Nioh 3: Der Höllenaufstand im Test

    Quelle: Team Ninja

    Nioh 3 war für mich schon im Hauptspiel einer der stärkeren Soulslike-Titel da er in diesem Genre seine eigenen Akzente setzt und eine einzgartige Seele besitzt. Team Ninja hat nie versucht die ursprünglichen Souls-Klassiker zu kopieren, sondern hat die Identität der Nioh Reihe konsequent weiterentwickelt: tiefes Kampfsystem, japanische Geschichte, Yokai-Mythologie, komplexe Builds und eine neue Dynamik, die zwischen Samurai- und Ninja-Stil switcht.

    Mit dem ersten DLC – Der Höllenaufstand beziehungsweise Hell Rising folgt nun die erste große Erweiterung. Diese bringt keine überraschende Veränderung des Hauptspiels, sondern eine konzentrierte Verdichtung dessen, was Nioh 3 so gut macht. Aber erzählerisch steckt überraschend viel drin. Denn irgendwann endet jede Herrschaft. Selbst die eines Shogun.

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    Wenn der eigene Name Geschichte geworden ist

    Nach dem Hauptspiel hat Takechiyo das lang ersehnte Ziel erreicht, ist Shogun geworden und trägt nun den Namen Iemitsu. Damit wird aus unserem individuell gestalteten Helden endgültig Team Ninjas Version des historischen dritten Tokugawa-Shoguns.

    Ein unbekannter Yokai erscheint Iemitsu in seinen Träumen. Auf der Suche nach dem Wesen folgt er dem Licht des Spiegels und reist ins Jahr 1651. Dort wartet die eigentliche Pointe des DLCs: Der Iemitsu dieser Zukunft ist bereits tot. Mit seinem Tod ist auch die Ordnung seiner Herrschaft zerbrochen. Edo wurde vom Crucible zurückerobert und ist zu einer dämonisch verwüsteten Landschaft geworden. Im Hauptspiel reiste Takechiyo durch die Geschichte, um deren Verlauf zu verändern. Nun besucht er eine Zukunft, in der seine eigenen Taten längst Geschichte geworden sind und muss erkennen, dass selbst ein Shogun nicht kontrollieren kann, was nach seinem Wirken bleibt.

    Zerstörte Welt in Nioh 3 Hell Rising
    Quelle: Team Ninja

    Nioh 3 Hell Rising – Die Geschichte wird wieder zum Spielplatz

    Besonders spannend ist erneut die Erzählweise, eine Mischung aus realer Historie und Yokai-Fantasy. Im Zentrum steht die Keian-Rebellion von 1651. Der Militärgelehrte Yui Shosetsu richtet sich gegen den Tokugawa-Clan und das Shogunat und sammelt zahlreiche Rōnin um sich. Team Ninja macht daraus natürlich weit mehr als einen historischen Aufstand. Spirit Stones, Crucible und Yokai verschmelzen mit politischen Konflikten der frühen Edo-Zeit.

    Unterstützt wird Iemitsu von Yagyu Jubei, dessen historische Legendenbildung geradezu perfekt in diese Welt passt. Der „Hidden Yagyu“ wird hier zum heimlich durch Japan reisenden Schwertkämpfer, der Konflikte und Yokai-Vorfälle untersucht. Dazu kommt der spanische Gesandte Rodrigo, Generalgouverneur der Philippinen, der während eines Aufenthalts in Edo in die Ereignisse hineingezogen wird.

    Und wo die Geschichtsschreibung eine Lücke lässt, wartet bei Team Ninja eben meistens ein Dämon. Die Handlung um die Spirit Stones endet dabei ausdrücklich noch nicht hier. Hell Rising bildet den Auftakt eines Zweiteilers, der erst mit Bloody Insurrection abgeschlossen werden soll.

    Kampfszene in Nioh 3 Hell Rising
    Quelle: Team Ninja

    Edo geht unter – sieht dabei aber großartig aus

    Auch die neue Region gehört zu den Stärken des DLCs. Überflutete Dörfer, vulkanische Landschaften, dämonisch überwucherte Gebiete und sogar ein Labor ausländischer Alchemisten sorgen für viel Abwechslung. Die stärkere Vertikalität tut der Erkundung ebenfalls gut. Das passt hervorragend zur grundlegenden Neuausrichtung von Nioh 3, das bereits im Hauptspiel einen überzeugenden Mittelweg zwischen klassischen Missionen und offeneren Arealen gefunden hatte. Gleichzeitig bekommt die Edo-Zeit endlich mehr Raum. Im Hauptspiel war Edo nur ausschnitthaft präsent, während das spätere Bakumatsu bereits derart zerstört war, dass von der Kultur der Epoche wenig übrig blieb.

    Hell Rising füllt diese Lücke. Ironischerweise mit einem Edo, das gerade erneut untergeht.

    Monster aus Nioh 3 Hell Rising
    Quelle: Team Ninja

    Nioh 3 Hell Rising – Ein Schild ist bei Nioh kein Grund, defensiv zu werden

    Spielerisch bleibt das Kampfsystem selbstverständlich das Herzstück. Die wichtigste Neuerung ist Hoko und Schild. Zum ersten Mal innerhalb der Reihe kann eine Waffe defensive Eigenschaften direkt während des eigenen Angriffs einsetzen. Der Schild blockt gegnerische Attacken, während wir offensiv bleiben; Samurai und Ninja nutzen die Kombination dabei unterschiedlich.

    Das funktioniert hervorragend.

    Gut getimte Angriffe verwandeln gegnerische Offensive unmittelbar in die eigene. Defensiv bedeutet hier also keineswegs passiv und genau deshalb fügt sich die neue Waffe so gut in das ohnehin starke Kampfsystem ein. Dass Team Ninja nach drei Spielen noch immer neue Rhythmen innerhalb dieser Mechanik findet, ist beeindruckend.

    Monster aus Nioh 3 Hell Rising
    Quelle: Team Ninja

    Nioh 3 Hell Rising – Willkommen im Endgame

    Wer wie ich nach einigen Monaten Pause gemütlich in den DLC zurückkehren möchte, sollte vorher allerdings noch einmal den eigenen Build prüfen. Der Höllenaufstand setzt den Abschluss des Hauptspiels voraus. Yagyu Jubei fungiert dabei beinahe als Türsteher. Schnell, aggressiv und mit Wind- und Wasserangriffen ausgestattet, verlangt er ziemlich konsequent jene Fähigkeiten ab, die Nioh 3 zuvor vermittelt hat.

    Scheitern gehört dazu und Verlieren bedeutet Lernen. Wer ausdauernd nach Informationen gräbt, Muster erkennt und bereit ist seinen Stil auf den nächsten Boss anzupassen wird für seine Frustrationstoleranz belohnt. Und irgendwann liegt der Gegner.

    Quelle: Team Ninja

    Nioh 3 Hell Rising – Schwierig ist gut.

    Leider hält Team Ninja diese Qualität nicht durch die ganze Erweiterung. Gerade in späteren Crucible-Abschnitten werden wir mehrfach mit Gegnergruppen in engen Räumen konfrontiert. Dann kippt die Herausforderung gelegentlich in künstliche Härte. Ein Boss darf mich gerne zwanzigmal besiegen, solange ich das Gefühl habe, etwas zu lernen. Drei Yokai gleichzeitig in einen Raum von der Größe eines Abstellschranks zu werfen, ist dagegen eher billig konstruierte Härte.

    Aber zurück zu den neuen Bossen: die neuen Bosskämpfe gehören zu den Highlights des DLCs. Etwas enttäuschend ist allerdings, dass bekannte Yokai aus dem Hauptspiel mehrfach zurückkehren, lediglich mit mehr Lebenspunkten und höherem Schaden. Gerade bei einer Erweiterung mit ungefähr acht bis zehn Stunden Umfang wirkt das stellenweise wie unnötiges Padding.

    Endgame nach dem Endgame

    Über die eigentliche Geschichte hinaus erweitert Hell Rising auch das Endgame. Die neuen Hundred Demon Realms Picture Scrolls erzeugen prozedural zusammengestellte Kampfherausforderungen. Wer sie abschließt, schaltet die jeweilige Rolle als Ausrüstung frei und kann sie durch begrenzte Wiederholungen weiter verändern.

    Mit Enlightened One’s Journey kommt außerdem ein dritter Schwierigkeitsgrad hinzu. Gegner können dort mächtige Curse-Effekte erhalten, während neue Divine Graces und stärkere Ausrüstung auf erfahrene Spieler warten. Wer Nioh ohnehin als ewige Build-Maschine versteht, bekommt also genug neues Futter.

    Monsterwesen aus Nioh 3 Hell Rising
    Quelle: Team Ninja

    Fazit: Geschichte lässt sich verändern – aber nicht beherrschen

    Team Ninja verdichtet die großen Stärken des Hauptspiels zu einer kompakten Erweiterung: starke Erkundung, hervorragende Kämpfe, interessante neue Bosse und zusätzliche Möglichkeiten für Endgame-Spieler. Die eigentliche Stärke liegt für mich aber in der Lore. Takechiyo hat sein Ziel erreicht. Er wurde Shogun, nahm den Namen Iemitsu an und schuf eine Zeit des Friedens.

    Dann reist er in die Zukunft und findet eine Welt vor, in der er bereits tot ist.

    Iemitsus Ordnung ist zerbrochen. Edo wurde vom Crucible verschlungen. Menschen rebellieren gegen das Shogunat, das er selbst geprägt hat. Auch der mächtigste Shogun muss sich also eine unausweichliche Wahrheit eingestehen: Geschichte lässt sich zwar mitbestimmen. Beherrschen lässt sie sich aber nicht.

    Nioh 3 Hell Rising ist ein hervorragender Auftakt der DLC-Reihe und treibt das überzeugende Gameplay von Nioh 3 in konzentrierter Form weiter voran. Es ist eine klare Ansage und Erinnerung daran, warum Team Ninja innerhalb des Soulslike-Genres längst seinen eigenen festen Platz gefunden hat.

    Nioh 3: Der Höllenaufstand – die wichtigsten Informationen auf einen Blick

    • Titel: Nioh 3: Der Höllenaufstand (Hell Rising)
    • Hauptspiel: Nioh 3
    • Entwickler: Team NINJA
    • Publisher: KOEI TECMO
    • Genre: Action-RPG / Soulslike
    • Release: 19. August 2026
    • Plattformen: PlayStation 5, Xbox Series X|S, PC
    • DLC: Erste von zwei großen Erweiterungen
    • Voraussetzung: Abschluss des Hauptspiels; anschließend wird „1651 CE – Hell Rising“ freigeschaltet.
    • Setting: Keian-Periode, Edo im Jahr 1651
    • Protagonist: Takechiyo Tokugawa, inzwischen Shogun unter dem Namen Iemitsu
    • Zentrale Figuren: Yagyu Jubei, Rodrigo und Yui Shosetsu
    • Neue Waffe: Hoko & Schild für Samurai- und Ninja-Stil
    • Neue Systeme: Hundred Demon Realms Picture Scrolls, neue Martial Arts, Ninjutsu und Onmyo-Magie, Guardian Spirit Tora Gozen
    • Neuer Schwierigkeitsgrad: Enlightened One’s Journey
    • Spielzeit: ca. 8–10 Stunden
    • Fortsetzung: Die begonnene Handlung wird im zweiten DLC Bloody Insurrection abgeschlossen.
    Andreas Danner
    Ich liebe Games seit die ersten Pentium Rechner das Licht der Welt erblickten. Ob Soulslikes, narrative RPGs oder Indie-Perlen mit neuen Perspektiven, mich faszinieren spannende Kompositionen aus Design, Gameplay und Story, auch in VR und KI-getriebenen Welten. Games sind für mich nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kunst und Kultur.