Auf der gamescom 2026 hatten wir die Gelegenheit, mit Volker Steigerwald, Geschäftsführer von SWE Systems, über den kommenden Professional Ship Simulator zu sprechen. Der von Aerosoft veröffentlichte Simulator möchte dabei deutlich mehr sein als eine reine Schiffsfahr-Simulation. Im Mittelpunkt steht eine möglichst realitätsnahe Darstellung von Schiffen, ihren technischen Systemen und vor allem ihres Verhaltens auf dem Wasser.
Unsere Präsentation hat dabei vor allem durch die technische Tiefe und die Genauigkeit der Simulation einen sehr guten Eindruck hinterlassen.
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Realistische Physik für unterschiedliche Schiffstypen
Das Herzstück von Professional Ship Simulator bildet ein umfangreiches hydrodynamisches Modell. Wind, Wellen und Strömungen wirken sich unmittelbar auf das Verhalten des jeweiligen Schiffs aus. Dabei geht es nicht nur darum, dass ein Schiff bei starkem Wind optisch etwas stärker schwankt. Die verschiedenen physikalischen Einflüsse sollen sich tatsächlich auf die Steuerung und das Manövrieren auswirken.
Das konnten wir bei der Präsentation auch praktisch nachvollziehen. So werden beispielsweise Beschleunigungsrampen realistisch umgesetzt, anstatt dass ein Schiff unmittelbar auf einen Befehl reagiert. Besonders interessant ist zudem die Umsetzung des Schraubeneffekts bei Einschraubantrieben. Beim Rückwärtsfahren beziehungsweise bei entsprechenden Manövern wirkt sich dieser Effekt spürbar auf das Steuerungsverhalten aus.
Auch Windlast und Strömung müssen berücksichtigt werden. Wer ein Schiff präzise in einen Hafen manövrieren oder ein Schleppmanöver durchführen möchte, kann sich daher nicht ausschließlich auf Ruder und Antrieb konzentrieren.
Damit richtet sich der Simulator durchaus an Spieler, die Wert auf eine möglichst authentische Umsetzung legen. Gleichzeitig soll der Einstieg nicht unnötig kompliziert ausfallen.
Vom offenen Simulator zur umfangreicheren Spielerfahrung
Ursprünglich war Professional Ship Simulator stärker als offener Simulator konzipiert. Im Laufe der Entwicklung kamen jedoch zusätzliche spielerische Elemente hinzu. So gibt es mittlerweile verschiedene Missionen, die den Spielern konkrete Aufgaben stellen.
Dazu gehören unter anderem Frachttransporte, Fährbetrieb, Fischerei, Offshore-Logistik, Schlepphilfe, Wartungsarbeiten an Seezeichen sowie Rettungs- und Brandbekämpfungseinsätze. Wer sich dagegen lieber frei auf dem Wasser bewegt, kann die offene Spielwelt erkunden.
Zwei Karten mit echtem Vorbild
Zum Start stehen in Professional Ship Simulator zwei weitläufige Seegebiete zur Verfügung: die Straße von Dover und die Gewässer rund um Rügen. Beide Regionen basieren auf realen geografischen Daten und wurden anhand echter Seekarten umgesetzt. Dadurch unterscheiden sie sich nicht nur optisch, sondern auch hinsichtlich ihrer nautischen Herausforderungen deutlich voneinander.
Die Straße von Dover bietet zahlreiche tiefe Fahrgewässer und damit vergleichsweise viel Raum für größere Schiffe. Rund um Rügen wird die Navigation hingegen deutlich anspruchsvoller. Hier finden sich zahlreiche Sandbänke und Untiefen, die bei der Routenplanung und beim Manövrieren berücksichtigt werden müssen.
Besonders interessant ist dabei der hohe Detailgrad der Karten. Die Entwickler haben sich nicht darauf beschränkt, die Küstenlinien und Häfen möglichst realistisch nachzubilden. Auch Seezeichen und Fahrtonnen befinden sich weitgehend an den Positionen, an denen sie auch in den realen Gewässern zu finden sind. Selbst die Tiefenprofile orientieren sich an den entsprechenden Angaben echter Seekarten.
Damit wird die Navigation zu einem tatsächlichen Bestandteil der Simulation. Gerade in den Gewässern rund um Rügen kann eine vermeintlich einfache Route schnell zur Herausforderung werden, wenn Untiefen oder andere nautische Gegebenheiten berücksichtigt werden müssen.
Ergänzt werden die beiden Regionen durch dynamisches Wetter, einen Tag-Nacht-Wechsel, Tierwelt und KI-Schiffsverkehr, sodass sich die Bedingungen auf See laufend verändern können. Insgesamt stehen mehr als 40 Häfen sowie zahlreiche authentisch platzierte Seezeichen und Navigationslichter zur Verfügung.
Vom kleinen Boot bis zum Kreuzfahrtschiff
Auch bei der Flotte setzt SWE Systems auf eine große Bandbreite. Die Schiffe reichen von kleineren Booten, Fischkuttern und Rettungsfahrzeugen über Schlepper und Offshore-Schiffe bis hin zu Containerschiffen, Massengutfrachtern, LNG-Tankern und Kreuzfahrtschiffen.
Dabei unterscheiden sich die Schiffe nicht nur optisch voneinander. Durch die zugrunde liegende Simulation sollen sich auch ihre Fahreigenschaften und das Verhalten auf dem Wasser entsprechend unterscheiden.
Die Brücken sind vollständig interaktiv gestaltet. Zu den simulierten Systemen gehören unter anderem Radar mit AIS- und CPA-Verfolgung, Sonar, Energieerzeugung und -übertragung, Navigationsinstrumente sowie Funkkommunikation.
Auch unterschiedliche Eingabegeräte werden unterstützt. Neben Tastatur und Gamepad ist die Verwendung spezieller Simulationshardware vorgesehen.
Beeindruckende Wellen, aber mit hohen Hardware-Anforderungen
Ein weiterer Punkt, der uns bei der Präsentation positiv aufgefallen ist, ist die Darstellung der Wasseroberfläche und der Wellen. Diese wirken nicht wie eine reine optische Kulisse, sondern sind Bestandteil der physikalischen Simulation.
Allerdings hat diese Detailtreue ihren Preis: Die aufwendige Wellendarstellung benötigt einen erheblichen Teil der Systemressourcen. Wie gut das Spiel letztlich auf unterschiedlichen PC-Konfigurationen läuft, dürfte daher insbesondere im Early Access noch interessant werden.
Auch verschiedene Schadens- und Gefahrensituationen sind Bestandteil der Simulation. So können beispielsweise Wassereinbruch oder ein Kentern des Schiffs auftreten.
Tutorials helfen beim Einstieg
Bei einer derart umfangreichen Simulation stellt sich natürlich die Frage, wie Einsteiger an die verschiedenen Systeme herangeführt werden. Dafür gibt es ausführliche Schritt-für-Schritt-Tutorials, in denen die grundlegenden Steuerungs- und Navigationsverfahren vermittelt werden.
Das ist angesichts der technischen Tiefe durchaus sinnvoll. Wer beispielsweise noch keine Erfahrung mit dem Manövrieren eines größeren Schiffs hat, dürfte sich nicht einfach ins offene Wasser setzen und sofort alle Systeme beherrschen.
Die Early-Access-Version soll zunächst ein solides Fundament aus den Kernsystemen und Inhalten bieten. Weitere Schiffe, Missionen, Szenarien und Tutorials sollen anschließend auf Basis des Community-Feedbacks folgen.
Release im September
Lange müssen Interessierte nicht mehr warten. Professional Ship Simulator startet am 16. September 2026 im Early Access für PC auf Steam.
Zum Start stehen die beiden Regionen Rügen und Straße von Dover, acht Missionstypen sowie eine erste Auswahl an Szenarien und Tutorials zur Verfügung. Modding-Unterstützung ist ebenfalls geplant, wird allerdings noch nicht zum Start des Early Access verfügbar sein.
Nach unserem ersten Eindruck könnte Professional Ship Simulator vor allem für Simulationsfans interessant werden, die bei einem Schiffs-Simulator Wert auf physikalische Genauigkeit und technische Details legen. Die korrekte Umsetzung von Effekten wie dem Schraubeneffekt, Windlast und Strömung zeigt bereits, dass SWE Systems bei der Simulation deutlich in die Tiefe gehen möchte.
Ob die umfangreiche Technik am Ende auch in der Praxis dauerhaft überzeugt und wie gut die Balance zwischen realistischer Simulation und zugänglichem Gameplay gelingt, wird sich spätestens mit dem Start des Early Access zeigen.
Professional Ship Simulator erscheint am 16. September 2026 für PC im Early Access auf Steam.
