Ein kleines deutsches Entwicklerstudio sorgt derzeit für Aufsehen in der Indie-Gaming-Szene: Mit „Rollin‘ Gun“ (auch als „Rolling Gun“ gelistet) bringt Spaghetti-Code Softworks ein Top-Down-Shooter-Roguelike auf den Markt, das seine Hauptfigur bewusst an einen Rollstuhl bindet und daraus ein völlig eigenständiges Gameplay-Konzept entwickelt.
Was ist Rollin‘ Gun?
Rollin‘ Gun ist ein schneller Roguelike-Top-Down-Shooter, in dem Spielerinnen und Spieler einen „badass in a wheelchair“ in einer postapokalyptischen Kampfarena steuern. Statt klassischer Bewegungssteuerung setzt das Spiel auf ein Mechanik-System, bei dem jedes Rad des Rollstuhls unabhängig gesteuert wird, wodurch reale Rollstuhlbewegung simuliert wird. Rückstoß und andere physikbasierte Effekte beeinflussen die Bewegung der Spielfigur zusätzlich, was Kampf und Fortbewegung zu einer ständigen Balanceübung macht.
Jeder Run wirft die Spielenden in eine Arena voller tödlicher Robotergegner, dazu kommen Umwelteffekte wie Feuertornados und Blitzstürme sowie eine unruhige Zuschauermenge, die den Druck erhöht. Wer überlebt, verdient sich Ingame-Währung, mit der sich im Shop neue Waffen und taktische Optionen freischalten und aufwerten lassen; zusätzlich gibt es kosmetische Skins.
Das Team hinter dem Projekt
Hinter Rollin‘ Gun steht Spaghetti-Code Softworks, ein junges Studio aus Leipzig. Die Gruppe besteht aus sechs frisch graduierten Bachelor-Absolventen, die ihr ursprüngliches Abschlussprojekt zu einem vollwertigen Spiel weiterentwickelt haben. Drei der sechs Mitglieder gründeten das Studio offiziell im März 2025, während die anderen drei die Entwicklung weiterhin unterstützen. Das Spiel wird mit der Unity-Engine entwickelt.
Entwicklung und Community-Feedback
Rollin‘ Gun befindet sich aktuell noch in der aktiven Entwicklung und wurde bereits auf mehreren deutschen Gaming-Events vorgestellt, unter anderem auf der Caggtus-Messe in Leipzig. Ein größeres Update namens „Caggtus“ brachte im April 2025 zahlreiche Verbesserungen: Die Steuerung des Rollstuhls wurde intuitiver gestaltet, neue Kameramodi wurden hinzugefügt, separate Zielkegel für jeden Waffentyp eingeführt und ein neues „Fokus“-Feature ergänzt, mit dem sich die Zeit verlangsamen lässt.
Release und Verfügbarkeit
Laut Aussagen des Studios plant Spaghetti-Code Softworks, ihr erstes Spiel „Rollin‘ Gun“ im Jahr 2026 zu veröffentlichen. Auf Steam ist das Spiel bereits als „Rolling Gun“ mit einer eigenen Store-Seite gelistet, allerdings mit dem Vermerk Coming soon ein konkretes Release-Datum steht noch aus. Interessierte können den aktuellen Entwicklungsstand schon jetzt über die itch.io-Seite des Studios ausprobieren, wo regelmäßig Devlogs mit Fortschrittsberichten veröffentlicht werden.
Warum das Konzept besonders ist
Das Alleinstellungsmerkmal von Rollin‘ Gun liegt klar in der ungewöhnlichen Steuerung: Statt einer glatten, allgemeingültigen Bewegungssteuerung, wie sie in den meisten Top-Down-Shootern üblich ist, zwingt das Spiel die Spielenden dazu, die Mechanik eines echten Rollstuhls zu erlernen und zu meistern. Diese „intentionally-awkward-controls“ – wie das Spiel selbst getaggt ist – schaffen laut den Entwicklern einen einzigartigen Bewegungsfluss, der Kampf und Fortbewegung eng miteinander verzahnt. Für Fans anspruchsvoller Roguelikes, die nach frischen Steuerungskonzepten suchen, dürfte dieser reduzierte, aber konsequent umgesetzte Ansatz ein interessanter Diskussionspunkt sein nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Repräsentation einer Figur im Rollstuhl als Action-Held.
Von der Studienübung zum eigenen Spiel
Die Idee zu Rollin‘ Gun entstand ursprünglich als Teil einer Übung im Studium zur Ideenfindung, bei der sich das Team fragte, wie man Bewegung in Videospielen grundlegend neu denken könnte. Aus diesem Gedankenexperiment entwickelte sich schnell die Vision „Hotline Miami im Rollstuhl“ eine Kombination aus brutaler Top-Down-Action und einer ungewöhnlichen Fortbewegungsmechanik. Diese Grundidee wurde über mehrere Entwicklungsstufen hinweg verfeinert, wurde zunächst zum Abschlussprojekt des Teams und schließlich zum eigenständigen, kommerziellen Spiel Rollin‘ Gun, das nun unter dem Studio Spaghetti-Code Softworks weiterentwickelt wird.
Warum ausgerechnet ein Rollstuhl als Spielfigur?
Für das Entwicklerteam lag die Entscheidung für eine Spielfigur im Rollstuhl auf der Hand: Rollstuhlfahrer gibt es überall im echten Leben, in Videospielen sind sie jedoch nach wie vor eine Seltenheit. Das Team wollte den Rollstuhl nicht nur als optisches Detail, sondern als spielmechanischen Kern des gesamten Spiels etablieren. Dieser Ansatz erlaubt es einerseits, eine interessante und ungewöhnliche Steuerungsherausforderung zu schaffen, andererseits rückt er ein im Gaming unterrepräsentiertes Thema bewusst ins Rampenlicht.
Die größten Herausforderungen in der Entwicklung
Neben spielexternen Hürden wie der Bürokratie rund um die eigene Unternehmensgründung lag die zentrale Design-Herausforderung im richtigen Balancing der Steuerung. Das Team musste einen Sweetspot finden, an dem die Rollstuhl-Steuerung weder zu überwältigend und kompliziert wirkt – was neue Spielerinnen und Spieler sofort abschrecken und zum Abbruch führen würde – noch zu simpel gerät, da dadurch der eigentliche Kern der Spielidee verwässert würde.Wie die Entwickler im Interview betonen, gäbe es zwar die Möglichkeit, das Spiel massentauglicher zu gestalten, indem man die Auswirkungen des Rollstuhls auf das Gameplay reduziert. Genau das würde jedoch dem Grundgedanken des Projekts widersprechen: Wenn sich der Rollstuhl nicht spürbar auf die Spielmechanik auswirkt, könnte man ihn dem Team zufolge auch komplett weglassen die Konsequenz und Authentizität der Steuerungsmechanik ist also untrennbar mit der Kernidee von Rollin Gun verbunden.
