Smelter – Test / Review

    Was wäre wohl geschehen, hätte Adam statt Eva im Paradies von der verbotenen Frucht gekostet? Diese Frage beantwortet Smelter aus dem Hause X Plus auf einzigartige Weise. Wir verraten euch in unserem Test, ob Evas Suche den Sündenfall wettmacht und was Spieler und Spielerinnen in dem Platformer-Strategie-Hybriden erwartet. (Wir testen auf der Nintendo Switch.)

    Story

    Adam und Eva mal anders

    Wie bereits zu Beginn angesprochen, nimmt Smelter die Geschichte des Sündenfalls neu auf. Der größte Unterschied zum Original? Dieses Mal ist es nicht Eva, die sich von der Paradiesfrucht verlocken lässt, sondern ihr geliebter Adam. Daraufhin bricht das Paradies wortwörtlich zusammen und Eva stürzt in die Tiefe. Unsere Protagonistin findet sich dann spärlich bekleidet in einer unbekannten Welt wieder, wo sie den namengebenden Smelter trifft. Dieser lässt sich am besten beschreiben als eine geflügelte Kreatur mit (übermäßig) gesundem Selbstbewusstsein, die praktischerweise mit anderen Verschmelzen kann. So ist Evas Bekleidungsproblem schnell gelöst und, ausgestattet mit neuen Fähigkeiten, kämpft sie sich von da an durch die düstere Untergrundwelt.

    Zurück ins Paradies

    Eva, bewaffnet mit ihrer lebendig gewordenen Rüstung, bahnt sich nun ihren Weg durch die Rumbly Lands. Einst handelte es sich hierbei um Smelters Reich, welches allerdings von bizarren Monstern übernommen wurde. Somit ist schnell entschieden, dass Eva und Smelter einen Wunsch teilen: Die Rumbly Lands zurückerobern und, im Falle von Eva, Adam ausfindig machen und in ihr altes, paradiesisches Leben zurückkehren. Uns gefällt die Story gut – die Idee ist kreativ und spannend umgesetzt. Insbesondere die Charaktere des Spiels überzeugen durch ihre teils exzentrische Persönlichkeit, sogar der Erzähler ist mehr als nur langweiliger Monolog.

    Gameplay

    100 % Spielspaß bei 50 % Platformer?

    Auf den ersten Blick erscheint Smelter wie ein klassischer Platformer der 16-Bit-Zeit. Jedoch ist das Spiel tatsächlich ein Hybrid aus Action-Platformer und Strategie-Spiel; die beiden Teile sind dabei streng voneinander getrennt. Die Platformer-Levels spielen sich schnell und actionreich. Große Überraschungen, was das Gameplay anbelangt, gibt es hier zwar nicht, aber verschiedene Elementar-Skills und mögliche Upgrades machen das Monstertöten gerade abwechslungsreich genug. Die teuflischen Gegner sind bedrohlich und die Bosse gerade zum Ende des Spiels hin eine angemessene bis harte Herausforderung. Auch die Umgebung stellt sich gegen Eva und Smelter, und muss mithilfe von gezielten Schlägen, Slides und weiteren Skills gebändigt werden. Der Platformer-Aspekt wird Genrefans somit zwar nicht vom Hocker reißen, das Gameplay läuft aber flüssig und das Level-Design verdient besondere Wertschätzung. Allzu viel Tiefgang, was Fähigkeiten oder Rätsel betrifft, darf man hier aber nicht erwarten.

    Strategie ist die halbe Miete

    Bei dem Strategie-Teil des Spiels handelt es sich um ein Top-Down-Erlebnis in Echtzeit. In diesem erweitern wir Smelters Reich und gelangen zu neuen Platformer-Stages. Diese Hälfte des Spiels kommt etwas weniger poliert daher als die andere. Das liegt zum einen daran, dass die Abschnitte teilweise etwas schwer geraten sind und zum anderen an dem Gefühl, dass der Verlauf der Story manchmal durch die Strategie-Einschübe gestört wird. Positiv fallen hier die abwechslungsreichen Welten und versteckte Items auf, die zum Erkunden und Erobern anregen.

    Eine gelungene Verschmelzung?

    Die Idee eines hybriden, Genre-vereinenden Games ist erst einmal sehr ansprechend. Leider wirken die beiden Hälften in Smelter nicht ganz kohärent; wir hatten während dem Spielen oft den Eindruck, dass es sich fast um zwei ganz verschiedene Welten handelte. In der Ausführung bedürfen beide Spielweisen noch etwas Feintuning und Tiefe – verständlich, denn der Aufwand für die Entwickler erhöht sich durch die Spielidee natürlich massiv. Nichtsdestotrotz hätten wir uns eine noch übergreifendere Wechselwirkung, beispielsweise durch die Story, gewünscht.

    Grafik

    Smelter verspricht ein echtes 16-Bit-Feeling und genau das erhält man grafisch auch. Die Levels sind abwechslungsreich gestaltet, farbenfroh und atmosphärisch. Besonders die Charaktere sehen super aus und bringen trotz der begrenzten Pixelzahl eine Menge Emotionen rüber. Hier ein ganz großes Lob an die Entwickler!

    Sound

    Was uns bereits bei der Grafik überzeugt hat, trifft ebenfalls voll auf den Sound zu. Das Versprechen des Publishers „Rock out to a killer soundtrack combining synth and guitar, featuring music by Evader, and opening and ending theme by Manami Matsumae (Mega Man, Shovel Knight).“ wird hier auf voller Linie eingehalten.

    Preis/Leistung

    Mit etwa 15 Stunden Spielzeit ist Smelter, je nach Angebot und Plattform, seine momentan 15-20 € absolut wert. Hier lohnt es sich unserer Meinung nach auch für ein paar Euro mehr zu der Version inklusive Soundtrack zu greifen.

    Fazit

    Smelter ist ein ambitioniertes 16-Bit Abenteuer, das als eines weniger Spiele versucht, einen Platformer mit Top-Down-Strategie zu verbinden. Die Verschmelzung ist unserer Meinung nach noch verbesserungsbedürftig, dennoch kommen Fans von Spielen wie Mega Man X hier voll auf ihre Kosten. Grafik sowie Soundtrack sind auf sehr hohem Niveau und auch die Spielzeit ist vollkommen angemessen.

    Kathrin
    Hallo, ich heiße Kathrin und bin 27 Jahre alt. Zu Game2Gether brachte mich sowohl mein Interesse am Schreiben, als auch Begeisterung fürs Gaming. Ich bin offen für alle möglichen Spielegenres, besonders gerne spiele ich aber (Fantasy)RPGs, Puzzle-Games, Survivalspiele und Sidescroller.