Days Gone (PC Version)

    Days Gone wurde bereits zur E3 2016 angekündigt und dann am 26.April 2019 für PS4 veröffentlicht. Seit dem 18.Mai 2021 können sich auch PC Spieler in das Open World Survival RPG stürzen. Zu diesem Anlass haben wir das Spiel noch einmal ausführlich gespielt. Auch wenn Setting, Mechaniken, Spielwelt und Story ineinander greifen, versuchen wir unser Bestes jeden Aspekt noch einmal genau zu begutachten.

    Das Setting von Days Gone

    Das Grundsetting des Spiels wird in den ersten fünf bis zehn Minuten des Spieles umrissen, weshalb dieses Absatz unserer Meinung nach keinen Spoiler darstellt. Das Setting lässt  sich in wenigen Worten zusammenfassen:
    Junge liebt Mädchen. Mädchen wird während des Beginns der Zombieapokalypse verletzt. Junge setzt Mädchen in einen Hubschrauber und verspricht nachzukommen.
    Es gibt einen harten Cut und das Spiel sagt uns, dass wir uns jetzt 2 Jahre nach dem Auftreten der „Freaks“; wie die Zombies im Spiel genannt werden, befinden. Mit unserem besten Freund haben wir uns ein kleines Camp aufgebaut und dürfen uns fortan gegen allerlei Gefahren wehren und nach Vorräten suchen.

    So simpel das Setting klingen mag, umso schöner ist das Ganze dann im Detail. Denn das Entwickler Team hat es geschafft Setting, Story, Gamemechaniks und Spielwelt in Einklang zu bringen. Wir werden z.B. durch diesen „groben“ Cut von 2 Jahren in eine Spielwelt geschmissen in der alle Strukturen zwischen uns und allen Fraktionen und NPCs klar scheinen. Aber wir dürfen diese Strukturen immer noch selbst entdecken und sie werden uns nicht einfach nur vorgekaut oder aufgezwängt. Mehr dazu später.

    Days Gone - Sägewerk
    Trotz großer Knarre: Wer hier wild um sich ballert geht schnell unter.

    Spielmechaniken

    Was für uns im Testen einen großen Teil des Charms des Spieles ausmachte, war der passive Druck den das limitierte Inventar auf uns ausübt. Jeder Schritt will gut überlegt sein. Wer einfach nur kopflos durch die Welt rennt endet sehr schnell als Freakfutter, weil ihm bei gerade mal 20 Schuss mit der Pistole, sehr schnell die Kugeln ausgehen werden.  Wir werden damit zwar mehr oder weniger gezwungen vorsichtig zu spielen, was aber wiederum in jedem Moment erneut Spannung aufbaut. Jeder Schritt den wir in der Spielwelt tun bekommt dadurch „Gewicht“. Nichts fühlt sich banal an. Scheinbar unwichtige Entscheidungen wie „Ich gehe jetzt mal an die Autos um mehr Schrott zu sammeln.“; erfordern dass wir immer die Umgebung im Auge behalten um nicht einer zu großen Gruppe an Gegnern in die Arme zu laufen.

    Sammeln ist in dem Spiel eine der großen treibenden Kräfte. Wir können uns selber lediglich Bolzen für die Armbrust herstellen. Alle anderen Munitionsarten müssen wir uns zusammensuchen. Selbes gilt für die Materialien für Verbandszeug und Molotovs.
    Letztere haben in dem Spiel eine besonderer Rolle und Wertigkeit.

    Bewegen tun wir uns in der Spielwelt nicht nur zu Fuss, sondern auch per Motorrad und später per Schnellreisefunktion. Um die Schnellreise nutzen zu können muss aber nicht nur genug Benzin im Tank sein, sondern auch die Straße zwischen A und B „sicher“ sein. Auch wenn das Wort Sicherheit in Days Gone in Relations zu sehen ist, machen wir die Spielwelt doch um einiges leichter zu bereisen wenn wir „Freaknester“ beseitigen. Dies tut man mit den angesprochenen Molotovcocktails. Hat man also einen dieser Cocktails in der Hand stellt man sich immer die Frage: „Mache ich es mir jetzt leicht oder brauche ich dieses Item vielleicht später?“

    Schleichen ist ebenso ein großer Teil des Spiels wie das Feuergefecht selbst. Sowohl Tageszeit/Lichtverhältnisse als auch das Wetter haben dabei einen Einfluss auf den Erfolg einer Schleichaktion. Somit hat auch das schlechte Wetter im Spiel hin und wieder seiner Vorzüge, da der Regen und der feuchte Boden eure Schritte dämpfen.

    Hat man sich nah genug an einen Gegner herangeschlichen, so kann man ihn mit nur einem Tastendruck eliminieren. Das spart nicht nur Munition, sondern zieht auch bis zur Entdeckung der Leiche keine Aufmerksamkeit auf sich. Alternativ könnt ihr Gegner auch einfach mit einem Stein ablenken und euch komplett an ihnen vorbei manövrieren.

    Im Feuergefecht selbst sucht man sich am besten eine Deckung. Denn Rüstungen wie in anderen Spielen gibt es nicht. Man hält dann solange den Kopf unten, bis der Gegner sich eine Blöße gibt. Ein paar gezielte Kopfschüsse und es kehrt wieder Ruhe ein.

    Days Gone - Sneak
    Mit dem Bike kommt man zwar schnell voran, aber zu Fuß hat man mit den Gegnern leichteres Spiel.

    Days Gone’s Open World

    In der Vergangenheit gab es immer wieder Spiele, die zwar als „Open World“ bezeichnet wurden, aber dann doch nur instanzierte Level waren. Beispiel Monster Hunter World. Um so erfrischender ist es, dass Days Gone hier wirklich neue Maßstäbe setzt kann. Die Spielwelt hat zwar einige Bereich die wir erst im späteren Verlauf der Story betreten dürfen. Aber dafür haben wir zu keinem Zeitpunkt Ladebalken oder „Teleportationen“ in andere Areale. Man könnte also rein theoretisch jeden Zentimeter der Spielwelt in einem Zug ablaufen wenn man denn wollte.

    Das Team von Days Gone hat uns aber nicht nur eine weitläufige Spielwelt hingestellt, sondern diese mit vielen Details schon fast zum Leben erweckt. Und sei es nur die Art und Weise wie der Müll in den Gassen und Straßen verteilt wurde. Zu keinem Zeitpunkt hatten wir das Gefühl dass hier mit „Copy&Paste“ gearbeitet wurde. Selbst die Fahrzeuge, auch wenn ihre Variationen logischerweise limitiert sind, lößten nie einen „Oh, das hab ich schon mal zwei Dörfer weiter gesehen“-Effekt aus. Nicht zuletzt liegt das daran, dass man fast an jeder Ecke einzigartige Überbleibsel von Zivilisation sehen kann. So stolpern wir z.B. in einer Militärbasis über eine Türplatte auf der jemand Bierpong gespielt zu haben scheint. Diese kleinen Details sind es die die Spielwelt lebendig, bzw. tot im besten Sinne erscheinen lassen. Jeder Raum den wir betreten fühlt sich so an als wenn hier wirklich jemand gelebt hätte. Und das wie gesagt zu einem Grad, den man in Spielen heute selten sieht.

    Hinzu kommt dass sich die Elemente, Regen, Schnee etc. nahtlos ins Spiel integrieren. So bleibt Schnee z.B. nur dort liegen wo es auch Sinn ergibt und beeinflusst das Fahrverhalten unseres Bikes und setzt sich an unserer Kleidung ab. Aber so schön die Spielwelt auch anzuschauen ist, so sollte ein Auge immer an der nächste Hausecke haften. Denn überall lauern Banditen und Freaks die euch an die Kutte wollen.

    Wir treffen aber nicht nur auf Schurken und Monster, sondern auch auf andere Überlebende die sich in sogenannten „Camps“ organisieren. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihren Standorten und Anführer, sondern auch in den Philosophien mit denen sie geführt werden. Wie gesagt, die Welt von Days Gone bietet reichlich Liebe zum Detail.

    Days Gone - Wald
    Die Ruhe täuscht. Auch in den wunderschönen Wäldern seid ihr nie wirklich sicher.

    Die Story

    Spoilerwarnung.
    Wir versuchen euch nicht zu viel zu verraten, aber manche Dinge müssen halt einfach erwähnt werden um eine ordentliche Beschreibung abliefern zu können. Wenn ihr also über die Story nichts weiter erfahren wollt, dann sind wir euch nicht böse wenn ihr diesen Abschnitt überspringt.

    Wie eingangs beschrieben starten wir mit Ende des Intros zwei Jahre nach dem Ausbruch der Seuche. Was zu Beginn wie ein klassischer „Zu faul alles zu erklären“ Cut scheint, entpuppt sich schnell als brilliantes Erzähltool. Denn natürlich sind die Charaktere in besagten zwei Jahren nicht untätig gewesen. Nur wir als Spieler haben nichts von den Verwicklungen und Entwicklungen zwischen unseren Protagonisten und der Spielwelt mitbekommen. Um so schöner ist es in einer Welt zu spielen, in der wir nicht einfach nur ein weiterer Abenteurer aller Skyrim sind. Sondern ähnlich wie in den Witcher Spielen haben unsere Hauptfigur, Deecon St.John und sein bester Freund Boozer, bereits einen Ruf unter den Einwohnern. Ob das im Einzelfall positiv oder negativ ist, dürft ihr gerne selber herausfinden.

    Allgemein lässt sich aber sagen, dass die Hauptstory nicht viele Überraschungen bereit hält. Vielleicht gerade weil wir endlich mal ein paar Charaktere mit festen Ansichten und Standpunkten an die Hand bekommen. Die Überlebenden tun was sie tun müssen um weiterhin zu überleben. Und das ergibt auch soweit Sinn. Und wie bereits mehrmals angesprochen ergibt die zu Beginn flache, vorhersehbare Story gemessen an den Umständen auch sehr viel Sinn. Somit ist sie kein Stein im Schuh, sondern einfach eine weitere Facette die dem Spiel gut tut. Eine überambitionierte Storyline wäre unseres Empfindens nach ein zu harscher Accent, der den allgegenwärtigen Bedrohungsfaktor und den täglichen Kampf ums Überleben zu sehr überschatten würde.

    Days Gone - CQB
    Immer schön auf den Kopf zielen und dann einfach draufhalten.

     

    Schlusswort

    Für PC-Spieler stellt dieses Spiel einen „Sleeper“ dar. Einerseits wegen dem fragwürdigen Ruf den Konsolenports innerhalb der Community genießen, andererseits weil dieses Spiel als Playstation only Titel natürlich bei kaum einem PC-Spieler auf dem Radar war. So waren auch wir überrascht dass die Umsetzung derart gelungen war. Aus technischer Sicht wurde hier so gut wie alles richtig gemacht. Wir hatten während unserer knapp 20 Stunden Spielzeit keinen einzigen Lagg oder das Gefühl gehabt Framedrops zu haben.

    Einzig negativ aufgefallen ist der manchmal etwas hakelige „Interaktionsfinder“. Will man z.b. einen Gegenstand aufheben der nah einer Deckung ist, passiert es öfters dass sich unser Charakter über besagte Hürde schwingt anstatt den Gegenstand aufzuhaben den wir angeschaut und markiert hatten. Auch ist uns nur ein einziger Bug über den Weg gelaufen, in Form einer Mauer an einer unrelevanten Stelle im Wald, durch die wir hindurch laufen konnten.

    Ich persönlich (Roland) habe selten eine so gelungene technische Umsetzung eines Konsolenspieles auf dem PC gesehen. Will heißen dass in dem Punkt Days Gone für mich in Zukunft die Messlatte darstellt.

    Die Synergie aus Spielwelt, Spielmechaniken, Story und Setting haben wir jetzt bereits ausgiebig besungen. Unerwähnt blieb bisher die nahtlose Integration der Musik im Spiel. Zu keinem Zeitpunkt fühlte diese sich deplatziert oder über- bzw. unterrepräsentiert an. Wir konnten jederzeit die Schritte und Schüsse unserer Gegner hören, während uns die Musik auf den Kanten unserer Sitze hielt.

    Fazit

    Alles in allem haben wir hier die RPG Perle für alle die weder auf SciFi noch auf Fantasy stehen. Wer ein Spiel sucht dass einen die Zeit vergessen lässt, ohne dass man bedeutungslose Items farmt um dann endlich der Rüstung mehr Punkte hinzufügen zu können oder der gleichen, der ist hier perfekt aufgehoben.

    Weitere Spieltest und Review findet ihr <<hier>>.

    Roland
    Variety Gamer seit rund 20 Jahren. Bei allem zuhause was RPG-Elemente hat oder competitive ist. In der Freizeit auch gerne mal in Gambeson und Kettenhemd auf Larp-Events unterwegs. Allerdings bisher immer auf Seite der Schurken. *diabolisches Händereiben*