Fire Emblem: Fortune’s Weave im Test – Taktik-Highlight für Switch 2

    Zwischensequenz aus Fire Emblem: Fortune’s Weave

    Mit vier Helden, frei wechselbaren Handlungssträngen und einer gewaltigen Kampagne verbindet Fire Emblem: Fortune’s Weave Rollenspiel- und Beziehungselemente, die an Three Houses erinnern, mit einem taktischen Kampfsystem in der Linie von Engage. Das taktische Fundament zählt für uns zum Besten, was die Reihe bislang geboten hat. Doch zwischen Erkundung, Verwaltung und wiederkehrenden Nebenaktivitäten ist ausgerechnet der enorme Umfang die größte Belastungsprobe.

    Mit Fire Emblem: Fortune’s Weave feiert die traditionsreiche Strategie-Rollenspielreihe ihren Einstand auf der Nintendo Switch 2. Der offizielle Erscheinungstermin ist der 17. September 2026. Der deutsche Nintendo Store führt die digitale Fassung für 69,99 Euro und die physische Standardausgabe für 79,99 Euro.

    Fortune’s Weave spielt in derselben Welt wie Fire Emblem: Three Houses, verlagert die Handlung aber auf den südlich von Fódlan gelegenen Kontinent Dagda. Eine direkte Fortsetzung ist es nicht: Region, Zeit und Konflikt sind eigenständig genug, damit auch Neueinsteiger ohne Vorkenntnisse folgen können.

    Vier Helden, vier Wege und eine zerstörte Zukunft

    Im Zentrum stehen die Heroenspiele von Dagsion. Solel, der Herrscher des Kaiserreichs Dagda, verspricht dem Sieger des Turniers die Erfüllung eines Wunsches. Entsprechend unterschiedlich fallen die Motive der vier Hauptfiguren aus.

    Cai kämpft für seinen inhaftierten Vater. Dietrich ist ein außergewöhnlicher Schwertkämpfer aus Fódlan, der bei den Heroenspielen neue Herausforderungen sucht. Königin Theodora will einen lang gehegten Wunsch ihres Volkes erfüllen und Saramis schützen, während die Bardin Leda den Mörder ihres Vaters zur Rechenschaft ziehen will.

    Über diesen vier Geschichten steht Eshmel. Die Spielfigur ist eine von Sothis entsandte Seele, die im verwüsteten Dagda des Jahres 1454 als rettende Kraft erscheint. Mit Fortunas Hilfe reist Eshmel fünf Jahre zurück, verändert die Schicksale der vier Helden und gewinnt sie für den Kampf gegen den Dämonengott Balor. Anders als in Three Houses legt Ihr Euch nicht dauerhaft auf eine Route fest. Zwischen den Turnierkämpfen könnt Ihr den Handlungsstrang wechseln, mehrere Wege parallel verfolgen oder Euch zunächst auf einen Helden konzentrieren.

    Diese Freiheit entschärft ein altes Problem der Reihe: Für eine andere Perspektive muss nicht erst eine komplette Kampagne von vorne begonnen werden. Gleichzeitig braucht jeder Weg eigene Einführungen, Figurenentwicklungen und Höhepunkte. Dadurch bleibt das Tempo nicht über die gesamte Laufzeit konstant. Vor allem in den späteren Abschnitten machen sich wiederkehrende Aufgaben und bekannte Schauplätze bemerkbar.

    Die taktischen Kämpfe sind der klare Höhepunkt

    Auf dem Schlachtfeld bleibt Fortune’s Weave ein rundenbasiertes Strategie-Rollenspiel. Ihr positioniert Eure Einheiten auf einem Raster, nutzt Gelände und Reichweiten und versucht, gegnerische Formationen auseinanderzunehmen, ohne schwächere Figuren offenzulegen. Im klassischen Modus sind gefallene Einheiten dauerhaft verloren.

    Das klassische Waffendreieck entfällt. Stattdessen besitzen Waffen und Einheitentypen konkrete Stärken: Magie ist gegen schwer gerüstete Gegner effektiv, Bögen gegen fliegende Einheiten und Speere gegen Kavallerie. Das System ist weniger schematisch, zwingt aber weiterhin zu einer ausgewogenen Truppe.

    Die auffälligste Neuerung bilden die Brandtechniken. Dabei handelt es sich um mächtige, figurenspezifische Fähigkeiten, die von Flächenangriffen über Teleportation bis zu Gruppenverstärkungen reichen. Ihr Einsatz kostet Lebenspunkte und füllt die zugehörige Leiste. Bei halber Füllung erhalten die Helden einen Kraftschub; eine vollständig gefüllte Leiste löst dagegen einen Burst aus, beendet den Bonus und halbiert die maximalen Lebenspunkte des Helden. Damit sind Brandtechniken keine kostenlose Notfalltaste, sondern ein kalkuliertes Risiko.

    Hinzu kommen Kampftechniken, verschiedene Segnungen, Waffenverschleiß und ein weitgehend offenes Klassensystem mit Klassenexamen. Erstmals zeigt das Spiel die individuellen Wachstumsraten der Figuren direkt an. Damit lässt sich besser einschätzen, welche Werte wahrscheinlich steigen und welche Rolle sich für eine Einheit langfristig anbietet.

    Gerade die großen Hauptmissionen profitieren von diesem Systemgeflecht. Gelände, Engstellen, Verstärkungen und wechselnde Bedrohungen sorgen dafür, dass eine vermeintlich sichere Formation innerhalb weniger Züge unter Druck geraten kann. Fortune’s Weave ist für uns dann am stärksten, wenn eine Karte mehrere Probleme gleichzeitig stellt und die vorhandenen Fähigkeiten wirklich ausgereizt werden müssen.

    Mehr Rollenspiel zwischen den Schlachten

    Zwischen den großen Gefechten erkundet Ihr Dagsion und die Weltkarte von Dagda. Freie Zeit fließt in Training, Mahlzeiten, Gespräche, Nebenaufgaben, Rekrutierung sowie Reisen zu Dörfern und Verliesen. Das erinnert an Three Houses, verlagert viele Aktivitäten aber aus einem einzelnen Kloster auf einen deutlich größeren Kontinent.

    Jede Hauptfigur besitzt eigene Möglichkeiten. Cai kümmert sich um Reittiere und Landwirtschaft. Dietrich erlernt Kampftechniken von besiegten Gegnern. Theodora rekrutiert Bataillone, während Leda mit Auftritten Belohnungen und Hinweise auf verborgene Orte erhält. Pfadspezifische Freischaltungen und unterschiedlich entwickelte Versionen derselben Figuren greifen später ineinander.

    Das motiviert zunächst, weil sich die vier Wege nicht nur erzählerisch unterscheiden. Für uns bilden die Systeme aber auch die größte Sollbruchstelle. Beziehungen wollen gepflegt, Materialien gesammelt und Wege auf der Weltkarte geplant werden. Wer jede Figur rekrutieren und jede Verbesserung mitnehmen möchte, verbringt viel Zeit in Menüs und wiederkehrenden Routinen.

    In den aus Fire Emblem Echoes: Shadows of Valentia weiterentwickelten Verliesen wechselt Fortune’s Weave aus der taktischen Rasteransicht in frei begehbare 3D-Abschnitte. Gegnerkontakte lösen sogenannte Clashes aus, kompaktere Rundenkämpfe ohne Taktikraster. Als kurze Abwechslung funktioniert das. Für uns wiederholen sich Aufbau und Abläufe über die enorme Gesamtlaufzeit jedoch zu häufig. Im Vergleich zu den sorgfältig entworfenen Hauptmissionen wirken diese Begegnungen deutlich flacher. Andere Tests bewerten die Clashes dagegen als willkommene Abwechslung – dieser Punkt ist klar Geschmackssache.

    Nur ein Spielstand, aber viele Rückwege

    Die vier parallelen Pfade führen zu einer ungewöhnlichen Speicherlösung. Fortune’s Weave bündelt den Fortschritt in einer einzigen Speicherdatei; mehrere unabhängige Speicherstände gibt es nicht. Das ist Teil des Systems, das Fortschritte und unterschiedlich entwickelte Versionen derselben Figuren später zusammenführt.

    Ganz schutzlos seid Ihr Fehlentscheidungen trotzdem nicht ausgeliefert. Das Spiel bewahrt für jede Hauptfigur den Stand zu Beginn der einzelnen Kapitel auf. Dadurch lassen sich ältere Karten, Zwischensequenzen und Kämpfe erneut aufrufen. Laut den Entwicklern gibt es zudem keine Inhalte, die dauerhaft verpasst werden können.

    Das passt zum Motiv der Zeitreise und nimmt weitreichenden Entscheidungen etwas Druck. Wer in Rollenspielen gerne mehrere unabhängige Speicherstände für unterschiedliche Entwicklungen anlegt, muss sich an dieses System trotzdem gewöhnen.

    Markante Präsentation statt technischer Rekorde

    Fortune’s Weave nutzt die leistungsfähigere Hardware der Nintendo Switch 2 für feinere grafische Details. Die Figurenmodelle fallen aufwendiger aus, Karten und Schauplätze sind größer und die Ladezeiten kürzer als in Three Houses. Besonders die kräftigen Farben und die von der antiken Mittelmeerregion inspirierte Architektur geben Dagda eine eigene Identität.

    Auch musikalisch setzt sich der neue Kontinent deutlich von Fódlan ab. Flamenco-Einflüsse, von Flamenco-Musikern eingespielte Gitarren, Händeklatschen und kräftige Percussion ergänzen den orchestralen Serienklang. Die Musik trägt damit nicht nur die großen Schlachten, sondern unterstützt auch den lebendigeren und wärmeren Charakter der Spielwelt.

    Zum Erscheinungstermin liegt Version 1.0.1 vor. Das Update ergänzt besondere Waffen aus der Fire-Emblem-Reihe und behebt nicht näher benannte Probleme. TV-, Tisch- und Handheld-Modus werden offiziell unterstützt. Nintendo nennt auf den geprüften Produkt- und Entwicklerseiten keine Zielwerte für Auflösung oder Bildrate. Da keine eigenen technischen Messungen mit Capture-Hardware vorliegen, verzichten wir auf konkrete Auflösungs- oder Bildratenangaben.

    Erstmals in der Reihe unterstützt das Spiel den Maus-Modus der Joy-Con 2. Damit lassen sich Einheiten intuitiv über das Schlachtfeld bewegen und hilfreiche Informationen schnell aufrufen; zwischen Maus- und Tastensteuerung kann nahtlos gewechselt werden. Für diesen Test kam die Maussteuerung nicht zum Einsatz und fließt deshalb nicht in die Bewertung ein.

    Enormer Umfang mit Abnutzungserscheinungen

    Der Umfang hängt stark davon ab, wie viele Pfade und Nebeninhalte Ihr verfolgt. Veröffentlichte Tests nennen etwa 20 bis 35 Stunden für einzelne frühe Heldenpfade. Umfangreiche Durchläufe mit mehreren oder allen Pfaden bewegen sich je nach Spielweise zwischen rund 130 und mehr als 200 Stunden. Das sind externe Orientierungswerte und keine gemessene Game2Gether-Spielzeit.

    Mehr ist allerdings nicht automatisch besser. Wiederholte Verliese, Verwaltungsphasen und Überschneidungen zwischen den Handlungswegen strecken ein Spiel, dessen taktischer Kern diese Verlängerung für uns nicht nötig gehabt hätte. Auto-Aktivitäten, automatisch erledigte pfadübergreifende Nebenquests und übernommene Weltkartenfreischaltungen beschleunigen spätere Pfade, beseitigen die Abnutzungserscheinungen aber nicht vollständig.

    Fortune’s Weave ist ein reines Einzelspieler-Spiel. Nintendo Switch Online ist nur für die optionale Speicherdaten-Cloud erforderlich. Einen Koop- oder Mehrspielermodus gibt es nicht.

    Fazit – Fire Emblem wächst über sich hinaus und stolpert über die eigene Größe

    Fire Emblem: Fortune’s Weave ist ein ausgesprochen ehrgeiziger Versuch, die Figurenbindung und Rollenspielelemente von Three Houses mit einem Kampffundament in der Linie von Engage zu verbinden. Die vier miteinander verwobenen Wege, das flexible Klassensystem und die riskanten Brandtechniken verleihen den Kämpfen enorme Tiefe. Die besten Hauptmissionen gehören für uns zum Stärksten, was die Reihe bisher hervorgebracht hat.

    Dagda ist zudem mehr als eine neue Kulisse. Architektur, Musik und die unterschiedlichen Mechaniken der vier Hauptfiguren geben der Welt eine erkennbare Identität. Die Möglichkeit, flexibel zwischen den Pfaden zu wechseln, macht die umfangreiche Geschichte zugänglicher als frühere Mehrfachrouten.

    Der größte Gegner ist nicht Balor, sondern der fehlende Wille zur Kürzung. Verwaltungsphasen, wiederkehrende Weltkartenaufgaben und vor allem die Verliese stehen regelmäßig zwischen Euch und den hervorragenden Taktikschlachten. Wer schon in Three Houses von den Aktivitäten zwischen den Missionen ermüdet war, sollte den zusätzlichen Rollenspielanteil nicht unterschätzen.

    Taktikfans mit viel Zeit erhalten trotzdem einen der stärksten Titel für Nintendo Switch 2. Fortune’s Weave erreicht nicht in jedem seiner zahlreichen Systeme dieselbe Qualität, doch der strategische Kern, die Figurenentwicklung und die ambitionierte Struktur tragen das Abenteuer über seine schwächeren Abschnitte hinweg.

    Wertung: 88 %

    Pro und Contra

    Pro

    • hervorragendes, taktisch tiefes Kampfsystem
    • abwechslungsreiche Hauptmissionen
    • vier flexibel spielbare Heldenpfade
    • umfangreiche Klassen- und Entwicklungssysteme
    • starkes Art Design und markanter Soundtrack
    • sehr großer Umfang

    Contra

    • für uns zu viele wiederkehrende Verliese und Clashes
    • Verwaltungsphasen bremsen den Spielfluss
    • schwankendes Tempo in späteren Abschnitten
    • nur eine zentrale Speicherdatei
    • enorme zeitliche Verpflichtung

    Kurzinfo

    Angabe Details
    Plattform Nintendo Switch 2
    Aktuelle Version zum Prüfzeitpunkt 1.0.1
    Entwicklung Nintendo / Intelligent Systems
    Publisher Nintendo
    Genre Strategie-Rollenspiel / rundenbasierte Taktik
    Release 17. September 2026
    Preis 69,99 Euro digital / 79,99 Euro physisch
    Spielerzahl 1
    Nintendo Switch Online optionale Speicherdaten-Cloud
    USK-Angabe bei Nintendo ab 12 Jahren; Fantasy-Gewalt, In-Game-Käufe

    Game2Gether Gold Award 88% Wertung für Fire Embleme Fortune Weave

    Bildquelle der offiziellen Pressebilder: Nintendo. Eigene Screenshots werden gesondert gekennzeichnet.

    Die Nintendo-Switch-2-Version von Fire Emblem: Fortune’s Weave wurde Game2Gether für diesen Test von Nintendo zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.