EA FC 24: Die Fußball-Simulation im Langzeit-Test

    Wer sonst? Erling Haaland ist neuer Cover-Star von EA FC 24.

    „Raider heißt jetzt Twix – sonst ändert sich nix!“ An diesen Slogan erinnern sich nur die älteren unter uns. Doch auch wer 1991 bisher nicht geboren wurde, wird beim Einlegen von EAs neuester Fußballsimulation an den legendären Werbespruch denken müssen. Was letztes Jahr noch in altbekannter Tradition FIFA 23 hieß, wurde nun in EA FC 24 umgetauft. Knapp zwei Wochen nach offiziellem Release wird es Zeit für ein erstes Fazit.

    Kein FIFA ohne FIFA: Bemerkt man den Lizenzverlust im Spiel?

    Es wird noch eine Weile dauern, bis sich der neue Name der „FIFA-Reihe“ in der breiten Bevölkerung durchsetzen wird. So viel steht fest. Zu griffig war der Name, zu viele Erinnerungen sind mit dem Fußball-Game-Marktführer verbunden. Dass EA die Namensrechte an Gianni Infantinos Fußball-Imperium verlieren würde, war bereits seit Längerem bekannt. Fans fürchteten, dass es EA ähnlich gehen würde, wie dem ehemals großen Konkurrenten Konami und dessen PES-Reihe.

    Will heißen: keine Lizenzen, kaum echten Clubs, wenige echten Stadien, kein echtes Fußballerlebnis. EA selbst gab schnell Entwarnung und kündigte EA FC 24 an. Klar, Produkte und Namen der FIFA sind aus dem Spiel gefallen, da jedoch die meisten Verbände, Ligen und Vereine sich heute selbst vermarkten, hat sich an der Breite der im Spiel verfügbaren Spieler und Mannschaften kaum etwas verändert. Im Gegenteil! Durch einen verstärkten Fokus auf Frauenfußball sind sogar einige neue Mannschaften hinzugekommen. Doch Namen sind Schall und Rauch. Wie steht es um das eigentliche Spiel?

    EA FC 24 im Test: Neuer Name, neue Optik, neues Game?

    EA FC 24 tut auch in seiner Präsentation einiges dafür, sich von seinen Vorgängern abzugrenzen. Das Hauptmenü ist erwachsener geworden und wirkt beinahe trist im Vergleich mit FIFA 23. Auch sind alle bekannten und beliebten Spielmodi des Vorgängers zurückgekehrt. Lediglich einige Namen haben sich geändert. So wurde aus FUT verständlicherweise UT, während Pro Clubs nun nur noch Clubs heißt. Volta Football, Seasons und der Karrieremodus sind ebenfalls wieder an Bord. Die Grafik hat sich im Vergleich zum Vorgänger noch mal ein Stück verbessert und die Spieler der „großen“ Ligen aus z. B. England, denen EA einen Face-Scan gönnt, laufen beinahe fotorealistisch über den Platz. Leider haben die Modelle der Spieler weniger beliebter Ligen auch 2023 meist nur entfernt etwas mit ihren realen Vorbildern zu tun.

    Auch die Präsentation der Stadien, des Publikums und der generellen Atmosphäre ist sicherlich besser als noch vor einigen Jahren, bietet aber ebenfalls seit einigen Teilen nicht ganz seltene Bugs, die zwar ganz unterhaltsam sein können, jedoch trotzdem ärgerlich sind, da es einige Fehler bereits zum zweiten oder dritten Mal in ein neues Spiel geschafft haben.

    Der Soundtrack bietet wie gewohnt eine Mischung aus bekannten und weniger bekannten Musikern aus Pop, Hip-Hop und Indie. (Auf die Rückkehr von Rock-Songs wartet man seit FIFA 06 leider weiterhin vergeblich.)

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    Wie ist das Gameplay von EA FC 24?

    EA feilt weiter an seiner HyperMotion-Technologie. Noch realistischer sollen sich die virtuellen Spieler über den Platz bewegen, noch befriedigender soll jeder Torabschluss sein. Dafür wurden natürlich wieder hunderte Stunden an Video-Material analysiert und Daten verarbeitet. Aller Skepsis zum Trotz: Hier kann man dieses Jahr eigentlich kaum meckern. Das Spiel ist gerade im Vergleich zu älteren Teilen der Reihe etwas langsamer geworden und präzises Passspiel scheint in den Mittelpunkt gerückt zu sein. Positiv ist bisher auch, dass sich bisher keine Abschlussvariante als „overpowered“ oder gar notwendig entpuppt hat. So war es kurz nach Release von FIFA 23 zwar unterhaltsam, dass die damals neu eingeführten Außenrist-Schüsse von beinahe überall auf dem Platz ihren Weg ins Tor fanden, realistisch war dies aber nicht.

    In EA FC 24 scheinen dagegen die meisten Angriffsmöglichkeiten auch im Tor enden zu können. Fans der Reihe wissen jedoch natürlich, dass EA das Spielerlebnis über das Jahr hinweg meist mehrere Male anpasst und die Gameplay-Experience zum Launch meist wenig mit der nach fünf bis sechs Monaten zu tun hat. Es kann also sein, dass die Effektivität einiger Aktionen noch verbessert oder verschlechtert wird.

    Sind Playstyles die neue EA FC-Meta?

    An dieser Stelle muss EAs Überarbeitung bzw. Einführung sogenannter Playstyles erwähnt werden. Während früher Starspieler besondere Attribute zugeordnet bekamen und so z. B. besser angeschnittene Schüsse ausführen konnten, hat EA dieses Feature in nun 34 Spielstile umgewandelt. Dieses reichen vom Torwartspiel bis zum Angriff, von der Physik der Spieler bis zur Technik am Ball. Bei realen Spielern wie Haaland, Mbappé und Konsorten sind diese natürlich handverlesen und geben gerade in den Online-Spielmodi einen nicht zu verachtenden Vorteil. Besonders, da Spieler die in Richtung Weltklasse gehen sogenannte Play Styles Plus – quasi eine Form der klassischen Spielstile auf Steroiden – zugeschrieben bekommen. Diese können in einigen Fällen Spieler mit niedrigerem Gesamt-Werten zu brauchbaren Alternativen machen und erweitern das Feld den einsetzbaren Spielern.

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    Die Spielmodi: Ultimate Team thront weiter über allem

    Es ist kein Geheimnis, dass der Fokus der Entwickler seit Einführung auf dem hauseigenen Sammelkarten-Modus liegt. Fans von Ultimate Team (UT) erwartet wie jedes Jahr die beste Behandlung von EA, während Fans anderer Spielmodi meist nur kleine Änderungen zum Vorgänger bekommen. Das ist insofern verständlich, da EA mit dem Verkauf von virtueller Währung, mit der man neue Päckchen im UT-Shop kaufen kann, eine geradezu unerschöpfliche Goldgrube geschaffen hat. Auch wenn der Einstieg im ersten Moment sehr negativ klingt: Ultimate Team ist ein toller Spielmodus und das Sammel-System hat über die Jahre nichts von seinem Sucht-Potential eingebüßt. Das zeigen auch die Rekordabsätze bei der Vorbesteller-Edition von EA FC 24, die eine ganze Reihe von Boni für UT beinhalteten.

    Als Fan der ersten Stunde darf man erfreut feststellen, dass der Modus auch nicht mehr so unfassbar stark vom „Pay-to-Win“-Gedanken lebt wie noch vor einigen Jahren. Gerade durch die nochmals erhöhte Anzahl sogenannter „Squad-Building-Challenges“, bei denen Ihr Teams mit bestimmten Bedingungen gegen Packs oder Spieler eintauschen könnt, kommt man schneller an gute Spieler. Auch durch die bessere Ausschüttung von Belohnungen in so gut wie allen Spielmodi in UT schafft man es auch durch reines Spielen eine brauchbare Mannschaft zusammenzustellen – natürlich abhängig von der Zeit, die man zu investieren gewillt ist.

    Evolutions: Aus Bronze wird Gold

    Dass viele gerade jüngere Fans jedoch weiter ihr hart verdientes Taschengeld in virtuelle Sammelkarten stecken werden, die spätestens im Oktober 2024 ihren kompletten Wert verlieren, sollte jedoch weiterhin als kritisch betrachtet werden. Daran ändert auch die Variation des Standard „Gold-Pack“ im Online-Shop nichts, dessen Inhalt man sich anschauen darf, bevor man es wirklich kauft. Eine positive Neuerung dagegen sind die sogenannten Player-Evolutions. Hierbei wählt ihr einen bestimmten Spieler und müsst ihm bestimmte Aufgaben in euren UT-Matches bewältigen. Schafft ihr alle Aufgaben erhält der Spieler dauerhafte Boosts. Jedoch ist auch hier die allgegenwärtige Monetarisierung nicht weit. Einige Evolutions könnt ihr EA-typisch auch gegen Echtgeld erwerben.

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    Der Karrieremodus: Gut gemeint, mittelgut gemacht

    Egal, ob als Top-Talent oder als Trainerfuchs: Der Spielmodus mit der zweitgrößten Community dürfte der Karrieremodus sein. Hier hat EA tatsächlich einige Änderungen versprochen, die jedoch nicht nur positive Reaktionen hervorgebracht haben. In der Spielerkarriere hat EA etwas an der Präsentation gefeilt und in erster Linie überarbeitet, was vom Spieler erwartet wird. Prinzipiell eine gute Idee, um die Motivation der Spieler hochzuhalten, jedoch melden viele Fans des Modus, dass sie immer wieder mit sehr schweren oder beinahe unmöglichen Anforderungen konfrontiert und bei nicht Erreichen dieser aus dem Verein geschmissen werden. So erwartet euer virtueller Arbeitgeber zum Beispiel fünf direkte Freistoßtore von euch, macht euch aber nicht zum Standardschützen eurer Mannschaft. Andere Spieler bekommen die Aufgabe zehn Kopfballtore zu erzielen… als 1,65 m großer Linksaußen!

    Von der vierten Liga in die Champions League

    Ähnliches ist leider auch im Manager-Modus zu beobachten, auch wenn man hier seltener sofort seinen virtuellen Job verliert, wenn man nicht die vom Verein geforderten US-amerikanischen Spieler über 30 verpflichtet. Wie so oft bei EA gilt: Die grundlegende Idee ist gut, für eine durchdachte Ausführung hätte es aber mehr Entwicklungszeit benötigt. Selbiges gilt auch für die Überarbeitung des bereits bekannten Taktik-System liegen. Während man bereits in früheren Teilen detaillierte Voreinstellungen am Verhalten einzelner Spieler oder der ganzen Mannschaft in Offensive und Defensive vornehmen konnte, erweitert EA die Funktion um einige festgelegte Spielstile.

    Vollmundig wird euch versprochen, dass ihr eurem Verein eine eigene Philosophie aufdrücken könnt. Dafür müsst ihr passende Trainer verpflichten, die sich je nach Qualifikation auf die Entwicklung eurer Spieler auswirken. So weit so gut, wäre da nicht ein Bug, der das Spiel jedes Mal komplett zum Absturz bringt, wenn ihr zu einem späteren Zeitpunkt versucht, einen Trainer wieder zu entlassen (Stand Oktober 2023).

    Weltklasse, Legende oder Ultimativ?

    Ansonsten ist vieles wie gehabt: Wer darüber hinwegsehen kann, dass die KI-gesteuerten Vereine weiterhin kein Interesse an realistischen Transfers haben, wird mit dem Manager-Modus eine Menge Spaß haben. Langjährige Fans der Reihe werden dagegen darauf verweisen, dass viele Feature, wie z. B. das Verpflichten von Trainern bereits vor Jahren im Spiel waren, jedoch zwischenzeitlich entfernt wurden und jetzt als Innovation verkauft werden. Positive Ausnahme ist das Feature sich einen komplett neuen Verein zu erstellen und diesen in eine beliebige Liga zu setzen zu können, das in EA FC 24 sein Comeback feiert.

    Auch der Schwierigkeitsgrad der KI sorgt vielerorts für Kopfschmerzen. Einige Gamer bemängeln die unlogische Abstufung zwischen „Weltklasse“, „Legendär“ und „Ultimativ“. Auf den zwei höchsten Schwierigkeitsstufen werden selbst Drittliga-Kicker zu Zidane und Haaland, während man auf Weltklasse selbst Manchester City meist problemlos mit 5–0 aus dem Stadion schießt. Einzige Abhilfe schaffen hier die im Menu versteckten Slider, mit denen das Verhalten der KI angepasst werden kann. Tatsächlich gibt es mittlerweile ganze Foren, die hier Empfehlungen liefern.

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    EA FC 24: Volta, Clubs und Co.

    Wer lieber mit seinen Freunden als gegen sie spielt, probiert sich gerne mal an Clubs. Hier erstellt ihr ähnlich wie im Karrieremodus einen eigenen Spieler und verbessert dies Stück für Stück. Prinzipiell reichen zwei Freunde, um in eine Clubs-Partie zu starten, es empfiehlt sich jedoch mindestens zu viert zu sein. EA hat hier tatsächlich mal ein wenig Hand angelegt und das klassische Ligen-System überarbeitet. Somit ist zumindest die Langzeitmotivation gesichert. Was den Modus so besonders macht, ist sicherlich der Spaß daran, zusammen mit ein paar guten Freunden zu spielen. Es ist aber auch ein offenes Geheimnis, dass man über die Unsinnigkeiten, die nun mal in jedem Fußball-Game von Electronic Arts enthalten sind, besser lachen kann, wenn man sie mit anderen teilt. Der eigene Torwart springt gegen den Pfosten, statt den haltbaren Ball einfach aufzunehmen?

    In Ultimate Team würden einige jetzt vielleicht den Controller werfen, in Clubs kann man über sowas gemeinsam lachen. Auch die Tatsache, dass Crossplay seinen Weg in den Spielmodus geschafft hat, wollen wir nicht unerwähnt lassen. Ein kleines Icon neben dem Spielernamen verrät zukünftig auf was der Gegenspieler zockt.

    Volta ist leider kein FIFA Street

    Volta war das Versprechen von EA, den Flair vergangener FIFA Street Spiele wieder auf erleben zu lassen. Diese Rechnung geht leider nicht ganz auf, jedoch ist Volta weiter einen Blick wert. Hier könnt ihr neben klassischen Kleinfeld-Versionen des normalen Spiels auch in diversen Minispielen gegen eure Freunde oder Spieler aus der ganzen Welt antreten. Egal, ob Fußballgolf oder Slalomdribbling: Der Grundgedanke eines Mario Party mit dem Ball ist genial. Leider scheitert der Modus am Spielgefühl und Gameplay von EA. Auch wenn für alle Modi an den Stellschrauben gedreht wird, das grundlegende Gameplay ist ganz eindeutig auf Ultimate Team ausgerichtet und das lässt sich nur bedingt auf Karrieremodus, Clubs oder Volta übertragen. Als nette Abwechslung zum oft anstrengenden UT taugt der Modus jedoch absolut – auch weil man hier nur neue Frisuren für seinen Clubs-Spieler freischalten kann.

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    EA FC: Das Fazit zum Spiel

    Der Fußball selbst wird immer kommerzieller und so bleibt sich auch EA trotz Namensänderung mehr als treu. Wer auf der Konsole Fußball spielen will, hat eigentlich keine brauchbare Alternative zum Klassiker. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass EA FC 24 viel von seinem Potential auf der Strecke lässt. Ob es sich trotzdem lohnt die Vollpreisversion eines Spiels zu kaufen, dass in 11 Monaten wieder ersetzt werden wird, muss jeder selbst wissen. Bei aller berechtigten Kritik stecken in EA FC 24 und seinen diversen Modi jedoch sicherlich mehrere hundert Stunden potenziellen Spielspaß, was die Rechnung schon wieder ausgeglichener gestaltet.  Wer mit den aktuellen Weltstars spielen will, hat leider gar keine andere Wahl.

    Eines steht fest: Ähnlich wie im echten Fußball, würde es EA sehr gut tun, wenn sie einen ernst zu nehmenden Konkurrenten hätten, der die Entwickler mal wieder zu neuer Höchstleistung treibt. Bis dahin wird EA nicht viel an seiner Formel verändern. Diese hat zwar seine Macken, weiß eben aber eben auch zu gefallen.

    Lucas
    Mit dem Gamecube fing alles an. Dann kam die Xbox 360, die Playstation 4 , die Nintendo Switch und schlussendlich die PS 5. Große Liebe für Kino, Fotografie, Single-Player Games und Indie-Titel. Guilty Pleasure: FIFA 23.