Ein Stück Kindheit für die neue Konsolen-Ära: Die Kingdom Hearts Collection im Test!

    Manchmal schickt uns die Videospielwelt auf eine emotionale Zeitreise, die sofort unzählige Erinnerungen an vergangene Tage weckt. Mit der Veröffentlichung der umfassenden Kingdom Hearts Collection für die aktuelle Konsolengeneration wird genau das möglich: Ein echtes Stück Kindheit kehrt zurück auf den Bildschirm, poliert und doch vertraut. Wer die Reihe damals in seiner Jugend geliebt, mit gefiebert und die Abenteuer auf älterer Hardware verschlungen hat, bekommt hier die perfekte Gelegenheit, die legendären Welten noch einmal neu oder im direkten, faszinierenden Kontrast zur heutigen Gaming-Landschaft zu erleben. Diese Sammlung ist nicht nur ein bloßes Wiedersehen, sondern eine hochemotionale Bestandsaufnahme darüber, wie gut zeitloses Gamedesign gealtert ist und an welchen Ecken und Enden der Zahn der Zeit genagt hat.

    Inhalt der Collection: Das Umfassende Epos auf einen Blick

    Bevor man sich in das Abenteuer stürzt, lohnt sich ein genauer Blick auf den gewaltigen Umfang dieses Bundles. Square Enix hat hier keine halben Sachen gemacht, sondern schnürt ein monumentales Paket, das Spieler über Dutzende, ja hunderte Stunden an den Bildschirm fesseln kann. Den Anfang macht in der Sammlung den unvergesslichen ersten Teil Kingdom Hearts, der den Grundstein für die Symbiose aus Square-Enix-Charakteren und Disney-Welten legte. Ebenfalls an Bord ist Chain of Memories (beziehungsweise dessen vollwertige 3D-Neuauflage Re:Chain of Memories), dass das taktische Kartensystem als Bindeglied zwischen den Hauptteilen etabliert. Das Herzstück für viele Fans ist und bleibt Kingdom Hearts II, dass seinerzeit auf der PlayStation 2 neue Maßstäbe im Action-RPG-Genre setzte und bis heute als spielerischer Höhepunkt der Reihe gilt. Abgerundet wird das gewaltige Konvolut durch visuell aufbereitete Cutscene-Collections und Ableger wie Birth by Sleep, die tief in die komplexe Lore der Xehanort-Saga eintauchen.

    Inhalt des Bundle im Überblick:

    1. KINGDOM HEARTS HD 1.5+2.5 ReMIX
    2. KINGDOM HEARTS HD 2.8 Final Chapter Prologue
    3. KINGDOM HEARTS III + Re Mind (DLC)

    Das Band zwischen Licht, Finsternis und Freundschaft

    Im Zentrum der epischen Crossover-Saga steht der junge Protagonist Sora, der auf einer idyllischen Insel mit seinen Freunden Riku und Kairi lebt. Plötzlich bricht die Finsternis über ihre Heimat herein, die Welt wird verschlungen und Sora wird von seinen Gefährten getrennt. Ausgestattet mit dem geheimnisvollen Schlüsselschwert, der einzigen Waffe, die gegen die finsteren Herzlosen hilft landet er in Traverse Town.

    Dort schließt er sich mit legendären Disney-Figuren zusammen: Donald Duck, dem königlichen Hofmagier, und Goofy, dem Hauptmann der Palastwache. Gemeinsam reisen sie fortan per Gummischiff durch das weite All, um klassische Disney-Welten wie zum beispiel die Welt von Aladdin über Der König der Löwen bis hin zu Alice im Wunderland vor der Korruption zu bewahren. Dabei verwebt die Geschichte auf einzigartige Weise herzerwärmende Disney-Motive mit den tiefgründigen, oft melancholischen und philosophischen Handlungssträngen rund um Dunkelheit, Erinnerung und das unzerstörbare Band der Freundschaft, für das Square Enix bekannt ist.

    Zwischen Nostalgie-Gänsehaut Und Frustration

    Wer sich heute, ausgerüstet mit moderner Controller-Erfahrung, in die Kingdom Hearts Collection stürzt, macht eine hochgradig spannende, wenngleich bisweilen auch kantige Spielerfahrung. Schon beim Startmenü, wenn der ikonische Theme-Song Hikari ertönt, schießt die Gänsehaut durch den Körper. Man erinnert sich sofort an das Gefühl von damals, als man stundenlang vor der Röhrenfernseher-Konsole saß. Im direkten Spielgeschehen zeigt sich jedoch schnell, die Spiele schenken einem nichts. Sobald man die ersten Disney-Welten betritt, merkt man, dass moderne Komfortfunktionen hier weitgehend fehlen. Die Kamera, besonders im ersten Teil, führt bis heute ein bisweilen Eigenleben und springt in engen Räumen oder bei rasanten Bosskämpfen unglücklich umher. Man ertappt sich oft dabei, wie man manuell nachjustieren muss.

    Dennoch ist das Gefühl, wenn man nach etlichen Versuchen einen bockschweren Boss wie Sephiroth oder die Hades-Cup-Herausforderungen legt, absolut unvergesslich. Die emotionale Bindung zu den Charakteren trägt einen durch manche mühsame Sprungpassage und man spürt in jeder Sekunde, wie viel Herzblut die Entwickler damals in dieses ambitionierte Crossover gesteckt haben.

    Anspruchsvoll, taktisch und Bisweilen altbacken

    Die Steuerung ist auch auf der aktuellen Konsolengeneration so anspruchsvoll wie damals. Es gibt kein modernes Auto-Lock-on im heutigen Sinne, dass einem das Zielen abnimmt. Jede Bewegung, jeder Sprung und jeder Zauberbefehl im Echtzeit-Menü wollen präzise getimt sein. Während die Kampfdynamik in Teil 1 noch manchmal etwas starr daherkommt (insbesondere, was die Sprungpräzision angeht), zündet Kingdom Hearts II ein absolutes Gameplay-Feuerwerk. Die Reaktionskommandos und die Drive-Formen machen die Gefechte unglaublich flüssig und tiefgründig. Man merkt den Spielen ihr Alter an manchen Stellen im Missionsdesign an. Laufwege, die sich künstlich in die Länge ziehen, und teils unfaire Checkpoints in Bosskämpfen (bei denen man oft die minutenlangen Dialoge erneut ertragen muss) zeigen klar, dass man sich hier auf historischem Terrain bewegt.

    Liebevoll Aufpolierter Charme und Visueller Kontrast

    Square Enix hat ganze Arbeit geleistet, um die Texturen und vor allem die Bildrate auf ein sauberes, flüssiges Niveau (meist butterweiche 60 Bilder pro Sekunde) zu heben. Die Figurenmodelle und die bunten Disney-Welten profitieren massiv von der scharfen Darstellung auf modernen 4K-Bildschirmen. Comic- und Cel-Shading-angehauchte Look altert in Würde. Er wirkt auch heute noch charmant, lebendig und verströmt eine Wärme, die viele fotorealistische Spiele vermissen lassen. Dennoch kann die Collection ihre PS2-Wurzeln nicht kaschieren. Die Umgebungen in den früheren Kapiteln sind oft karg, polygonarm und starr. Es gibt wenig zerstörbare Objekte oder dynamische Physik. Der Kontrast zwischen den detailarmen Hintergründen und den scharf gezeichneten Charakteren offenbarungslos den technologischen Wandel der letzten zwei Dekaden.

    Die Unvergessliche Sound- und Musikkulisse

    Neben Gameplay und Grafik ist es vor allem die akustische Untermalung, die die Kingdom Hearts Collection zu einem Meisterwerk macht. Die Musik ist der emotionale Anker der gesamten Reihe und löst bereits in den ersten Sekunden pure Gänsehaut aus. Die Komponistin Yoko Shimomura hat mit dem Soundtrack ein musikalisches Denkmal geschaffen. Von den sanften, melancholischen Klavierklängen in Dearly Beloved über die epischen, orchestralen Chöre bei dramatischen Bosskämpfen bis hin zu den verspielten Themes der einzelnen Disney-Welten trifft die Musik zu jedem Zeitpunkt punktgenau die richtige Stimmung. Die akustische Kulisse schafft spielend den Spagat zwischen den klassischen, weltbekannten Disney-Melodien und den düsteren, komplexen Original-Tracks. Wenn man durch Atlantica schwimmt oder Hollow Bastion erkundet, wird das Geschehen von Kompositionen getragen, die sich tief in das Gedächtnis einbrennen.

    Auf den aktuellen Konsolen kommt der überarbeitete, teils von echten Orchestern eingespielte Soundtrack noch besser zur Geltung. Die Instrumente klingen glasklar, der Bass bei magischen Explosionen sitzt und die dynamische Lautstärkenanpassung sorgt für ein rundum gelungenes Surround-Erlebnis. Die unverkennbare Soundkulisse zieht jeden Spieler sofort wieder in ihren Bann.

    Fazit: Ein Zeitloses Epos, dass in jede Sammlung gehört!

    Am Ende ist es einfach wunderschön, Spiele von damals auf der aktuellen Konsolengeneration zu spielen und dabei auch ganz klar den Kontrast von damals zu heute zu sehen. Man begreift beim Zocken, wie sehr sich die Industrie gewandelt hat – weg von kompromisslosem, manchmal frustrierendem Leveldesign, hin zu cinematic User Experience. Doch genau diese Ecken und Kanten machen den Charme der Reihe aus. Wer die Spiele damals in seiner Jugend geliebt hat, wird sich über diese opulente Collection riesig freuen, während geduldige Neueinsteiger ein Stück Videospielgeschichte nachholen können, das seinesgleichen sucht.

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    Quelle: Bilder / Video

    Daniel Spies (MUTINITUM)
    Gaming-Journalist & Strategie-Analyst. Hinter dem Projekt MutinituM, blicke ich über den Tellerrand der Spieleindustrie hinaus, immer kritisch, immer fundiert und mit einem besonderen Auge für die Strategie der Publisher. Mein Ziel: Die Geschichten hinter den Pixeln zu finden, die wirklich zählen.