STEINS;GATE RE im Test: Ein Zeitreise-Meisterwerk kehrt auf moderne Plattformen zurück

    Quelle: Spike Chunsoft

    Es gibt Videospiele, die man nach dem Abspann sofort wieder vergessen hat. Und dann gibt es Geschichten, die einen selbst Jahre später nicht mehr loslassen. STEINS;GATE gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Die ursprünglich 2009 veröffentlichte Visual Novel von 5pb. und Nitroplus zählt bis heute zu den besten Science-Fiction-Erzählungen der Videospielgeschichte. Mit ihrer faszinierenden Zeitreisethematik, unvergesslichen Charakteren und emotionalen Wendungen setzte sie Maßstäbe, an denen sich zahlreiche andere Genrevertreter messen lassen müssen.

    Mehr als 15 Jahre später kehrt das Abenteuer rund um Rintaro Okabe mit STEINS;GATE RE zurück. Nachdem bereits STEINS;GATE ELITE aus dem Jahr 2018 die Geschichte mit zahlreichen Animationen der Anime-Adaption neu interpretierte, verfolgt Entwickler MAGES. diesmal einen anderen Ansatz. Das Remake orientiert sich wieder stärker an der ursprünglichen Visual Novel, modernisiert allerdings die gesamte Präsentation. Neue Charakterillustrationen, animierte Figuren, vollständig neu aufgenommene Dialoge und zusätzliche Geschichten sollen den Klassiker für eine neue Generation zugänglich machen. Doch braucht eines der besten Zeitreiseabenteuer überhaupt ein Remake?

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    Eine Geschichte, die auch nach 15 Jahren begeistert

    Im Mittelpunkt steht erneut Rintaro Okabe, ein exzentrischer Student aus Akihabara, der sich selbst lieber als verrückten Wissenschaftler Hououin Kyouma bezeichnet. Gemeinsam mit seinen Freunden betreibt er das sogenannte Future Gadget Laboratory, in dem die Gruppe an mehr oder weniger sinnvollen Erfindungen arbeitet. Was zunächst wie eine harmlose Geschichte über eine Gruppe technikbegeisterter Außenseiter beginnt, entwickelt sich schnell zu einem komplexen Science-Fiction-Thriller. Durch einen Zufall entdecken Okabe und seine Freunde, dass eine ihrer Erfindungen Nachrichten in die Vergangenheit schicken kann. Diese sogenannten D-Mails ermöglichen es, bereits geschehene Ereignisse nachträglich zu verändern. Doch die vermeintlich harmlose Entdeckung besitzt weitreichende Konsequenzen.

    Schon bald geraten die Freunde in eine gefährliche Verschwörung, während Okabe zunehmend erkennen muss, dass selbst kleinste Veränderungen der Vergangenheit dramatische Auswirkungen auf die Gegenwart haben können. Gerade die langsame Entwicklung der Handlung gehört weiterhin zu den größten Stärken von STEINS;GATE. Das Spiel nimmt sich viel Zeit, seine Figuren vorzustellen und ihre Beziehungen zueinander aufzubauen. Zwischen humorvollen Alltagsmomenten, wissenschaftlichen Diskussionen und absurden Gesprächen entstehen emotionale Bindungen, die später für einige der eindrucksvollsten Momente der gesamten Geschichte sorgen. Wer STEINS;GATE bislang nicht gespielt hat, darf sich auf ein außergewöhnliches Abenteuer freuen, das gleichermaßen unterhaltsam, tragisch, philosophisch und spannend ist.

    Eine modernisierte Geschichte mit unerwarteten Kürzungen

    Obwohl STEINS;GATE RE die ursprüngliche Geschichte weitgehend unverändert erzählt, gibt es einige Unterschiede zum Original. Das Remake verwendet eine überarbeitete Fassung des bereits aus STEINS;GATE ELITE bekannten Skripts. Dadurch wurden verschiedene Dialoge und längere Passagen gekürzt oder gestrafft. Besonders deutlich wird das bei bestimmten Nebenhandlungen, darunter dem RaiNet-Turnier, das in der neuen Version weniger Raum einnimmt. Für Neueinsteiger dürfte das zunächst kaum auffallen. Die Geschichte bleibt vollständig verständlich und besitzt weiterhin einen hervorragenden Spannungsbogen. Tatsächlich profitieren einige Abschnitte sogar vom etwas höheren Erzähltempo.

    Allerdings geht dadurch auch ein Teil der ursprünglichen Detailverliebtheit verloren. STEINS;GATE war schon immer eine Visual Novel, die sich bewusst Zeit für wissenschaftliche Erklärungen, Charakterentwicklung und vermeintlich nebensächliche Gespräche genommen hat. Gerade diese ausführlichen Passagen verliehen der Geschichte ihren besonderen Charakter. Deshalb erscheint es etwas widersprüchlich, dass ausgerechnet ein vollständiges Remake nicht sämtliche Inhalte der ursprünglichen Veröffentlichung bewahrt. Für langjährige Fans bleibt das ein Kritikpunkt, der verhindert, dass RE die Originalfassung vollständig ersetzen kann.

    Akihabara erstrahlt in neuem Glanz

    Die wohl auffälligste Neuerung betrifft die grafische Präsentation. Sämtliche Hintergründe und Charakterillustrationen wurden für STEINS;GATE RE vollständig überarbeitet. Besonders die Schauplätze in Akihabara profitieren davon. Straßen, Geschäfte und Innenräume besitzen deutlich mehr Details und wirken wesentlich moderner. Auch zahlreiche zusätzliche Hintergrundbilder und Illustrationen wurden integriert. Dadurch erhalten viele Szenen eine abwechslungsreichere Inszenierung. Allerdings ist die neue Grafik nicht in jeder Hinsicht eine Verbesserung.

    Der ursprüngliche Zeichenstil von huke verlieh STEINS;GATE eine unverwechselbare Atmosphäre. Seine ungewöhnlichen Farben, körnigen Texturen und markanten Charakterillustrationen sorgten für einen eigenständigen visuellen Eindruck. RE setzt dagegen auf eine wesentlich sauberere und glattere Darstellung. Das sieht zweifellos hochwertig aus, wirkt stellenweise allerdings auch etwas steriler. Gerade Fans des ursprünglichen Designs könnten deshalb einen Teil der alten Atmosphäre vermissen. Letztlich ist es Geschmackssache, welche Variante besser gefällt.

    Lebendige Charaktere dank neuer Animationstechnik

    Eine der gelungensten Verbesserungen sind die neuen Charakteranimationen. Statt ausschließlich statische Figurenbilder zu verwenden, setzt STEINS;GATE RE auf das E-mote-System, das bereits bei ANONYMOUS;CODE zum Einsatz kam. Dadurch können sich die Charaktere während ihrer Dialoge bewegen und unterschiedliche Emotionen deutlich natürlicher darstellen. Kleine Kopfbewegungen, veränderte Gesichtsausdrücke und fließende Übergänge zwischen verschiedenen Posen sorgen dafür, dass die Gespräche lebendiger wirken. Gerade bei einer Visual Novel, die über weite Strecken aus Dialogen besteht, ist das ein erheblicher Gewinn. Natürlich funktionieren nicht sämtliche Animationen perfekt. Manche Bewegungen wirken gelegentlich etwas steif oder unnatürlich. Insgesamt überwiegt allerdings der positive Eindruck deutlich. Besonders in emotionalen Szenen profitieren die Figuren von den zusätzlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

    Vollständig neue Sprachausgabe

    Neben der Grafik wurde auch die japanische Sprachausgabe komplett neu aufgenommen. Die bekannten Sprecher kehren in ihre jeweiligen Rollen zurück und profitieren dabei von ihrer langjährigen Erfahrung mit den Charakteren. Besonders Mamoru Miyano überzeugt erneut als Rintaro Okabe. Seine Darstellung des selbst ernannten verrückten Wissenschaftlers ist voller Energie und bringt sowohl die humorvollen als auch die dramatischen Seiten der Figur hervorragend zur Geltung. Auch die übrigen Sprecher liefern ausgezeichnete Leistungen ab. In Kombination mit den neuen Charakteranimationen entsteht dadurch eine wesentlich dynamischere Präsentation als im ursprünglichen Spiel. Gerade für Neueinsteiger dürfte diese Modernisierung einen erheblichen Unterschied machen.

    Der Observer-Modus hilft bei den Zeitreisen

    Eine interessante neue Funktion ist der sogenannte Observer-Modus. Dieser bietet eine visuelle Übersicht über die verschiedenen Ereignisse und Weltlinien der Geschichte. Spieler können nachvollziehen, wann bestimmte Szenen stattfinden und an welchen Punkten sich die unterschiedlichen Handlungsverläufe voneinander trennen. Gerade bei einer Geschichte, in der Zeitreisen und alternative Realitäten eine derart wichtige Rolle spielen, erscheint diese Funktion ausgesprochen sinnvoll. Allerdings wurde das Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft. So fehlt beispielsweise eine Zoomfunktion, mit der sich die gesamte Zeitlinienübersicht besser betrachten ließe. Noch ärgerlicher ist allerdings, dass bereits erreichte Handlungspunkte nicht direkt über den Observer-Modus erneut aufgerufen werden können. Eine solche Funktion hätte besonders beim Freischalten unterschiedlicher Enden enorm geholfen. Stattdessen bleibt die Übersicht hauptsächlich ein interessantes Nachschlagewerk.

    Fazit: Ein Meisterwerk bleibt ein Meisterwerk

    STEINS;GATE RE ist ein hervorragendes Remake einer ohnehin außergewöhnlichen Visual Novel. Die Geschichte rund um Rintaro Okabe gehört weiterhin zu den faszinierendsten Zeitreiseabenteuern der Videospielgeschichte. Kaum ein anderes Spiel verbindet wissenschaftliche Gedankenspiele, humorvolle Charakterinteraktionen und emotionale Wendungen auf vergleichbare Weise. Besonders die modernisierte Präsentation überzeugt. Die neuen Hintergründe, lebendigen Charakteranimationen und vollständig neu aufgenommenen Dialoge verleihen dem Klassiker ein zeitgemäßes Erscheinungsbild. Auch die zusätzlichen Geschichten sind eine willkommene Ergänzung, wenngleich nicht sämtliche neuen Inhalte ihr erzählerisches Potenzial vollständig ausschöpfen.

    Allerdings bleibt die Frage, ob STEINS;GATE RE tatsächlich die definitive Version des Spiels darstellt. Die Antwort lautet weiterhin nein. Dafür fehlen schlicht zu viele Details aus der ursprünglichen Fassung. Hinzu kommt, dass einige bekannte Schwächen, insbesondere das komplizierte Freischalten des wahren Endes, unverändert übernommen wurden. Auch der neue Observer-Modus hätte deutlich umfangreicher ausfallen dürfen. Trotzdem sollte man sich davon nicht abschrecken lassen. STEINS;GATE RE ist eine fantastische Möglichkeit, eines der besten Science-Fiction-Abenteuer aller Zeiten kennenzulernen oder erneut zu erleben.