Es gab eine Zeit, in der Videospiele nicht unbedingt riesige offene Welten, komplexe Fortschrittssysteme oder regelmäßige Season-Updates benötigten, um uns über Wochen hinweg zu begeistern. Manchmal reichte es vollkommen aus, gemeinsam mit Freunden auf dem Sofa zu sitzen, sich einen Controller zu schnappen und gigantische Monster aufeinander loszulassen. Genau für dieses unkomplizierte Spielvergnügen stand Godzilla: Destroy All Monsters Melee, das 2002 erschien und schnell zu einem kleinen Kultklassiker avancierte. Ganze 24 Jahre später kehrt das ungewöhnliche Kampfspiel nun als Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered zurück.
Dabei handelt es sich keineswegs um irgendeine lieblose Neuauflage. Mit Pipeworks ist sogar das ursprüngliche Entwicklerstudio wieder an Bord, das den Klassiker nicht nur technisch modernisiert, sondern auch um zusätzliche Funktionen erweitert hat. Besonders der neue Online-Multiplayer dürfte für viele Fans ein entscheidendes Argument sein. Doch funktioniert ein Kampfspiel, in dem sich gigantische Filmmonster gegenseitig durch Hochhäuser schleudern, auch im Jahr 2026 noch? Oder lebt das Comeback ausschließlich von nostalgischen Erinnerungen?
Godzilla trifft auf Wrestling und klassische Monsterfilme
Das Grundprinzip von Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered ist herrlich unkompliziert. Wir wählen eines von insgesamt zwölf Monstern aus der traditionsreichen Godzilla-Geschichte und treten anschließend in verschiedenen Arenen gegeneinander an. Dabei handelt es sich um bekannte Schauplätze aus der Filmreihe sowie um reale Großstädte, die während der Kämpfe ordentlich in Mitleidenschaft gezogen werden. Was zunächst nach einem gewöhnlichen dreidimensionalen Prügelspiel klingt, entpuppt sich schnell als eine ungewöhnliche Mischung aus Wrestling, klassischem Fighting Game und interaktiver Monsterfilm-Hommage.

Godzilla, King Ghidorah, Gigan, Megalon und weitere bekannte Kaiju prügeln sich durch dicht bebaute Stadtgebiete, schleudern Hochhäuser aufeinander und setzen ihre charakteristischen Spezialangriffe ein. Währenddessen versucht das Militär verzweifelt, die gigantischen Kreaturen aufzuhalten, was angesichts der gewaltigen Zerstörungskraft meist ziemlich aussichtslos erscheint. Besonders gelungen ist dabei die Inszenierung. Die Entwickler haben sich offensichtlich an den klassischen japanischen Godzilla-Filmen orientiert, in denen Schauspieler in aufwendigen Monsterkostümen durch Miniaturstädte stapften. Die Bewegungen der Kreaturen besitzen deshalb eine gewisse Schwere und erinnern bewusst an die legendären Gummianzug-Kämpfe der Filmreihe. Genau das verleiht dem Spiel einen ganz eigenen Charme.
Die Vortaak wollen die Erde erobern
Natürlich besitzt Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered auch eine Geschichte. Allerdings sollte niemand ein komplexes erzählerisches Meisterwerk erwarten. Im Mittelpunkt steht die außerirdische Spezies der Vortaak, die beschlossen hat, die Erde zu erobern. Dafür nutzen die Außerirdischen eine besonders ungewöhnliche Strategie: Sie übernehmen die Kontrolle über zahlreiche gigantische Monster und setzen diese gegen die Menschheit ein. Dummerweise gelingt es einem der Kaiju, sich aus der Gedankenkontrolle zu befreien. Welches Monster diese Rolle übernimmt, hängt davon ab, wen wir zu Beginn auswählen.

Anschließend müssen wir uns durch verschiedene Arenen kämpfen, die übrigen Monster besiegen und schließlich die außerirdische Bedrohung zurückschlagen. Die Handlung erinnert bewusst an klassische Science-Fiction-Filme der 1950er-Jahre. Fliegende Untertassen, größenwahnsinnige Außerirdische und gigantische Kreaturen bilden eine wunderbar absurde Mischung. Mehr als einen Rahmen für die zahlreichen Kämpfe möchte die Geschichte allerdings gar nicht sein. Und das ist vollkommen in Ordnung. Schließlich geht es hier nicht darum, tiefgründige Dialoge zu verfolgen, sondern möglichst spektakuläre Monsterduelle auszutragen.
Mehrere Einzelspielermodi sorgen für Beschäftigung
Abseits des klassischen Abenteuermodus bietet die Neuauflage verschiedene zusätzliche Spielmöglichkeiten. Im Zerstörungsmodus steht beispielsweise nicht das Besiegen anderer Monster im Vordergrund. Stattdessen müssen wir innerhalb eines bestimmten Zeitlimits möglichst große Schäden in einer Stadt verursachen. Das klingt simpel, entwickelt aber durchaus einen gewissen Reiz, wenn man versucht, den eigenen Highscore immer weiter zu verbessern. Daneben gibt es einen Überlebensmodus, in dem wir uns möglichst lange gegen verschiedene Gegner behaupten müssen.

Eine erweiterte Variante des Abenteuermodus richtet sich außerdem an Spieler, die ihre Monster bereits verbessert haben und nach zusätzlichen Herausforderungen suchen. Denn Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered besitzt auch ein Fortschrittssystem. Durch das Absolvieren bestimmter Spielmodi sammeln wir Erfahrungspunkte, mit denen sich die Eigenschaften unserer Kreaturen verbessern lassen. Dadurch entsteht zumindest eine gewisse langfristige Motivation. Allerdings sollte man den Umfang nicht mit modernen Fighting Games vergleichen. Die Einzelspielermodi sind unterhaltsam, aber insgesamt recht überschaubar. Das eigentliche Herzstück liegt eindeutig im Multiplayer.
Zwölf Monster mit individuellen Fähigkeiten
Zum Start stehen lediglich vier spielbare Monster zur Verfügung. Die übrigen Kreaturen müssen zunächst freigeschaltet werden. Das kann durchaus motivierend sein, denn jeder neue Kaiju erweitert die spielerischen Möglichkeiten. Besonders die Freischaltung bekannter Monster wie King Ghidorah oder Mechagodzilla sorgt für echte Erfolgserlebnisse. Allerdings besitzt dieses System auch eine Schattenseite. Wer direkt mit Freunden spielen möchte, kann zunächst nicht auf sämtliche Charaktere zugreifen. Gerade bei einem Partyspiel, das vom gemeinsamen Chaos lebt, ist das etwas ärgerlich. Immerhin wurde das Freischaltsystem gegenüber dem Original überarbeitet. Statt sämtliche Inhalte in einer streng vorgegebenen Reihenfolge freizuschalten, können wir unterschiedliche Ziele verfolgen. Dafür müssen bestimmte Anforderungen erfüllt, Hinweise entdeckt und Forschungsfortschritte erzielt werden. Das macht die Charakterfreischaltung flexibler und sorgt dafür, dass Spieler selbst entscheiden können, welche Kreatur sie als Nächstes erhalten möchten. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn zumindest im lokalen Multiplayer von Beginn an sämtliche Monster verfügbar wären.

Das Kampfsystem ist überraschend komplex
Auf den ersten Blick könnte man Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered für einen simplen Button-Masher halten. Schließlich schlagen, treten und werfen sich hier gigantische Monster gegenseitig durch die Gegend. Doch wer sich intensiver mit dem Kampfsystem beschäftigt, entdeckt überraschend viele taktische Möglichkeiten. Jedes Monster besitzt unterschiedliche Schlag-, Tritt- und Spezialangriffe. Diese lassen sich teilweise zu Kombinationen verbinden und durch bestimmte Richtungseingaben variieren. Hinzu kommen schwere Attacken, die besonders viel Schaden verursachen, allerdings auch entsprechend riskant sein können.

Natürlich dürfen die charakteristischen Energieangriffe nicht fehlen. Godzilla setzt seinen berühmten atomaren Atem ein, während King Ghidorah seine mächtigen Blitzattacken entfesselt. Diese Fähigkeiten verbrauchen Energie und müssen deshalb gezielt eingesetzt werden. Je nach Situation können wir einen schnellen Projektilangriff ausführen oder einen besonders mächtigen Strahl aufladen. Darüber hinaus stehen uns verschiedene defensive Möglichkeiten zur Verfügung. Wir können gegnerische Angriffe blocken, ausweichen oder durch geschickte Bewegungen vermeiden. Dadurch entsteht ein Kampfsystem, das deutlich mehr Tiefe besitzt, als man zunächst erwarten würde.
Die Umgebung wird selbst zur Waffe
Eine der größten Besonderheiten von Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered ist die Interaktion mit den Arenen. Während gewöhnliche Fighting Games meist auf klar begrenzte Kampfflächen setzen, können wir hier große Teile der Umgebung zerstören. Hochhäuser werden eingerissen, Fahrzeuge zerquetscht und herumliegende Gegenstände als Wurfgeschosse verwendet. Sogar andere Monster lassen sich packen und durch die Gegend schleudern. Besonders interessant ist, dass die Zerstörung der Umgebung auch taktische Auswirkungen besitzt. Wenn Gebäude einstürzen, verschwinden mögliche Deckungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig stehen anschließend weniger Gegenstände zur Verfügung, die sich auf Gegner werfen lassen. Dadurch verändern sich die Arenen während der Kämpfe kontinuierlich. Auch bestimmte Umgebungsgefahren können gezielt genutzt werden. Auf Monster Island lassen sich beispielsweise Felsformationen zerstören, um Gegner anschließend in die darunterliegende Lava zu werfen. Auf dem außerirdischen Mutterschiff können wiederum bestimmte Barrieren durchbrochen werden, wodurch zusätzliche Kampfbereiche zugänglich werden. Solche Details machen die Arenen deutlich interessanter als gewöhnliche Hintergründe.
Endlich mit Online-Multiplayer
Die wohl wichtigste Neuerung der Remastered-Version ist die Unterstützung von Online-Matches. Während das Original vor allem bei gemeinsamen Spieleabenden vor dem Fernseher glänzte, können wir unsere Monsterkämpfe nun auch über das Internet austragen. Das ist eine ausgesprochen sinnvolle Ergänzung. Schließlich lebt Godzilla: Destroy All Monsters Melee vor allem davon, gemeinsam mit anderen Spielern für möglichst großes Chaos zu sorgen. Bis zu vier Monster können gleichzeitig gegeneinander antreten. Dabei stehen unterschiedliche Varianten zur Verfügung, darunter klassische Jeder-gegen-jeden-Kämpfe und Teamduelle. Besonders die Vier-Spieler-Gefechte entwickeln sich schnell zu einem herrlichen Durcheinander.

Während zwei Monster miteinander kämpfen, mischt sich plötzlich ein dritter Gegner ein und schleudert ein Hochhaus durch die Arena. Kurz darauf erscheint ein Power-up, um das sich sämtliche Spieler gleichzeitig streiten. Genau solche Situationen machen den besonderen Reiz des Spiels aus. Auch technisch funktioniert der Online-Modus überwiegend ordentlich. Die Kämpfe laufen meist flüssig, wenngleich gelegentliche Verbindungsabbrüche nicht vollständig ausgeschlossen sind. Schade ist allerdings, dass sich Online-Partien mit Freunden nicht beliebig durch computergesteuerte Gegner ergänzen lassen. Gerade für kleinere Gruppen wäre diese Möglichkeit eine sinnvolle Erweiterung gewesen.
Fazit: Ein Monster-Comeback, das richtig Laune macht
Godzilla: Destroy All Monsters Melee Remastered ist eine ausgesprochen gelungene Rückkehr eines ungewöhnlichen Klassikers. Pipeworks hat verstanden, was das Original bereits 2002 so besonders machte, und genau diese Stärken in die Gegenwart übertragen. Die Mischung aus klassischen Godzilla-Monstern, zerstörbaren Städten und überraschend taktischen Kämpfen funktioniert auch heute noch hervorragend. Besonders die unterschiedlichen Fähigkeiten der zwölf Kreaturen sorgen für abwechslungsreiche Duelle. Hinzu kommen die zahlreichen Interaktionsmöglichkeiten innerhalb der Arenen, die immer wieder für spektakuläre und unvorhersehbare Situationen sorgen.
Auch die technische Überarbeitung überzeugt. Die Monster sehen hervorragend aus, die Soundkulisse fängt den Charme klassischer Godzilla-Filme wunderbar ein und der neue Online-Multiplayer erweitert die Möglichkeiten erheblich. Allerdings besitzt das Spiel auch einige Schwächen. Der Umfang der Einzelspielermodi bleibt überschaubar, während ein vernünftiges Tutorial schmerzlich vermisst wird. Besonders ärgerlich ist außerdem, dass ein Großteil der spielbaren Monster zunächst freigeschaltet werden muss. Gerade bei spontanen Mehrspielerabenden wäre es deutlich angenehmer gewesen, sofort auf sämtliche Kreaturen zugreifen zu können. Trotzdem überwiegen die positiven Eindrücke deutlich.

