Die Bologna-Entführung – Geraubt im Namen des Papstes (Filmkritik)

Auf dem Filmplakat sieht man den kleinen Edgardo – und im Hintergrund einen katholischen Priester.
Bildquelle: Pandora Film

Ab morgen (16. November) ist es so weit: „Die Bologna-Entführung“ kommt in die deutschen Kinos. Das Historiendrama war bereits für diverse Preise nominiert, unter anderem für die Goldene Palme.

Ganz grob lässt sich schon mal sagen: Der Film ist emotional, zeigt den Kampf einer Familie gegen die Kirche und schließlich einen Jungen, der mittendrin ist. Und eigentlich erst mal zu sich selbst finden sollte, während um ihn herum und seinetwegen sogar ein Bürgerkrieg ausbricht.

Man sieht eine Szene aus "Bologna-Entführung", in der der Papst den jungen Edgardo zu sich auf den Schoß nimmt.
© Pandora Film, Foto: Anna Camerlingo

Darum geht’s bei „Die Bologna-Entführung“

Bologna, Italien, im Jahr 1858: Die Familie Mortara lebt in Frieden im jüdischen Viertel – bis eines Nachts die Soldaten des Papstes vehement Einlass fordern. Der Grund: Sie haben haben Meldung erhalten, dass Edgardo als Säugling christlich getauft wurde. Nach damaligem päpstlichem Gesetz muss er daher als Katholik erzogen werden.

Für die Familie beginnen Jahre des Kampfes und der Verzweiflung: Der Siebenjährige darf nur zurück zu den Mortaras, wenn die gesamte Familie zum Christentum konvertiert. Kaum denkbar für die gläubigen Juden. Sie versuchen daher mit allen Mitteln, ihren Sohn zurückzubekommen.

Edgardo bekommt Besuch – unter Aufsicht – von seiner Mutter, die ihm verspricht, ihn wieder nach Hause zu holen.
Bildquelle: © Pandora Film, Foto: Anna Camerlingo

Versuchte Rück-Entführungen, Zeitungsappelle an alle Juden Europas, der Familie zu Hilfe zu eilen … Nichts lassen die verzweifelten Eltern unversucht, um ihren Sohn aus den Klauen des Papstes zu befreien.

Die katholische Kirche wiederum will an diesem Fall ein Exempel statuieren und ihre Macht erneut festigen. Schließlich kommt es sogar zum Bürgerkrieg …

Fazit und Filmkritik

Inspiriert von einer wahren Geschichte, zeichnet der neue Film von Regisseur Marco Bellocchio ein düsteres Bild der Vergangenheit. Im Kampf um Edgardo mischen sich Verzweiflung, Wut und Unnachgiebigkeit auf beiden Seiten zu einem gefährlichen emotionalen Cocktail … Derweil kristallisieren sich jedoch zwei ganz andere Fragen heraus:

    1. Hat eigentlich auch mal jemand Edgardo gefragt, was er möchte?
    2. Kann es in diesem Fall überhaupt Gewinner geben?

So viel sei schon mal verraten: Das Ende war (zumindest für mich) überraschend – beantwortet aber sehr eindringlich genau diese beiden Fragen!

Man sieht Edgardo als jungen Mann in katholischen Gewändern
© Pandora Film, Foto: Anna Camerlingo

Normalerweise bin ich nicht gerade der größte Fan von Historiendramen. Doch diese Geschichte hat mich einfach zu sehr interessiert, als dass ich die Einladung zur Pressevorführung hätte ablehnen können. Und ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht! Klar ist das was ganz anderes als ein Hollywood-Actionfilm oder eine Disney-Gruselkomödie à la „Geistervilla“. Aber wer das Genre mag, wird meiner Meinung nach bei der „Bologna-Entführung“ voll auf seine Kosten kommen.

Trailer

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Mehr Informationen

Wir bedanken uns bei Pandora Film und Just Publicity für die Einladung zur Pressevorführung.

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Bildquellen: Trailer,  Pandora Film / Just Publicity