Doom (4) – Test / Review

    Bethesda will mit Doom eine Wiedergeburt wagen, lässt Doom 3 mit seinem langsamen und horrorlastigen Gameplay hinter sich und nähert sich wieder den Vorgängern Doom (1993) und Doom 2 (1994) an. Im Test checken wir, ob die alten Gameplay-Mechaniken in unserer Zeit noch wirken.

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    …warum schickst du mich in die Hölle, Hölle!!!

    Gleich zu Beginn wachen wir auf einem Stein-Altar auf und schnappen uns sofort die Pistole, um die anstürmenden Dämonen zu vernichten. Doom wäre nicht Doom, wenn nicht irgendwelche Forscher auf dem Mars das Tor zur Hölle öffnen wollen und natürlich wir dies verhindern sollen. Nach wenigen Minuten der Kampagne wird bereits klar, dass wir kein normaler Soldat sind. Leider bleibt unser Held die ganze Zeit über stumm.
    Dass Doom kein Story-Festival abliefern will, zeigt auch auch die darauffolgende Szene: Als wir unseren Prätorenanzug erhalten und Dr. Samuel Hayden uns über die aktuelle Lage informiert, wirft unser Held das Display – auf dem Hayden spricht – zur Seite. Cool! Was bei der Geschichte fehlt, wird bei der Präsentation wieder reingeholt. Immer wenn wir neue Gegenstände erhalten, wird dies zelebriert, als wäre es das Wundermittel. Ein Tutorial gibt es im Prinzip nicht, immerhin ist meist alles selbsterklärend. Hin und wieder gibt es kleinere Erklärungen zu neuen Waffen und Features.

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    Gameplay der 90er

    Doom nähert sich wieder den alten Teilen Anfang der 90er an und lässt den langsamen Horror-Shooter Doom 3 hinter sich. Stattdessen ist Doom schnell und rasant, wir müssen immer in Bewegung bleiben, ansonsten geben wir leicht den Löffel ab. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Kämpfe in Art Arenen stattfinden. Typisch 90er werden in einem größeren Areal alle Zugänge geschlossen und der Bereich mit Dämonen überflutet. Sind alle besiegt, öffnen sich die Zugänge.
    Im Verlaufe der Geschichte werden immer weitere Gameplay-Mechaniken hinzugefügt, so gibt es Portale und Sprungfelder, die uns auf höhere oder abgelegene Bereiche katapultieren. Hinzu kommt der Doppelsprung, der uns nach einiger Zeit zur Verfügung steht. Mit Hilfe vom Doppelsprung können wir höher gelegene Plattformen erreichen oder sogar Feinde überspringen, um auszuweichen.
    Die neueste Erfindung in Doom sind die Glory-Kills. Haben wir einen Gegner zum Beinahe-Tod gebracht, leuchtet dieser blau bzw. gelb (wenn wir nah an ihm dran sind) auf und wir können mit einfachem Tasten-Befehl einen Glory-Kill ausführen. Dieser wird nicht nur mit zig verschiedenen Animationen ausgeführt – welche nicht nur cool aussehen, sondern vor allem durchaus sehr brutal sind – sondern bringt uns mehr Lebenspunkte zurück als die Dämonen gewöhnlich auszuschalten. Nach einigen Glory-Kills sind diese zwar eintönig, aber lassen uns vor allem in harten Kämpfen durchatmen.
    Munition, Medi-Packs und Rüstungsteile werden ganz absichtlich farblich in Räumen untergebracht und erinnern stark an Quake oder Unreal Tournament. In Doom stehen uns natürlich die üblichen Knarren zur Verfügung. Mit Hilfe der Kettensäge erhalten wir – ganz ähnlich dem Glory-Kill – extra Munition zurück, wenn wir einen Dämonen in zwei teilen. Besiegen wir Feinde in bestimmten Bereichen, erhalten wir einen Waffenpunkt, den wir zum Waffenaufwerten nutzen können. Aber dies ist nur möglich, wenn wir für die Waffe eine kleine Drohne mit einer Waffenmod gefunden haben. So können wir z.B. an unserer Gaußkanone eine Zielvorrichtung anbringen, die uns nicht nur aus der Entfernung Dämonen leichter besiegen, sondern auch unseren Schuss per Aufladung stärker werden lässt.

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    Bei Doom könnte man nun meinen, es hätte keinen großen Wiederspielwert, aber weit gefehlt! Da gibt es zum einen die Vielzahl an existierenden Sammelobjekten. In jedem der 13 Level findet ihr mindestens zwei Puppen, die beim Aufsammeln mit dem klassischen Doom Theme hinterlegt sind und zusätzlich Waffen-Modelle freischalten. Versteckte Packs geben Maximum an Gesundheit und Rüstungswert, Daten-Pads geben weitere Informationen zu Stationen, Monstern usw. preis, Drohnen schalten Waffenmodifikationen frei, verstorbene Elite Wachen erhöhen unsere Grundwerte und Runenprüfungen, die aus extra Level und besonderen Bedingungen bestehen und bei Erfolg Perks einbringen. Zusätzlich gibt es für jeden Nostalgie-Fan versteckte Hebel, die geheime Bereiche öffnen, in denen sich alte Doom und Doom 2 Levels befinden. Für eine einfachere Suche nach allen Sammelobjekten kommt die altbekannte Automap zurück, welche die ganze Karte aufdeckt und deren Objekte anzeigt – bis auf die Hebel für die alten Doom Level. Trotz alledem ist das Auffinden der versteckten Objekte schön knackig und erhöht den Wiederspielwert aufs Extremste.
    Haben wir die Kampagne auf einem der drei Schwierigkeitsgrade „Zu Jung zum Sterben“ (leicht), „Los gib’s mir“ (normal) oder „Ultra-Brutal“ (schwer) durchgespielt, können wir die ganze Geschichte nochmals auf den nun freigeschalteten Stufen „Albtraum“ und „Ultra-Albtraum“ erleben. Während „Albtraum“ uns lediglich weniger Treffer einstecken lässt, müssen wir bei „Ultra-Albtraum“ beim Absterben von Neuem beginnen.

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    Sehr eintöniger Multiplayer

    Im Multiplayer enthält Doom insgesamt sechs Spielmodi – Team-Deathmatch, Seelenernte, Freeze Tag, Clan Tag, Vorherrschaft und Kriegspfad – die sich allesamt sehr ähneln. In allen Modi gibt es zwei Teams, welche sich zumeist gegeneinander vernichten müssen. In Kriegspfad müssen wir einen mobilen Knoten, der sich auf der Map bewegt, einnehmen. Bei Freeze Tag müssen wir unsere Feinde einfrieren, Eingefrorene können per Teammitglied wieder aufgetaut werden. Sind alle Spieler in einem Team eingefroren, hat es verloren. Leider gibt es keinen Deathmatch-Modus. Insgesamt sind die Modi sehr eintönig und es ist kein Zufall, dass Team-Deathmatch der meist besuchte Modus ist. Auch bei den Maps stellt sich eine gewisse Monotonie ein, so gibt es insgesamt nur neun Karten, die alle klein bis normal groß sind.

    Der Multiplayer von Doom stellt einen Spagat von Alt zu Neu her. So gibt es Pick-Ups à la Unreal Tournament, die unsere Munition, Gesundheit und Rüstung wieder auffrischen und es gibt keine Fahrzeuge. Auf der anderen Seite gibt es – wie mittlerweile üblich – Loadouts, in denen wir aus verschiedenen Waffen zwei auswählen können, sowie eine Granate in unser Paket einfügen können. Ein eigenes Loadout kann mit Stufe 2 erstellt werden. In jedem Spielmodus kann außerdem ein Spieler ein Dämonen-Pick-Up erhalten, mit Hilfe diesem er zum besonderen Monster wird. Dieses ist besonders stark, aber nicht unverwundbar und hat sogar besondere Schwachstellen. Stirbt der Spieler mit einem Dämonen-Pick-Up, wird dieses fallen gelassen und ein anderer kann es aufsammeln.

    Insgesamt macht der Multiplayer einige Stunden Spaß und ist besonders für einige Runden in der Mittagspause oder nach Feierabend gut. Als Alleinstellungsmerkmal dient der Multiplayer von Doom nicht, und ist gerade für seine Eintönigkeit eher eine nette Hereingabe.

    SnapMap

    • SnapMap ist ein Map-Editor
    • Es gibt viele interaktive Tutorials (trotzdem einige Stunden an Einarbeitung notwendig)
    • Leicht bedienbar
    • Hier gibt es auch die Spielmodi Capture the Flag, Überleben, Deathmatch und einen Coop-Modus
    • Es können Maps nach „beliebte Karten“, „am besten bewertete Karten“, „am meisten gespielte Karten“ und „neueste Karten“ gefunden werden
    • Veröffentlichte Karten können heruntergeladen werden
    • Es gibt bereits zig veröffentlichte Maps

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    Technik direkt aus der Hölle?

    Doom nutzt die nagelneue id-Tech-6 Engine und sieht auch meist durchweg gut aus, trotzdem sind einige Texturen stellenweise verwaschen oder unscharf. Auf den Konsolen läuft Doom mit 1080p und die meiste Zeit mit 60 Bildern pro Sekunde super weich, ab und an kann die Bildwiederholungsrate etwas sinken, aber dies störte niemals das Spielgefühl. Ein Grafikmenü befindet sich sogar auf der Konsolen-Version, in diesem können wir den Gammawert, das Sichtfeld, die chromatische Aberration ein- und ausschalten, sowie die Bewegungsunschärfe in drei Stufen einstellen oder gar ganz abschalten.
    Die deutsche Sprachausgabe in Doom tritt meist positiv in Erscheinung, zusätzlich wurden auch alle Texte ins Deutsche übersetzt – auch Texte in Monitoren oder anderweitigen Dingen sind auf Deutsch.
    Im Singleplayer gab es in knapp 15 Spielstunden leider einen einmaligen Bug. Als wir einen Dämonen mit einem Glory-Kill ausschalteten, flogen wir durch die Map und starben. Umso bitterer war es, dass es der letzte Gegner in einem sehr großen Areal war.

    Fazit

    Doom verbindet alte sowie neue Tugend und das hervorragend, trotz der sehr dünnen Story – wer braucht bei Doom eine Geschichte? – und der sehr linearen Vorgehensweise, die durchaus beabsichtigt ist. Wer auf alte Ego-Shooter Klassiker wie Doom 1 und 2 oder Wolfenstein steht, ist bei dem neuesten Ableger genau richtig. Bei Doom sollte man nicht zuviel Tiefgang erwarten – was auch durchaus unfair wäre – sondern man sollte sich fallen lassen, dann macht Doom mit seiner endlosen Schießerei und den passenden Metal-Klängen einen Heidenspaß.
    Der Multiplayer dagegen ist eher durchwachsen und ähnelt viel mehr dem Feierabendbier. Sehr positiv ist SnapMap, der Map-Editor, der nicht nur zahllose neue Inhalte bietet, sondern auch sehr einfach zu bedienen ist, wird uns noch einige Stunden in Doom eintauchen lassen.