Castlevania: Belmont’s Curse im Test: Draculas Rückkehr ist wunderschön, aber reicht das noch?

    Quelle: Konami

    Konami ist zurück. Nachdem sich der japanische Publisher über viele Jahre weitgehend aus dem Geschäft mit großen Videospielproduktionen zurückgezogen hatte, erleben einige seiner bekanntesten Marken mittlerweile eine bemerkenswerte Renaissance. Metal Gear Solid feierte seine Rückkehr, Silent Hill wurde erfolgreich wiederbelebt und nun ist endlich auch Castlevania an der Reihe. Mit Castlevania: Belmont’s Curse wagt sich die traditionsreiche Vampirjäger-Reihe zurück zu ihren zweidimensionalen Wurzeln. Doch ausgerechnet dieses Comeback steht vor einer Herausforderung, die vor knapp zwei Jahrzehnten kaum jemand erwartet hätte: Castlevania muss sich plötzlich gegen ein Genre behaupten, das es einst selbst entscheidend geprägt hat.

    Seit Castlevania: Order of Ecclesia im Jahr 2008 hat sich die Welt der Metroidvanias grundlegend verändert. Spiele wie Hollow Knight, Guacamelee und zahlreiche weitere Indie-Produktionen haben die bekannte Formel nicht nur übernommen, sondern in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Anspruchsvolle Kämpfe, riesige miteinander verbundene Spielwelten und ausgeklügelte Bewegungsmechaniken gehören längst zum Standard. Mit Evil Empire hat Konami ein Studio verpflichtet, das sich bestens mit anspruchsvollen Actionspielen auskennt. Die Erwartungen an Belmont’s Curse sind entsprechend hoch. Schließlich soll der neue Ableger nicht nur eine traditionsreiche Marke wiederbeleben, sondern auch beweisen, dass Castlevania noch immer zur Spitze des Genres gehören kann.

    Nach zahlreichen Stunden mit Rose Belmont, unzähligen Kämpfen gegen untote Kreaturen und der Erkundung von Draculas Schloss bleibt allerdings ein zwiespältiger Eindruck. Castlevania: Belmont’s Curse ist ein gutes Metroidvania mit einer fantastischen Präsentation und zahlreichen gelungenen Ideen. Gleichzeitig fehlt ihm ausgerechnet jene spielerische Brillanz, die aus einem guten Abenteuer einen modernen Klassiker machen könnte.

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    Paris im Jahr 1499: Die Belmonts ziehen erneut in den Krieg

    Die Handlung führt uns ins Paris des Jahres 1499. Die französische Hauptstadt wurde von monströsen Kreaturen überrannt, die im Auftrag dunkler Mächte die Wiederauferstehung des Königs der Vampire vorbereiten. Ganze Straßenzüge liegen in Trümmern und dämonische Wesen haben die Kontrolle über weite Teile der Stadt übernommen. Angesichts dieser Bedrohung wird Trevor Belmont gerufen, um dem Grauen ein Ende zu bereiten. Allerdings steht diesmal nicht der bekannte Vampirjäger selbst im Mittelpunkt. Stattdessen übernehmen wir die Rolle seiner Tochter Rose, die bereits über beträchtliche Erfahrung im Kampf gegen übernatürliche Kreaturen verfügt. Damit erhält Castlevania: Belmont’s Curse eine neue Protagonistin, die zwar das Erbe ihrer Familie fortführt, sich spielerisch aber durchaus von ihren berühmten Vorgängern unterscheidet.

    Die ersten Stunden verbringen wir in den Straßen von Paris. Dieser Abschnitt funktioniert beinahe wie ein eigenständiges kleines Metroidvania und führt schrittweise in die grundlegenden Mechaniken ein. Erst anschließend verschlägt es Rose in Draculas Schloss, das den Großteil des eigentlichen Abenteuers ausmacht. Diese Struktur ist durchaus clever gewählt. Statt Spieler sofort in ein riesiges Labyrinth zu werfen, nutzt Evil Empire die vergleichsweise überschaubaren Straßen von Paris, um neue Kampfsysteme, Bewegungsmöglichkeiten und die Eigenheiten der Protagonistin vorzustellen. Sobald wir das Schloss betreten, entfaltet sich schließlich jene klassische Castlevania-Struktur, die Fans seit Jahrzehnten kennen und lieben.

    Eine fantastische Optik mit düsterem Charme

    Bereits nach wenigen Minuten wird deutlich, dass die Präsentation zu den größten Stärken von Belmont’s Curse gehört. Evil Empire setzt auf einen ausgesprochen gelungenen zweidimensionalen Grafikstil, der kräftige Farben mit detailreichen Hintergründen und aufwendigen Animationen kombiniert. Dabei gelingt den Entwicklern ein interessanter Spagat. Einerseits wirkt das Spiel unverkennbar wie Castlevania. Andererseits besitzt es eine moderne visuelle Identität, die sich angenehm von den klassischen Pixelgrafiken früherer Ableger unterscheidet. Besonders die Umgebungen profitieren von dieser Gestaltung. Die zerstörten Straßen von Paris unterscheiden sich deutlich von den späteren Bereichen des Schlosses. Unterschiedliche Farbpaletten, architektonische Details und atmosphärische Hintergründe verleihen den einzelnen Regionen einen eigenständigen Charakter.

    Auch Rose selbst ist hervorragend animiert. Ihre Bewegungen wirken geschmeidig und die unterschiedlichen Angriffe werden mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Gerade während intensiver Kämpfe entsteht dadurch eine ansprechende Dynamik. Waffenbewegungen, Ausweichmanöver und magische Effekte greifen optisch überzeugend ineinander. Allerdings ist die technische Umsetzung nicht durchgehend makellos. Vereinzelt fallen Texturen auf, die qualitativ nicht ganz mit der ansonsten hervorragenden Präsentation mithalten können. Das bleibt jedoch eine vergleichsweise kleine Schwäche. Insgesamt gehört die audiovisuelle Gestaltung eindeutig zu den Bereichen, in denen Castlevania: Belmont’s Curse besonders überzeugt.

    Sieben Waffenarten sorgen für spielerische Abwechslung

    Anders als einige ihrer Vorgänger verlässt sich Rose nicht ausschließlich auf die legendäre Peitsche ihrer Familie. Stattdessen stehen insgesamt sieben unterschiedliche Waffenarten zur Verfügung, die sich hinsichtlich Reichweite, Angriffsgeschwindigkeit und Kampfstil voneinander unterscheiden. Ein gewaltiges Zweihandschwert verursacht beispielsweise erheblichen Schaden, benötigt allerdings vergleichsweise lange für seine Angriffe. Wer sich für diese Waffe entscheidet, muss seine Aktionen entsprechend sorgfältig planen. Eine Kombination aus Schwert und Schild bietet dagegen zusätzliche defensive Möglichkeiten. Angriffe von vorne können abgewehrt werden, wodurch sich ein deutlich kontrollierterer Kampfstil ergibt.

    Die unterschiedlichen Waffen laden zum Experimentieren ein. Je nach Gegner und persönlicher Vorliebe können bestimmte Ausrüstungsvarianten deutlich besser funktionieren als andere. Besonders gefallen hat uns die klassische Peitsche als eigenständige Waffenart. Sie verursacht ihren größten Schaden am äußersten Ende ihrer Reichweite und belohnt damit eine präzise Positionierung. Gerade gegen Gegner, die man lieber auf Abstand halten möchte, erweist sich diese Mechanik als ausgesprochen effektiv. Im Verlauf des Abenteuers entwickelt sich die Peitsche dadurch zu einer unserer bevorzugten Waffen. Die Auswahl ist insgesamt gelungen und sorgt dafür, dass sich Kämpfe nicht ausschließlich auf eine einzige Angriffsmethode reduzieren.

    Der Vampire Killer bekommt eine neue Aufgabe

    Eine der ungewöhnlichsten Entscheidungen betrifft die legendäre Belmont-Peitsche Vampire Killer. Während diese in zahlreichen früheren Castlevania-Spielen als wichtigste Waffe diente, übernimmt sie in Belmont’s Curse vor allem eine Funktion bei der Fortbewegung. Rose kann die Peitsche verwenden, um sich an bestimmten Punkten festzuhalten, über Abgründe zu schwingen oder sich zu entfernten Positionen zu ziehen. Auch Gegner können auf diese Weise erreicht werden. Besonders praktisch ist ein spezieller Greifangriff, bei dem sich Rose zu einem Feind bewegt und unmittelbar beim Erreichen des Ziels zuschlägt.

    Das funktioniert nicht nur offensiv, sondern kann auch dabei helfen, gefährlichen Situationen zu entkommen. Gerade wenn mehrere Gegner gleichzeitig angreifen, ermöglicht diese Fähigkeit einen schnellen Positionswechsel. Grundsätzlich ist die stärkere Einbindung der Peitsche in das Bewegungssystem eine interessante Idee. Sie verleiht Rose zusätzliche Möglichkeiten und unterscheidet das Spiel von früheren Castlevania-Ablegern. Allerdings zeigt sich hier bereits eine der größten Schwächen des gesamten Abenteuers. Die entsprechenden Animationen benötigen teilweise überraschend viel Zeit. Besonders der Greifhakenangriff besitzt eine spürbare Vorbereitungsphase, die bei hektischen Kämpfen berücksichtigt werden muss. Dadurch wirkt Rose gelegentlich träger, als es das schnelle Spielgeschehen eigentlich verlangt.

    Bekannte Monster, neue Herausforderungen

    Natürlich wäre ein Castlevania ohne seine klassischen Monster kaum vorstellbar. Entsprechend begegnen uns zahlreiche bekannte Kreaturen, darunter bewaffnete Skelette, lebendige Rüstungen, Fledermäuse und die berüchtigten Medusaköpfe. Gerade langjährige Fans dürften sich über das Wiedersehen mit diesen Gegnern freuen. Erfreulich ist außerdem, dass Evil Empire insgesamt für eine ordentliche Gegnervielfalt sorgt. Die unterschiedlichen Kreaturen besitzen eigene Angriffsmuster und verlangen teilweise unterschiedliche Vorgehensweisen. Dadurch bleiben die zahlreichen Auseinandersetzungen über weite Strecken abwechslungsreich.

    Allerdings ist die Gegnerdichte stellenweise ausgesprochen hoch. Hinzu kommt, dass besiegte Kreaturen nach dem Speichern erneut erscheinen. Wer bereits erkundete Bereiche wiederholt durchquert, muss sich deshalb regelmäßig mit bekannten Gegnergruppen auseinandersetzen. Das gehört zwar traditionell zum Genre, kann in Verbindung mit der teilweise trägen Steuerung aber gelegentlich anstrengend werden. Gerade zu Beginn besitzt Rose außerdem vergleichsweise wenig Lebensenergie. Fehler werden deshalb schnell bestraft. Wer unvorsichtig in eine größere Gegnergruppe läuft, kann innerhalb weniger Sekunden erhebliche Teile seiner Lebensleiste verlieren.

    Arkana bringen Magie ins Kampfsystem

    Neben den gewöhnlichen Waffen kann Rose verschiedene magische Fähigkeiten einsetzen, die als Arkana bezeichnet werden. Diese übernehmen gewissermaßen die Rolle der klassischen Sekundärwaffen früherer Castlevania-Spiele. Anders als gewöhnliche Angriffe benötigen sie allerdings Mana. Dieses wird durch erfolgreiche Nahkampftreffer wieder aufgefüllt. Dadurch entsteht ein interessantes Zusammenspiel zwischen offensivem Nahkampf und magischen Spezialfähigkeiten. Wer seine Arkana regelmäßig einsetzen möchte, muss aktiv kämpfen und kann sich nicht ausschließlich auf Distanzangriffe verlassen. Besonders gegen größere Gegnergruppen erweisen sich die magischen Fähigkeiten als nützlich.

    Während einzelne Waffen eher für direkte Duelle geeignet sind, können bestimmte Arkana mehrere Gegner gleichzeitig unter Druck setzen. Dadurch ergänzen sich die unterschiedlichen Kampfsysteme sinnvoll. Eine weitere Stärke ist das integrierte Verbesserungssystem. Wer mit einer ausgerüsteten Arkana bestimmte Herausforderungen erfüllt, sammelt Punkte und kann zusätzliche Effekte freischalten. Ein gutes Beispiel ist das bekannte Kreuz. Dieses kann so verbessert werden, dass es mehr Schaden verursacht, je weiter es sich von Rose entfernt befindet. Solche Anpassungen sorgen dafür, dass die Fähigkeiten nicht nur stärker werden, sondern teilweise auch neue taktische Möglichkeiten eröffnen. Das motiviert dazu, unterschiedliche Arkana auszuprobieren und sich intensiver mit ihren jeweiligen Eigenschaften auseinanderzusetzen.

    Geheimnisse hinter jeder Ecke

    Ein gutes Metroidvania lebt davon, dass Spieler ständig das Gefühl haben, hinter der nächsten Wand oder oberhalb eines scheinbar unerreichbaren Vorsprungs könnte sich etwas Interessantes verbergen. Castlevania: Belmont’s Curse versteht dieses Prinzip. Die Spielwelt steckt voller versteckter Bereiche, kleiner Geheimnisse und optionaler Abzweigungen. Wer sich ausschließlich auf den direkten Weg zum nächsten Ziel konzentriert, dürfte deshalb zahlreiche Entdeckungen verpassen. Gerade das schrittweise Vervollständigen der Karte entwickelt schnell einen angenehmen Sog. Immer wieder entdeckt man einen bislang unzugänglichen Bereich und nimmt sich vor, später mit einer passenden Fähigkeit zurückzukehren.

    Das sorgt für jene klassische Motivation, die Castlevania einst zu einem der wichtigsten Vertreter des Genres gemacht hat. Auch die Speicherpunkte sind größtenteils sinnvoll verteilt. Allerdings gibt es einige Abschnitte, in denen der Weg zurück zu einem Bossgegner oder einer schwierigen Passage etwas zu lang ausfällt. Gerade wenn eine Begegnung mehrfach wiederholt werden muss, können solche Laufwege unnötig Zeit kosten. Das ist kein gravierendes Problem, fällt aber in Verbindung mit den gelegentlichen Schwierigkeitsspitzen auf.

    Fazit: Ein gelungenes Comeback, aber noch kein neuer Genre-König

    Castlevania: Belmont’s Curse ist ein willkommenes Lebenszeichen einer traditionsreichen Spielereihe, die viel zu lange auf eine richtige Fortsetzung warten musste. Evil Empire gelingt es, zahlreiche klassische Elemente der Marke in ein modernes Metroidvania zu übertragen. Die Erkundung von Draculas Schloss funktioniert hervorragend, die Spielwelt steckt voller Geheimnisse und die unterschiedlichen Waffen sowie Arkana sorgen für ausreichend spielerische Abwechslung. Besonders beeindruckend ist die Präsentation. Der wunderschöne Grafikstil, die kräftigen Farben und die aufwendigen Animationen verleihen Belmont’s Curse eine ganz eigene Identität.