The Duskbloods klingt zunächst wie eine wilde Mischung aus Bloodborne, Elden Ring Nightreign und Battle Royale. Im Network Test zeigte sich jedoch, dass hinter dem ungewöhnlichen Konzept deutlich mehr steckt. FromSoftwares Vampirjagd macht schon jetzt richtig viel Spaß, auch wenn chaotische Kämpfe, problematisches Teaming und technische Schwierigkeiten noch ihre Spuren hinterlassen.
Eigentlich war ich mir nicht sicher, was mich bei The Duskbloods erwarten würde. Ein wenig Bloodborne, eine Prise Elden Ring Nightreign und dazu acht Spieler, die sich gleichzeitig mit Monstern und gegenseitig die Köpfe einschlagen? Das klingt auf dem Papier spannend, kann aber auch ziemlich schnell im Chaos enden.
Nach mehreren Runden im Network Test fällt mein erster Eindruck dennoch überraschend positiv aus: The Duskbloods macht richtig viel Spaß. FromSoftware gelingt es bereits in dieser frühen Version, PvE, PvP, Erkundung und spontane Kooperationen zu einer ungewöhnlichen Mischung zu verbinden. Ganz rund läuft die Jagd nach dem „First Blood“ allerdings noch nicht.
Acht Spieler, aber nur einer darf gewinnen
The Duskbloods ist ein PvPvE-Spiel für bis zu acht Personen. Als sogenannte Bloodsworn werdet ihr in eine Partie gerufen und müsst euch über vier Phasen hinweg beweisen. Dabei kämpft ihr nicht einfach nur gegen andere Spieler. Auf der Karte warten zahlreiche computergesteuerte Gegner, mächtige Widersacher, unterschiedliche Ereignisse und verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Charakter während eines Matches zu verstärken.
Entscheidend ist dabei die sogenannte Virtue. Nur wer genug davon sammelt, übersteht die Auslese am Ende der jeweiligen Phase. Nach der dritten Phase ziehen die drei Spieler mit der höchsten Virtue ins Finale ein, in dem schließlich der Sieger bestimmt wird.
Was zunächst nach einem gewöhnlichen Battle-Royale-Prinzip klingt, spielt sich deutlich freier. Virtue gibt es nicht nur für erfolgreiche Kämpfe. Ihr könnt starke Gegner bezwingen, die Karte erkunden, bestimmte Objekte aktivieren, Gegenstände sammeln, Aufgaben erfüllen oder euch in späteren Phasen an Ritualstätten mit anderen Spielern messen. Auch besondere Auszeichnungen für fleißige Sammler oder besonders kampffreudige Bloodsworn können zusätzliche Virtue bringen.
Genau diese Vielfalt gehört für mich zu den größten Stärken des Spiels. Wer nicht permanent andere Spieler jagen möchte, kann sich über Erkundung und PvE nach vorne arbeiten. Aggressive Spieler dürfen dagegen gezielt Konfrontationen suchen. Keine dieser Herangehensweisen fühlte sich im Test grundsätzlich falsch an. Statt mich in eine bestimmte Spielweise zu drängen, überließ mir The Duskbloods selbst die Entscheidung, wie ich mich für die nächste Phase qualifizieren möchte.
Sechs Bloodsworn, sechs eigene Spielgefühle
Im Network Test standen sechs spielbare Bloodsworn zur Verfügung. Auch wenn man hier schnell von Klassen sprechen möchte, handelt es sich um festgelegte Charaktere mit eigenen Waffen, Fähigkeiten und passiven Eigenschaften. In der fertigen Version sollen sich bestimmte Skills und Aspekte zusätzlich anpassen lassen.
Besonders positiv ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich sich die sechs Figuren tatsächlich spielen. Die Auswahl verändert nicht nur einzelne Werte oder die Optik, sondern hat einen spürbaren Einfluss darauf, wie ich mich über die Karte bewege und welche Kämpfe ich suche. Einige Bloodsworn fühlen sich im direkten Nahkampf besonders wohl, andere setzen stärker auf Distanz, Mobilität, Tarnung oder ungewöhnliche Spezialfähigkeiten.
Dadurch lohnt es sich, mehrere Figuren auszuprobieren. Ein Charakter, mit dem ich in meiner ersten Partie kaum zurechtkam, konnte sich in den Händen eines anderen Spielers plötzlich zu einer echten Bedrohung entwickeln. Gleichzeitig hatte ich schnell meine persönlichen Favoriten, deren Fähigkeiten deutlich besser zu meiner eigenen Spielweise passten.
Auch das Bewegungssystem trägt zu den Unterschieden bei. Die Bloodsworn können hoch springen, durch die Luft schnellen und sich deutlich schneller durch die Umgebung bewegen als die eher bodenständigen Helden früherer FromSoftware-Spiele. Die Steuerung ist anfangs allerdings gewöhnungsbedürftig. Vor allem in den ersten Matches musste ich mich erst daran gewöhnen, welche Aktion auf welcher Taste liegt und wie die verschiedenen Systeme ineinandergreifen.
Wenn der Kampf zum Button Smashing wird
Wie man es in Grundzügen bereits aus Dark Souls und Elden Ring kennt, spielt auch die Haltung der Gegner eine wichtige Rolle. Durch Angriffe füllt sich in The Duskbloods eine sichtbare Haltungsleiste. Ist sie vollständig gefüllt, gerät der Gegner ins Wanken und ist für besonders starke Aktionen verwundbar. Hinzu kommen Blocken, Konter, Spezialfähigkeiten und ein Schrei, mit dem sich bestimmte Attacken unterbrechen oder Geschosse abwehren lassen. Geschwächte Feinde können zudem gebissen werden, wodurch ihr Schaden verursacht und gleichzeitig einen Teil eurer Lebenspunkte wiederherstellt.
Einen entscheidenden Unterschied zu früheren Souls-Spielen gibt es allerdings: Normale Angriffe verbrauchen keine Ausdauer. Diese wird vor allem für Ausweichmanöver und schnelle Bewegungen in der Luft benötigt. Dadurch können Spieler deutlich aggressiver kämpfen und ihre Angriffsfolgen ohne die bekannte Stamina-Bremse fortsetzen.
Das sorgt für ein hohes Tempo, trägt für mich aber auch zum teilweise chaotischen Spielgefühl bei. Sobald mehrere Spieler und Gegner gleichzeitig aufeinandertreffen, fliegen Angriffe und Fähigkeiten kreuz und quer über den Bildschirm. Einige Begegnungen fühlten sich deshalb weniger nach einem kontrollierten Schlagabtausch und mehr nach hektischem Button Smashing an.
Besonders das Anvisieren bleibt dabei ein Problem. Bereits in Elden Ring Nightreign konnte die Zielerfassung in hektischen Situationen zum eigentlichen Endgegner werden, und The Duskbloods setzt diese Tradition leider fort. Das Wechseln zwischen mehreren Zielen funktioniert nicht immer zuverlässig, was gerade gegen schnelle Bloodsworn entscheidende Sekunden kosten kann.
Gemeinsam gegen Monster, danach wieder Rivalen
Einer der spannendsten Bestandteile von The Duskbloods ist die Beziehung zwischen den Spielern. Andere Bloodsworn sind nicht automatisch nur Gegner. Ihr könnt temporäre Bündnisse schließen und euch gemeinsam durch die ersten Phasen kämpfen. Verbündete können sich gegenseitig nicht verletzen und teilen bestimmte Belohnungen miteinander.
Noch interessanter sind die besonders mächtigen PvE-Gegner. Beginnt der Kampf gegen einen sogenannten Invader, können Bloodsworn in der Nähe zur Kooperation aufgerufen werden. Plötzlich kämpfen mehrere Spieler, die sich kurz zuvor noch gejagt haben, Seite an Seite gegen ein deutlich größeres Problem.
Diese Momente gehören für mich zu den Highlights des Network Tests. Es entsteht eine eigentümliche Dynamik, weil niemand genau weiß, wie lange die friedliche Zusammenarbeit hält. Gemeinsam bezwingt man ein riesiges Monster, sammelt die Belohnungen ein und beobachtet sich anschließend erst einmal vorsichtig. Schließlich könnte aus dem hilfreichen Mitstreiter wenige Sekunden später wieder ein Rivale werden.
Das Gegnerdesign liefert dabei genau das, was man von FromSoftware erwartet. Die Kreaturen wirken grotesk, düster und teilweise herrlich absurd. Selbst gewöhnlichere Gegner besitzen starke Silhouetten, während die größeren Widersacher sofort im Gedächtnis bleiben. Soweit es der begrenzte Ausschnitt des Tests erkennen ließ, gab es zudem erfreulich wenig auffälliges Recycling. Ob die Vollversion diese Vielfalt über längere Zeit halten kann, lässt sich momentan natürlich noch nicht beurteilen.
Das Finale hat ein Teaming-Problem
So spannend die wechselnden Beziehungen zwischen den Spielern sind, so problematisch können sie im Finale werden. Dort treffen in der Standardvariante die drei Bloodsworn mit der höchsten Virtue aufeinander. Zuvor geschlossene Bündnisse werden offiziell aufgelöst und nur einer kann gewinnen.
Drei Spieler in einem freien Kampf führen allerdings fast zwangsläufig zu einer unangenehmen Situation: Zwei konzentrieren sich zunächst auf den dritten. Dabei muss es sich nicht einmal um abgesprochenes Teaming handeln. Häufig reicht es schon, dass ein Spieler geschwächt wirkt oder sich ungünstig positioniert. Er wird zum einfachsten Ziel und plötzlich fliegen sämtliche Angriffe in seine Richtung.
Besonders frustrierend wird es, wenn zwei Spieler bereits während der vorherigen Phasen zusammengearbeitet haben. Auch wenn das Spiel ihre formelle Allianz beendet, verschwindet die entstandene Verbindung natürlich nicht automatisch. Für den dritten Finalisten kann sich der entscheidende Kampf dadurch schnell wie ein kaum zu gewinnendes Zwei-gegen-eins anfühlen.
Das passt grundsätzlich zur unberechenbaren Idee des Spiels, hinterließ bei mir aber trotzdem einen faden Beigeschmack. Hier muss FromSoftware genau beobachten, wie sich diese Dynamik langfristig entwickelt. Ein Finale sollte durch kluge Entscheidungen und spielerisches Können entschieden werden, nicht hauptsächlich dadurch, wer zufällig ins Visier der beiden anderen gerät.
Eine starke Karte, die hoffentlich nicht allein bleibt
Im Network Test stand mit Lowanro City nur eines der sogenannten Lands of Dusk zur Verfügung. Die Karte verbindet eine düstere Stadt mit markanten Orten wie einem Uhrenturm und einer Kathedrale, führt aber auch durch Höhlen, an einen See und in deutlich offenere Gebiete. Durch die vertikale Bewegung der Bloodsworn lässt sich die Umgebung schnell und relativ frei erkunden.
Atmosphärisch funktioniert das bereits sehr gut. Architektur, Beleuchtung und Gegnerdesign ergeben genau jene melancholische, bedrohliche Stimmung, für die FromSoftware bekannt ist. Gleichzeitig helfen klare Landmarken dabei, sich nach einigen Runden besser zu orientieren.
Trotzdem hoffe ich, dass die fertige Version deutlich mehr Abwechslung bietet. Der Aufbau einer Partie lebt davon, dass sich Erkundung, Ereignisse und Begegnungen nicht zu schnell wiederholen. Eine einzelne Karte kann im Rahmen eines Network Tests gut funktionieren, für ein langfristig ausgelegtes Multiplayer-Spiel wären weitere Schauplätze, Gegner und Ereignisse jedoch enorm wichtig.
Optisch stark, im Handheld etwas klein
Visuell konnte mich The Duskbloods bereits im Network Test überzeugen. Die düstere Bildsprache, die detailreichen Umgebungen und das starke Gegnerdesign kommen vor allem auf einem größeren Bildschirm sehr gut zur Geltung. Im Handheld-Modus waren mir dagegen einige Anzeigen und Details zu klein, wodurch gerade in hektischen Kämpfen zusätzlich die Übersicht litt.
Für mich ist The Duskbloods deshalb eher ein Spiel für den Fernseher. Anpassbare oder grundsätzlich größere UI-Elemente könnten hier bis zur Veröffentlichung Abhilfe schaffen.
Während meiner Aufnahme über eine Capture Card wirkte die Bildrate zudem nicht immer vollkommen stabil. Gelegentlich kam es zu kleineren Rucklern. Ob diese tatsächlich vom Spiel selbst oder von der verwendeten Aufnahmetechnik verursacht wurden, lässt sich allerdings nicht eindeutig beurteilen. Abseits davon machte die technische Präsentation bereits einen guten Eindruck.
Beim Netzwerk besteht noch Arbeit
Ganz ohne technische Schwierigkeiten verlief der Test ebenfalls nicht. Während meiner Spielzeit kam es zu einigen Netzwerkproblemen, die angesichts des Zwecks einer solchen Testphase zwar nicht überraschend sind, aber dennoch auffielen.
Auch der Auftakt verlief alles andere als reibungslos. Die erste angesetzte Sitzung musste aufgrund von Problemen mit den Spielservern vorzeitig beendet werden. Genau dafür wird ein Network Test durchgeführt, schließlich möchte FromSoftware neben der Spielbalance auch die Serverlast und verschiedene Netzwerkumgebungen prüfen. Bis zur Veröffentlichung sollte sich hier trotzdem noch einiges tun, denn ein Spiel, das vollständig auf Online-Partien mit bis zu acht Personen ausgerichtet ist, steht und fällt mit einer stabilen Verbindung.
Mein Fazit zum Network Test
The Duskbloods ist noch nicht rund, hat mich aber deutlich stärker überzeugt, als ich vor dem Test erwartet hatte. Die sechs Bloodsworn spielen sich angenehm unterschiedlich, die Möglichkeiten zum Sammeln von Virtue sorgen für spielerische Freiheit und vor allem die spontanen Kooperationen gegen mächtige Gegner verleihen den Partien eine ganz eigene Dynamik.
Gleichzeitig gibt es klare Baustellen. Die Steuerung braucht Eingewöhnung, das Anvisieren sorgt regelmäßig für Frust und manche Kämpfe verlieren sich im hektischen Button Smashing. Auch das Finale mit drei Spielern ist anfällig für einseitige Zwei-gegen-eins-Situationen. Hinzu kommen die Netzwerkprobleme, die FromSoftware bis zum Release unbedingt in den Griff bekommen muss.
Trotzdem hatte ich vor allem eines: sehr viel Spaß. Das Grundgerüst funktioniert und besitzt genug eigene Ideen, um nicht nur wie eine Mischung aus Bloodborne und Elden Ring Nightreign zu wirken.
Umso bedauerlicher finde ich, dass The Duskbloods ausschließlich für Nintendo Switch 2 erscheinen soll. Gerade bei einem Multiplayer-Spiel ist eine möglichst große und langfristig aktive Community entscheidend. Ich hoffe deshalb sehr, dass die Exklusivität nicht dazu führt, dass die Spielerzahlen nach dem ersten Hype zu schnell zurückgehen. Denn das, was ich im Network Test erleben konnte, hätte definitiv ein langes Leben verdient.
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