Atelier Mysterious Trilogy – Test / Review

    Der Publisher Koei Tecmo hat wieder einmal zugeschlagen: Mit der Atelier Mysterious Trilogy erscheint ein weiteres Bundle aus der Atelier-Reihe. Dieses enthält die drei Spiele Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book DX, Atelier Firis: The Alchemist and the Mysterious Journey DX und Atelier Lydie & Suelle: The Alchemists and the Mysterious Paintings DX.

    In unserem Test erläutern wir für jedes der drei Spiele, ob Story und Gameplay überzeugen. Im Gesamtfazit verraten wir euch dann, ob Sound, Grafik und vor allem auch das Preis-Leistungsverhältnis sich für Veteranen oder Neueinsteiger in die Serie lohnen. Einen ersten Eindruck gibt der Trailer:

    Story

    Atelier Sophie

    Ursprünglich erschien Atelier Sophie im Jahr 2015 für PlayStation 4 und die Vita. In dem Spiel begleiten wir Sophie, einen Alchemisten-Grünschnabel, die nach dem Tod ihrer Großmutter ein magisches Buch namens Plachta erhält. Dieses fliegt nicht nur umher, sondern kann auch sprechen und prompt bricht Sophie auf, um seine verlorenen Erinnerungen ausfindig zu machen. Dabei finden wir immer neue Alchemie-Rezepte. Wie in Spielen der Reihe üblich werden wir von Freunden begleitet und stellen uns mächtigen Gegnern.

    Gut gefällt uns am ersten Spiel der Trilogie, dass wir selbst wählen können, wie schnell die Story voranschreitet. Diese ist in ihrer Erzählart im besten Sinne entschleunigt. Im Dorf kann man ganz entspannt mehr über verschiedene NPCs und Events herausfinden – hierzu besteht zwar kein Zwang, aber die wahre Stärke des Titels liegt eben genau darin, die Welt in Ruhe zu erkunden und die Handlung ganz entspannt auf sich wirken zu lassen. Lediglich die Dialoge kommen (vielleicht auch wegen der Übersetzung) teilweise etwas plump daher.

    Atelier Firis

    Das zweite Spiel der Sammlung spielt in der Zukunft, also nach Atelier Sophie. Die Protagonistin Firis ist hinter einer eisernen Tür in einem Dorf unter der Erde gefangen. Während ihre Schwester in die Außenwelt darf, ist Firis scheinbar hoffnungslos gefangen, bis… na ja, bis eine altbekannte Alchemistin das Tor zu Freiheit wortwörtlich aufsprengt und sie unter ihre Fittiche nimmt.

    In diesem Spiel geht es um das Streben nach Freiheit, und das unter Zeitdruck. Denn Firis bleibt lediglich ein Jahr, um die Prüfung als Alchemistin zu bestehen. Was die Story betrifft, hat uns Atelier Firis durch seine charmanten Charaktere und die emotionale Geschichte der Protagonistin am meisten mitgenommen. Auf keinen Fall aber sollte man aus diesem Grund den ersten Teil überspringen, da alle Teile in derselben Welt spielen und gerade das Treffen auf bekannte Gesichter einiges an Charme ausmachen.

    Atelier Lydie & Suelle

    Statt einer Alchemistin treffen wir hier auf das Zwillingsduo Lydie und Suelle. Ganz anders als Firis sind die Halbwaisen behütet in einer Alchemistenfamilie aufgewachsen und streben danach, ihr Atelier zum bekanntesten zu machen. Die Story spielt im dritten Titel eine größere Rolle als in den beiden vorhergehenden. Das bedeutet, dass wir viel häufiger mit Cutscenes und wichtigen Dialogen konfrontiert werden und weniger Zeit dafür bleibt, einfach nur in der Welt herumzulaufen.

    Auch hier überzeugen die Charaktere auf ganzer Linie, vor allem da die beiden – sehr unterschiedlichen – Zwillinge eine Menge Humor einbringen.

    Gameplay

    Atelier Sophie

    Über alle Teile kann man sagen, dass es ein Crafting-System für die Alchemie gibt, das unter anderem dafür genutzt wird, Aufträge von Anwohnern zu erfüllen. Auf verschiedene Arten lernt man im Laufe der Spiele immer mehr Rezepte. Auch das Sammeln von Materialien ist ein zentraler Teil des Gameplays, wobei man stets auf die Qualität und Eigenschaften der Ressourcen achten muss. Um die benötigten Zutaten zu sammeln, geht es raus in die weite Welt. Navigiert wird über eine Weltkarte in Form eines Spielfeldes, auf der man sich auf festgelegten Wegen bewegt. Dabei vergeht je nach Länge der Reise Zeit und auch einen Tag-Nacht-Wechsel gibt es.

    Des Weiteren wäre ein RPG kein RPG ohne Kämpfe gegen gefährliche Monster; auch die fehlen in den Atelier-Spielen nicht. Das Kampfsystem läuft rundenbasiert ab, eine Anzeige am Bildschirmrand zeigt, wer wann am Zug ist. Die Kämpfe an sich sind relativ simpel, es gibt offensive und defensive Angriffe und auch Items finden hier Verwendung. Zurückziehen können wir uns zu jeder Zeit in unser sicheres Haus. Wie viel oder wenig man von der Welt und Story mitbekommt, hängt zum großen Teil davon ab, wie häufig man auf der Jagd nach Zutaten durch die Welt streift und Aufträge erfüllt.

    Das Herzstück des Spiels, also das Alchemiesystem, ist unserer Meinung nach eines der besten seiner Art. Das Sammeln und Kombinieren von Zutaten bringt jede Menge Spaß und wird dank neuer Rezepte nicht langweilig. Die Kämpfe sind zwar eher nebensächlich zur Handlung, trotzdem erfordern sie gerade zu Beginn eine solide Strategie. Am Gameplay gibt es für uns somit nichts auszusetzen – ganz im Gegenteil, trotz seines Alters muss Atelier Sophie sich nicht vor seinen Nachfolgern verstecken, was den Spielspaß betrifft.

    Atelier Firis

    Auch hier wird gekämpft, gesammelt und gebraut was das Zeug hält. Einige Unterschiede finden sich jedoch im Kampfsystem. Während in Atelier Sophie in den Kämpfen die Aktionen aller Beteiligten zu Beginn der Runde entschieden werden, legt man bei Atelier Firis die jeweilige Aktion jedes Charakters unmittelbar zuvor fest. Das führt dazu, dass die Kämpfe insgesamt länger dauern – wir präferieren das System aus dem Vorgänger. Insgesamt kommen uns die Kämpfe in Atelier Firis etwas zu leicht vor.

    Dazu kommt außerdem, dass in diesem Spiel durch die Alchemistenprüfung ein Zeitlimit von einem Jahr gegeben ist, welches sich auch auf das Gameplay auswirkt. Dadurch herrscht ein gewisser Zeitdruck, der weniger Raum zum Erkunden der Welt lässt als in Atelier Sophie. Löblich finden wir die Entwicklung des Alchemie-Systems, das mit mehr Rezepten und kleinen Verbesserungen aufwartet!

    Atelier Lydie & Suelle

    Viele Änderungen was das Gameplay betrifft, gibt es in Atelier Lydie und Suelle tatsächlich nicht. Stattdessen haben die Entwickler im letzten Teil der Trilogie merklich am Feintuning gearbeitet: Das Kampfsystem wurde optisch übersichtlicher gestaltet und es gibt noch mehr Rezepte und alchemistische Möglichkeiten.

    Grafik

    Nun einmal zur dunklen Seite der Atelier Mysterious Trilogie… Nicht etwa, weil die Spiele an sich besonders düster sind – ganz im Gegenteil – sondern weil die Grafik der Spiele, insbesondere des ersten Teils, selbst mit einem zugekniffenen Auge noch alles andere als ansehnlich ist. Angefangen bei der leeren Spielwelt, kantigen Texturen, fragwürdigen Outfits bis hin zur allgemein enorm in die Jahre gekommenen Grafik. Wo die Remakes Gameplay- und Story-technisch eine solide Verbesserung erfahren haben, wäre eine grafische Überholung vor allem bei Atelier Sophie dringend notwendig gewesen. Atelier Firis ist optisch glücklicherweise ein Upgrade. Stellenweise kann Atelier Lydie und Suelle  zumindest mit manch neuerem Switch-Titel mithalten.

    Toll sind hingegen die virtuellen Artbooks zu den Spielen – diese legen wir jedem Fan definitiv ans Herz. Sie runden das Spielerlebnis nach jedem beendeten Titel ab und machen zumindest zum Teil die dürftige Grafik wett.

    Sound

    Wo die Grafik nicht überzeugen kann, empfehlen wir stattdessen hin und wieder die Augen zu schließen und sich stattdessen vom wirklich gelungenen Soundtrack der Titel berieseln zu lassen. Die meisten Musikstücke sind fröhlich und passen perfekt zur fantasievollen Atmosphäre der Spiele. Darüber hinaus begeistert uns auch der Abwechslungsreichtum des Soundtracks.

    Eine deutsche Synchronisation gibt es leider nicht, genauso wenig wie eine Übersetzung. Englische Sprachkenntnisse sind also ein Muss.

    Preis/Leistung

    Mit einem Preis von momentan 89,99 €, also pro Spiel mit Artbook und DLCs um die 30 €, ist die Trilogie kein Schnäppchen und ein Kauf mag wohlüberlegt sein. Doch das sollte niemanden abschrecken, der gerne einmal in die Welt der Atelier-Reihe eintauchen möchte. Unserer Meinung nach ist die Trilogie dafür bestens geeignet, denn man erhält eine in sich abgeschlossene Story, da alle drei Spiele in derselben Welt spielen und aufeinander aufbauen. Zudem liefert jedes Spiel etwa 40-60 Stunden Spielzeit, was den Preis in unseren Augen vollkommen rechtfertigt.

    Fazit

    Die Atelier Mysterious Trilogie bietet jede Menge Spielzeit zu einem angemessenen Preis – wenn man über die grafischen Schwächen hinwegsehen kann. Der Soundtrack und die Artbooks sind auch nach heutigen Standards großartig. Dass es sich bei den Spielen nie um AAA-Titel handelte, sondern vielmehr Nischen-JRPGs, sollte ebenfalls jedem Käufer bewusst sein. Somit lohnt es sich, sich vor dem Kauf ein Gameplay-Video oder ähnliches anzusehen, um sicherzugehen, dass das Spielprinzip einem zusagt.

    Kathrin
    Hallo, ich heiße Kathrin und bin 27 Jahre alt. Zu Game2Gether brachte mich sowohl mein Interesse am Schreiben, als auch Begeisterung fürs Gaming. Ich bin offen für alle möglichen Spielegenres, besonders gerne spiele ich aber (Fantasy)RPGs, Puzzle-Games, Survivalspiele und Sidescroller.