Motorisierte PTZ-Webcams mit KI-gestützter Nachführung gehören inzwischen zum Standard in der Desktop-Videotechnik, wenn es um automatisierte Bildführung ohne manuelle Bedienung geht. Mit der Tiny 3 Lite erweitert OBSBOT seine Tiny-Produktfamilie um eine vereinfachte Variante, die zentrale Funktionen der aktuellen Generation in einem kompakteren und preislich niedrigeren Paket anbietet. Ziel dieses Artikels ist es, Aufbau, technische Umsetzung und praktische Leistungsfähigkeit der Tiny 3 Lite in Hinblick auf Bildqualität, Audio, Tracking und Bedienkomfort zu bewerten.
Vielen Dank an OBSBOT für die Bereitstellung des Testmusters.
Technische Vorstellung: OBSBOT Tiny 3 Lite
Die OBSBOT Tiny 3 Lite ist als kompakte motorisierte PTZ-Webcam konzipiert und unterscheidet sich vom größeren Modell Tiny 3 vor allem durch eine etwas reduzierte Funktionsausstattung bei gleichzeitiger Beibehaltung der Kernprinzipien der Serie: automatisierte Kamerasteuerung, hochwertige Videoaufnahme und einfache Integration in gängige Software-Umgebungen.
Gehäuse und Mechanik
Das Gehäuse der Tiny 3 Lite besteht wie bei der Tiny-Serie üblich aus einem kompakten Formfaktor, der sich auf Desktop-Sets und eingeschränkte Platzverhältnisse ausrichtet. Die motorisierte Pan-Tilt-Mechanik ist integriert, um automatische Bildanpassungen entsprechend den Tracking-Algorithmen zu ermöglichen.
Bildqualität
Für die Videoaufnahme nutzt OBSBOT Tiny 3 Lite einen 1/2″-CMOS-Sensor mit Unterstützung für 4K-Video bei bis zu 30 Bildern pro Sekunde sowie Full-HD-Aufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde. Die Kamera bietet damit eine grundlegende Plattform für gängige Anwendungen wie Videokonferenzen, Streaming oder kreative Workflows. Aufwändige HDR-Verfahren oder erweiterte Sensorfeatures, wie sie beim größeren Modell implementiert sind, werden in einer vereinfachten Form realisiert.
Audio
Die Tiny 3 Lite ist mit einem integrierten Mikrofonsystem ausgestattet, das auf eine Kombination aus einem omnidirektionalen Mikrofon mit zwei gerichteten Mikrofonen setzt und so weit mehr als grundlegende Sprachfunktionen bietet. Spatial Audio und smarte Audiomodi ermöglichen auch hier eine sehr gute Klangqualität.
KI-Tracking und Bedienung
Auch in der Lite-Version sind KI-gestützte Tracking-Funktionen vorhanden. Diese umfassen automatische Personenerkennung und Nachführung des Hauptmotivs im Bildausschnitt. Zusätzliche Features wie Gesten- oder Sprachsteuerung sind implementiert, um freihändige Bedienung zu ermöglichen. Auch Voice Tracking ist vorhanden, verzichten muss man lediglich auf den Desk- und Whiteboard-Modus.
Software-Integration
Die Steuerung und Konfiguration der OBSBOT Tiny 3 Lite erfolgt über die OBSBOT-Software (z. B. OBSBOT Center), die grundlegende Einstellungen für Belichtung, Weißabgleich und Tracking-Parameter bietet. Zusätzlich stehen Standardfunktionen wie Hintergrundeffekte, einfache Bildverbesserungsmodi und Unterstützung für Overlays zur Verfügung. Umfangreiche professionelle Werkzeuge wie bei der Tiny 3 werden nicht im gleichen Umfang realisiert.
Technische Daten: OBSBOT Tiny 3 Lite
| Kategorie | Spezifikation |
|---|---|
| Produkttyp | 4K-PTZ-Webcam |
| Sensor | 1/2″ CMOS |
| Auflösung | 48 Megapixel |
| ISO | Single Native ISO |
| Videoauflösung | 4K @ 30 fps, 1080p @ 120fps |
| HDR | Ja |
| Autofokus | PDAF |
| Manueller Fokus | Ja |
| PTZ-Funktion | Motorisiertes Pan & Tilt |
| KI-Tracking | AI Tracking 2.0 |
| Tracking-Modi | Voice Tracking, Object Tracking |
| Mikrofone | 1× omnidirektional + 2× gerichtete MEMS |
| Audiomodi | Pure, Spatial, Smart Omni, Directional, Dual-Directional |
| Sprachsteuerung | Ja |
| Gestensteuerung | Ja |
| Gehäusematerial | Aluminium |
| Abmessungen | 41 × 41 × 58 mm |
| Gewicht | ca. 73 g |
| Software | OBSBOT Center, OBSBOT Live |
| Kompatibilität | Windows, macOS |
Über OBSBOT:
OBSBOT wurde 2016 gegründet und hat sich das Ziel gesetzt, mithilfe der künstlichen Intelligenz von REMO TECH die Bildgebungsindustrie in die Zukunft zu führen. REMO TECH konzentriert sich insbesondere auf die Anwendungsforschung zu neuen Technologien im Bereich der Videografie. So soll mithilfe revolutionärer Technologien die Erstellung von Bildern und Aufzeichnungen erneuert werden. Mittlerweile bietet OBSBOT eine Reihe verschiedener KI-basierter Kameras, von der Webcam bis hin zur professionellen 4K-PTZ-Kamera für Studioproduktionen.
Verpackung und Lieferumfang:
Geliefert wird die OBSBOT Tiny 3 Lite in der für OBSBOT typischen, elegant gestalteten Umverpackung. Auf einem weißen Hintergrund ist auf der Vorderseite die Kamera sehr prägnant dargestellt. Neben dem OBSBOT-Logo findet sich hier nur noch ein Hinweis auf die Auflösung. Auf der linken und rechten schmalen Seite findet sich der Produktname und auf der Rückseite allerhand technische Daten. Im Kontrast dazu sind die Ober- und Unterseite der Verpackung in Rot gehalten.
Der Lieferumfang besteht aus der PTZ-Kamera mit fest verbautem Monitorstativ, einem USB-C-Kabel und einem Adapter von USB-C auf USB-Typ-A.
Design und Verarbeitung:
Die OBSBOT Tiny 3 Lite führt das bekannte, funktionale Design der Tiny-Serie mit ihrer überraschend kompakten Größe fort. Die Kamera selbst sitzt in einem quaderförmigen Gehäuse mit abgerundeten Ecken. Ein vollflächiges Glaselement schützt die Kameralinse. Das gesamte Kameraelement ist kippbar an einem drehbaren Arm gelagert, wie es für eine PTZ-Kamera üblich ist. So kann die Kamera gedreht und geneigt werden, wodurch eine räumliche Verfolgung möglich wird. Die Basis verfügt über ein Stativgewinde, kann aber durch ein herausklappbares Element und die vordere Kante bequem auf einem Monitor aufgesetzt werden. Die Mikrofone befinden sich auf der hinteren Oberseite und bewegen sich mit der Kamera mit. Der USB-C-Anschluss ist auf der Rückseite positioniert. Farblich ist auch die Tiny 3 Lite wieder in Anthrazit, mit einem roten Ring um die Frontabdeckung, gehalten. Sie besitzt ein gleichmäßig und qualitativ verarbeitetes Kunststoffgehäuse. Das beiliegende USB-C-Kabel ist eher etwas steifer, was hier aber keine Probleme darstellt.
Aufstellung und Konfiguration:
Durch das bereits erwähnte herausklappbare Element lässt sich die OBSBOT Tiny 3 Lite problemlos auf der Oberkante eines Monitors positionieren und ausrichten. Dank gummierter Oberflächen besitzt sie auch einen guten Halt. Sollte eine Montage in der Form nicht möglich sein, ist in der Unterseite auch ein Stativgewinde integriert, sodass man auf die große Bandbreite am Markt verfügbarer Stative zurückgreifen kann. Im deaktivierten Zustand schwenkt sich die Kamera automatisch nach unten. So kann man auf eine Abdeckung verzichten und könnte einen unberechtigten Zugriff direkt erkennen. Wenn die Kamera aktiv ist, leuchtet zudem ein LED-Streifen am Gehäusesockel.
Die Konfiguration der Kamera erfolgt über das OBSBOT Center. Das Tool ist insgesamt sehr schlank aufgebaut und unterstützt bis zu vier einzelne Kameras. Nach dem Starten der Software muss man die Kamera zunächst aufwecken und sie fährt schließlich in die normale Position. Das Programmfenster besitzt mehrere Tabs: Nachverfolgung, Bildeinstellung und allgemeine Einstellungen sowie einzelne Hotkeys für Einstellungen und Features.
Bei der KI-gestützten Verfolgung hat man zunächst die Wahl zwischen dem Einzel- und dem Gruppenmodus. Die Person vor der Kamera wird automatisch erkannt und die Kamera folgt dann allen Bewegungen, sodass man stets im Mittelpunkt der Aufnahme bleibt. Man kann schließlich zwischen einer normalen Verfolgung, in der man mit Oberkörper und Kopf zu sehen ist und ausgeschnittenen Verfolgungen wählen. So kann man die Kamera so einstellen, dass nur der Oberkörper, der Unterkörper, der Kopfbereich in Nahansicht oder die Person kopflos zu sehen ist. Auch das Verfolgungstempo lässt sich anpassen. Zudem kann man auch Zonen- und Objektverfolgungen konfigurieren. Weitere KI-Features sind die Stimmen- und Handverfolgung. Es besteht zudem auch die Möglichkeit, die Kamera manuell zu schwenken und zu zoomen. Darüber hinaus lassen sich bis zu drei Positionen abspeichern und per Klick aufrufen.
Bei den Bildeinstellungen gibt es mehr Möglichkeiten. als nur den HDR-Modus ein- und auszuschalten. So kann man sowohl für den Autofokus als auch für die automatische Belichtung vorgeben, ob diese gesichtsbezogen oder global vorgenommen werden. Auch den Weißabgleich, den Kontrast, die Sättigung, die Schärfe und den Farbstich kann man anpassen. Zudem gibt es die Wahl zwischen einem automatischen und einem manuellen Weißabgleich. Wichtig ist auch der Anti-Flimmer-Modus, da man so das übliche 50-Hz-Flackern vieler Lampen reduzieren kann.
In den allgemeinen Einstellungen kann man unter anderem noch Voreinstellungen für den Zoom, die Gestensteuerung und das Mikrofon vornehmen. Hier lassen sich auch alle Sprachbefehle einsehen und einzeln ein-/ausschalten. Auch ein Firmwareupdate ist hier möglich und war im Fall unseres Testmusters auch notwendig.
Bild- und Soundqualität:
Entscheidend bei einer PTZ-Kamera, bzw. Webcam, ist natürlich die Bildqualität und insbesondere die Performance bei eingeschränkten Lichtverhältnissen. Hier möchte die OBSBOT Tiny 3 Lite mit Single Native ISO und HDR-Funktion überzeugen und auch bei schwachen Lichtverhältnissen brillieren.
Schon ohne jegliche Anpassungen bietet die Tiny 3 Lite auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein sehr ausgeglichenes, sehr gutes Bild. Dunkle Bereiche sind nicht verrauscht und selbst von Keylights beleuchtete Haut überstrahlt nicht im Bild. Bei aktiviertem HDR erscheint dies nochmal etwas ausgeglichener. Im Prinzip reicht schon das Licht des Monitors aus, um ein gleichmäßiges Bild zu erreichen. Der Autofokus trifft sehr präzise und reagiert flüssig, wenn man die Position wechselt. Auch der automatische Weißabgleich und der Anti-Flimmer-Modus zeigen sich zuverlässig. Die Kamera reagiert beim Tracking recht schnell, dennoch hat es seine Grenze und man darf sich nicht übermäßig schnell außerhalb des Bildbereichs bewegen. Sofern beide Hände im Bild sind, werden die rechte und linke Hand zuverlässig unterschieden und auch hier funktioniert das Tracking problemlos.
Ein neues Feature der Tiny-3-Serie ist das Sprachtracking mit Sprachsteuerung. Diese ist bislang nur in Chinesisch und Englisch verfügbar und basiert auf festen Befehlen:
- Hi, Tiny – Aufweckbefehl, bei aktivem Voice Locator schwenkt die Kamera zur Schallquelle
- Sleep, Tiny – Einschlaf-/Deaktivierungsbefehl
- Track Me – Tracking aktivieren
- Unlock Me – Tracking deaktivieren
- Zoom in Closer – heranzoomen (um einen einstellbaren Faktor)
- Zoom out Furter – herauszoomen
- Position One/Two/Three – Anfahren von gespeicherten Positionen
Die Sprachsteuerung hat in unserem Test eine sehr zuverlässige Funktion bewiesen und auch der Voice Locator hat zuverlässig seine Dienste verrichtet.
Ebenso ist natürlich auch die Tonqualität der integrierten Mikrofone von Interesse. Wenn man recht frontal vor der Kamera sitzt, sind nur geringe Unterschiede zwischen den Modi auszumachen, es bleibt jedoch immer eine Räumlichkeit erhalten. Daher empfiehlt sich der Einsatz eines separaten Mikrofons. Möchte man sich jedoch damit auch im Raum bewegen können, ist das OBSBOT Vox SE eine gute Ergänzung. Die Tiny-3-Serie kann mit bis zu zwei dieser Mikrofone gekoppelt werden. So lässt sich dann nicht nur die Kamera darüber ansteuern, sondern auch der Audiostream nutzen. Das Mikrofon wird in einem folgenden Artikel noch ausführlicher vorgestellt.
OBSBOT Tiny Smart Fernbedienung 2:
Mit der Tiny Smart Fernbedienung 2 lässt sich die OBSBOT Tiny 3 Lite bequem auch ohne Software einstellen. Die Fernbedienung wird mittels USB-Dongle mit dem PC verbunden. Zunächst kann man hier die Kamera aufwecken bzw. pausieren. Dann kann man zwischen einzelnen Kameras umschalten, besonders hilfreich bei größeren Setups. Auch die Aufruftasten für die gespeicherten Positionen sind vorhanden. Besonders interessant sind die Features, die Kamera zu schwenken und den Zoom zu bedienen. So lässt sie sich sehr leicht auf ein gewünschtes Objekt einstellen. Das Tracking lässt sich ebenso einfach per Tastendruck ein-/ausschalten. Praktisch für den Einsatz im Meeting sind zudem die Möglichkeit, einen gerahmten Laserpunkt zu projizieren, sowie die Möglichkeite die Seiten einer Präsentation durchzuschalten. So ersetzt sie gleichzeitig einen Presenter.
Fazit:
Mit der Tiny 3 Lite gelingt OBSBOT eine überzeugende Balance aus Funktionsumfang, Bildqualität und Bedienkomfort zu einem insgesamt attraktiveren Preisniveau. Trotz der bewusst reduzierten Ausstattung gegenüber der Tiny 3 bleiben die wesentlichen Stärken der Serie erhalten: eine sehr gute 4K-Bildqualität auch bei schwierigen Lichtverhältnissen, zuverlässiges und flüssiges KI-Tracking sowie eine durchdachte Software-Integration, die sowohl Einsteiger als auch ambitionierte Anwender abholt.
Besonders positiv fallen das präzise Autofokus-Verhalten, die stabile Belichtungs- und Weißabgleichsautomatik sowie die insgesamt natürliche Bildanmutung auf. Das KI-Tracking arbeitet schnell und zuverlässig, Gesten- und Sprachsteuerung funktionieren im Test erstaunlich sicher und erhöhen den Bedienkomfort im Alltag deutlich. Auch die motorisierte PTZ-Mechanik fügt sich nahtlos in Desktop-Setups ein und macht die Kamera flexibel einsetzbar, vom klassischen Videomeeting bis hin zu Streaming- oder Präsentationsszenarien.
Abstriche muss man bei den fehlenden Spezialmodi wie Desk- oder Whiteboard-Tracking sowie bei den im Vergleich eingeschränkten Profi-Optionen der Software machen. Für den Großteil der typischen Anwendungsfälle fallen diese Einschränkungen jedoch kaum ins Gewicht. Die integrierten Mikrofone liefern eine solide bis gute Tonqualität, ersetzen ein dediziertes Mikrofon aber nur bedingt, was in dieser Geräteklasse allerdings erwartbar ist.
Unterm Strich ist die OBSBOT Tiny 3 Lite eine sehr runde PTZ-Webcam, die sich vor allem an Nutzer richtet, die moderne KI-Funktionen, hohe Bildqualität und einfache Bedienung suchen, ohne den Aufpreis für das Vollmodell zahlen zu wollen. Damit positioniert sie sich als äußerst attraktive Lösung für Homeoffice, Content-Creation und hybride Arbeitsumgebungen.
Aktuell (Stand: 31.01.2026) ist die OBSBOT Tiny 3 Lite ab 229,00 € erhältlich. Bezogen auf die Ausstattungsfeatures ein attratives Preisniveau. Die Tiny Smart Fernbedienung 2 liegt bei 59 €, ist für professionelle Anwendungen oder Multi-Kamera-Produktionen aber eine sehr gute Ergänzung. Das ebenfalls sehr attraktive Vox SE ist für 69 € verfügbar.
Die PTZ-Kamera Tiny 3 wurde Game2Gether von OBSBOT für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers oder Händlers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.




