Alien Breed 35th Anniversary Collection im Test: Diskettenliebe mit Ladehemmung

    Sechs Amiga-Spiele, reichlich Archivmaterial und die Gelegenheit, wieder an Türen zu scheitern, für die der passende Schlüssel fehlt. Die Alien Breed 35th Anniversary Collection führt zurück in eine Zeit zwischen Science-Fiction-Videokassette, Spielezeitschrift und durchgespieltem Wochenende. Moderne Steuerung erleichtert die Rückreise. Die Aliens bleiben tödlich.

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    Die Raumstation ist riesig, der Radar meldet Bewegung, die Munition wird knapp und irgendwo liegt der Schlüssel für den nächsten Durchgang. Und zwar immer dort, wo man gerade nicht hinmöchte. Alien Breed kam und kommt sofort zur Sache.

    1991 entwickelte Team17 Action aus der Vogelperspektive mit Erkundung und einer aus dem Kino bekannten Vorstellung außerirdischen Lebens: viele Zähne, wenig Gesprächsbereitschaft. 35 Jahre später versammelt Antstream die sechs Amiga-Episoden samt zusätzlichen Fassungen, modernen Komfortfunktionen und einem Museum.

    Zwischen dem Erstling und The Killing Grounds liegen gerade einmal fünf Jahre. Aus der Draufsicht wurde ein Ego-Shooter, aus dem vertrauten Rechner zunehmend ein Aufrüstprojekt. Die Collection zeigt die Faszination dahinter und welche Erinnerungen über die Jahre erhalten geblieben sind oder nostalgisch verklärt wurden.

    Alien Breed Start Screen
    Quelle: Antstream

    Alien Breed – die Videothek liefert die Vorstellungskraft

    Der Erstling lebt von minimalistischen Elementen. Die Anlagen sind unübersichtlich, Gegner drängen nach, Waffen und Vorräte müssen bezahlt werden. Wer jeden Gang gedankenlos freischießt, bekommt später ein größeres Problem. Wer zu lange zögert, ebenfalls.

    Draufsicht, Gegnerdruck und gemeinsames Durchkämpfen erinnern an den Dungeon Crawler Gauntlet. Ressourcenknappheit und die deutlich von Aliens geprägte Atmosphäre geben der Arcade-Grundlage einen eigenen Charakter. Wer die passenden Filme kannte, wusste ziemlich genau, wie es zwischen diesen Pixeln aussehen muss. Der Bildschirm lieferte die Pixel. Der Kopf nutzte seine eigene Grafik Engine und ergänzte den Rest.

    Auch der Sound war minimalistisch. Komponist Allister Brimble erzeugte das Alien-Todesgeräusch unter anderem aus heruntergepitchtem Katzenmiauen. Die Bedrohung aus dem All kam also teilweise aus dem irdischen Katzenkorb.

    Dieser Einfallsreichtum ist bis heute spürbar. Sobald Munition und Orientierung gleichzeitig knapp werden, bereitet die nächste Abzweigung mehr Sorgen als die grobe Grafik. Allerdings verwandeln ständig nachrückende Gegner das Gefühl der Anspannung irgendwann in das mühsame Gefühl der Aufräumarbeit. Und ein fehlender Schlüssel stoppt den Spielfluss mehr als jede Alienhorde.

    Special Edition ’92 – nur noch eine Runde, dann ist aber wirklich Schluss

    Die Special Edition ’92 liefert neue Levels auf vertrauter Grundlage. Die Regeln sitzen, die Handgriffe ebenfalls, also darf das Spiel neue Herausforderungen liefern. Innerhalb der Sammlung bedeutet das aber vor allem: viel Nachschub, aber wenig Eigenständigkeit.

    Im Koop macht das wiederholte Versuchen deutlich mehr Spaß. Die Wege prägen sich schneller ein, Fehler werden seltener oder wenn, dann wenigstens gemeinsam begangen. Falsch abgebogen, zu spät reagiert, den Rückweg unterschätzt? Kein Problem, auf den zweiten Spieler ist selbstverständlich Verlass, oder auch nicht.

    Zwangsläufig drängt sich immer mehr die Erinnerung an den Digitaljoystick auf: klackende Mikroschalter, eine Richtung, ein Feuerknopf. Mehrere sichtbare Tasten bedeuteten bei vielen klassischen Modellen übrigens keine unterschiedlichen Aktionen. Oft lösten sie dasselbe Feuersignal aus.

    Die Twin-Stick-Steuerung der Collection erweitert diese Möglichkeiten erheblich. Bewegung und Schussrichtung lassen sich in den 2D-Spielen trennen, Gegner beim Zurückweichen weiter beschießen. Das verändert einen Teil der ursprünglichen Herausforderung, macht die Action mit einem modernen Controller aber deutlich einfacher.

     

    Alien Breed II – der Schulhof hatte leicht reden

    Alien Breed II: The Horror Continues beginnt mit großem Geballer. Geschosse, Monster und weitere Gefahren lassen wenig Gelegenheit, in Ruhe auf der Raumstation anzukommen.

    Hier kehrt auch die Erinnerung an den Austausch über besonders schwierige Stellen zurück. Ein guter Tipp konnte einen ganzen Nachmittag retten. Natürlich gab es auf dem Schulhof immer jemanden, der angeblich längst durch war und der einen Kumpel mit einer Komplettlösung hatte.

    Beim erneuten Spielen zeigt sich allerdings, wie häufig die Schwierigkeit auf Trial and Error beruht. Eine Gefahr zu kennen und auf sie reagieren zu können, sind komplett unterschiedliche Dinge. In Alien Breed II scheitert man häufig an der zweiten Sache.

    Die Save States gehören deshalb zu den sinnvollsten Ergänzungen des Nachfolgers. Problematische Abschnitte können problemlos wiederholt werden, ohne jedes Mal längere Strecken neu abarbeiten zu müssen. Das Leveldesign bleibt dabei unverändert.

    Mit den enthaltenen ECS- und AGA-Fassungen erinnert Alien Breed II außerdem an ein weiteres Lieblingsthema der 90er-Gamer Generation: Grafik vergleichen!

    Tower Assault – der zweite Knopf bekommt Arbeit

    Tower Assault entwickelt das klassische Gameplay am überzeugendsten weiter. Das Tempo wirkt ausgewogener, die Levelstruktur offener und „Retreat Fire“ erlaubt bereits im Original, beim Zurückweichen weiterzuschießen. Eine brauchbare Funktion bei Alienbefall.

    Aktiviert wird die Funktion über Shift oder die zweite Taste eines geeigneten Joysticks beziehungsweise Joypads. Hier bekommt der zusätzliche Knopf tatsächlich eine eigene Aufgabe. Das entspricht zwar noch keiner frei unabhängigen Zielsteuerung, löst aber ein konkretes Problem der Kämpfe.

    Gerade im direkten Vergleich zeigt sich, wie Team17 die eigene Mechanik verfeinerte. Tower Assault bietet die wohl rundeste Verbindung aus Erkundung, Druck und Bewegungsfreiheit. Wer vor allem spielen statt Geschichte studieren möchte, findet hier den stärksten Kandidaten.

    Die CD32-Fassung ergänzt ihre Videosequenzen. Darin steckt die damalige Begeisterung für das CD-Medium: endlich Platz für bewegte Bilder und eine „cineastische“ Präsentation. Der deutlich erkennbare Abstand zwischen Anspruch und Wirkung gehört heute zum Teil des Vergnügens. Unter den Videos liegt ja glücklicherweise auch ein gutes Spiel.

    Alien Breed 3D – Hauptsache, der Amiga schafft das

    1995 sollte die Reihe nach dem Erfolg von Doom ebenfalls in die Ego-Perspektive wechseln. Die Hardware machte es den Entwicklern nicht leicht. Die Amiga-Grafikarchitektur eignete sich zwar hervorragend für bestimmte 2D-Aufgaben, aber weniger für die ständig neu zu berechnenden Bildpunkte eines Ego-Shooters. Auch die Rechenleistung setzte hier deutliche Grenzen.

    Andy Clitheroe musste in der Not erfinderisch werden. Das kleine Spielfenster und die grobe Darstellung des Originals waren sichtbare Kompromisse. Dass sich solche Räume überhaupt erkunden ließen, gehörte damals bereits zum Reiz.

    Die Collection enthält die CD32-Version, moderne Steuerungsoptionen und laut Team17 verbesserte Bildraten für die 3D-Titel. Die damaligen Performanceprobleme sind also endlich überwunden. Die geringe Ausgangsauflösung und das gealterte Design bleiben dennoch grafische Hürden. Flüssigere Bewegung macht eine Umgebung nicht automatisch übersichtlicher.

    The Killing Grounds – die Zukunft braucht mehr Speicher

    Alien Breed 3D II: The Killing Grounds führte 1996 direkt in die Aufrüstkultur des Amiga. Unterschiedliche Fassungen berücksichtigten die unterschiedlichen Speicherausstattungen. Die reduzierte 2-MB-Version verzichtete unter anderem auf die Texturen für Böden und Decken. Mehr Speicher und Beschleunigerkarten ermöglichten aufwendigere Darstellung beziehungsweise bessere Performance.

    Der nächste große Sprung begann gegebenenfalls mit dem Öffnen des Rechnergehäuses. Wer an seinem Amiga hing, konnte versuchen, ihm noch etwas Zukunft einzubauen.

    Spielerisch ist das Game zwar durchaus solide leidet aber an zu wenig Kreativität. Repetitive Umgebungen, verwirrende Wege und ein zäherer Ablauf vermiesen den Spielspaß. Clitheroe räumte später selbst ein, zu viel Zeit in die Rendering-Technik und zu wenig in Spielmechanik, Leveldesign und Geschichte investiert zu haben.

    Als Abschluss der Sammlung ist das aufschlussreich. Technischer Fortschritt bedeutete auch damals nicht automatisch ein besseres Spiel. Für einen ausführlichen Rückblick gehört The Killing Grounds dazu. Für den nächsten Spieleabend dürfte die Auswahl häufiger auf Tower Assault fallen.

    Das Museum – endlich wieder im Handbuch blättern

    Die Oberfläche im Stil der Intex-Terminals, CRT-Filter und Bildschirmrahmen schaffen einen passenden Rahmen. Spannender und einen digitalen Rundgang wert ist das Archiv mit Interviews, Illustrationen, Covern, Entwicklungsunterlagen und Prototypen. Seine Navigation könnte übersichtlicher sein, das Stöbern macht aber viel Spaß und ist eine Reise in die Gaming-Vergangenheit.

    Zur damaligen Spielerfahrung gehörte schließlich auch alles, was rund um die Diskette stattfand. Verpackungen und Handbücher gaben den Welten eine Gestalt, während das Laufwerk noch beschäftigt war. Die Collection macht diesen Zusammenhang wieder zugänglich.

    Neben dem erhaltenen lokalen Koop ergänzen Rush als Online-Variante ohne Speicherstände und Continues sowie der Einzelspieler-Horde-Modus das Paket. Passende Zugaben. Den besonderen Wert liefern die sechs Spiele samt ihrem historischen Umfeld.

    Fazit – der Joystick darf heute zwei Sticks haben

    Die Alien Breed 35th Anniversary Collection bewahrt viel vom Geist der damaligen Amiga-Spielkultur. Knappe Ressourcen, gemeinsames Durchkommen und die Verbindung zum Science-Fiction-Kino funktionieren vor allem in den 2D-Episoden weiterhin. Das Archiv ergänzt die Menschen und technischen Ambitionen dahinter.

    Moderne Steuerung und Speicherfunktionen erleichtern den Zugang erheblich. Tower Assault ragt heraus, während Wiederholungen, unausgewogene Schwierigkeit und die sperrigen 3D-Ausflüge den dauerhaften Spielspaß begrenzen.

    Die Sammlung bietet lohnende Spielabende und zeigt, weshalb diese Korridore einmal so viel bedeuteten. In einer Zeit, in der der eigene Rechner Hobby, Gesprächsthema und gelegentlich eine kostspielige Überzeugung war.

    Der alte Joystick darf dabei im Schrank bleiben. Beim Rückwärtsgehen vernünftig auf Aliens schießen zu können, ist eine Verbesserung, mit der auch die schönste Erinnerung zurechtkommen sollte.

    Merkmal Details
    Titel Alien Breed 35th Anniversary Collection
    Entwickler der Collection Antstream
    Originalspiele Team17
    Umfang Sechs Amiga-Spiele mit zusätzlichen Fassungen
    Genre Top-down-Shooter und Ego-Shooter
    Spielmodi Einzelspieler, lokaler Koop, Online-Rush, Horde-Modus
    Komfortfunktionen Moderne Steuerung, Twin-Stick-Unterstützung, Save States
    Extras Interaktives Museum, Entwicklerinterviews, Konzeptzeichnungen, CRT-Filter
    Andreas Danner
    Ich liebe Games seit die ersten Pentium Rechner das Licht der Welt erblickten. Ob Soulslikes, narrative RPGs oder Indie-Perlen mit neuen Perspektiven, mich faszinieren spannende Kompositionen aus Design, Gameplay und Story, auch in VR und KI-getriebenen Welten. Games sind für mich nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kunst und Kultur.