Auf den ersten Blick wirkt ShoreTiles wie ein angenehm entspanntes Aufbauspiel. Kachel für Kachel entsteht eine kleine Insel, Gebäude werden miteinander kombiniert und die eigene Siedlung wächst langsam zu einer funktionierenden Gemeinschaft heran. Doch der friedliche Eindruck täuscht. Sobald die Nacht hereinbricht, wird aus dem gemütlichen Inselbau ein anspruchsvolles Survival-Strategiespiel.
Dann greifen Kreaturen aus dem Meer an und versuchen, den zentralen Leuchtturm zu erreichen. Was in den ersten Nächten noch relativ einfach wirkt, entwickelt sich schnell zu einer echten Herausforderung. Immer mehr und immer stärkere Gegner greifen an, während gleichzeitig die eigenen Truppen sinnvoll verteilt werden müssen.
ShoreTiles verbindet damit zwei zunächst sehr unterschiedliche Spielprinzipien miteinander. Tagsüber steht der strategische Aufbau der Insel im Mittelpunkt, während nachts die Verteidigung über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ob diese ungewöhnliche Kombination funktioniert, zeigt unser Test.
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ShoreTiles – Inselbau mit Konsequenzen
Das grundlegende Spielprinzip von ShoreTiles ist schnell erklärt. Die eigene Insel wird mithilfe verschiedener Kacheln Stück für Stück erweitert. Je nach Kachel entstehen dabei Wälder, Felder, Wohngebiete, Fischerhütten, militärische Einrichtungen oder andere Strukturen. Entscheidend ist allerdings nicht nur, welche Kachel ausgewählt wird, sondern vor allem, wo sie landet. Verschiedene Kacheln können miteinander kombiniert werden und profitieren davon, wenn passende Strukturen nebeneinander platziert werden. Dadurch entstehen Synergien, die zusätzliche Ressourcen und Punkte liefern.
Die Insel sollte deshalb nicht einfach möglichst schnell vergrößert werden. Bereits beim Aufbau muss die kommende Nacht berücksichtigt werden. Denn die Position der Gebäude und natürlichen Hindernisse beeinflusst später auch die Wege, auf denen sich die Gegner in Richtung Leuchtturm bewegen. Genau daraus entsteht der besondere Reiz von ShoreTiles. Eine Entscheidung, die während des Tages wirtschaftlich sinnvoll erscheint, kann sich in der Nacht als taktischer Fehler herausstellen.
Die richtige Kachel am richtigen Platz
Die ersten Spielminuten vermitteln zunächst einen sehr zugänglichen Eindruck. Die grundlegende Steuerung wird zu Beginn erklärt und ist schnell verstanden. Kacheln lassen sich intuitiv platzieren und auch die grundlegenden Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Gebäuden und Ressourcen sind schnell nachvollziehbar. Mit zunehmender Spieldauer zeigt sich allerdings, dass hinter dem einfachen Prinzip deutlich mehr steckt. Bestimmte Kacheltypen profitieren davon, wenn sie nebeneinander platziert werden. Wälder können beispielsweise miteinander kombiniert werden, während Fischerhütten von ihrer Position am Wasser profitieren.
Dadurch entsteht nach und nach ein kleines Puzzle innerhalb des Inselaufbaus. Der vorhandene Platz muss sinnvoll genutzt werden und gleichzeitig sollte die Insel so aufgebaut werden, dass später möglichst günstige Verteidigungspositionen entstehen. Besonders wichtig ist dabei der Leuchtturm. Er bildet das Zentrum der eigenen Insel und ist gleichzeitig das entscheidende Ziel der angreifenden Kreaturen. Wird der Turm zerstört, ist der aktuelle Durchlauf beendet.

Engpässe statt offene Wege
Ein wesentlicher Bestandteil der Verteidigungsstrategie besteht darin, die Laufwege der Gegner gezielt zu beeinflussen. Wer die Kacheln einfach wahllos verteilt, macht es den Angreifern unnötig leicht. Sinnvoller ist es, natürliche Hindernisse und die Form der Insel zu nutzen, um bestimmte Wege zu blockieren. So lassen sich Engpässe erzeugen, durch die die Gegner gezwungen werden. Genau an solchen Stellen können Verteidigungsanlagen ihre Stärken besonders gut ausspielen. Ein Flachturm oder ein Bogenschützen-Posten kann beispielsweise deutlich effektiver eingesetzt werden, wenn sich mehrere Gegner auf einem begrenzten Weg konzentrieren.
Das sorgt dafür, dass die Inselplanung zunehmend taktischer wird. Es reicht nicht mehr, möglichst viele Gebäude zu errichten. Vielmehr muss bereits beim Platzieren der Kacheln überlegt werden, wie die nächste Nacht aussehen könnte.

Vom Händler bis zur nächsten Verteidigungsanlage
Für den Ausbau der eigenen Insel stehen verschiedene Ressourcen zur Verfügung. Während des Tages werden durch geschicktes Platzieren und das Kombinieren von Kacheln Münzen und weitere Belohnungen erwirtschaftet. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei der reisende Händler. Bei ihm lassen sich neue Kachel-Pakete erwerben, die unter anderem zivile, militärische oder auf den Leuchtturm ausgerichtete Elemente enthalten. Damit erweitert sich der Pool an Möglichkeiten, aus denen während des weiteren Spielverlaufs geschöpft werden kann.
Auch die Kombination ähnlicher Kacheln spielt eine wichtige Rolle. Werden bestimmte Strukturen passend miteinander verbunden, können daraus größere oder leistungsfähigere Gebäude entstehen. Gerade im militärischen Bereich ist das interessant, da auf diese Weise stärkere Verteidigungsmöglichkeiten und leistungsfähigere Truppen entstehen können.
Zusätzlich sorgen kleinere Herausforderungen für weitere Freischaltungen. Wer bestimmte Aufgaben erfüllt, kann neue Strukturen für den weiteren Spielverlauf erhalten. Dadurch erweitert sich der eigene Kachel-Pool Schritt für Schritt.
Wenn die Nacht hereinbricht
Nach der ruhigen Aufbauphase ändert sich das Spielgefühl deutlich. Sobald die Nacht beginnt, greifen die Kreaturen aus dem Meer an. Jetzt zeigt sich, ob die während des Tages getroffenen Entscheidungen tatsächlich funktioniert haben. Der Leuchtturm muss um jeden Preis geschützt werden. Die Gegner greifen dabei aus unterschiedlichen Richtungen an und stellen mit zunehmender Spieldauer immer größere Herausforderungen dar.
Besonders interessant ist die Tatsache, dass nicht jeder Gegner auf dieselbe Weise bekämpft werden kann. Die unterschiedlichen Gegnertypen verlangen nach angepassten Strategien. Dadurch reicht es nicht aus, einmal eine funktionierende Verteidigungsaufstellung zu finden und diese anschließend unverändert zu verwenden.
Stattdessen muss die Verteilung der eigenen Truppen immer wieder angepasst werden. Mit zunehmender Anzahl der Gegner wird genau das zu einer der größten Herausforderungen des Spiels.
Die Schwierigkeit zieht spürbar an
ShoreTiles beginnt vergleichsweise entspannt. Die ersten Nächte sind noch gut zu bewältigen und dienen gleichzeitig dazu, die verschiedenen Systeme kennenzulernen. Wer sich dabei bereits mit dem Aufbau der Insel beschäftigt, bekommt zunächst das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Dieses Gefühl hält allerdings nicht besonders lange an. Mit jedem weiteren Tag steigt der Schwierigkeitsgrad. Es erscheinen mehr Gegner und gleichzeitig kommen stärkere Kreaturen hinzu. Dadurch wird es zunehmend schwieriger, alle Angriffswege ausreichend abzusichern.
Besonders die Verteilung der eigenen Truppen wird dabei zum entscheidenden Faktor. Werden zu viele Einheiten auf einer Seite eingesetzt, kann eine andere Stelle der Insel schnell ungeschützt sein. Gleichzeitig kann es sich als fatal erweisen, Verteidigungsanlagen zu früh an einer falschen Position zu platzieren.
Das Spiel fordert dadurch zunehmend vorausschauendes Denken. Was in den ersten Nächten noch problemlos funktioniert, reicht einige Tage später möglicherweise nicht mehr aus.

Ein Spiel für mehrere kurze Runden
ShoreTiles verfolgt dabei nicht den Ansatz, den Spieler über viele Stunden an einen einzigen Durchlauf zu binden. Eine Partie lässt sich auch in überschaubarer Zeit spielen und eignet sich dadurch gut für einige Runden zwischendurch. Gleichzeitig sorgen die steigende Schwierigkeit und der Roguelike-Ansatz dafür, dass ein neuer Durchlauf durchaus seinen Reiz hat. Scheitert die eigene Verteidigung, ist die Partie zwar beendet, doch der nächste Versuch beginnt nicht völlig ohne Fortschritt.
Durch die Freischaltungen erweitert sich der verfügbare Pool an Kacheln und Möglichkeiten. Zusammen mit der variierenden Map entsteht dadurch eine gewisse Abwechslung, obwohl ShoreTiles grundsätzlich nur einen Spielmodus bietet.
Jede Map verlangt eine neue Strategie
Dass es nur einen Spielmodus gibt, fällt weniger stark ins Gewicht, als zunächst vermutet werden könnte. Der Aufbau der Karte variiert und damit verändern sich auch die Voraussetzungen für den jeweiligen Durchlauf. Zusammen mit den unterschiedlichen Gegnern entsteht dadurch ausreichend Raum für unterschiedliche Strategien. Eine Verteidigungsaufstellung, die auf einer Karte hervorragend funktioniert, lässt sich nicht zwangsläufig auf die nächste übertragen.
Gerade in Verbindung mit dem wechselnden Kachel-Pool entsteht dadurch ein Spielablauf, bei dem die eigene Strategie immer wieder angepasst werden muss. Das verhindert, dass ShoreTiles nach wenigen Runden komplett vorhersehbar wird.
Simple und intuitive Steuerung
Bei der Steuerung macht es ShoreTiles dem Spieler angenehm einfach. Die grundlegenden Funktionen werden direkt zu Beginn erklärt und sind anschließend schnell verinnerlicht. Die Kacheln lassen sich unkompliziert auswählen und platzieren, während auch die Verwaltung der eigenen Verteidigung übersichtlich bleibt. Eine komplizierte Steuerung steht damit zu keinem Zeitpunkt zwischen Spieler und Spielmechanik.
Das passt gut zum grundsätzlichen Konzept des Spiels. Der Anspruch entsteht nicht durch komplizierte Eingaben, sondern durch die Entscheidungen, die mit den vorhandenen Möglichkeiten getroffen werden müssen.
Optisch ansprechend gestaltet
Auch optisch hinterlässt ShoreTiles einen positiven Eindruck. Die Insel und ihre einzelnen Kacheln sind liebevoll gestaltet und ergeben zusammengesetzt eine charmante kleine Spielwelt. Der eher verspielte Stil passt gut zum zunächst entspannten Aufbau der Insel. Gleichzeitig funktioniert der visuelle Wechsel in die Nachtphase, wenn die Bedrohung aus dem Meer auftaucht.
Besonders angenehm ist, dass die eigene Insel im Laufe einer Partie sichtbar wächst. Aus wenigen Kacheln entsteht nach und nach eine kleine Siedlung mit Wohngebieten, Ressourcenquellen und Verteidigungsanlagen. Das sorgt für einen zusätzlichen Motivationsfaktor und macht die Entwicklung der Insel auch optisch nachvollziehbar.
Fazit
ShoreTiles schafft es, aus einem zunächst sehr einfachen Spielprinzip überraschend viel strategische Tiefe herauszuholen. Das Platzieren von Kacheln wirkt zunächst beinahe gemütlich, doch spätestens wenn die ersten anspruchsvolleren Nächte anstehen, wird deutlich, dass jede Entscheidung Konsequenzen hat. Besonders gut funktioniert die Verbindung zwischen dem Aufbau während des Tages und der Verteidigung während der Nacht. Die eigene Insel muss nicht nur wirtschaftlich sinnvoll aufgebaut werden, sondern gleichzeitig auch als Verteidigungsanlage funktionieren. Engpässe, natürliche Hindernisse und die Position der eigenen Truppen werden dadurch zu wichtigen Bestandteilen der Planung.
Der steigende Schwierigkeitsgrad ist dabei eine der größten Stärken des Spiels. Die ersten Nächte vermitteln noch Sicherheit, bevor immer mehr und stärkere Gegner auftauchen. Dadurch muss die eigene Strategie kontinuierlich angepasst werden. Gerade die zunehmende Schwierigkeit bei der Verteilung der Truppen sorgt dafür, dass auch spätere Spieltage spannend bleiben. Dass ShoreTiles dabei auch für kurze Spielsessions geeignet ist, kommt dem Konzept zugute. Eine Runde muss nicht gleich einen ganzen Abend verschlingen. Gleichzeitig sorgen unterschiedliche Maps, verschiedene Gegner und die Freischaltungen dafür, dass ein neuer Versuch nach einer Niederlage durchaus reizvoll bleibt.
Wer eine Mischung aus Tile-Placement, Aufbau und Survival-Strategie sucht, bekommt mit ShoreTiles einen interessanten Genre-Mix. Das Spiel ist leicht zugänglich, wird aber schnell anspruchsvoll und belohnt diejenigen, die ihre Insel nicht nur schön, sondern vor allem taktisch sinnvoll aufbauen.
ShoreTiles wurde Game2Gether von VOXEL Studios für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers oder Händlers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.


