Persona 4 Golden

    Persona 4, da klingelt es doch irgendwo im Kopf. Richtig, das war ein hochgelobtes, in Europa allerdings etwas verkanntes Rollenspiel für Playstation 2 aus dem Jahre 2008. Mit Persona 4 Golden wird nun die PS Vita gefüttert, freuen wir uns also auf ein verbessertes Remake für den Handheld. Lest hier unser Test zu Persona 4 Golden.

    Persona 4 Golden Trailer

    Von einem einfachen Remake oder Portierung zu sprechen, würde Persona 4 Golden allerdings so gar nicht gerecht werden. Entwicklerstudio Atlus hat sich alle Mühe gegeben, die mobile Version für Playstation Vita mit neuen Features und erweiterten Inhalten zu füllen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn je nach Spielweise bekommt man Content für 80 bis 100 Stunden Spielspaß geliefert. Darunter wird man kaum Persona 4 Golden beenden können, nach oben hin ist allerdings sogar noch etwas Luft.

    Die Geschichte rund um Persona 4 Golden wurde in ihrer Form vollends belassen und entspricht dem Original. Unser Hauptcharakter ist ein junger Teenager, der sein Leben in der Metropole Tokio fristet. Vom tristen Alltag angewidert, beschließt unser fideles Kerlchen, für ein ganzes Jahr zu seinem Onkel ins ländliche Inaba zu ziehen. Dort angekommen werden schnell erste Freundschaften geschlossen und überhaupt läuft in Inaba alles irgendwie besser als daheim. Wäre da doch nicht dieser mysteriöse Mord plötzlich passiert. Und kurze Zeit später folgt sogar noch ein weiterer. Von diesen ominösen Mordfällen bekommen wir alles aus erster Hand mit, denn besagter Onkel arbeitet bei der lokalen Polizei. Nur auf einen grünen Zweig will man bei den laufenden Ermittlungen nicht kommen. Unsere eigene Untätigkeit endet, als wenig später eine Mitschülerin spurlos verschwindet und wir das Schlimmste befürchten müssen. Wenn die Polizei im Dunkeln tappt, dann müssen wir also auf eigene Faust dem Rätsel auf die Spur kommen. Für die passende Begleitung auf unserer Erforschung sorgen die beiden Freunde Chi und Yosuko. Und die ersten eindeutigen Hinweise lassen gar nicht lange auf sich warten: Die grausamen Morde stehen definitiv irgendwie in Verbindung mit der TV-Sendung Midnight Channel und einer parallelen Welt hinter der Mattscheibe…

    Der Fernseher wird fortan zu einer Art Portal, mit dem man zwischen den beiden Spielwelten munter hin und her wechselt. Die Uhr tickt indes erbarmungslos weiter und zeigt sich ingame in Form des Wetterwechsels. Das Wetter verschlechtert sich nämlich zusehends und spätestens, wenn draußen dicke Regentropfen in Kombination mit dichtem Nebel auftauchen, sollte man sich sputen, die vermisste Person zu finden. Sonst hat ihr letztes Stündlein geschlagen.

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    Bis zur Auflösung des Rätsels rund um den Midnight Channel vergeht aber erstmal einiges an Zeit im Spiel. Ganz grob spielt sich Persona 4 Golden innerhalb eines Jahres ab, wobei einzelne Spielabschnitte in Tage gegliedert sind. Dreh- und Angelpunkt ist die Gestaltung der Tagesabläufe, denn diese zeigen sich nicht nur abwechselnd und vielschichtig, sondern auch fordernd und sind ungemein wichtig für die eigene Charakterentwicklung. Gehe ich nachmittags einem Job nach oder stöber ich in der Bibliothek Bücher? Trete ich der Theater-AG bei oder kicke ich lieber mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz? Das sind nur wenige Beispiele für die Vielfältigkeit an möglichen Optionen, die man als Spieler zur Auswahl hat. Je nachdem, wie engagiert man sich auf eine der Möglichkeiten fokussiert, steigert man passende Charakterwerte und baut engere Beziehungen zu seinen Mitmenschen auf. Anhand der Gesprächsoptionen bzw. -verläufe und den tiefgründigen Charakteren merkt man deutlich die Handschrift von Atlus, denn selten werden selbst augenscheinliche Nebenfiguren so sauber und individualistisch gezeichnet wie bei diesem Studio.

    Zurück zu den Mordfällen, hier ist das entscheidende Medium der Fernseher, durch den man in die Parallelwelt gelangt. Und genau hier kommen dann auch die namensgebenden Personae zum Zuge. Diese mächtigen Geisterwesen wohnen jedem Mitglied der Party inne und stehen uns im Kampf bei. Schon schnell wird klar, dass wir in der parallelen Welt ohne die Personae auch wenig Aussichten auf Erfolg hätten. Wichtig zu wissen: Je enger die soziale Beziehung, der sogenannte Social Link, zu einem Mitstreiter ist, desto stärker agieren die Personae.

    Mit jedem entführten Bewohner ändert sich das Universum hinter dem Flimmerkasten, angelehnt an die Träume und Ängste des Opfers. Einheitlich bleibt hingegen der grundsätzliche Ablauf, wir durchstreifen mit jedem neuen Abenteuer mehrstöckige Dungeons. Durch diese huschen die finsteren und teilweise abstrusen feindlichen Monster. Neben kleineren Rätseln und versteckten Schätzen kommt es daher auch häufig zum Kampf, der in bester Rundenstrategie abläuft. Unseren Widersachern gehen wir mit konventionellen Waffen oder mit Magie ans Leder.

    Besagte Personae stehen uns nach ihrer Beschwörung ebenfalls direkt zur Seite und erfüllen ihre Aufgabe meist perfekt. Da jeder Gegner eine Schwachstelle besitzt, sollte man diese immer (!) nutzen, um den Finsterling schnell ins Jenseits zu befördern. Beispielsweise kann man einem feueranfälligen Monster mit einem Brandzauber ruckzuck mehr Energie rauben, als man mit blanker Waffengewalt in einigen Runden zusammen bekäme. Genretypisch gibt es nach bestandenem Kampf einige Erfahrungspunkte, Taler und diverse Items, z.B. Heiltränke. Und genauso typisch wartet am Ende jedes Dungeons ein besonders garstiger Endboss, der uns zum fordernden Kampf einlädt.

    Gewonnene EP lässt die Party konstant im Level und damit in ihrer Stärke wachsen. Unsere Personae leveln auf ähnliche Weise mit und gewinnen immer mehr an Durchschlagskraft. Daneben zählt die richtige Ausrüstung des Helden eine wichtige Komponente dar. Wer mit gefundenen Items nicht zufrieden ist, der kann sein Vermögen in einem der Shops auf den Kopf hauen und sich wunschgemäß für den nächsten Fight ausstatten. Neue Waffen, bessere Rüstungen, alternative Outfits und ein riesiger Pool an Items sprechen besonders sammelwütige Spieler an. Gleiches gilt auch für die Personae, die man auf Wunsch fusionieren darf und so ganz neue Personae kreiert. Der eigenen Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt, also auf zum fröhlichen Ausprobieren!

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    Ausprobieren und Umfang sind auch vielleicht die passendsten Begriffe, um Persona 4 Golden abseits vom Gameplay zu beschreiben. Die unglaublich große Vielfalt an Möglichkeiten zur Tagesgestaltung, die vielen Aufgaben in beiden Welten, die vielen tollen Charaktere, die vielen Items, die vielen Personae und deren Fusion, die vielen… Kurz, es gibt einfach wahnsinnig viel zu entdecken und selbst nach Beendigung des Spiels hat man irgendwie das Gefühl, noch längst nicht alles erlebt zu haben. Als Bonus liegen dieser überarbeiteten Version noch mehr Inhalte bei. Ein neuer Modus, neue Social Links und neue Dungeons sorgen für eine tiefgehende Erweiterung mit neuen Abenteuern. Natürlich gibt es passend dazu auch neue Waffen, neue Personae und neue Events. Und trotzdem der Umfang so reichhaltig ist, verliert man doch nie den Überblick oder ist aufgrund der Auswahl überfordert – vorbildliche Arbeit!

    Richtig gut gefallen hat uns auch der neue Hilfe-Modus für die PS Vita. Hängt man in einem Dungeon fest, kann man auf Knopfdruck einen Notruf an alle Spieler weltweit senden mit der Bitte um Hilfestellung. Eine Netzwerkverbindung ist hierfür natürlich die Voraussetzung.

    Wenn man etwas an Persona 4 Golden bemängeln müsste, dann wäre das die nur durchschnittliche Grafik. Man merkt zwar die optische Steigerung zur PS2-Version, vor allem in der Farbenpracht, aber für Vita-Qualität siedelt sich das Spiel dann doch nur im Mittelfeld an. Fast alle Texturen sind etwas grobkörnig und die Bewegungsanimationen wirken alles andere als natürlich. Dem gegenüber steht die exzellente Optik aller Cutscenes und die ausnahmslose Liebe zum Detail, die oft ins Staunen versetzt.

    Sowohl Soundtrack, als auch englische Synchronisation sind rundum gelungen und gerade der OST birgt sogar ein klein wenig Suchtpotential, wie man es aus alten Final Fantasy Spielen her kennt.

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    Fazit

    Persona 4 Golden ist alles andere als eine simple Portierung des Klassikers auf Playstation 2 geworden. Und wo das Spiel damals in Europa noch ein kleines Schattendasein führte, offenbart sich Persona 4 Golden für die PS Vita als eines der bisher besten Spiele für den Handheld. Die Story fesselt, ausnahmslos alle Charaktere sind toll inszeniert und beide Spielwelten gehen flüssig ineinander über. Der riesige Umfang des RPGs spricht für sich und bietet stuuuundenlangen Spielspaß oder zumindest so lange, bis der Akku schlapp macht. Den großen spielerischen Freiheiten steht auch die leicht unscharfe Grafik nicht im Wege. Wer (J)RPG mag und eine PS Vita besitzt, für den ist Persona 4 Golden ein Kleinod und daher ein absoluter Pflichtkauf!

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    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur