Der Unmut innerhalb eines Teils der PlayStation-Community erreicht eine neue Stufe. Weltweit haben PS5-Spieler mit einem organisierten „Blackout“ gegen Sony begonnen. Teilnehmer sollen ihre Konsolen mehrere Tage vollständig vom Netz nehmen und damit bewusst eine Kennzahl treffen, die für Sony besonders wichtig ist: die monatlich aktiven PlayStation-Nutzer. Die Aktion soll jeweils um 19 Uhr Ortszeit beginnen und mindestens bis zum 30. August 2026 andauern. Einige Teilnehmer haben ihre Konsolen allerdings bereits früher abgeschaltet. Während des Protestzeitraums soll nicht nur auf das Spielen verzichtet werden. Auch Logins in das PlayStation Network und insbesondere Einkäufe im PlayStation Store sollen vermieden werden.
Protest richtet sich vor allem gegen das Ende physischer Spiele
Hauptauslöser für die Aktion ist Sonys angekündigte Strategie rund um physische Spiele. Das Unternehmen plant, die Produktion entsprechender Disc-Veröffentlichungen ab Januar 2028 einzustellen. Damit würde PlayStation einen großen Schritt in Richtung eines vollständig digitalen Vertriebsmodells machen. Genau dagegen formiert sich seit der Bekanntgabe Widerstand. Vor allem Sammler und Spieler, denen der tatsächliche Besitz ihrer Spiele wichtig ist, sehen eine rein digitale Zukunft kritisch. Hinzu kommen Sorgen um langfristige Verfügbarkeit, Weiterverkaufsmöglichkeiten und die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Plattformen.
Den Organisatoren des Blackouts geht es allerdings nicht ausschließlich um physische Spiele. Sie kritisieren generell, Sony habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend von den Wünschen seiner Kernzielgruppe entfernt. Auch Entscheidungen rund um die PlayStation Studios sorgen derzeit für Diskussionen. Insbesondere Sonys Investitionen in Live-Service-Projekte und Probleme bei verschiedenen Entwicklungen haben die Kritik an der aktuellen Ausrichtung des Unternehmens verstärkt.
Kann der Boykott Sony überhaupt treffen?
Ob die Aktion tatsächlich einen messbaren Effekt haben wird, bleibt abzuwarten. Sony meldete zuletzt rund 125 Millionen monatlich aktive PlayStation-Nutzer, wobei diese Zahl im Jahresvergleich sogar gestiegen ist. Damit der Blackout in den Geschäftszahlen deutlich sichtbar wird, müsste sich also eine enorme Zahl an Spielern beteiligen. Sony selbst zeigte sich angesichts der bisherigen Kritik bislang gelassen. Finanzchefin Lin Tao erklärte gegenüber Investoren bereits, dass das Unternehmen derzeit keine Auswirkungen auf das Geschäft durch Boykottaufrufe oder mögliche Kündigungen von PlayStation-Plus-Abonnements feststellen könne.
Genau hier möchten die Organisatoren offenbar ansetzen. Statt die Kritik lediglich über soziale Netzwerke zu äußern, sollen möglichst viele Spieler gleichzeitig aus Sonys Statistiken verschwinden. Neben ausgeschalteten Konsolen dürften ausbleibende Käufe im PlayStation Store für das Unternehmen theoretisch noch deutlicher messbar sein. Ob aus der lautstarken Online-Kritik tatsächlich eine ausreichend große Protestbewegung wird, dürfte sich spätestens nach dem 30. August zeigen. Für Sony könnte die Aktion zumindest ein weiterer Hinweis darauf sein, dass der geplante Abschied von physischen Spielen bei einem Teil der PlayStation-Community weiterhin auf erheblichen Widerstand stößt.
