Halloween: The Game im Test: Der Boogeyman ist zurück, aber noch nicht ganz bereit

    Asymmetrische Horrorspiele und ich haben mittlerweile eine ziemlich lange Geschichte. Ich habe vermutlich fast jeden größeren Vertreter des Genres zumindest einmal ausprobiert, in Dead by Daylight inzwischen fast 3.000 Stunden versenkt und war damals ein riesiger Fan von Friday the 13th: The Game. Entsprechend groß war meine Vorfreude, als IllFonic mit Halloween: The Game plötzlich einen neuen asymmetrischen Slasher rund um Michael Myers ankündigte.

    Große Karten, verschiedene Fluchtmöglichkeiten, zahlreiche NPCs und ein Killer, der seine Opfer auf unterschiedlichste Weise ins Jenseits befördern kann: Eigentlich bringt Halloween: The Game alles mit, was ich mir von einem geistigen Nachfolger zu Friday the 13th erhofft habe. Nach meinen ersten Ausflügen nach Haddonfield fällt meine Antwort auf die Frage, ob diese Hoffnung erfüllt wurde, allerdings erstaunlich nüchtern aus: Es ist okay.

    Das klingt vielleicht härter, als es gemeint ist. Denn wenn eine Runde erst einmal läuft, kann Halloween: The Game durchaus Spaß machen. Das bekannte Spielprinzip funktioniert, Michael fühlt sich passend bedrohlich an und die zahlreichen Möglichkeiten auf beiden Seiten sorgen für Abwechslung. Gleichzeitig wird dieser Spaß aktuell immer wieder von Problemen ausgebremst, die nur schwer zu ignorieren sind.

    Besonders die langen Wartezeiten in den Lobbys und der Umgang mit ausgeschiedenen Spielern machen mir das Spiel momentan regelrecht kaputt. Zusammen mit zahlreichen Bugs und einer überraschend schwachen Performance bleibt deshalb vor allem ein ernüchternder erster Eindruck zurück.

    Unter all diesen Problemen steckt ein asymmetrisches Horrorspiel, das mir eigentlich gefallen müsste. Aktuell muss IllFonic allerdings an einigen entscheidenden Stellen nachbessern, bevor aus meinem vorsichtigen „Ist okay“ vielleicht doch noch echte Begeisterung werden kann.

    Willkommen zurück in Haddonfield

    In Halloween: The Game tritt Michael Myers gegen vier spielbare Zivilisten an. Während der maskierte Killer möglichst viele Bewohner Haddonfields ermorden möchte, versuchen die Zivilisten, sich selbst und die zahlreichen NPCs auf der Karte zu retten.

    Das Grundprinzip erinnert dabei sehr stark an Friday the 13th: The Game, was vermutlich niemanden überraschen dürfte. Hinter dem neuen Slasher-Spiel steckt erneut IllFonic, außerdem ist Gun Interactive als Co-Publisher beteiligt. Die Parallelen sind entsprechend kaum zu übersehen: weitläufige Karten, mehrere Fluchtmöglichkeiten, zahlreiche durchsuchbare Gebäude und ein übermächtiger Killer, der seine Opfer auf besonders kreative Weise ausschalten kann.

    Persönlich finde ich diese Ähnlichkeit überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: Friday the 13th hatte trotz all seiner Probleme einen ganz eigenen Charme, den andere asymmetrische Horrorspiele bis heute nur selten erreichen konnten. Wenn ich durch die Häuser Haddonfields schleiche, nach wichtigen Gegenständen suche und plötzlich Michael vor mir steht, blitzt genau dieses Gefühl immer wieder auf.

    Leider erklärt Halloween: The Game seine zahlreichen Mechaniken deutlich schlechter. Besonders in den ersten Runden weiß man häufig nicht genau, welche Gegenstände benötigt werden, wo bestimmte Ziele zu finden sind oder wie eine mögliche Flucht überhaupt vorbereitet wird. Ein gewisses Maß an Orientierungslosigkeit gehört zu solchen Spielen dazu. Hier fühlt es sich aber teilweise weniger nach bewusstem Entdecken und mehr nach fehlender Erklärung an.

    Viele Wege führen aus Haddonfield, wenn man sie findet

    Die Zivilisten haben mehrere Möglichkeiten, um Haddonfield lebend zu verlassen. Welche Fluchtwege zur Verfügung stehen und wo sich die benötigten Gegenstände befinden, kann sich von Partie zu Partie verändern. Dadurch lässt sich nicht einfach in jeder Runde dieselbe Route abarbeiten.

    Diese Abwechslung gefällt mir sehr gut. Sobald man verstanden hat, wonach man suchen muss, entsteht ein spannender Kreislauf aus Erkunden, Improvisieren und der ständigen Frage, ob man für den nächsten Schritt wirklich das sichere Versteck verlassen möchte.

    Bis es so weit ist, kann die Suche allerdings ziemlich frustrierend sein. Einige Fluchtmöglichkeiten und wichtige Orte sind nur schwer zu erkennen. Mehr als einmal hatte ich zwar mein Inventar voller Gegenstände, aber keine Ahnung, wo ich sie sinnvoll einsetzen kann. Statt angespannter Flucht vor Michael irrte ich dadurch teilweise etwas planlos durch Haddonfield.

    Eine weitere Besonderheit sind die zahlreichen NPCs. Die Bewohner der Stadt dienen nicht einfach nur als bewegliche Dekoration. Ihr könnt sie vor Michael warnen, überzeugen, euch zu folgen, und im besten Fall gemeinsam mit ihnen entkommen.

    Die Idee macht die Karten deutlich lebendiger und gibt den Zivilisten mehr zu tun, als lediglich die eigene Haut zu retten. Gleichzeitig entsteht dadurch ein herrliches Chaos. Während ich selbst noch nach einem Fluchtweg suche, läuft mir plötzlich eine kleine Gruppe verängstigter Bewohner hinterher, die ich möglichst nicht direkt in Michaels Arme führen möchte. Gerade diese unvorhersehbaren Situationen gehören für mich zu den interessantesten Ansätzen des Spiels.

    Ein volles Inventar macht noch keinen Helden

    In den Gebäuden von Haddonfield gibt es jede Menge zu finden. Schubladen, Schränke und andere Behälter enthalten wichtige Gegenstände für die Flucht, aber auch Waffen, Ablenkungen und weitere Hilfsmittel gegen Michael.

    An Loot mangelt es wirklich nicht. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dadurch plötzlich unantastbar zu werden. Ein gut gefülltes Inventar vermittelt zwar kurzzeitig Sicherheit, doch spätestens beim nächsten Aufeinandertreffen mit Michael wird schnell klar, wie trügerisch dieses Gefühl ist.

    Die gefundenen Gegenstände verschaffen euch im besten Fall etwas Zeit. Ihr könnt Michael kurz aufhalten, euch verteidigen oder eine gefährliche Situation noch einmal drehen. Dauerhaft besiegen lässt sich der Boogeyman aber nicht. Wer zu selbstsicher wird und den direkten Kampf sucht, landet meistens schneller auf seiner Klinge, als einem lieb ist.

    Diese Balance funktioniert nach meinem bisherigen Eindruck ziemlich gut. Die Zivilisten sind nicht vollkommen hilflos, können Michael aber auch nicht einfach gemeinsam verprügeln und danach entspannt aus Haddonfield spazieren. Gerade weil so viel Loot auf den Karten verteilt ist, hätte das schnell kippen können.

    Michael Myers darf kreativ werden

    Besonders interessant ist wenig überraschend die Rolle von Michael Myers. Der Boogeyman besitzt verschiedene Fähigkeiten, um seine Opfer aufzuspüren, ihnen unbemerkt näherzukommen und die Dunkelheit zu seinem Vorteil zu nutzen.

    Michael wirkt dabei nicht wie ein Killer, der seinen Opfern permanent hinterhersprintet. Stattdessen geht es stärker darum, die Umgebung zu beobachten, Zivilisten zu verfolgen und im richtigen Moment zuzuschlagen. Dadurch passt seine Spielweise sehr gut zu der Figur aus dem Originalfilm.

    Das eigentliche Highlight sind jedoch die zahlreichen Möglichkeiten, mit denen Michael seine Opfer töten kann. Neben unterschiedlichen Waffen gibt es viele verschiedene Hinrichtungen und situationsabhängige Kills. Wer bereits in Friday the 13th Freude daran hatte, sämtliche Tötungsanimationen von Jason auszuprobieren, dürfte auch hier auf seine Kosten kommen.

    Einige Kills sind herrlich übertrieben und angenehm brutal inszeniert. Dadurch macht es tatsächlich Spaß, verschiedene Waffen und Situationen auszuprobieren, nur um herauszufinden, welche Hinrichtung Michael als Nächstes auspackt. Genau bei diesen kleinen, makabren Experimenten hatte ich als Michael bisher mit am meisten Spaß.

    Der Einzelspieler-Modus bleibt eine nette Zugabe

    Neben dem Mehrspieler-Modus bietet Halloween: The Game auch eine kleine Einzelspieler-Kampagne. In insgesamt sechs Kapiteln erlebt ihr die Ereignisse aus der Perspektive von Michael Myers und erfahrt dabei mehr über seine Geschichte sowie die Geschehnisse in Haddonfield.

    Die Aufmachung ist durchaus gelungen und gerade für Fans der Vorlage interessant. Gleichzeitig funktioniert der Modus wie eine längere Einführung in Michaels Fähigkeiten und die grundlegenden Mechaniken des Spiels.

    Als Tutorial ist der Einzelspieler-Modus vollkommen in Ordnung. Man kann ihn spielen und bekommt dabei ein besseres Gefühl für Michael, zwingend notwendig ist er allerdings nicht. Für mich ist die Kampagne deshalb eine nette Ergänzung, aber definitiv kein entscheidendes Verkaufsargument.

    Wer hauptsächlich wegen einer umfangreichen narrativen Einzelspieler-Erfahrung nach Haddonfield reisen möchte, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen. Der eigentliche Fokus liegt klar auf den Mehrspieler-Partien.

    Jede Menge zum Freischalten

    Deutlich umfangreicher fällt das Fortschritts- und Anpassungssystem aus. Für Michael und die verschiedenen Zivilisten gibt es zahlreiche kosmetische Inhalte, Farbvarianten, Profilanpassungen und spielerische Freischaltungen. Dazu kommen Herausforderungen, unterschiedliche Fortschrittsstufen und ein eigenes Kartensystem für die Vorteile der Zivilisten.

    Mit wachsendem Fortschritt erhält Michael unter anderem weitere Fähigkeiten, Waffen und Hinrichtungen. Die Zivilisten bekommen zusätzliche Startgegenstände und neue Möglichkeiten für ihre Ausrüstung. Wer gerne Herausforderungen abschließt, verschiedene Charaktere ausprobiert und kosmetische Inhalte sammelt, bekommt somit einiges zu tun.

    Eigentlich wäre das genau die Art von System, die mich über längere Zeit motivieren könnte. Es gibt viele kleine Ziele und nach einer Partie wartet fast immer der nächste Fortschritt. Ausgerechnet die Art, wie diese Erfahrungspunkte gutgeschrieben werden, entwickelt sich momentan jedoch zum größten Spielspaßkiller von Halloween: The Game.

    Mehr warten als spielen

    In der getesteten Version wurden die verdienten Erfahrungspunkte erst nach dem vollständigen Abschluss einer Partie gutgeschrieben. Wer stirbt und anschließend die Lobby verlässt, verzichtet damit auf seinen gesammelten Fortschritt.

    Im schlimmsten Fall muss man nach dem eigenen Tod die gesamte restliche Partie beobachten. Dabei reicht es nicht unbedingt, bis zum Tod oder zur Flucht der übrigen Spieler zu warten. Auch die NPCs auf der Karte können dafür sorgen, dass eine Runde noch lange weiterläuft.

    Zwar können ausgeschiedene Spieler noch einmal als Sheriff’s Deputy oder Dr. Loomis zurückkehren. Das ändert jedoch nichts daran, dass Situationen entstehen, in denen man nur noch zusieht und auf das Ende wartet.

    Dieses System ist unfassbar frustrierend und muss meiner Meinung nach dringend geändert werden. Niemand sollte gezwungen sein, nach dem eigenen Ausscheiden minutenlang in einer Partie zu bleiben, nur um die bereits erspielten Erfahrungspunkte nicht zu verlieren. Diese sollten entweder direkt nach dem Tod gutgeschrieben oder zumindest beim Verlassen der Partie gespeichert werden.

    Hinzu kommen die Lobbys. Die eigentliche Suche nach einer Partie ging bei mir meistens relativ schnell. Anschließend dauerte es jedoch teilweise überraschend lange, bis sich die Lobby vollständig gefüllt hatte und das Match wirklich beginnen konnte.

    Dadurch entsteht an beiden Enden einer Partie unnötiger Leerlauf. Erst wartet man darauf, dass genügend Spieler zusammenkommen. Stirbt man anschließend früh, wartet man möglicherweise erneut, damit der eigene Fortschritt nicht verloren geht. Gerade in einem Mehrspieler-Spiel, das von dem typischen „Nur noch eine Runde“-Gefühl leben sollte, ist das Gift.

    Für mich ist das aktuell auch keine kleine Unannehmlichkeit, über die ich einfach hinwegsehen kann. Die Kombination aus langen Lobbys und erzwungenem Zuschauen macht mir das Spiel momentan regelrecht kaputt. So spaßig einzelne Partien sein können, ich möchte nicht einen großen Teil meiner verfügbaren Spielzeit mit Warten verbringen.

    In Haddonfield spukt auch die Technik

    Technisch befindet sich Halloween: The Game aktuell leider noch in keinem besonders guten Zustand. Während meines Tests kam es immer wieder zu unterschiedlichen Bugs. Zusätzlich wirkten einige Animationen noch unfertig. Besonders die Laufanimationen der Zivilisten sehen teilweise ziemlich merkwürdig aus und passen nicht immer zum restlichen Erscheinungsbild.

    Noch problematischer war die Performance. Trotz eines leistungsstarken PCs lief das Spiel stellenweise überraschend schlecht. Die schwankende Bildrate und einzelne Einbrüche waren nicht wirklich nachvollziehbar und störten gerade in hektischen Situationen.

    Getestet wurde die am 4. September veröffentlichte Advanced-Access-Version. Für den regulären Launch am 8. September hat IllFonic weitere Optimierungen, Animationsverbesserungen und Bugfixes angekündigt. Zum Zeitpunkt meines Tests waren die genannten Probleme jedoch weiterhin deutlich spürbar.

    Fazit: Im Moment leider nur „okay“

    Halloween: The Game besitzt viele Zutaten, aus denen ein richtig gutes asymmetrisches Horrorspiel entstehen könnte. Die weitläufigen Karten, abwechslungsreichen Fluchtmöglichkeiten, zahlreichen NPCs und kreativen Hinrichtungen passen hervorragend zum bekannten Slasher-Prinzip.

    Michael Myers wurde spielerisch überzeugend umgesetzt. Gleichzeitig bleiben die Zivilisten trotz ihrer großen Auswahl an Gegenständen angenehm verwundbar. Dazu kommt ein umfangreiches Fortschritts- und Anpassungssystem, das langfristig eigentlich für Motivation sorgen könnte.

    Leider steht sich das Spiel aktuell noch zu häufig selbst im Weg. Viele Mechaniken werden nur unzureichend erklärt, die Technik benötigt dringend weitere Optimierungen und zwischen den eigentlichen Partien verbringt man schlicht zu viel Zeit mit Warten. Vor allem die fehlende Möglichkeit, nach dem eigenen Tod ohne Verlust der Erfahrungspunkte auszusteigen, ist für mich ein gewaltiges Ärgernis.

    Vielleicht wiegt das auch deshalb so schwer, weil meine Erwartungen an Halloween: The Game sehr hoch waren. Ich hatte große Hoffnung, hier endlich wieder ein asymmetrisches Horrorspiel mit dem besonderen Charme von Friday the 13th zu bekommen.

    Dieser Charme ist durchaus vorhanden. Aktuell wird er aber von zu vielen vermeidbaren Problemen überschattet. Unter all den Bugs, Wartezeiten und fragwürdigen Entscheidungen steckt ein Spiel, das mir wirklich gefallen könnte. In seiner getesteten Form bleibt mein Eindruck trotzdem ernüchternd: Halloween: The Game ist okay. Nicht schlecht, aber eben auch noch weit von dem Spiel entfernt, auf das ich mich so sehr gefreut hatte.

    Der Boogeyman ist zurück. Für seinen großen Auftritt benötigt er allerdings noch etwas mehr Zeit in der Dunkelheit.

    Getestet wurde die PC-Version von Halloween: The Game während des öffentlichen Advanced Access am 4. September 2026. Der Key für die Digital Deluxe Edition wurde uns von IllFonic kostenlos zur Verfügung gestellt. Der für den regulären Release am 8. September angekündigte Launch-Patch stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung. Die Bereitstellung des Keys hatte keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

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    Jessi
    Hi, ich bin Jessi! Schon seit meiner Kindheit begleitet mich Gaming und für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als in die verschiedensten Welten einzutauchen und die verrücktesten Geschichten zu erleben. Ob Shooter, RPG, Roguelike oder Visual Novel: Vor mir ist kein Genre sicher.