Tamarin – Test

    Tamarin verspricht, den Charme knuffiger 90er Platformer mit actionreichen Kämpfen zu verbinden. Ob der Genre-Mix gelungen ist, das könnt ihr hier bei uns im Test erfahren.

    Tamarin ist für PC und Playstation 4 erschienen. Für unseren Test spielten wir auf PS4.

     

    Ganz dem Spielnamen entsprechend schlüpfen wir in die Rolle eines Tamarin. Diese affenähnlichen Wesen frönen ihrem gemächlichen Leben, bis eines Tages ihre Welt angegriffen wird. Bösartige Insekten überfallen die friedliche Gegend und es droht die totale Zerstörung. Im Intro wird schon schnell klar, dass es hier in Tamarin nicht zimperlich zugeht, denn die Invasoren machen mit der einheimischen Tierwelt kurzen Prozess. Unser kleiner Tamarin lässt das nicht auf sich sitzen: Mit allem Mut stellt er sich der Gefahr entgegen und will seine Freunde wieder befreien. Mit dabei ist ein kleiner und ängstlicher Igel, der sich allerdings im Verlauf des Spiels als treuer Kumpane herausstellt.

    Spielerisch haben wir es mit Hybrid zu tun, Tamarin spielt sich als Mix aus 3D Platformer und 3rd-Person Shooter. Was ungewöhnlich klingt, klappt eigentlich ganz gut. Wir laufen und springen durch die Spielwelt und schießen mit einer Uzi (kein Witz!) oder anderen Ballermännern auf alle Invasoren. Tamarin ist daher nur bedingt für Kinder geeignet. Nicht nur wegen der Schießelemente, die Insekten zerplatzen auch noch dabei ziemlich brachial.

    Unterwegs sammeln wir Beeren ein und können diese dann beim Begleiter Igel gegen Munition oder andere Dinge eintauschen. Die Level sind von ihrer Struktur her recht klar und eindeutig aufgebaut, dennoch weist uns ein Glühwürmchen immer den richtigen Weg. Fast wie in Ocarina of Time, aber ohne das berüchtigte „Hey, listen!“.

    Die Wahl der Feinde ist recht generisch, das übliche Fuß- und Flugvolk stellt keine wirkliche Gefahr dar. Die Zwischenbosse fordern da schon deutlich mehr, aber auch diese hat man meist schnell im Griff. In der Summe spielt sich Tamarin sehr genügsam und ist dem Spieler gegenüber gutmütig.

     

    Allerdings hat man hier und da mit der Kamera zu kämpfen. Wie bereits erwähnt erinnert Tamarin schon sehr an 3D Platformer der 90er Jahre, etwa Croc, Jet Force Gemini oder dem kürzlich wieder erschienenem Mario 64 der 3D All-Stars Collection. Wer sich an diese Art Spiel noch erinnert, der weiß, wie bockig so manches Mal die Kamera war. Mal war sie total gut und dann folgten Schwenks, die absolut nicht nachvollziehbar waren. Teilweise so, dass man weder sich selbst, noch den Gegner richtig sah, weil sich Objekte zu dicht im Sichtfeld befanden. Mit ganz ähnlichen Problemen hat auch Tamarin zu kämpfen. Erschwerend kommt dann noch die etwas verwaschene Steuerung des Zielkreuzes hinzu. Wenn man das zeitliche segnet, dann liegt es eher an der mangelnden Übersicht als an der Unfähigkeit des Spielers.

    Während das normale Springen und laufen durch die Level flüssig läuft, gibt es Sprungpassagen über große Distanzen, sie vom Handling her suboptimal gelöst wurden. Hierbei muss man zunächst mit einem Button das Ziel fixieren, während ein anderer Knopf dann den automatischen Sprung initiiert. Das stört den Spielfluss und fühlt sich unnatürlich an.

    Den nächsten Level schaltet man erst dann frei, wenn man genügend blaue Vögel bzw. Glühwürmchen gefunden hat. Achtet dabei darauf, dass es friendly fire gibt, als zielt nicht wahllos umher. Uns ist es anfangs mehrfach passiert, dass wir versehentlich zu viele blaue Vögelchen auf dem Gewissen hatten und Spielabschnitte wiederholen mussten.

    Seine besten Momente hat Tamarin, wenn es sich vom Genre-Mix verabschiedet. Es gibt Level, die man ohne Waffe bestreiten muss und sich das Spiel voll und ganz als reiner Platformer zeigt. Man hat hierbei nur eine Rolle als Waffe, aber der Spielspaß steigt zusehends. Erst, wenn man im nächsten Abschnitt wieder die Uzi in den Händen hält, merkt man, was aus dem Spiel hätte werden können, wenn es sich auf ein Kernelement fokussiert hätte.

    Grafisch bietet Tamarin aus dem Hause Chameleon Games ebenfalls einen Mix, denn es ist ein Wandeln zwischen saftig grünen Wiesen und Wäldern und zerstörter Flora. Das passt, sieht schick aus und unterstreicht die Ambitionen, die Insekten wieder vertreiben zu wollen. Der Soundtrack ist ziemlich cool und passt nahezu perfekt ins Spielgeschehen.

    Fazit

    Tamarin ist ein zweischneidiges Schwert. Man merkt den Entwicklern an, welche Idee sie mit dem Genre-Mix verfolgt haben, nur leider ist die Umsetzung nicht wirklich gut gelungen. Das wird dann sehr deutlich, wenn sich das Spiel auf reines Platforming beschränkt und man in diesen Abschnitten richtig viel Spaß hat. So ist es weder Fisch noch Fleisch. Die Level sind übersichtlich und für heutige Verhältnisse sehr klein und die Kamera ist streckenweise eine echte Zumutung. Für moderne Platformer bietet Tamarin eindeutig zu wenige Freiheiten und richtet sich daher primär als Freunde der 90er Jahre, die mit solchen Abstrichen sehr gut leben können.

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur