Vor gar nicht allzu langer Zeit, dachten sich ein paar Mönche in einem bayrischen Kloster, dass es doch gottgewollt sein müsse, dem schlichten Brunnenwasser etwas Geschmack beizufügen. So ward der Hopfen der Deutschen heiligste Pflanze und das Reinheitsgebot das höchste Gesetz – noch vor der Menschenwürde.
Zeit also, dem Malzgetränk nun endlich auch ein eigenes Spiel zu widmen. So oder ähnlich dürften sich wohl die Gedanken beim Entwicklerstudio Hammer & Ravens manifestiert haben. Denn besagte fleiß´gen Leut haben kürzlich das von der Indiecommunity heiß erwartete Ale Abbey auf die Spielewelt losgelassen.
Ob es sich bei dem Hopfensimulator um einen waschechten Biertycoon, oder nur um ein abgestandenes, schales Stück Software handelt, schauen wir uns in der folgenden Preview an.
In Beer we trust!
Wir beginnen unsere Braukarriere in einem kleinen Kloster in einer ländlichen Gegend im Jahre 1500. Zu Anfang gibt es nur wenige Räume, schlechte Gärbottiche und wenig Komfort in unserem Kloster.
Um das goldene Prickelgetränk unters Volk zu bringen, gilt es zuallererst ein passendes Rezept von unseren Mönchen erstellen zu lassen. Hier lässt sich anfangs nur ein leichtes Ale zusammenstellen. Im Laufe des Spieles jedoch schalten wir viele weitere Biersorten frei.
Das Rezept selbst wird aus Zutaten erstellt, welche wir selbst auswählen. Dazu gehören natürlich Hopfen, Malz und auch erweiterte Zutaten wie Gewürze oder Früchte. Je nachdem wie talentiert unser Fermentiner (Bier brauender Mönch) ist, bekommt das Rezept am Ende einen gewissen Qualitätsindex.
Im zweiten Schritt geht es dann ans brauen. Wir weisen einem Mönch die Aufgabe zu, eines unserer Rezepte im Gärbottich anzurühren und hoffen auf das Beste. Denn ob das Bier dann tatsächlich eine brauchbare Qualität erhält, hängt nicht nur vom Rezept ab, sondern auch vom Talent des Brauers und von einer guten Portion Zufall.
Gerstensaft in guter Qualität bringt dabei wenig überraschend im Verkauf einen besseren Erlös, als schlechtere Gebräue.
Der Verkauf in die umliegenden Dörfer erfolgt dabei recht simpel über eine Landkarte, in der wir auswählen können, in welches Dorf unser Bier exportiert wird. Dabei haben die Bürger in den verschiedenen Regionen allerdings unterschiedliche Vorlieben und Ansprüche, so dass man durchaus prüfen sollte, wohin unsere Ladung geschickt werden kann.
Anspruchsvolle Mönche
Damit unsere Fermentiner beim Brauen und Rezepte schreiben möglichst gute Ergebnisse erzielen, sind diese nach Möglichkeit immer zufriedenzustellen.
Kein Mönch, der etwas auf sich hält, möchte in einem kargen, dunklen Kloster, ohne jeglichen Luxus leben. So haben unsere Mönche verschiedene Bedürfnisse, wie zum Beispiel gut beleuchtete Räume, gemütliche Ausstattung, gutes Essen und natürlich auch frischer Hopfensaft.
Es gilt also, unsere Räume nicht nur zweckdienlich auszustatten, sondern auch mit ein wenig Luxus und Gemütlichkeit aufzupeppen. Eine Putzkraft, die hin und wieder feucht durch wischt, sollte ebenfalls fest mit eingeplant werden.
Damit unsere Fermentiner bei Laune bleiben und stets eine hohe Inspiration beim Brauen erhalten, ist es außerdem sinnvoll, ein paar der gebrauten Erzeugnisse im eigenen Keller einzulagern und den Mönchen zu erlauben, sich daran gütlich zu tun. Aber Achtung: Alles hat seine Grenzen! Nicht selten liegen unsere fleißigen Bienchen sturzbesoffen auf dem Klosterboden und schlafen Ihren Rausch aus.
Sind die Hefealchemisten dann mit Ihrer Umgebung zufrieden, gibt es Boni auf die Rezept- und Brauerzeugnisse.
Forschung für den Humpen
Während wir nun langsam Fass um Fass immer noch recht langweiliges Ale zusammenbrauen, gilt es, sich neue Ideen und Technologien anzueignen.
Die besonders kreativen Mönche können daher in der Bibliothek an Schreibtischen Forschungspunkte erarbeiten, mit denen wir in einem Techtree neue Dinge freischalten können.
Dazu gehören neue Möbel, neue Dekorationen, Brauhilfen, größere Kessel, oder auch neue Zutaten fürs Brauen.
Einige der Erfindungen scheinen dabei allerdings kaum Einfluss auf das Spiel zu haben, während andere unsere Produktionsrate quasi verdreifachen. Hier wäre sicherlich noch etwas Feinschliff möglich.
Außerdem schalten wir grundsätzlich neue Biersorten frei, indem wir hin und wieder Spezialaufträge für Dörfer aus dem Umland erledigen – vorausgesetzt unser Ansehen ist entsprechend hoch.
Durch ebenjene Aufträge werden im Spielverlauf auch noch einige neue Räumlichkeiten verfügbar, die dann entsprechend unserer Vorgaben an das Kloster angebaut werden können.
Der Wagen kommt erst spät ins Rollen
Wer Ale Abbey eine Chance geben möchte, der sollte sich darauf vorbereiten, dass die ersten Stunden im Spiel teils etwas träge verlaufen.
Denn grade zu Anfang, wenn man noch nicht viele Biersorten, Zutaten oder Räumlichkeiten freigeschaltet hat, kann es passieren, dass wir tagelang wieder und wieder dasselbe tun.
Bier brauchen, abwarten, Fässer zum Verkauf versenden, Räume säubern, Bier brauchen etc. Das ganze wiederholt sich dann so lange, bis man genug Forschungspunkte für neue Technologien hat, oder neue Braumethoden über die Dorfaufträge freigeschaltet wurden.
Richtig interessant wird Ale Abbey tatsächlich erst, wenn man im Spiel deutlich weiter fortgeschritten ist. Denn dann gibt es viele Variationen beim Brauen und auch die Anforderungen der Dörfer ans Gebräu werden komplexer. Zudem lässt sich ein größerer Einfluss auf die Qualität nehmen, indem man zum Beispiel die Fermentiner austauscht, oder den Gerstensaft in Fässern nachreifen lässt.
Interessanter wäre es zum Beispiel, wenn wir die idealen Werte für Geschmack, Farbe, Stärke etc. unserer Biere nicht schon vorher kennen würden, sondern diese erst herausfinden müssten.
Hier könnte Entwickler Hammer & Ravens gerne noch mal Hand anlegen, um gerade den frühen Spielstunden noch mal etwas mehr Leben einzuhauchen.
Fazit
Ale Abbey ist ein nettes, kleines Pixelart-Tycoon Spiel mit einem unverbrauchten Setting.
An den Rezepten herumzuschrauben macht Spaß und das Kloster weiter auszubauen und zu optimieren hält durchaus bei der Stange.
Gerade in den frühen Spielstunden ist Ale Abbey allerdings manchmal etwas träge und man würde sich ein wenig mehr Dynamik vom Spiel wünschen.
Die Roadmap verspricht allerdings Verbesserungen an allen Ecken und die Entwickler sind mit dem Ohr nah an der Community. Das lässt uns auf eine positive Zukunft unserer kleinen Klosterbrauerei blicken!