wo alles begonnen hat. Crystal Dynamics und Flying Wild Hog verstehen die Neuauflage des Klassikers von 1996 aber ausdrücklich nicht als simples Remake, sondern als komplette Neuinterpretation. Auf der Gamescom 2026 konnten wir uns hinter verschlossenen Türen einen längeren Blick auf den Griechenland-Abschnitt und damit auf einige der neuen Spielmechaniken werfen.

Das Gezeigte hinterließ vor allem technisch einen starken Eindruck. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage, wie viel Unterstützung ein modernes Tomb Raider wirklich braucht – denn Scanner, geführte Kletterpassagen, Skilltree und Crafting entfernen sich teilweise deutlich von der kompromisslosen Erkundung des Originals.

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Grafik – Griechenland kann sich sehen lassen

Optisch gehört Tomb Raider: Legacy of Atlantis bereits jetzt zu den interessanteren Action-Adventures des kommenden Jahres. Crystal Dynamics und Flying Wild Hog setzen auf die Unreal Engine 5, um bekannte Schauplätze aus dem Original nicht lediglich zu rekonstruieren, sondern teilweise vollkommen neu aufzubauen.

In der Gamescom-Präsentation führte die Reise nach Griechenland, genauer gesagt in die Katakomben unter St. Francis‘ Folly. Bereits dieser Abschnitt macht deutlich, wie weit sich die Entwickler visuell vom Original entfernen können, ohne dessen Atmosphäre vollkommen aufzugeben.

Besonders beeindruckend ist dabei das Lichtdesign. Sonnenstrahlen, Fackeln und indirekte Lichtquellen verleihen den Ruinen stellenweise beinahe eine cineastische Inszenierung. Monumentale Architektur trifft auf verwitterte Steine, Vegetation und tiefe Schatten. Griechenland wirkt dadurch weniger wie eine Ansammlung abstrakter Spielräume und stärker wie ein tatsächlich existierender, längst vergessener Ort.

Genau hier liegen auch neue Möglichkeiten für Erkundung und Rätsel. Wo 1996 wenige Polygone reichen mussten, kann das Remake Räume heute wesentlich detaillierter erzählen.

Lara Craft in Legacy of Atlantis
Quelle: press kit

Gameplay – Lara turnt wie früher, das Spiel hilft aber deutlich mehr

Auch Laras Animationen überzeugen. Ihre Bewegungen wirken flüssig, schnell und ausgesprochen akrobatisch. Gleichzeitig greifen die Entwickler immer wieder bewusst auf die DNA der ursprünglichen Lara Croft zurück. Dazu gehört natürlich auch der ikonische Handstandüberschlag, der wieder ausgeführt werden kann. Solche kleinen Details zeigen, dass Legacy of Atlantis die Vergangenheit der Reihe respektiert und diese als Fundament wahrnimmt.

Weniger überzeugend wirkt bislang die eigentliche Fortbewegung durch die Level. Kletterwege und Sprungpassagen erschienen in der Präsentation stark geführt. Gerade bei einem Remake des ursprünglichen Tomb Raider wäre etwas mehr Vertrauen in die Spieler wünschenswert gewesen. Schließlich bestand ein wichtiger Teil der alten Spiele darin, einen Raum zunächst zu untersuchen und dann selbst herauszufinden, welche Kante erreichbar war und welcher Sprung tatsächlich funktionieren konnte.

Modernisiert wird auch Laras Progression. Legacy of Atlantis verfügt über einen kleinen Skilltree, über den neue Fähigkeiten freigeschaltet werden. In der Gamescom-Demo wurde beispielsweise die Fähigkeit aktiviert, mit der Lara weiter entfernte Ziele präziser treffen konnte. Die Frage bleibt, ob ein Skilltree in diesem Game wirklich viel Sinn macht, eine andere Idee der Progression wäre an dieser Stelle die elegantere Lösung gewesen.

Deutlich weniger kreativ erscheint das Crafting-System. Die Entwickler begründen es durchaus nachvollziehbar: Moderne Medipacks in jahrhundertealten Ruinen ergeben schließlich wenig Sinn. Lara sammelt deshalb Ressourcen und stellt Heilgegenstände und Buffs selbst her. In der Präsentation führte das allerdings zu einem kuriosen Moment: Der sogenannte Forscher-Eintopf reduziert den Schaden, den Lara durch das Auslösen von Fallen erleidet. Spielerisch mag das funktionieren. Innerhalb einer ansonsten deutlich glaubwürdiger inszenierten Abenteuerwelt wirkt die Vorstellung, dass ein Eintopf Lara gegen herabstürzende Schwerter schützt, allerdings mindestens ebenso konstruiert wie ein herumliegendes Medipack.

Fallende Schwerter in Legacy of Atlantis denen Lara Croft aus dem Weg gehen muss
Quelle: press kit

Scanner – der eingebaute Easy Mode?

Noch deutlicher zeigt sich der moderne Komfortgedanke beim neuen Scanner. Lara kann damit ihre Umgebung untersuchen und relevante Objekte beziehungsweise Hinweise hervorheben. Zusätzlich liefert das System Informationen über bestimmte Gegenstände und kann bei Rätseln Denkanstöße geben.

Das klingt zunächst stark nach dem inzwischen obligatorischen Detektivblick moderner Action-Adventures und wirkte in der Präsentation stellenweise wie ein eingebauter Easy Mode.

Die gute Nachricht: Der Scanner ist optional. Wer Räume selbst untersuchen, interaktive Objekte eigenständig erkennen und Rätsel ohne Hilfestellung lösen möchte, muss ihn nicht verwenden. Auch zusätzliche Hinweise durch Lara sollen optional bleiben.

Damit dürfte viel davon abhängen, wie subtil das eigentliche Leveldesign gestaltet ist. Ein gutes Tomb Raider sollte schließlich nicht darauf angewiesen sein, interessante Elemente eines Raumes farblich hervorzuheben.

Leveldesign in Legacy of Atlantis
Quelle: press kit

Kämpfe – Bullet Time trifft auf Lara-Akrobatik

Sehr viel überzeugender präsentierten sich dagegen die Kämpfe. Die ikonischen Doppelpistolen sind selbstverständlich zurück, doch Lara kombiniert ihre Waffen stärker als früher mit akrobatischen Bewegungen. Besonders interessant ist das neue Focus-System: Dabei lässt sich die Zeit verlangsamen, um Gegner präzise ins Visier zu nehmen und spektakuläre Aktionen auszuführen. Im Grunde bekommt Lara damit eine klassische Bullet-Time-Mechanik. Gerade in Kombination mit ihren Sprüngen und Ausweichbewegungen können die Gefechte dadurch erstaunlich cineastisch wirken.

Während der Griechenland-Präsentation traf Lara unter anderem auf einen Leoparden beziehungsweise Panther sowie einen Fledermausschwarm. Beide Begegnungen machten einen dynamischen Eindruck. Die Tiere bewegten sich glaubwürdig durch die Umgebung und zwangen Lara dazu, ständig ihre Position zu verändern, statt lediglich stehenzubleiben und ihre Pistolen leerzufeuern.

Crystal Dynamics betont zudem, dass Legacy of Atlantis ausdrücklich kein Cover-Shooter werden soll. Akrobatik und Bewegung sollen weiterhin den Kern der Kämpfe bilden.

Rätsel – hier steckt das größte Potenzial

Am spannendsten waren letztlich jedoch die Rätsel. Denn Legacy of Atlantis übernimmt die alten Räume nicht eins zu eins. Besonders deutlich wurde das beim Damokles-Raum von St. Francis‘ Folly. Bekannte Elemente kehren zurück, ihre Funktion innerhalb des Levels wurde jedoch deutlich erweitert.

Fallen sind dabei nicht mehr ausschließlich Hindernisse, die Lara vermeiden muss. Sie können gleichzeitig zu Bestandteilen der Lösung werden. Herabfallende Schwerter verändern beispielsweise den Raum und ermöglichen anschließend neue Wege durch die Umgebung. Damit werden Gefahr, Fortbewegung und Puzzle stärker miteinander verzahnt.

Crystal Dynamics bezeichnet Rätsel selbst als einen der zentralen Bestandteile von Legacy of Atlantis. Alte Puzzle-Ideen werden erweitert, andere vollkommen neu entwickelt. Teilweise sollen Erkundung und Beobachtung notwendig sein, teilweise müssen Mechanismen verstanden, Lichtstrahlen umgeleitet oder Informationen innerhalb der Umgebung gefunden werden.

Und hier zahlt sich auch die neue Grafik aus. Komplexere Architektur, bessere Lichtführung und wesentlich detailliertere Umgebungen eröffnen schlicht mehr Möglichkeiten, Geheimnisse und Hinweise organisch in einem Raum unterzubringen.

Nach der Gamescom-Präsentation macht deshalb insbesondere dieser Teil Lust auf mehr. Die entscheidende Frage ist, ob Crystal Dynamics den Spielern tatsächlich genug Freiraum lässt, diese Räume selbst zu verstehen, oder ob Scanner, Kommentare und geführte Kletterwege am Ende zu viel von genau jenem Entdeckergefühl übernehmen, das Tomb Raider einst so besonders gemacht hat.

Lara Croft in Tomb Raider Legacy of Atlantis
Quelle: press kit

Tomb Raider: Legacy of Atlantis – die wichtigsten Fakten

Titel Tomb Raider: Legacy of Atlantis
Entwickler Crystal Dynamics & Flying Wild Hog
Publisher Amazon Game Studios
Engine Unreal Engine 5
Genre Action-Adventure
Vorlage Tomb Raider (1996)
Release 12. Februar 2027
Plattformen PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2
Spielmodus Singleplayer
Protagonistin Lara Croft
Synchronsprecherin Lara Alix Wilton Regan

 

Tomb Raider: Legacy of Atlantis erscheint am 12. Februar 2027. Crystal Dynamics und Flying Wild Hog sprechen dabei von einer kompletten Neuinterpretation des Originals von 1996. Die ursprünglichen Schauplätze Peru, Griechenland, Ägypten und Atlantis beziehungsweise die geheimnisvolle Mittelmeerinsel bleiben erhalten, werden jedoch spielerisch und räumlich deutlich erweitert.

Andreas Danner
Andreas Danner
Ich liebe Games seit die ersten Pentium Rechner das Licht der Welt erblickten. Ob Soulslikes, narrative RPGs oder Indie-Perlen mit neuen Perspektiven, mich faszinieren spannende Kompositionen aus Design, Gameplay und Story, auch in VR und KI-getriebenen Welten. Games sind für mich nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kunst und Kultur.
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