Deathloop – Test

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    Vor wenigen Tagen erschien der mit Spannung erwartete Zeitschleifen-Shooter Deathloop. Wie sich das neue Meisterwerk der Arkane Studios schlägt, was also gut und was weniger gut klappt, erklären wir hier in unserem Test.

     

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    Wann bin ich?

    Man könnte meinen, dass Zeitschleifen ein in Mode gekommenes Ding sind. Weit gefehlt, denn spätestens seit Majoras Mask (The Legend of Zelda) kennen wir das Muster, in einem Videospiel einen Tag immer und immer wieder spielen zu können. Returnal (90% bei uns im Test) ist ein ebenso gelungenes wie aktuelles Beispiel dafür, wie toll sich Zeitschleifen in Games integrieren lassen. Und jetzt also Deathloop, das dem Ganzen nochmal die Krone aufsetzt.

    Ziel in Deathloop ist es, die Zeitschleife (im Spiel Loop genannt), in der wir uns befinden, zu durchbrechen. Die Frage, warum sich Hauptfigur Colt eigentlich immer und immer wieder am Strand von Blackreef wiederfindet, lassen wir an dieser Stelle für euch offen – ihr werdet es herausfinden. Belassen wir es dabei, dass Colt ziemlich benebelt eben an jenem Strand nach dem virtuellen Tod zu sich kommt. Und genauso verwirrt, wie Colt, ist man auch als Spieler:in in den ersten Spielszenen. Man hat einfach so gar keine Idee, was man hier tun soll. Doch der anfängliche Nebel lichtet sich Stück für Stück und irgendwann wird dann auch das Ziel klar: Um den Loop zu durchbrechen, muss Colt acht Visionäre töten und zwar alle an einem Tag.

    Und genau das ist der Knackpunkt in Deathloop. Jeder dieser 8 Visionäre hat seine eigene Tagesroutine und jeder hält sich an unterschiedlichen Orten innerhalb Blackreefs auf. Es geht also vornehmlich darum, eine Zielperson nach der nächsten zu finden und deren Tagesabläufe zu studieren. Und aus all den Informationen müssen wir dann einen Ablauf kreieren, der uns alle acht Ziele innerhalb von 24 Stunden ausschalten lässt. Der perfekte Tag für Colt muss also geplant werden.

    Deathloop Test Review Wertung
    Ihr schon wieder!

     

    Julianna alias Multiplayer

    Mit dem Sterben sollte man es in Deathloop nie übertreiben. Klar, nach dem virtuellen Tod beginnt der Tag einfach wieder von vorne. Schon richtig, allerdings verliert ihr dann auch sämtlichen Fortschritt innerhalb einer Mission. Glücklicherweise dürft ihr euch pro Run drei Fehltritte erlauben. Die ersten Tode werdet ihr einfach ein paar Meter im Spiel zurück gespult und dürft dann einfach weitermachen. Erst beim dritten Fehlversuch heißt es dann: Loop verfehlt und ab zurück zum Strand.

    Neben den normalen Gegnern hebt sich eine Dame sehr deutlich von ihnen ab: Assassine Julianna. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, Colt unter allen Umständen vom Durchbrechen des Loops abzuhalten. Julianna nimmt schon sehr früh im Spiel Kontakt zu Colt auf, im Falle der Playstation 5 Spielversion ertönen all ihre Funksprüche aus dem Dual Sense Controller. Hat man anfänglich noch gar keinen Plan, wer diese Frau überhaupt ist oder was ihre Motive sind, so entpuppt sich im Verlauf des Spiels immer mehr von ihren Ambitionen. Spielerisch könnt ihr euch Julianna wie einen äußerst effektiven und wenig zimperlichen NPC vorstellen. Sie lauert immer da, wo einer der acht Zielpersonen nicht weit weg ist und geht äußerst  effektiv vor.

    Julianna ist auch gleichzeitig die optionale Multiplayer-Komponente im Spiel. So darf man als eben jene Assassine in das Spiel eines anderen Spielers einsteigen. Sehr cool wird es dann, wenn ich als Spieler bereits die Mission kenne und um all die Features des Levelabschnitts bescheid weiß. Man kann so den anderen Spieler als Colt mal so richtig an der Nase herumführen. Etwa dann, wenn man unbemerkt aus sicherer Distanz Colt im Blick behält, nur um ihn dann im fiesesten Moment zu „pingen“, worauf die NPCs nahe bei ihre Jagd auf Colt eröffnen. Oder man mischt sich einfach als scheinbar ahnungsloser NPC unter das normale Volk und kann unbemerkt die Schritte von Colt verfolgen, während dieser nichts ahnend sein weiteres Vorgehen plant. Der Multiplayer entwickelt sich mit diesem Feature als sehr spannendes Katz und Maus Spiel.

    Deathloop Review
    Proaktiver NPC, der bei Bedarf auch von einem menschlichen Spieler gesteuert werden darf

     

    Dathloop: Ein Hauch von Dishonored

    Dass die Arkane Studios im Stande sind, phantastische, vielschichtige und atmosphärisch dichte Spielwelten zu kreieren, dass wissen wir längst. Deathloop setzt dem in puncto Vielfalt und spielerische Freiheiten nochmals die Krone auf. Die vier Bezirke von Blackreef, alle zu unterschiedlichen Tageszeiten begehbar, sind absolut hinreißend gestaltet und machen einen teils irrwitzigen Spagat zwischen Neo-Futurismus und Retro-Punk.

    Eigentlich erscheint es unmöglich, alle 8 Ziele innerhalb eines Tages (unterteilt in Morgen, Mittag, Nachmittag und Abend) zu erledigen. Zumal deshalb, weil wir pro Tageszeit auch nur einen der vier Bezirke betreten dürfen. Und hier kommt erneut die wunderbare Kreativität der Macherinnen und Macher zur Geltung. Mehr als ein reiner Shooter ist Deathloop auch ein Stück weit Detektivarbeit.

    Mit dem Erkunden des Bezirks finden wir mal mehr, mal weniger wichtige Hinweise. Die Brotkrummen sind sehr geschickt und manchmal auch gut versteckt quer über die Bezirke verteilt. Hier finden wir ein Audiolog, dort einen Hinweiszettel und wieder woanders einen Zahlencode. Und so setzt man kleinteilig das Puzzle immer mehr zusammen, bis es plötzlich Klick macht. Irgendwann werdet ihr im Spiel an genau den Punkt gelangen, an dem ihr begriffen habt, wie das Ganze hier also abläuft und ab diesem Moment steigt der Spaßfaktor enorm an. So undurchsichtig und kontextlos die ersten 1-2 Stunden Spielzeit auch sein mögen, so logischer und vertrackter werden sie ab eben jenem Moment. Mit den konkreten Hinweisen im Spiel bekommt ihr dann nämlich auch die Tipps, wie die Tagesabläufe der Zielpersonen 1 bis 8 aussehen. Jetzt bekommt ihr eine Ahnung, dass es also sehr wohl möglich ist, alle Targets auch tatsächlich in nur 24 Stunden zu eliminieren. Chapeu Arkane, die Kniffe des Spiels habt ihr verdammt elegant im Spiel verpackt!

    deutscher Test zu Deathloop
    Computer und Schussanlagen können wir zu unseren Gunsten hacken

     

    Mal schnell teleportieren

    Der alles entscheidende Faktor in Deathloop ist das Wie. Der Nebel um die Ziele lichtet sich stückchensweise und die Exploration nach dem nächsten wichtigen Detail ist fester Bestandteil. Mit diesen Vorgaben zur Seite habt ihr alle spielerischen Freiheiten, wie ihr welches (Zwischen-)Ziel im Spiel angehen möchtet. Maßgeblichen Anteil dazu tragen die Skills, die euch ein und die selbe Situation auf zig erdenkliche Weise angehen lassen.

    Diese setzen sich zusammen aus bekannten Fähigkeiten, wie beispielsweise dem Doppelsprung oder dem Kurzstrecken-Teleport. Dazu gesellen sich neue, nicht minder coole und teils auch witzige Skills. So z.B. Karnesis, mit dessen Hilfe ihr einen Gegner durch die Gegend schleudern könnt. Den hohen Spaßfaktor macht die Kombination aus mehreren dieser Fähigkeiten aus. Kleines Beispiel? Ihr rutscht auf einen tiefen Abhang zu, macht im allerletzten Moment einen beherzten Doppelsprung und tauscht dann mit einem Feind per Teleport den Platz.

    Letzteres könnt ihr allerdings erst mit einem Upgrade des jeweiligen Skills erreichen. Ohnehin erfahrt ihr in Deathloop ein etwas anderes Levelsystem. Gegnerische NPCs tragen nämlich gelegentlich ebenso Slabs (so heißen die Skills im Spiel) und können auf Sonderfähigkeiten setzen. Erledigt ihr einen solchen Schuft, dann gehört der Skill euch. Der Clou ist, dass ihr in einem nächsten Loop eben jenen Gegner gleich nochmals ins Nirvana schicken könnt und ihr euch so ein Upgrade der Basisversion des Skills sichert. Und genau so wird dann im Falle des Teleports die Option möglich, mit Feinden die Plätze zu tauschen. Sehr spaßig fanden wir den Skill Domino, bei dem ihr mehrere Feinde markieren könnt: Jedweden Schaden, den ihr einem der Markierten zufügt, erleiden auch die anderen. Übrigens nicht nur direkten Schaden aus der Waffe, aber das solltet ihr einfach selbst ausprobieren. Deathloop belohnt Spielerinnen und Spieler mit einer Menge Spaß, wenn man mit diversen Skills und deren Kombinationsmöglichkeiten herumspielt.

    game2gether Test zu Deathloop

     

    Schleichen oder ballern?

    Wo wir gerade bei den Waffen sind: Das Handling und deren Feedback sind extrem gut gelungen. Und auch hier spiegelt sich die die teilweise wirklich absurde Ideenfalt der Entwickler wider. Alle Ballermänner lassen sich, ähnlich der Skills, im Spiel upgraden und erhalten im Gegenzug nützliche Boni, wie beispielsweise Blutungseffekte, Schalldämpfer oder einen Explosionsradius. Dazu gesellen sich pro Waffen bis zu drei Trinkets (generische Perks), die für permanente Verbesserungen sorgen, z.B. höherer DMG-Output oder schnelleres Nachladen.

    Für all das, also sowohl Skills von Colt, als auch euren Loadout in Gänze, gilt, dass ihr viel Zeit im Menü verbringen könnt und viel Feinschliff-Arbeit erledigt. Was man bei anderen Spielen als unnötige Zeitverschwendung empfindet, ist hier eine echte Wohltat. Je nach Zusammensetzung entstehen nämlich komplett neue Herangehensweisen für den Loop und das Spiel belohnt permanent mit einer zu 100% stimmigen Integrität aller Upgrades. Dank der im Spiel verwendeten Ressource Residuum könnt ihr auch euch wertvolle Waffen mit in die nächste Zeitschleife transportieren, so dass nicht immer alles wieder bei 0 startet – was es ja ohnehin nie wirklich tut. Durch stetige Progression habt ihr früher oder später den für euch passenden Loadout fast ganz automatisch erstellt.

    Und das Ende? Tja, da sind wir sehr zwiegespalten. Sobald die Story zu Ende ist und somit auch das Spiel, bleibt man etwas ratlos zurück. Da hatte man gerade etwa 20-25 Stunden pure Freude und Spielglück… da kommt das Finale ein wenig unbefriedigend daher. Wobei wir das an dieser Stelle vielleicht noch gar nicht schlussendlich bewerten sollten. Sagen wir es einfach so: Es bleiben zu viele Fragen offen, als dass diese nicht in kommenden DLCs beantwortet werden könnten.

    game2gether Spiele Test Review

     

     

    Deathloop Test unser Fazit:

    Deathloop startet mit vielen Fragenzeichen über dem Kopf des Spielers oder der Spielerin, der Einstieg macht es nicht leicht, das Spiel zu lieben. Habt ihr allerdings die ersten Unklarheiten aus dem Weg geräumt, dann öffnet sich eine Spielwelt, die unfassbar viel Freude macht. Die Spielwelt ist verdammt vielschichtig entworfen und lässt dank kombinierbarer Skills nahezu unendliche Freiheiten zu, ohne wirklich open world zu sein. Jede noch so kleine Randnotiz kann den entscheidenden Hinweis für das nächste Ziel bieten und so wird Exploration mit Stealth und Shootings fast perfekt vermischt. Die seltsame Atmosphäre im Spiel saugt förmlich ein und man fiebert schon fast dem nächsten Loop entgegen.

    Sucht ihr einen Normalo-Shooter, dann seid ihr hier an der falschen Adresse. Ihr müsst schon einen Hang dazu verspüren, euch die verzwickte Story geben zu wollen um so als kleiner Sherlock Holmes die Verschwörung von Blackreef zu lüften. Mitknobeln ist hier angesagt!

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    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur