Need for Speed: Hot Pursuit Remastered – Test / Review

    (Ingame Screenshot)

    Mit Need for Speed: Hot Pursuit Remastered präsentiert EA eine überarbeitete Version des 2010 erschienen Need for Speed: Hot Pursuit. Soweit so gut, doch dieses wiederum war bereits eine Neuauflage  des 1998 erschienen Need for Speed III: Hot Pursuit. Handelte es sich bei der 2010er Version noch um ein völlig neues Spiel im Vergleich zur Ursprungsversion fällt der Unterschied jetzt kleiner aus.

    In Hot Pursuit kann der Spieler wahlweise in die Rolle des Racers oder des Ordnungshüters eintauchen. So bietet das Spiel neben Einzelrennen gegen die Uhr, klassischen Rennen mit Gegnern, usw. auch Rennen bei denen man zusätzlich in Verfolgungsjagden dem Zugriff der Polizei entkommen muss. Oder man wechselt in die Rolle der Polizei und versucht die illegalen Racer dingfest zu machen. Diese verschiedenen Spielmodi sind sowohl im Karriere-, als auch im Online-Modus spielbar.

    Das Spiel ist neben dem PC auch für Xbox One, PlayStation 4 und Nintendo Switch erschienen. Die PC-Version ist dabei über Steam und Origin für 29,99 € erhältlich (auf Origin auch in Play Pro enthalten). Die Konsolen-Versionen sind für 39,99 € über die jeweiligen Stores zu beziehen. Es handelt sich also um keine Vollpreistitel. Über ein (abschaltbares) Crossplay-Feature können Spieler aller Versionen gegeneinander antreten.

    Systemanforderungen der PC-Version:

    Minimum Maximum
    Betriebssystem Windows 10, 64 bit Windows 10, 64 bit
    CPU (AMD) Phenom II X4 965 FX-8350
    CPU (Intel) Core i3-2120 Core i5-3570K
    RAM 8 GB 8 GB
    Grafikkarte (AMD) Radeon HD 5870 Radeon R9 270x
    Grafikkarte (Nvidia) GeForce GTS 640 GeForce GTX 660
    DirectX Version 11 oder höher Version 11 oder höher
    Festplattenspeicher 45 GB 45 GB

    Die Systemanforderungen fallen sehr moderat aus, sind jedoch höher als die des Originals von 2010, damals wurde ein Intel Core 2 Duo oder AMD Athlon 64 X2 gefordert. Die meisten Systeme, auch ältere oder preiswerte Gaming-PCs, werden diese Anforderungen problemlos erfüllen. Bei den maximalen Anforderungen werden lediglich Mittelklasse CPUs und GPUs von 2012 gefordert.

    Getestet wurde das Spiel mit folgender Hardware in WQHD-Auflösung:
    CPU: Intel Core i7-10700K @ 4,7 GHz
    RAM: Corsair Vengeance RGB Pro 32 GB @ 3.200 MHz
    GPU: Gigabyte RTX2060 Gaming OC

    Neuerungen im Vergleich zum Original:

    Need for Speed: Hot Pursuit Remastered erhält direkt zu Release alle fünf Haupt-DLCs die für die 2010er Version entschieden sind. Diese beinhalten diverse Fahrzeuge, Events und zusätzliche Online-Multiplayer-Modi. Somit sind 71 Racer- und 53 Cop-Fahrzeuge enthalten. Darüber hinaus wurden die Menüs, integrierte Videos und auch das HUD beim Fahren aktualisiert. Die Grafik bietet nun mehr Umgebungsdetails, sowohl beim Boden, als auch bei Gebäuden und Fahrbahnelementen. Für eine bessere Sicht sind Nachtrennen auch etwas aufgehellt worden.

    Das HUD im Rennen (Ingame Screenshot)

    Der Einstieg ins Spiel und der erste Eindruck:

    Schon beim Start des ersten Rennens fühlt sich Hot Pursuit Remastered unverkennbar wie Need for Speed an, was einen positiven ersten Eindruck hinterlässt. Man kann direkt Rennen auch mit etwas potenteren Fahrzeugen fahren ohne nur in der Leitplanke zu enden, hier merkt man den Unterschied zwischen Arcade-Racer und Rennsimulation. Der Realismus wird hier einem Fahrspaß à la Fast and Furious geopfert. Allerdings macht das durchaus sehr viel Spaß und der Einstieg ist auch weniger frustrierend.
    Das Spiel bietet einen Karriere- und einen Online-Modus in denen man in diversen Spielmodi gegeneinander antreten kann, dazu später noch mehr.

    Der erste Eindruck wird allerdings etwas von der Grafikqualität getrübt. Diese ist nicht auf dem Stand der Zeit und bietet auch kaum nennenswerte Unterscheide zum 2010er Original. Es scheint das bei diesem Remastered nur die Komptabilität für aktuelle Hardware erweitert und auf einen Wechsel zu einer Grafikengine auf dem Stand der Zeit verzichtet wurde. Man sollte hier auch erwähnen das EA im Steam und Origin-Store die 2010er Version entfernt hat, so dass preisbewusste Fans diese nicht mehr erwerben können.

    Menüführung, Optionen und Steuerung:

    Die Navigation durch die Menüs erfolgt auch am PC ohne Maus. Hier muss man entweder die Tastatur oder einen angeschlossenen Controller nutzen. Insgesamt ist die Menüführung aber sehr übersichtlich und leicht nachvollziehbar.

    Bei den Anzeigeeinstellungen hat man die Möglichkeit zwischen Vollbild-, Vollbildfenster- und Fenstermodus zu wählen. Die Auflösung lässt sich dabei zwischen 800 x 600 Pixeln und 4K einstellen. Leider lässt sich die maximale Framerate nur auf 30 oder 60 Pixel einstellen, man kann die Vorteile aktueller Monitore mit 144 Hz oder höher somit nicht ausreizen. Die Bildwiedergabe war auf einem 165 Hz Monitor mit aktivierter G-Sync-Kompatibilität aber durchweg flüssig.  In den Grafikeinstellungen lassen sich noch diverse Effekte und Details anpassen, im Test konnten diese in Verbindung mit WQHD-Auflösung jedoch alle bedenkenlos  auf das Maximum eingestellt werden. Die RTX 2060 wurde dabei nicht ausgelastet. Bei den Sound-Einstellungen kann zwischen Stereo, 5.1 Surround und 7.1 Surround gewählt werden. Musik und Soundeffekte lassen sich dabei separat in der Lautstärke regeln.

    Die Grafikoptionen (Ingame Screenshot)

    Die Steuerung am PC kann mittels Tastatur, Controller oder andere Steuerungshardware erfolgen. Etwaige Vibrationsfunktionen werden dabei unterstützt. Im Test haben wir einen Xbox-Controller und die Tastatur genutzt. Die Tastenbelegung ist dabei sehr überschaubar. Neben Lenken, Beschleunigen, Bremsen und Handbremse gibt es noch einen Nitro-Turbo und bei den Polizeirennen Nagelband, EMP, Hubschrauberverfolgung und Störsender/Straßensperre. Allerdings ist ein Wechseln der Kameraperspektive nicht möglich, es gibt nur eine Third-Person-Perspektive hinter dem Fahrzeug. Die Cockpit-Perspektive fehlt ebenso wie in der 2010er Version.

    Das Rangsystem:

    Unter dem Namen Autolog verbirgt sich im Spiel ein Rangsystem. Dieses unterscheidet zwischen der Rolle des Racers und der des Polizisten. Man muss in beiden Rollen sogenanntes Kopfgeld (durch Siege, Ergreifungen und diverse weitere Dinge) erfahren und steigt so im Rang auf. Gleichzeitig schaltet man nach und nach neue Fahrzeuge und Events frei.

    Die Fahrzeuge:

    Das Spiel umfasst 71 Racer- und 53 Cop-Fahrzeuge. Diese werden jeweils in fünf Kategorien, abhängig von der maximalen Geschwindigkeit und Exklusivität, unterteilt. Die Fabrikaten sind eine bunte Mischung europäischer, amerikanischer und asiatischer Modelle, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Die Auswahl der Fahrzeuge ist aber auf Stand es 2010er Originals, es gibt keine neueren Modelle. Eine vollständige Liste findet sich auf der Webseite von EA.

    Das Garagen-Menü (Ingame Screenshot)

    Die Lackierung der Fahrzeuge kann man vielfältig den eigenen Wünschen anpassen und das Ergebnis anschließend im Foto-Modus festhalten. Je nach Modell hat man die Wahl zwischen einigen Standard-Farbtönen, man kann aber auch aus einer großen Farbpalette wählen oder mittels Regler für Farbton, Sättigung und Helligkeit frei auswählen. Bei letzterer Option besteht auch noch die Möglichkeit Lackeffekte wie Matt, Hochglanz, Metallic oder Perlmutt zu nutzen. Ein weiteres optisches Tuning mit Anbauteilen oder Folierungen ist nicht möglich. Ebenso lässt sich auch die Fahrleistung der Fahrzeuge nicht optimieren, wie man es damals in Need for Speed Underground lieben gelernt hat.

    Karriere-Modus:

    Der Karriere-Modus basiert auf einer Spielwelt mit einem verknüpften Straßennetz. Dabei werden je nach Event hier unterschiedliche Abschnitte als Strecke genutzt. In einem Freie-Fahrt-Modus kann man die gesamte Welt jedoch frei erkunden. Allerdings kann man nicht, wie in Need for Speed: Underground 2, selber zu den einzelnen Rennen fahren.

    Die Weltkarte im Karriere-Modus (Ingame Screenshot)

    Der Spieler kann frei zwischen der Rolle des Racers oder Polizisten wechseln, man benötigt keine unterschiedlichen Spielstände. Die Wettbewerbe unterscheiden sich dabei aber natürlich. In diversen Events kann man Bronze-, Silber- oder Gold-Trophäen und Kopfgeld erfahren. Insgesamt gibt es 78 Racer- und 63 Cop-Events. Dabei ist es möglich auch bereits abgeschlossene Events erneut zu fahren und z.B. die eigenen Zeiten zu verbessern. Je nach Event steht immer eine angepasste Auswahl der freigeschalteten Fahrzeuge zur Verfügung. Es gibt jedoch auch Events mit „geliehenen“ Fahrzeugen die noch nicht freigeschaltet sind.

    Die Events starten zunächst auf einem etwas einfacheren Schwierigkeitsgrad, werden aber schnell anspruchsvoller, so dass man durchaus mal mehrere Durchgänge benötigt um eine Gold-Trophäe zu erfahren.

    Online-Modus:

    Im Online-Modus gibt es fünf verschiedene Arten von Rennen:

    • Hot Pursuit:
      Hier treten Racer gegen Cops an. Das Ziel der Racer ist es die Ziellinie zu erreichen (und zu gewinnen), das Ziel der Cops ist es die Racer zu stoppen.
    • Interceptor:
      Ein Racer tritt im direkten Duell gegen einen Cop an.
    • Rennen:
      Klassisches Rennen gegeneinander ohne Cops.
    • Meistgesuchter:
      Die Cops verfolgen hier immer den meistgesuchten Verdächtigen. Das Ziel der Racer ist es diesem gegen die Cops zu helfen.
    • Alle gegen Alle:
      Ein nicht ganz so klassisches Rennen, man ist mit Nagelketten, EMP usw. bewaffnet. Hier gewinnt nicht unbedingt der fairste Fahrer…
    Die Partiesuche im Multiplayer (Ingame Screenshot)

    Spielpartien lassen sich sowohl über eine Suche finden, als auch selber erstellen. Man kann hier ebenso auf eine Freundesliste zurückgreifen. Es gibt auch die Option „Schnelles Spiel“, hier landet man in einer zufälligen Gruppe und auch der Spielmodus wird zufällig gewählt. Dabei ist die Wartezeit aktuell fast gar nicht wahrnehmbar.

    Um den Wettbewerb untereinander anzukurbeln gibt es die sogenannte Speed Wall. Hier sieht man sofort wenn ein Freund die persönliche Bestzeit in einem Wettbewerb unterbietet.

    Fazit:

    Das Fazit zu Need for Speed: Hot Pursuit Remastered wird durch die minimalen Neuerungen etwas getrübt, schauen wir uns aber mal den Pro- und Contra-Vergleich an:

    Pro:

    • Es macht einfach Spaß, es ist ein typisches Need for Speed.
    • Leichter Einstieg, daher auch ideal für den Gelegenheitsspieler.
    • Abwechslungsreiche Rennen, insbesondere durch die Rolle des Cops.
    • Der Kampf gegen die Uhr packt einen und man will nicht aufgeben bis die Gold-Medaille da ist.
    • Es sind direkt alle DLCs der 2010er Version enthalten.

    Contra:

    • Die Grafikqualität hat sich im Vergleich zum 2010er Original kaum verbessert (unabhängig von den zusätzlichen Details).
    • Leider wurde die 2010er Version sowohl bei Steam, als auch bei Origin aus dem Store entfernt. So sind die Nutzer „gezwungen“ die teurere neue Version zu kaufen (wenn einem die DLCs egal sind).
    • Kaum nennenswerten Neuerungen im Vergleich zur 2010er Version.

    Auf einen Mangel an Realismus bei der Fahrphysik gehen wir jetzt mal nicht weiter ein, schließlich ist Need for Speed ein Arcade-Racer und keine Rennsimulation. Es empfiehlt sich daher vor allem für alle die das 2010er Original nicht besitzen, einen spaßigen Arcade-Racer für zwischendurch suchen und nicht die höchsten Anforderungen an die Spielegrafik haben. Einigen PC-Spielern kommen sicherlich auch die nicht all zu hohen Systemanforderungen entgegen. Dabei ist der Preis, insbesondere bei der PC-Version, durchaus moderat in Anbetracht dessen das alle originalen DLCs enthalten sind.

    Alexander Schaaf
    Seit der Jugend bin ich von PC-Hardware begeistert und habe Systeme in den verschiedensten Hardware-Generationen gebaut. Mit der Zeit kamen dann auch Videokonsolen dazu. Ich schreibe hier vor allem zu den Themen PC-Hardware und PlayStation.