Angespielt: Deliverance

Deliverance Beitragsbild

Christliche Spiele haben es nicht leicht – meistens, weil sie vor allem als Werbung für das Christentum entwickelt werden. Andrew Lowen, seines Zeichens selber Christ und Spieleentwickler, hat dieses Problem erkannt und seine eigene Lösung dafür entwickelt – Deliverance. Ein Spiel, das primär erst mal Spaß machen soll, und sich als Thema der abrahamschen Mythologie bedient. Wir durften einen Prototypen per Tabletop Simulator anspielen und müssen sagen: Andrew hat sein Ziel voll und ganz erreicht.

Der Zorn Gottes

Deliverance ist ein kooperatives Spiel, das sich auf die Schnelle als „deterministischer Dungeon Crawler“ bezeichnen lässt. Wir spielen Engel, welche die Welt der Sterblichen – und besonders die Heiligen – vor Dämonen und ähnlichen spirituellen Gefahren beschützen. Dazu verwenden wir ganz unterschiedliche Taktiken: Uriel, die Flamme Gottes, setzt das Dämonengezücht schon durch seine bloße Anwesenheit in Flammen, während Azrael, der Engel des Todes, Pest und Flüche säht. Nach momentanem Stand stehen 8 Engel mit verschiedenen Talenten und Fähigkeiten zur Auswahl.

Einer mächtigen Gruppe Engeln muss natürlich ein entsprechend mächtiger Gegner gegenüberstehen. In Deliverance sind das die Gefallenen und Anführer der Dämonen. Betreten sie das Schlachtfeld, haben die Engel nichts mehr zu lachen: Vom falschen Gott Baal über den Horden beschwörenden, fragmentierten Dämon Legion bis hin zu Antiochos, der Dunkelheit säht und gerne selber in den Kampf eingreift, ist einiges an Widerstand vertreten. Während ein „normaler“ Dämon eine Herausforderung darstellt, muss hier das ganze Team zusammenarbeiten, um gegen die Höllenprinzen zu bestehen. Bisher wissen wir von 5 Gefallenen.

Das Werk Gottes

Von den zwei Spielmodi, die Deliverance bietet, konnten wir Skirmish anspielen. Das Endprodukt wird ausserdem noch eine Kampagne bieten. Bis zu 4 Spieler können den Heerscharen der Hölle zusammen gegenüber treten. Das Gameplay bietet ein klar definiertes Erlebnis: Jede Entscheidung ist wichtig und muss wohlüberlegt sein. Da bis auf die Gebete alle Aktionen der Engel ein vorher bekanntes Ergebnis haben, ist jede Runde ein kleines Optimierungspuzzle, während das Verhalten der Dämonen von den Würfeln abhängt und eher chaotisch wirkt. Generell passt das Spielgefühl erstaunlich gut zur Thematik: Wenn man in einer aussichtslosen Situation seine letzte Aktion für ein Stoßgebet verwendet und dafür eine Karte zieht, die gerade genug ist, um bis zur nächsten Runde zu überleben, entfährt auch einem Atheisten schon mal ein „Gott sei Dank“.

Das Antlitz des Leibhaftigen

Der Prototyp von Deliverance verwendet Designelemente, die noch nicht ganz fertiggestellt sind. Diese Tatsache lässt sich leicht übersehen, wenn man bedenkt, welche Qualität Andrew uns schon jetzt präsentiert. Einzig die Gebetskarten sehen auf der Vorderseite noch etwas karg aus:

Während die Engel selber klassisch humanoid gehalten sind – Räder voll Augen oder vierköpfige Monster sucht man hier vergeblich – sind die Dämonen wundervoll absurd und bedienen das volle Alptraumklischee. Geisterhafte Gestalten, Skelette, fiese Kobolde und gigantische Abscheulichkeiten sind nur ein Teil der höllischen Gegenspieler, die wir im Namen des Herrn niederstrecken werden. Die Marker sind auf den ersten Blick erkennbar und passen hervorragend ins Spiel. Auch unser Kampfgebiet ist thematisch gut gewählt: Eine verschwommene geisterhafte Abbildung der physischen Welt, während in der spirituellen Ebene Krieg herrscht. Game2gether darf übrigens als erstes Onlinemagazin verkünden, dass die Engel im Endprodukt als Miniaturen angeboten werden. Hier der erste Blick auf den Erzengel Michael:

Gottes Wege

Deliverance wird voraussichtlich in etwa einem halben Jahr auf Kickstarter erscheinen. Game2gether wird natürlich rechtzeitig darüber berichten. Wie die Kampagne verlaufen wird oder ob es Erweiterungen oder Boni geben wird, möchte Andrew noch nicht verraten, aber wir sind jetzt schon gespannt. Mehr Hintergrundwissen und aktuelle Neuigkeiten zu Deliverance gibt es auf der Homepage und in der Facebook-Gruppe.

Patrick Gerk
Ich habe Ende der 80er mit meinem Amiga angefangen und seitdem haben Videospiele einen permanenten Platz in meinem Herzen. Ich mag alles, was Leute zum spielen zusammenbringt, sei es analog oder digital. Seit Ende 2018 schreibe ich für Game2gether.de und konzentriere mich auf Retro- und Koopspiele.