Golf With Your Friends – Test

    Aktuell ist es schwierig bis unmöglich, eine Runde Minigolf mit seinen Freunden draußen zu spielen. Dem Wetter und der Corona-Pandemie zum Trotz bleibt uns aber zum Glück noch die virtuelle Variante. Golf With Your Friends von Team 17 wäre ein solcher Kandidat und genau dieses Spiel haben wir uns einmal näher angeschaut. Hier unser Test:

    Für diesen Test spielten wir Golf With Your Friends auf Nintendo Switch

     

    Abschlag!

    Mit Blick auf das Team hinter Golf With Your Friends kann man nur Gutes in puncto Multiplayer erahnen. Team 17 ist bekannt für langanhaltenden und fortdauernden Spielspaß bei Games mit dem Fokus auf dem Mehrspieler-Modus. Schon die beiden Zugpferde Overcooked und Worms sind dafür eindeutige Beweise. Im Gegensatz zu diesen beiden Titeln scheint ein klassisches Minigolf ein recht konservativer Titel zu werden. Das täuscht, wie man schnell feststellen wird.

    → Bei uns im Test: Worms Rumble

    Muss man Golf erklären? Wie auch immer, es geht in erster Linie natürlich darum, mit möglichst wenigen Schlägen den kleinen Ball mittels Schläger ins Loch am Ende des Parcours zu befördern. So weit, so gut, doch hier spielt es sich ein klein wenig anders.

    So spielt man nicht einfach seine Bahnen auf sattem Grün herunter, sondern man packt das komplette Spiel in Themen. Ganze 11 Themenwelten stehen dafür parat und jede dieser Welt hat 18 Bahnen. Stilecht ändern sich nicht nur die Namen wie z.B. Vulkan oder Zuckerland, sondern das Setting passt sich dem Ganzen dann an. In der Welt Grusel beispielsweise golfen wir uns durch eine spooky Villa.

     

    Flinker Einstieg

    So leicht das Spielprinzip an sich ist, so leicht ist dann auch die Steuerung, bei der wir uns nicht wirklich viele Buttons einprägen müssen. Mit den Analogsticks bewegen wir die Kamera bzw. stellen die Schlagrichtung und -stärke ein. Per Schultertaste kann man dann die Richtung fein definieren, was besonders bei kniffligen und präzisen Schlägen von Nöten ist. Mit A wird geschlagen und auf Wunsch kann man den obligatorischen Effet zufügen. Zum Start einer jeden Bahn empfiehlt sich ein Überblick zu bekommen, wohin der Golfball befördert werden muss. Die freie Kamera ist hier einigermaßen garstig, denn man bekommt nur 15 Sekunden Freiflug pro Runde zur Verfügung. Die begrenzte Zeit sorgte gerade in den späteren, verzwickten Kursen für viel Verwirrung. Man kann sich binnen 15 Sekunden einfach nicht die komplette Bahn mit all ihren Hindernissen einprägen. Das Gemüt hierbei wankt zwischen chaotischen Spielzügen (was im Multiplayer immer auch für Lacher sorgt) und Frust.

    Nachdem man zum Einstieg ein paar simple und unaufgeregte Bahnen gespielt hat, geht es auch schon alsbald mit den ersten Hindernissen los. Neben Steigungen, Senken und Schrägen folgen Windmühlen und Röhren. Die Hindernisse gipfeln dann in Portalen, Beschleunigungsstreifen (Mario Kart lässt schön grüßen), Magnetfeldern und so einigen sonderbaren Obstacles mehr. Den beliebten Würmern wurde darüber hinaus eine ganz eigene Welt spendiert, auf deren Bahnen uns dann die typischen Worms-Waffen und Eigenheiten begegnen. Wir verraten an dieser Stelle nicht mehr als notwendig, aber freut euch unbedingt auf die ikonische Heilige Handgranate und noch vieles mehr!

     

     

    Viel Abwechslung auf und neben dem Grün

    Neben der riesigen Anzahl an Bahnen gibt es zusätzlich noch 5 unterschiedliche Spielmodi. Für Anfänger und Einsteiger bietet sich der Erkundungs-Modus an. Hier darf man frei nach Lust und Laune den Ball über das Grün schlagen, ohne dabei auf die Anzahl der Schläge oder sonstige Zeitlimits achten zu müssen. Der klassische Modus bietet genau das, was man dem Namen nach erwarten darf. Alleine oder eben mit Mitspielern stellt man seine Bahnen zusammen und spielt diese dann runter. Am Ende gewinnt der/die Spieler:in mit den wenigstens Schlagversuchen.

    Etwas absurder wird es im Eishockey-Modus. Der Ball wird durch einen Puck ersetzt und das Loch durch Tore. Dazu gesellt sich der Dunking-Modus, der natürlich dem Basketball entnommen wurde. Ziel hierbei ist es, den Golfball mit Sprungschlägen am Ende durch einen Korb zu befördern. Das Highlight bietet zu guter Letzt der Party-Modus. Auch hier grieft die oben genannte lose Verbindung zu Mario Kart, denn quer über die Bahnen sind Fragezeichen-Boxen verteilt. Trifft man diese, erhält man ein zufälliges Item, mit dem man das Leben seiner Mitspieler erschweren kann. Die Honigfalle bringt klebrige Pfützen aufs Grün, während der Frost den Ball sogar komplett gefrieren lässt. Oder aber ihr verwandelt den Ball der Mitspieler:innen gleich in Quadrate oder Kegel, was deren Rolleigenschaften natürlich völlig irrwitzig verändert.

     

    Nicht ganz rund

    So gut und spaßig das alles klingt, so müssen wir auch auf die Schattenseiten von Golf With Your Friends eingehen. Schade finden wir, dass man bei der Wahl des lokalen Spiels immer nur vollständige Welten auswählen kann und keine Einzelbahnen. Man ist also immer dazu aufgefordert, alle 18 Löcher am Stück zu spielen. Das zieht das Spiel unnötig in die Länge und macht das Spiel nicht gerade zu einem Vertreter, wenn man man ein wenig Zeit überbrücken möchte. Mit 4 Spielern sitzt man so rund 2h an einer Session und das ist eindeutig zu lange. Etwas abgemildert wird dies mit Online-Mitspielern, da hier immerhin die Spieler nicht nacheinander, sondern zeitgleich ihre Schläge durchführen dürfen.

    Außerdem ist Golf With Your Friends grafisch und technisch eher auf unterem Niveau anzusiedeln. Bugs, Clippingfehler oder Ähnliches haben wir zwar nicht entdeckt und auch Abstürze sind kein Thema. Aber gerade bei der Optik muss man klar festhalten, dass dieses Spiel Smartphone-Niveau hat. Neben einigen Übersetzungsfehlern in die deutsche Sprache nervt die Musik nach geringer Spielzeit bereits komplett. Die Melodien sind viel zu kurz und wiederholen sich extrem schnell, was gerade bei oben erwähnter Spieldauer schon deutlich das Nervenkostüm strapazieren kann.

    Fazit

    Golf With Your Friends von Team 17 bedarf kaum Erklärungen für die Spieler. Hier ist der Ball, da das los und jetzt schlag. Das Spielprinzip ist sehr auf die Basics reduziert und somit ist das Spiel für jede Art Gamer und auch jeden Alters gleichermaßen zugänglich. Seine Höhepunkte hat der Golfspaß im Party-Modus, wo teilweise (im positiven Sinne) sehr abenteuerliche Ideen der Entwickler zum Tragen kommen. Bei der Kreativität der Kurse hat man den Machern keine Grenzen gesetzt und das war eine kluge Entscheidung.

    Allerdings wird der Spaßfaktor dann doch durch fehlende Einstellungsmöglichkeiten getrübt, so dass kurze Spielrunden im Grunde kaum möglich sind. Ein paar mehr Pixel, schärfere Texturen und abwechslungsreichere Musiken hätten Golf With Your Friends ebenfalls gut gestanden.

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur