Noctua NH-L12 Ghost S1 Edition – Test / Review

    Noctua, der Spezialist für performante Silent-Lüfter aus Österreich, bietet mit dem NH-L12 Ghost S1 Edition eine modifizierte Version des NH-L12. Durch den Verzicht auf den oberen der beiden verbauten Lüfter ist der CPU-Kühler nun an das aus Schweden stammende Louge S1 Ghost Mini-ITX-Gehäuse angepasst. Bei diesem handelt es sich um ein kompaktes, anpassbares Mini-ITX Gehäuse in dem zur CPU-Kühlung lediglich Low-Profile Luft-CPU-Kühler oder kompakte All-in-One Wasserkühlungen montiert werden können.

    Vielen Dank an Noctua für die Bereitstellung des Testmusters.

    Über Noctua:

    Noctua ist seit vielen Jahren als Hersteller hochwertiger, leistungsstarker und leiser CPU-Kühler und Lüfter bekannt. Das Unternehmen entstand durch eine Kooperation der österreichischen Rascom Computerdistribution Ges.m.b.H und der taiwanesischen Kolink International Corporation. Das Design der Produkte, ein Großteil der Forschung und Entwicklung, sowie Produktmanagement, Marketing, Verkauf und Kundensupport erfolgen dabei in Österreich. In Taiwan erfolgt vor allem die Fertigung und Verpackung, aber auch ein Teil der Forschung- und Entwicklungsarbeit.
    Mittlerweile hat Nocuta über 6000 Empfehlungen und Auszeichnungen führender Hardware-Magazine und Webseiten erhalten und die Produkte sind in über 30 Ländern verfügbar. Neben der guten Kühlleistung und geringen Lautstärke sind die Komponenten von Noctua auch für ihre Langlebigkeit und der damit verbunden Garantie von 6 Jahren bekannt.

    Technische Daten:

    Im Vergleich zum ursprünglichen NH-L12 wird auf den oberen 120 mm Lüfter verzichtet und nur noch der untere 92 mm Lüfter verbaut. Der durchaus vergleichbare NH-L12S setzt hingegen auf einen flachen 120 mm Lüfter unterhalb des Kühlkörpers, allerdings zulasten der maximal möglichen RAM-Höhe im Low-Profile-Modus. Zusätzlich ist hier die Geometrie des Kühlkörpers etwas geändert und dadurch ist dieser um 4 mm höher. Bei der NH-L12 Ghost S1 Edition können, trotz Low-Profile-Bauform, RAM-Riegel mit einer Höhe von bis zu 48 mm verbaut werden. Durch die asymmetrische Positionierung des 92 mm Lüfter überragt dieser die RAM-Bänke nicht.

    Sockel-Kompatibilität Intel: LGA2066, LGA2011-0, LGA2011-3, LGA1200, LGA115x
    AMD: AM2, AM2+, AM3, AM3+, AM4, FM1, FM2, FM2+ (Backplate nicht im Lieferumfang)
    Höhe (mit/ohne Lüfter) 66 mm / 66 mm
    Breite (mit/ohne Lüfter) 128 mm / 128 mm
    Tiefe (mit/ohne Lüfter) 150 mm / 150 mm
    Gewicht (mit/ohne Lüfter) 410 g / 500 g
    Material
    • Boden und Headpipes aus Kupfer
    • Kühlrippen aus Aluminium
    • alles verlötet und vernickelt
    Garantie 6 Jahre
    Lüfter-Kompatibilität 92x92x25 mm
    Lüfter-Modell (verbaut) Noctua NF-B9 PWM mit SSO-Lager
    Min./Max. Umdrehungen 300 RPM / 1600 RPM (mit Low-Noise Adapter max. 1300 RPM)
    Max. Volumenstrom 64,3 m³/h (mit Low-Noise Adapter max. 52,6 m³/h)
    Max. Geräuschentwicklung 17,6 dB(A) (mit Low-Noise Adapter max. 13,1 dB(A))
    Leistungsaufnahme 0,96 W @ 12 V
    MTBF > 150.000 h

     

    Verpackung und Lieferumfang:

    Der Lieferumfang besteht aus dem Kühlkörper, dem NF-B9 PWM Lüfter, einem NA-RC7 Low-Noise Adapter (L.N.A.), der NT-H2 Wärmeleitpaste, dem SecuFirm2 Montage-Kit und einem Case-Badge aus Metall. Der Lüfter ist bereits am Kühlkörper montiert und wird in der Umverpackung gut geschützt. Die Bedienungsanleitung liegt in verschiedenen Sprachen als gefalteter Papierbogen bei.

    Design und Verarbeitung:

    Der Noctua NH-L12 Ghost S1 Edition ist sehr hochwertig verarbeitet, alle Kühlrippen sind parallel, alle Bleche vollständig entratet und auch die Oberflächenbeschichtung ist fehlerfrei aufgetragen. Zur Geräuschentkopplung sind zwischen Kühlkörper und Lüfter Dämpferelemente montiert. Beim verbauten Lüfter ist das typische Noctua-Design mit beigem Rahmen und braunen Lüfterblättern direkt zu erkennen. Der Lüfter ist dabei saugend unterhalb des Kühlkörpers montiert, so dass die Abluft noch die umgebenden Bauteile kühlen kann.
    Im Kühlkörper befinden sich von oben gesehen drei Öffnungen. Wozu diese benötigt werden sehen wir im Abschnitt Montage.

    Montage:

    Da der CPU-Kühler vormontiert geliefert wird muss nur das Montage-Kit auf dem Mainboard montiert und Wärmeleitpaste aufgetragen werden, schon kann der Kühler verschraubt werden.

    Für unseren Test wurde der CPU-Kühler in folgendem System (nur die relevanten Komponenten) montiert:
    CPU: Intel Core i7-10700K
    Mainboard: MSI MPG Z490 Gaming Carbon WiFi
    RAM: 8 GB Corsair Vengeance LPX (nur für den Test)
    Gehäuse: Phanteks Enthoo Evolv X (Gehäuselüfter: Corsair QL140 und Phanteks 140 mm)

    Bei den im System verbauten RAM-Riegeln gilt es die maximal mögliche Höhe von 48 mm zu berücksichtigen. Für den Corsair Vengeance LPX mit einer Höhe von 32 mm ist das kein Problem. Der eigentlich im Testsystem verbaute Corsair Vengeance RGB Pro musste allerdings kurzzeitig weichen, da dieser mit ca. 51,4 mm minimal zu hoch ist. Der Kühler überragt montiert die ersten drei RAM-Bänke vollständig und den letzten etwa zur Hälfte. Daher wird man hier sicherlich keinen RGB-RAM montieren, da dieser verdeckt wird. Für die meisten anderen RAM-Riegel ist die Höhe von maximal 48 mm ausreichend.

    Der Kühlkörper ist zwar durch den Low-Profile Aufbau sehr ausladend, aber auch Mainboards mit großen Spannungswandler Kühlern sollten hier kein Problem darstellen. Auf dem MSI MPG Z490 Gaming Carbon WiFi passte er problemlos.

    Auf Grund der gleichen Bohrungsgeometrie kann bei Intel für LGA115x und LGA1200 das gleiche Montage-Kit genutzt werden. Die Gewindestifte für die Verschraubung sind am Bracket bereits befestigt. Beim Montieren muss man allerdings die Sockelverschraubungen auf der Board-Rückseite beachten, diese ist asymmetrisch, wodurch nur in einer Ausrichtung die Bohrungen im Bracket passen. Danach werden von der Vorderseite nun Abstandhalter aus Kunststoff aufgeschraubt und die Montagebügel können nun verschraubt werden. Nach Aufbringen der Wärmeleitpaste kann man den NH-L12 nun durch die zwei äußeren der drei Öffnungen im Kühler mit dem SecuFirm2 Montage-Kit verschrauben, mit dem mitgelieferten Schraubendreher kommt man passend durch die Lüfterblätter hindurch. Abschließend wir noch das Anschlusskabel mit dem Mainboard verbunden, hierzu ist es mehr als ausreichen lang. Für das Board im Testsystem hätte es allerdings auch ruhig kürzer sein können.

    Kühlleistung:

    Der ursprüngliche NH-L12 mit dem zusätzlichen 120 mm Lüfter war auf eine maximale TDP im Bereich von 185 W ausgelegt (gemäß Noctua TDP-Guide). Durch den fehlenden zweiten Lüfter bei der Noctua NH-L12 Ghost S1 Edition ist zu erwarten, dass die TDP hier geringer ausfallen wird. Schließlich kommt lediglich ein 92 mm Lüfter zum Einsatz. Ebenfalls muss man hier auch die Verwendung in einem kompakten ITX-Gehäuse bedenken, hier wird eher weniger eine stark übertaktete CPU mit hoher Abwärme verbaut.

    Zum Test der Kühlperformance wurde der i7-10700K bei unterschiedlich eingestellten Taktraten mit Prime95 im Small FFTs Test (maximum power/heat/CPU stress) mit einer konstanten Leistung belastet. Die elektrische Leistungsbedarf der CPU, und damit auch die Abwärme, wurde so zwischen 106 W und 195 W variiert. Der Test stellt also einen Maximaltest dar. Bei den meisten Anwendungen liegt nicht oder nur selten eine dermaßen konstante CPU-Belastung vor. Die Gehäuselüfter wurden für den Test soweit wie möglich gedrosselt, damit ein zusätzlichen Kühleffekt durch deren Luftstrom nicht die Messungen verfälscht, jedoch ein Luftaustausch stattfinden kann.

    Der CPU-Kühler liefert hier für die kompakte Geometrie eine sehr gute Leistung. Bei einer elektrischen Leistung der CPU von 160 W und 195 W lief die CPU in die thermische Drosselung, konnte also nicht die volle Leistung halten. Reduziert man die Leistung auf 150 W stellte sich eine durchschnittliche Temperatur der Kerne von 95 °C ein, mit Spitzen im Bereich von 99 °C, also genau die Grenze bevor die thermische Drosselung einsetzt. Wird die Leistung weiter auf 130 W reduziert liegt die Durchschnittstemperatur der Kerne bei maximal 90 °C und bei 106 W sogar nur noch bei knapp 76 °C. Der Kühler kommt somit mit allen üblichen Einstiegs- und Mittelklasse-CPUs klar. Aber auch die Oberklasse-CPUs bleiben ohne OC und einer nicht durchgängigen Vollauslastung im Arbeitstemperaturbereich.

    Die Wärmeleitpaste:

    Ein sehr interessantes Ergebnis lieferte auch ein Vergleich der mitgelieferten Noctua NT-H2 Wärmeleitpaste mit der Thermal Grizzly Kryonaut (im Diagramm mit TG gekennzeichnet). Hier kann die NT-H2 mit etwas besseren Temperaturen in allen Lastbereichen überzeugen.

    Lautstärke:

    Die Lautstärke des verbauten Lüfters kann überzeugen. Erst bei einer Drehzahl über 1400 RPM wird der Lüfter hörbar (bei deaktivierten Gehäuselüftern). Auf voller Drehzahl ist die Lautstärke auch noch moderat man hört aber das für kleinere Lüfter typische hochfrequentere Geräusch. Um auch einen quantitativen Vergleich bieten zu können haben wir den Schallpegel des NH-L12 mit einem Schallpegelmessgerät im Abstand von 1 m gemessen. Dabei waren die Gehäuselüfter deaktiviert. Der Schallpegel im Idle entspricht dabei dem Hintergrundschallpegel im Raum.

    Drehzahl Schallpegel
    400 RPM (Idle) 34,8 dBA
    1220 RPM 34,8 dBA
    1750 RPM 35,5 dBA
    2000 RPM 36,3 dBA

    Fazit:

    Der Noctua NH-L12 Ghost S1 Edition überzeugt im Test mit einer sehr guten Kühlleistung trotz kompakter Abmessungen und recht kleinem vorinstallierten Lüfter. Dadurch ergibt sich aber auch für einen Low-Profile-Lüfter eine gute RAM-Kompatibilität (bis 48 mm Höhe). Auch die Montage ist einfach und schnell durchzuführen.
    Natürlich würde sich die Kühlleistung durch einen zweiten Lüfter verbessern, jedoch wäre somit eine Montage im Louge Ghost S1 nicht mehr möglich und es handelt sich ja hier um eine Spezialversion für dieses Gehäuse.

    Laut Geizhals.de ist der CPU-Kühler aktuell ab 54,90 € gelistet. Damit ist er sicherlich kein Schnäppchen, aber der Preis ist für die Qualität und Ausstattung durchaus angemessen, dabei sollte man auch die lange Herstellergarantie von 6 Jahren nicht vergessen.

    Quellen: Noctua Produktseite

    Alexander Schaaf
    Seit der Jugend bin ich von PC-Hardware begeistert und habe Systeme in den verschiedensten Hardware-Generationen gebaut. Mit der Zeit kamen dann auch Videokonsolen dazu. Ich schreibe hier vor allem zu den Themen PC-Hardware und PlayStation.