18 Jahre ist es her, dass wir eine Neuauflage des ursprünglich 1998 erschienenen Rail Shooters The House of the Dead 2 vorgesetzt bekommen haben – und nie sah das Spiel so gut aus wie im aktuellen Remake von MegaPixel Studio. Doch das Original erschien für Arcade-Automaten, die – genau wie der spätere Dreamcast-Port – mit Light Guns gespielt wurde. Auch die Fernbedienung der Wii konnte man für die The House of the Dead 2 & 3 Return-Compilation als solche verwenden – für die PlayStation 4/5 gibt es diese Möglichkeit leider nicht. Funktioniert das schnelllebige Arcade-Spiel dennoch auf der Konsole und mit einem Controller?
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Die vermisste Legende
Nach dem Zombie-Ausbruch im Curien-Anwesen verbringt Agent G die nächsten zwei Jahre mit weiteren Nachforschungen, bis er eines Tages verschwindet. Die AMS (es wird nie erklärt, wofür die Buchstaben der Behörde stehen) sendet vier ihrer Agenten, um im Verschwinden ihres Kollegen zu ermitteln und den erneuten Zombie-Ausbruch in Italien einzudämmen. An vorderster Front und somit in der Hand des Spielers stehen James Taylor und Gary Stewart, ausgerüstet mit ihren Dienstpistolen.

Eine frische Optik ist nicht alles
Vergleicht man das Remake mit seinem Original aus den Arcade-Hallen, ist der Grafiksprung natürlich gewaltig – auch, wenn er kein Level erreicht, das jemanden heutzutage noch beeindrucken kann. Tatsächlich enttäuscht es zwischenzeitlich sogar gerne. So erinnert die triste, auffällig oft ins Braune abdriftende Farbgebung an die berüchtigte PS3/XBox360-Ära, in der das für Spiele ein Aushängeschild war. Gepaart mit zu viel Dunkelheit, wird zwar die Horror-Atmosphäre befeuert, dummerweise aber auf Kosten der Spielbarkeit eines Rail Shooters, bei dem starke Kontraste essentiell sein sollten. Das gesamte Animationsbudget scheint zudem in die Monster geflossen zu sein, sodass jegliche noch lebendige Menschen geradezu lachhaft schlecht aussehen. Auch einen detaillierten Vergleich mit dem Original sollte man lieber vermeiden, da darin nicht nur Umgebungen mit deutlich mehr Details und Liebe gesegnet wurden. Auch das Verschwinden der besiegten Gegner und andere Elemente, die dem Spiel seinen Charakter verliehen. Beim Remake sucht man jegliche Form von Charakter vergeblich.

Schneller schießen als die Finger erlauben
Der Umstand, dass das Spiel nicht mehr für Light Guns, sondern für simple Controller veröffentlicht wird, wurde von den Entwicklern vollkommen außer Acht gelassen. Die Reflexe und vor allem die Geschwindigkeit, mit der man zielen kann, sind vollkommen anders und The House of the Dead 2 Remake tut alles, um dich daran zu erinnern. Selbst, wenn man mit etwas Übung noch genug Zeit hat, um die herannahenden Monster rechtzeitig abzuschießen, so bleibt davon abgesehen selten auch nur eine Sekunde Zeit, um zerstörbare Kisten oder Vasen in der Umgebung ausfindig zu machen, sie zu zerschießen und dann auch noch etwaige darin verborgene Items per Schuss aufzusammeln. Ganz davon abgesehen, dass schon der allererste Bosskampf nicht auf langsame Controllersteuerung ausgelegt ist und dezent frustriert. Einzig noch frustrierender ist die läppische Pistole, mit der man sich durchs Spiel schießen muss. Für andere, vergnüglichere Waffen, muss man im Spiel versteckte Schlüssel finden – doch wie wir soeben etabliert haben, ist das Sammeln von Items bestenfalls Glückssache. Das großartige und für Konsolen entwickelte The House of the Dead: Overkill aus dem Jahre 2009 bietet bereits einen weitaus sinnvolleren Shop zwischen den Leveln an, in dem man seine erzielten Punkte für z.B. eine Shotgun eintauschen kann.

Fazit
The House of the Dead 2 Remake kommt zwar, wie auch sein Vorgänger, in einem schicken Pappschuber daher, will damit aber nur über den pappdünnen Inhalt hinwegtäuschen. Abgesehen von einer zeitgemäßeren Grafik, die aber leider in so vielen Belangen noch zu Wünschen übrig lässt und einem wirklich gelungenen Soundtrack enttäuscht der Rail Shooter. Fans des Originals werden die Detailliebe und den Charme vermissen und neue Spieler werden sich allenfalls darüber freuen, dass sie nach ziemlich genau einer Stunde bereits den Abspann sehen und sich damit zumindest auf Steam noch den Kaufpreis erstatten lassen können. Durch die nicht für Konsolen optimierte Steuerung (wenn man schon auf eine PSVR2-Umsetzung verzichtet) und das nicht in die Neuzeit übertragene Progressionssystem, bietet der Horror Shooter leider verschwindend geringen Wiederspielwert. Selbst der technisch quasi identische Remake-Vorgänger ist da noch ansprechender, der im düsteren Anwesen mehr Stimmung aufkommen lässt als in den Gassen und Kanälen von Venedig. Immerhin gibt es im Grunde genommen keine Game Over und der 2-Spieler-Modus bietet dir immerhin die Gelegenheit, dich mit einem Freund zusammen über das Spiel lustig zu machen.

