Trails in the Sky 2nd Chapter im Test: Estelles Suche nach Joshua

    (Bildquelle: GungHo Online Entertainment)

    Mit Trails in the Sky 1st Chapter hat Nihon Falcom den Grundstein für Estelles und Joshuas große Reise durch das Königreich Liberl gelegt. Trails in the Sky 2nd Chapter setzt unmittelbar auf den Ereignissen des ersten Teils auf und erzählt die Geschichte dort weiter, wo sie für Estelle besonders schmerzhaft endet. Statt eine komplett neue Handlung mit einer neuen Heldengruppe aufzubauen, konzentriert sich Falcom darauf, die bereits etablierte Geschichte konsequent weiterzuführen.

    Nach der Niederschlagung des Putsches, der Liberl erschüttert hat, haben Estelle und Joshua ihr Ziel erreicht und sind zu Senior-Bracers aufgestiegen. Doch die Ruhe hält nicht lange an. Kurz vor der Geburtstagsfeier der Königin offenbart Joshua Estelle die Wahrheit über seine Vergangenheit. Anschließend verschwindet er und hinterlässt lediglich eine kurze Abschiedsnachricht: „Auf Wiedersehen, Estelle.“ Ausgerüstet mit Joshuas Mundharmonika und einer unerschütterlichen Entschlossenheit macht sich Estelle auf die Suche nach ihrem Partner. Was zunächst wie eine persönliche Reise beginnt, entwickelt sich schon bald zu einer Krise für das gesamte Königreich. Die geheimnisvolle Organisation Ouroboros tritt aus dem Schatten und verfolgt ihre eigenen Pläne. Die Hauptstadt steht in Flammen, ein gewaltiges Luftschiff verdunkelt den Himmel und die Bedrohung durch den Leuchtenden Ring nimmt immer konkretere Formen an.

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    Eine persönliche Geschichte mit großen Konsequenzen

    Die Geschichte von Trails in the Sky 2nd Chapter funktioniert vor allem deshalb so gut, weil Estelles Motivation von Anfang an klar definiert ist. Sie möchte Joshua finden und gleichzeitig verstehen, warum er sie verlassen hat. Dabei muss sie sich nicht nur mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, sondern auch mit ihren eigenen Gefühlen und der Frage, wie sie mit der Situation umgehen soll. Estelle ist dabei nicht mehr ganz die gleiche Figur wie zu Beginn des ersten Teils. Die Ereignisse haben sie geprägt und aus ihr eine deutlich erfahrenere Bracerin gemacht. Ihre Entwicklung wirkt dadurch nicht wie ein künstlicher Neustart, sondern wie eine konsequente Fortsetzung ihrer bisherigen Reise.

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    Eine weitere große Stärke ist das bereits etablierte Figurenensemble. Falcom muss zahlreiche Charaktere nicht noch einmal ausführlich vorstellen, sondern kann unmittelbar an bestehende Beziehungen anknüpfen. Estelle kennt ihre Weggefährten, die Figuren kennen Estelle und viele von ihnen haben bereits eine gemeinsame Vergangenheit. Dadurch bekommen Gespräche, Begegnungen und Konflikte eine ganz andere Gewichtung. Charaktere können weiterentwickelt werden, ohne dass dafür erst wieder ihre komplette Vorgeschichte erzählt werden muss. Gerade in den emotionaleren Momenten macht sich diese lange Vorbereitung bemerkbar.

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    Von der Suche nach Joshua zur Bedrohung für Liberl

    Während Estelle nach Joshua sucht, wird zunehmend deutlich, dass sein Verschwinden nur ein Teil eines wesentlich größeren Plans ist. Ouroboros tritt immer stärker in Erscheinung und wird zu einem zentralen Bestandteil der Handlung. Die Organisation bleibt zunächst von zahlreichen Geheimnissen umgeben und ihre Mitglieder sorgen mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten für eine interessante Gegenseite. Je mehr über ihre Pläne bekannt wird, desto stärker verändert sich auch das Tempo des Spiels.

    Gerade dieser Wechsel funktioniert hervorragend. Trails in the Sky 2nd Chapter nimmt sich zu Beginn sehr viel Zeit, um Estelles persönliche Situation und die Auswirkungen des ersten Teils aufzuarbeiten. Später werden die einzelnen Handlungsstränge jedoch zunehmend miteinander verbunden. Aus der Suche nach einer einzelnen Person wird eine Auseinandersetzung, bei der das Schicksal des gesamten Königreichs auf dem Spiel steht. Die Ereignisse rund um Ouroboros, den Leuchtenden Ring und die zunehmende Bedrohung für Liberl verleihen der zweiten Spielhälfte deutlich mehr Dynamik.

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    Ein bekanntes Liberl

    Eine Besonderheit der Fortsetzung ist gleichzeitig eine ihrer größten Stärken und Schwächen: Ein großer Teil der Spielwelt ist bereits bekannt. Wer 1st Chapter gespielt hat, kennt viele Städte, Straßen und Regionen bereits. Dadurch muss Falcom die Welt nicht erneut ausführlich erklären und kann sich stärker auf die eigentliche Geschichte konzentrieren. Gleichzeitig geht dadurch aber ein Teil des Entdeckergefühls verloren, das den Vorgänger geprägt hat. Die erste Reise durch Liberl war eine große Entdeckungsreise, während man nun viele bekannte Orte erneut besucht.

    Das Wiedersehen mit den bekannten Charakteren funktioniert dagegen hervorragend. Die zahlreichen Beziehungen, die im ersten Teil aufgebaut wurden, können nun weiter vertieft werden. Bei der Erkundung selbst fällt dagegen auf, dass der Einstieg sehr gemächlich ausfällt. Nebenaufgaben und kleinere Geschichten sorgen zwar dafür, dass es ständig etwas zu erledigen gibt, bremsen aber gleichzeitig den Fortschritt der Haupthandlung. Wer direkt nach dem Ende von 1st Chapter auf schnelle Antworten wartet, muss daher etwas Geduld mitbringen. Diese Geduld zahlt sich später allerdings aus, denn die lange Vorbereitung sorgt dafür, dass spätere Enthüllungen und emotionale Momente wesentlich stärker wirken.

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    Das bewährte Kampfsystem wird erweitert

    Beim Gameplay verfolgt Falcom einen ähnlich konservativen Ansatz. Das Kampfsystem aus 1st Chapter wird nicht grundlegend verändert, sondern gezielt erweitert. Die rundenbasierten Kämpfe verbinden Positionierung, individuelle Fähigkeiten und Arts weiterhin zu einem System, das leicht zugänglich bleibt und gleichzeitig genügend taktische Möglichkeiten bietet. Durch die Weiterentwicklung der Charaktere stehen bereits früh wesentlich mehr Optionen zur Verfügung. Neue Techniken und S-Techniken erweitern das Arsenal zusätzlich.

    Eine wichtige Rolle spielt weiterhin das Orbment-System. Über Quartz lassen sich die Charaktere gezielt auf unterschiedliche Aufgaben ausrichten und mit verschiedenen Arts ausstatten. Dadurch können offensive, defensive oder unterstützende Builds zusammengestellt werden. Wer bereits im Vorgänger gerne mit unterschiedlichen Kombinationen experimentiert hat, bekommt entsprechend noch mehr Möglichkeiten. Auch die neuen Kampfelemente sorgen dafür, dass sich die Gefechte trotz des bekannten Grundgerüsts weiterentwickelt anfühlen. Dazu gehören unter anderem der Mutansturm sowie Möglichkeiten, Angriffe der Charaktere miteinander zu verbinden. Das System bleibt dadurch vertraut, bietet aber genügend zusätzliche Optionen, um auch erfahrene Spieler weiter zu fordern.

    (Bildquelle: GungHo Online Entertainment)

    Mehr Möglichkeiten abseits der Kämpfe

    Neben der Haupthandlung bietet Trails in the Sky 2nd Chapter zahlreiche optionale Inhalte. Das Angeln kehrt zurück und wurde erweitert. Darüber hinaus stehen weitere Minispiele wie Poker zur Verfügung. Auch das Kochen mit den Gefährten gehört zu den zusätzlichen Aktivitäten. Hinzu kommen weitere Fan-Lieblingscharaktere, die im Verlauf des Abenteuers als spielbare Gruppenmitglieder hinzukommen.

    Diese zusätzlichen Inhalte passen gut zum grundsätzlichen Aufbau der Reihe. Sie sorgen für Abwechslung zwischen den teilweise sehr umfangreichen Dialogpassagen und ermöglichen es, sich intensiver mit der Welt und ihren Figuren zu beschäftigen. Gleichzeitig sind sie einer der Gründe dafür, dass das Spiel gerade zu Beginn ein eher gemächliches Tempo entwickelt. Wer möglichst schnell der Haupthandlung folgen möchte, wird zahlreiche optionale Aufgaben problemlos liegen lassen können. Wer dagegen möglichst viel von Liberl erleben möchte, findet eine große Menge zusätzlicher Inhalte.

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    Spektakulärere Kämpfe und moderne Präsentation

    Eine der auffälligsten Verbesserungen des Remakes liegt in der Inszenierung. Die Charaktermodelle wirken deutlich ausdrucksstärker und können Emotionen über Gesichtsausdrücke, Bewegungen und Körpersprache vermitteln. Gerade bei einer Geschichte, die so stark von ihren Figuren lebt, ist dieser Fortschritt besonders wertvoll. Auch die Zwischensequenzen profitieren von der modernen Präsentation und können wichtige Ereignisse deutlich dynamischer darstellen.

    Das gilt ebenso für die Kämpfe. Zahlreiche Fähigkeiten und Angriffe wurden mit aufwendigeren Animationen versehen, wodurch die Gefechte wesentlich spektakulärer wirken. Besonders die größeren Bosskämpfe profitieren davon. Gleichzeitig greifen Handlung und Gameplay hier gut ineinander: Bedeutende Ereignisse führen zu großen Konfrontationen, während diese wiederum die Geschichte weiter vorantreiben. Das Remake nutzt seine technischen Möglichkeiten somit nicht nur für eine schönere Optik, sondern unterstützt damit gezielt die emotionale Wirkung der Geschichte.

    (Bildquelle: GungHo Online Entertainment)

    Musik mit Wiedererkennungswert

    Auch musikalisch bleibt Falcom seiner Linie treu. Der Soundtrack begleitet sowohl die ruhigen Erkundungsabschnitte als auch die emotionalen und actionreichen Momente passend. Während zurückhaltendere Stücke die ruhigeren Passagen unterstützen, gewinnt die Musik in wichtigen Kämpfen deutlich an Intensität. Einige Melodien bleiben dabei schnell im Gedächtnis und tragen einen wichtigen Teil zur Atmosphäre bei.

    Fazit

    Trails in the Sky 2nd Chapter ist keine Fortsetzung, die versucht, alles anders zu machen. Stattdessen baut Falcom konsequent auf den Stärken von 1st Chapter auf und nutzt die lange Vorarbeit, um die Geschichte von Estelle, Joshua und ihren Weggefährten weiterzuentwickeln. Gerade deshalb funktioniert das Spiel weniger wie ein klassischer Nachfolger und vielmehr wie die zweite Hälfte eines großen Rollenspiel-Epos.

    Die größten Stärken liegen klar in der Geschichte und den Charakteren. Estelles Suche nach Joshua bildet den emotionalen Mittelpunkt, während sich daraus zunehmend eine wesentlich größere Bedrohung für Liberl entwickelt. Die Handlung rund um Ouroboros gewinnt im Verlauf immer mehr an Bedeutung und führt schließlich zu einigen der dramatischsten Momente des Abenteuers. Weil viele Figuren und Beziehungen bereits aus dem ersten Teil bekannt sind, besitzen spätere Entwicklungen eine Wirkung, die eine komplett neue Geschichte nur schwer erreichen könnte.

    Spielerisch bleibt vieles vertraut, was angesichts der Qualität des Grundsystems aber kein Nachteil ist. Neue Techniken, S-Techniken, der Mutansturm, zusätzliche Quartz-Möglichkeiten und weitere spielbare Charaktere erweitern das Kampfsystem sinnvoll. Dazu kommen zahlreiche Nebenaktivitäten wie Angeln, Poker und Kochen. Die modernisierte Präsentation mit ausdrucksstärkeren Charaktermodellen, neuen Animationen und aufwendigeren Zwischensequenzen verleiht dem Abenteuer zudem deutlich mehr Wirkung.

    Die größte Schwäche bleibt das Tempo. Der Einstieg ist ausgesprochen ruhig, viele Schauplätze sind bereits bekannt und zahlreiche Nebenaufgaben können den Fortschritt der Haupthandlung zusätzlich verlangsamen. Wer direkt nach dem ersten Teil schnelle Antworten erwartet, braucht daher Geduld. Gleichzeitig ist genau diese ausführliche Vorbereitung später ein entscheidender Vorteil.

    Trails in the Sky 2nd Chapter funktioniert am besten als direkte Fortsetzung von 1st Chapter. Wer Estelles Reise von Anfang an begleitet hat, erhält ein umfangreiches JRPG, das seine Figuren weiterentwickelt, die Geschichte konsequent fortführt und die Bedrohung für Liberl immer größer werden lässt. Falcom musste das bewährte Konzept nicht neu erfinden. Stattdessen wurde das Fundament des ersten Teils konsequent ausgebaut und zu einem deutlich größeren und emotionaleren Abenteuer weitergeführt.

    Der Key von Trails in the Sky 2nd Chapter wurde Game2Gether für die Review zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

    Trails in the Sky 1st Chapter Test/Review – Spielt dieses JRPG

    Alex
    Meine Leidenschaft für PC-Hardware begleitet mich seit meiner Jugend. Über viele Hardware-Generationen hinweg habe ich eigene Systeme aufgebaut, getestet und weiterentwickelt – später kamen auch Konsolen und Gaming-Equipment hinzu. Bei Game2Gether bin ich vielseitig unterwegs: von Hardware und Technik über Gaming und Reviews bis hin zu aktuellen News. Mein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Hardware, wobei mich vor allem die Technik hinter den Produkten und deren praktischer Nutzen interessieren.