Tormented Souls 2 bringt die Spannung und die Nervosität früher Resident-Evil- und Silent-Hill-Nächte auf eure Screens zurück. Dabei überzeugt die Switch-2-Portierung vor allem im Handheld-Modus, während die Bedienung am separaten Controller seinen eigenen ganz speziellen Horror entwickelt.
Ein altbekanntes Gefühl ist wieder da. Eine Tür am Ende des Flurs, die sich endlich öffnen lässt. Nur noch drei Patronen im Inventar und die Gesundheitsanzeige auf „Vorsicht“. Dahinter ein Geräusch, das Zweifel weckt, ob die Munition reichen wird. PQube beschwört jene Situationen herauf, wie wir sie bestens aus den frühen Silent-Hill- und Resident-Evil-Ablegern auf PlayStation 1 und 2 kennen. Die feste Kamera hat die Tür längst im Blick. Ein guter Moment, um umzudrehen und doch noch einmal den Speicherraum aufzusuchen.
Wer mit den frühen Resident-Evil-Spielen aufgewachsen ist und später auf der PS2 in Silent Hill verloren ging, kennt dieses Gefühl. Die Karte als Pflichtlektüre, ein gefundener Schlüssel mehr als nur ein kleiner Triumph. Ungelöste Rätsel beschäftigten die Gedanken noch Stunden nach dem Ausschalten der Konsole. Tormented Souls 2 greift diese Erinnerungen auf und baut daraus einen überzeugenden Survival-Horror-Nachfolger.
Bei dem Test für die Switch 2 stellt sich zusätzlich die Frage, wie gut dieser Albtraum den Plattformwechsel übersteht. Die kurze Antwort: im Handheld-Modus erstaunlich gut, am separaten Controller mit störenden Eigenheiten.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Villa Hess – schlechte Gegend, gutes Leveldesign
Caroline Walker reist mit ihrer Schwester Anna nach Südchile, um deren verstörende Visionen aufzuklären. Anna verschwindet, Caroline beginnt zu suchen. Villa Hess bietet dafür ein finsteres Kloster, eine verlassene Schule, einen zerstörten Stadtbezirk und ein geplündertes Einkaufszentrum, deren letzte positiven Bewertungen bei Lonely Planet vermutlich länger zurückliegen.
Die Handlung erfüllt ihren Zweck. Sie liefert Motivation und Geheimnisse, entwickelt aber weniger Zugkraft als es die Schauplätze tun. Denn, was sich hinter den verschlossenen Türen verbirgt, ist in Tormented Souls 2 häufig interessanter als die nächste Enthüllung der Geschichte.
Die Umgebungen und Räume hingegen sind äußerst gelungene Setpieces. Die Schule und das Einkaufszentrum tragen spürbare Erinnerungen eines verlorenen Alltags in sich. Der Verfall dieser öffentlichen Orte macht sichtbar, das sich ein großes Grauen über den Ort gelegt hat. Ein Markenzeichen, das wir bestens aus der Silent Hill-Reihe kennen und die daraus einige ihrer stärksten Momente gewonnen hat. Tormented Souls 2 beherrscht diese unangenehme Vertrautheit ebenfalls.
Die verschachtelten Wege geben den Orten zudem spielerische Substanz. Mehrere Etagen, blockierte Zugänge und Paralleldimensionen setzen Orientierung voraus, die man sich erarbeiten muss. Die Karte wird regelmäßig gebraucht, schade jedoch, dass diese nicht auf einen Schnellzugriff-Slot gelegt werden kann. Denn mit jedem neuen Schlüssel verändert sich auch der Blick auf bereits erkundete Bereiche und der Griff zur Karte wird essentiell.
Das bedeutet Backtracking. Eine bekannte Tür, ein vertrauter Raum oder ein versperrter Durchgang werden plötzlich interessant, eine bislang nutzlose Apparatur führt schließlich doch zum nächsten Ziel. Die Räume wachsen allmählich zu einem zusammenhängenden Ort zusammen und auch die Shortcuts sind gut gesetzt.
Rund 70 Rätsel – das Inventar darf wieder seltsam sein
Das Highlight des Spiels liegt im dechiffrieren der sorgfältig angelegten Rätsel. Symbole entschlüsseln, Mechanismen verstehen, Gegenstände untersuchen und kombinieren: Tormented Souls 2 verlangt volle Aufmerksamkeit und lässt seinem Publikum dabei aber auch ausreichend Zeit zum Nachdenken.
Ein Bild an der Wand kann entscheidend sein. Ein Dokument ergibt erst später Sinn. Ein rätselhafter Fund bekommt plötzlich eine Funktion. Solche Verbindungen herzustellen ist ausgesprochen befriedigend und der Fortschritt fühlt sich erarbeitet an.
Gelegentlich wird die Konstruktion etwas umständlich. Dann kreisen die Gedanken zwischen übersehenem Hinweis und fehlendem Gegenstand. Die Nostalgie erinnert kurz daran, weshalb Komplettlösungen früher neben der Konsole lagen.
Überwiegend stimmt jedoch die Balance. Die Aufgaben sind abwechslungsreich und ihre Lösungen meist nachvollziehbar. Ein Kran verlangt andere Überlegungen als ein Verkaufsautomat oder eine Symbolfolge. Das Spiel traut sich, den Spielfluss anzuhalten. Wer schnell von Zielmarker zu Zielmarker möchte, wird hier Geduld lernen müssen.
Combat – die Knappheit macht den Unterschied
Die Gefechte fallen deutlich schlichter aus. Positionieren, zielen, schießen, Abstand gewinnen: Das funktioniert, bleibt mechanisch aber überschaubar. Zusätzliche Waffen schaffen Abwechslung, der Hammer spart Munition zum Preis eines höheren Risikos.
Spannend ist vor allem die Entscheidung vor dem ersten Schuss. Muss dieser Gegner wirklich weg? Führt der Rückweg wieder hier entlang? Reicht die verbleibende Munition und wie sieht es mit Heilung aus? Die Ressourcenverwaltung verleiht den Kämpfen Gewicht.
Bei den Bossen funktioniert dieses System weniger gut. Ihre Begegnungen verlangen zu selten eigenständige Lösungen und bleiben entsprechend blass. Hier hätte das Game deutlich mehr wagen dürfen.
Sinnvoll sind dagegen die verschiedenen Schwierigkeitsgrade. Der assistierte Modus erleichtert Kämpfe und Ressourcenverwaltung und ergänzt automatische Speicherpunkte. So erhalten Erkundung und Rätsel mehr Raum.

Die Switch-2-Portierung – Atmosphäre to Go
Die Umsetzung überzeugt besonders durch ihre Umgebungen. Details bleiben gut erkennbar, Licht und Schatten geben den Räumen Tiefe. Feste Kameraperspektiven wirken auch auf dem kleineren Bildschirm hervorragend. Ihre gezielte Begrenzung des Sichtfelds passt zu einem Spiel, das aus Unsicherheit Spannung gewinnt.
Das Feuerzeug ist dabei mehr als Dekoration. Dunkelheit bedroht Caroline unmittelbar, die Lichtquelle wird zum notwendigen Werkzeug. Gleichzeitig wäre eine Waffe in der Hand gelegentlich beruhigender. Aus diesem Wechsel entsteht ein wirksamer kleiner Konflikt.
Im Handheld-Modus ergibt sich ein ansprechendes, überwiegend flüssiges Spielerlebnis. Ganz ohne Abstriche gelingt die Portierung dennoch nicht. Figuren und Nahaufnahmen sind in der Portierung weniger gut inszeniert als die Schauplätze. Teilweise sehen wir verwaschene Texturen in Zwischensequenzen und deutliche Performance-Einbrüche in einzelnen Bereichen. Eine durchgehend makellose technische Umsetzung lässt sich daraus nicht ableiten, aber der Spielfluss gerät dabei nicht großartig aus dem Rhythmus.
Der Sound trägt die Atmosphäre auch in der Portierung zuverlässig. Geräusche außerhalb des Bildausschnitts machen leere Räume verdächtig, die Musik hält die Anspannung aufrecht. Mit Kopfhörern entfaltet das auch unterwegs seine Wirkung. Der sichere Speicherraum bekommt dadurch wieder jene Bedeutung, die Genre-Fans seit Jahrzehnten kennen: entspannte Musik bedeutet: kurz durchatmen, Tonband einlegen, Zwischenbericht abgeben und weiter geht’s.

Handheld problemlos, Controller mit Eigenleben
Bei der Steuerung gab es unterschiedliche Erfahrungen: Im Handheld-Modus funktionierte die Bedienung problemlos. Die Schwierigkeiten traten beim Spielen mit dem separaten Standard-Controller der Switch 2 auf, der dabei seinen ganz eigenen Horror entwickelte.
Eingaben wurden teilweise nicht korrekt erkannt. Gelegentlich lösten sich Aktionen aus, obwohl die entsprechende Taste gar nicht gedrückt wurde. Das beeinträchtigt die Menüführung und stört im Spiel. Gerade Survival-Horror braucht verlässliche Inputs. Eine falsche Entscheidung darf Konsequenzen haben. Ein korrekt gedrückter Knopf sollte funktionieren.

Fazit – gutes Spiel, Portierung mit Einschränkungen
Tormented Souls 2 versteht den Reiz klassischen Survival-Horrors. Anspruchsvolle Rätsel, lohnende Erkundung und beklemmende Schauplätze tragen die etwa zwölf bis fünfzehn Stunden lange Reise. Die Handlung bleibt zweitrangig, Kämpfe und Bosse erreichen nicht dieselbe Qualität. Trotzdem besitzt die Fortsetzung genügend Substanz, um über das Wiedererkennen alter Vorbilder hinauszugehen.
Die Switch-2-Portierung macht diesen Horror unterwegs überzeugend spielbar. Grafik, Atmosphäre und Bedienung passen im Handheld-Modus zusammen. Technische Schwächen in einzelnen Bereichen und vor allem die Fehleingaben am separaten Controller verhindern jedoch eine uneingeschränkte Empfehlung für die Umsetzung. Wer hauptsächlich mobil spielt, bekommt den deutlich runderen Eindruck. Für die Nervosität vor der nächsten Tür sorgt Tormented Souls 2 bereits hervorragend. Zusätzliche Unsicherheit beim Tastendruck sollten vermieden werden.
Tormented Souls 2 – die Switch-2-Version im Überblick
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Entwickler / Publisher | Dual Effect / PQube |
| Genre | Survival-Horror |
| Spielzeit | Etwa 12–15 Stunden |
| Grafik | Atmosphärische Schauplätze und starke Beleuchtung; schwächere Figuren und Zwischensequenzen |
| Handheld-Modus | Überzeugende Darstellung und im Test problemlose Steuerung |
| Separater Switch-2-Standard-Controller | Im Test teilweise nicht erkannte Eingaben und unbeabsichtigt ausgelöste Aktionen; auch die Menüführung betroffen |
| Kurzurteil zur Portierung | Besonders als Handheld-Erlebnis gelungen. Die Controller-Probleme trüben den Gesamteindruck. |

