Transport Fever 3 im Test: Das große Verkehrschaos geht in die nächste Runde

    (Bildquelle: Urban Games)

    Mit Transport Fever 3 geht die beliebte Verkehrssimulationsreihe von Urban Games in die nächste Runde. Wieder geht es darum, ein kleines Transportunternehmen aufzubauen, Städte miteinander zu verbinden, Waren quer über die Karte zu bewegen und aus einem überschaubaren Verkehrsnetz irgendwann ein gigantisches Transportimperium zu machen.

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    Von Train Fever zu Transport Fever 3

    Den Anfang machte 2014 Train Fever. Das Erstlingswerk von Urban Games legte bereits die grundlegenden Bausteine der späteren Reihe: Städte verbinden, Passagiere und Waren transportieren, Fahrzeuge kaufen und ein eigenes Verkehrsunternehmen aufbauen.

    2016 folgte Transport Fever und erweiterte das Konzept deutlich. Neben der Eisenbahn rückten Busse, Lastwagen, Schiffe und Flugzeuge stärker in den Mittelpunkt. Gleichzeitig wurden die Wirtschaftssysteme und Produktionsketten umfangreicher.

    Mit Transport Fever 2 erschien 2019 schließlich der bisher umfangreichste Teil der Reihe. Größere Karten, mehr Fahrzeuge, umfangreichere Bauwerkzeuge und eine starke Modding-Unterstützung machten den zweiten Teil über Jahre hinweg zu einem der beliebtesten Vertreter seines Genres.

    Mit Transport Fever 3 versucht Urban Games nun, die bekannte Formel weiterzuentwickeln. Statt die Serie komplett neu zu erfinden, werden zahlreiche Bereiche überarbeitet und erweitert. Die Spielwelt soll dynamischer werden, der Streckenbau komfortabler, die Wirtschaft anspruchsvoller und der Fuhrpark umfangreicher.

    Die entscheidende Frage lautet daher: Reicht das aus, um Transport Fever 3 tatsächlich zum nächsten großen Schritt der Serie zu machen?

    Ein gelungener Einstieg

    Der Einstieg funktioniert angenehm unkompliziert. Serienveteranen finden sich schnell zurecht, während Neueinsteiger auf Wunsch ausführliche Unterstützung erhalten. Das Tutorial erklärt zahlreiche Spielmechaniken Schritt für Schritt, ohne erfahrene Spieler dazu zu zwingen, sämtliche Erklärungen durchzuarbeiten.

    So kann man zunächst mit einer einfachen Bus- oder Güterlinie beginnen und sich anschließend langsam an größere Bahnstrecken, komplexe Warenketten und umfangreiche Verkehrsknoten herantasten.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Ein eigenes Transportimperium aufbauen

    Wer Transport Fever 3 startet, findet sich schnell in einem bekannten Szenario wieder: Eine Karte, mehrere Städte, verschiedene Industrien und jede Menge Möglichkeiten, daraus ein funktionierendes Verkehrsnetz zu bauen. Der eigentliche Reiz entsteht dabei nicht allein durch das Verlegen von Schienen oder den Bau einer Straße. Vielmehr geht es darum, die einzelnen Bestandteile sinnvoll miteinander zu verbinden.

    Zu Beginn reichen häufig einfache Buslinien oder einige Lastwagen aus. Mit den ersten Einnahmen wächst das Unternehmen und damit auch der Handlungsspielraum. Aus einzelnen Verbindungen entsteht nach und nach ein komplexes Netzwerk aus Straßen, Schienen, Häfen und Flughäfen. Dabei muss immer wieder überprüft werden, ob die vorhandenen Kapazitäten noch ausreichen.

    Eine überfüllte Buslinie benötigt zusätzliche Fahrzeuge, eine ausgelastete Bahnstrecke möglicherweise weitere Gleise und eine schlecht laufende Güterverbindung eine komplett neue Planung. Genau dieses stetige Optimieren ist eine der großen Stärken des Spiels.

    Straßen, Schienen und Infrastruktur

    Der Streckenbau gehört weiterhin zu den größten Stärken. Besonders praktisch ist das neue Trassierungssystem. Straßen und Schienen können entweder dem Gelände folgen oder als exakt gerade Verbindung zwischen Start- und Endpunkt gebaut werden. Gerade bei Brücken verhindert das die unschönen Schwünge, die aus älteren Teilen bekannt sind. Lange Verbindungen lassen sich dadurch deutlich sauberer planen.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Mit zunehmender Stadtgröße wird auch der Straßenverkehr anspruchsvoller. Fahrspuren und Kreuzungen lassen sich genauer planen, während das neue Ampelsystem dabei hilft, den Verkehrsfluss zu regulieren.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Der Eisenbahnbau bleibt dagegen eine eigene Wissenschaft. Gleise, Signale, Bahnhöfe und Abzweigungen müssen vorausschauend geplant werden. Ein gut aufgebautes Schienennetz, auf dem später dutzende Züge problemlos verkehren, gehört zu den befriedigendsten Momenten des Spiels.

    Personenverkehr und Stadtwachstum

    Passagiere haben konkrete Ziele und nutzen auch Umsteigeverbindungen. Ein Pendler kann beispielsweise mit dem Bus zum Bahnhof fahren, anschließend den Regionalzug nehmen und am Ziel in eine Straßenbahn steigen. Das macht das Zusammenspiel verschiedener Verkehrsmittel besonders wichtig. Gerade Flughäfen profitieren von diesem Zubringerprinzip. Ein Flugzeug zwischen zwei großen Städten bringt wenig, wenn die umliegenden Regionen nicht entsprechend angebunden sind.

    Auch die Städte reagieren auf die vorhandene Infrastruktur. Gute lokale und regionale Verbindungen fördern das Wachstum und erzeugen wiederum zusätzliche Nachfrage. Aus einer kleinen Stadt kann dadurch im Laufe der Partie eine echte Metropole werden.

    Industrie und Warenketten

    Mit mehr als 35 Industrien entstehen teilweise sehr komplexe Produktionsketten. Rohstoffe werden abgebaut, verarbeitet und anschließend als Zwischen- oder Endprodukte weitertransportiert. Eine wichtige Änderung gegenüber dem Vorgänger betrifft das Umladen. Waren können nicht mehr unbegrenzt auf offenen Terminals warten. Wer beispielsweise Güter vom Zug auf Lkw umschlagen möchte, benötigt ein entsprechendes Lager.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Damit wird die Logistikplanung deutlich wichtiger. Ein Güterbahnhof allein reicht nicht mehr zwangsläufig aus. Lager, Transportkapazitäten und Umschlagpunkte müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.

    Wirtschaftssystem

    Geld verdient das Unternehmen hauptsächlich mit dem Transport von Passagieren und Gütern. Entfernung und Transportmenge beeinflussen die Einnahmen, während schnellere Verkehrsmittel wie Flugzeuge oder Hochgeschwindigkeitszüge gleichzeitig höhere Kosten verursachen. Auch die Infrastruktur verursacht laufende Kosten. Jedes Gleis, jede Straße, jeder Bahnhof und jedes Depot belastet das Budget. Wer zu früh riesige Anlagen baut, kann deshalb trotz eines wachsenden Verkehrsnetzes schnell in die roten Zahlen geraten.

    Fahrzeuge altern

    Fahrzeuge sind ebenfalls große Kostenfaktoren. Mit zunehmendem Alter steigen Wartungsaufwand und Unterhaltskosten. Über die Wartungseinstellungen lässt sich die Zuverlässigkeit beeinflussen. Wer an der Wartung spart, riskiert Ausfälle. Ein defektes Fahrzeug kann dabei nicht nur eine einzelne Linie beeinträchtigen, sondern im schlimmsten Fall eine komplette Transportkette aus dem Takt bringen. Der rechtzeitige Austausch alter Fahrzeuge gehört deshalb zum wirtschaftlichen Management.

    Kredite und Wachstum

    Gerade am Anfang sind Kredite ein wichtiges Werkzeug, um größere Investitionen zu finanzieren. Gleichzeitig drücken die Zinsen auf den Cashflow. Wer zu schnell expandiert, kann sich deshalb trotz einer wachsenden Infrastruktur übernehmen. Erst wenn mehrere Städte und Produktionsketten zuverlässig funktionieren, beschleunigt sich das Wachstum deutlich. Später kann Geld zwar zunehmend zur Nebensache werden, Fehlplanungen bleiben durch Wartungskosten und komplexe Warenketten aber weiterhin spürbar.

    Fahrzeuge und Fuhrpark

    Mit über 300 Fahrzeugen bietet Transport Fever 3 einen umfangreichen Fuhrpark. Die Entwicklung über die Epochen bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil. Aus frühen Dampflokomotiven und einfachen Fahrzeugen werden im Laufe der Partie moderne Züge, Flugzeuge und weitere Transportmittel. Neu hinzugekommen sind unter anderem U-Bahnen, Güterstraßenbahnen und Hubschrauber.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Dabei ist das modernste Fahrzeug nicht automatisch die beste Wahl. Geschwindigkeit, Kapazität, Anschaffungskosten und Unterhalt müssen zur jeweiligen Linie passen.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Linien- und Fahrplanmanagement

    Mit zunehmender Größe des Unternehmens wird die Verwaltung der Linien immer wichtiger. Fahrzeuge müssen sinnvoll verteilt, Kapazitäten angepasst und schlecht ausgelastete Verbindungen optimiert werden. Überfüllte Linien benötigen zusätzliche Fahrzeuge oder leistungsfähigere Transportmittel. Bei schwacher Nachfrage kann dagegen eine kleinere und günstigere Flotte sinnvoller sein.

    Der Linien-Manager bietet dafür viele Möglichkeiten, wirkt bei großen Unternehmen allerdings schnell sehr umfangreich. Gerade Neueinsteiger benötigen etwas Zeit, um sich in den zahlreichen Einstellungen zurechtzufinden.

    KI und Verkehr

    Der zunehmende Individualverkehr kann zum echten Problem werden. Mit fortschreitenden Epochen füllen sich die Straßen mit privaten Fahrzeugen und wichtige Hauptverkehrsadern können sich schnell stauen. Das Ampelsystem bietet Möglichkeiten, den Verkehrsfluss zu verbessern. Bei komplexen Kreuzungen und größeren Bahnnetzen kommt es allerdings weiterhin zu Situationen, in denen die Verkehrs- oder Signal-Logik nicht optimal funktioniert. Gerade bei großen Schienennetzen können solche Probleme besonders ärgerlich sein, weil ein einzelner blockierter Zug schnell Auswirkungen auf zahlreiche weitere Linien hat.

    Kampagne und Sandbox

    Die Kampagne umfasst acht Einzelmissionen und führt durch unterschiedliche Regionen und Szenarien. Sie bietet einen geführten Einstieg und zeigt verschiedene Aspekte des Spiels. Für erfahrene Spieler steht allerdings weniger die Herausforderung als die abwechslungsreiche Präsentation im Vordergrund. Das eigentliche Herzstück bleibt die Sandbox. Unterschiedliche Kartengrößen, vier Klimazonen und der Karteneditor bieten viel Raum für eigene Verkehrsnetze.

    Gerade hier entfaltet Transport Fever 3 seine langfristige Motivation. Aus wenigen Linien entsteht Stück für Stück ein komplexes Verkehrsnetz, das immer wieder angepasst und erweitert werden muss.

    (Bildquelle: Urban Games)

    Grafik und Atmosphäre

    Die neue Engine sorgt für schönere Lichteffekte und eine insgesamt atmosphärischere Spielwelt. Besonders der Tag-Nacht-Wechsel fällt positiv auf. Tagsüber lässt sich das Verkehrsnetz übersichtlich verfolgen, während beleuchtete Städte, Straßen und Bahnhöfe nachts eine ganz andere Atmosphäre erzeugen. Gerade bei großen Städten macht es Spaß, einfach hineinzuzoomen und dem eigenen Verkehrsnetz beim Arbeiten zuzusehen.

    Technik und Sound

    Die detailliertere Spielwelt und die vielen gleichzeitig berechneten Fahrzeuge stellen hohe Anforderungen an die Hardware. Je größer die Städte und Verkehrsnetze werden, desto stärker kann die Performance sinken. Auch kleinere technische Probleme und Fehler bei komplexen Verkehrsnetzen können den Spielspaß beeinträchtigen. Hier bleibt abzuwarten, wie konsequent Urban Games nach dem Release nachbessert.

    Akustisch überzeugt das Spiel dagegen mit passenden Fahrzeug- und Umgebungsgeräuschen. Dampfloks, Straßenbahnen, Schiffe und der Stadtverkehr vermitteln einen schönen Modellbahn-Charakter.

    Fazit

    Transport Fever 3 erfindet die Serie nicht komplett neu und das ist auch gar nicht notwendig. Urban Games nimmt die bewährte Grundlage von Transport Fever 2 und entwickelt sie an vielen wichtigen Stellen weiter. Der Streckenbau ist komfortabler, die Warenketten sind anspruchsvoller und die Wirtschaft verlangt mehr Planung.

    Besonders der gerade Trassenbau gefällt. Auch die Lagerpflicht beim Güterumschlag sorgt für mehr Tiefe und zwingt dazu, Logistik wirklich als zusammenhängendes System zu betrachten. Gleichzeitig bleibt die große Faszination der Reihe erhalten: Aus einer kleinen Buslinie entsteht ein riesiges Verkehrsunternehmen, aus wenigen Gleisen ein komplexes Schienennetz und aus einfachen Rohstoffen eine globale Lieferkette. Einige Schwächen bleiben. Vor allem die Verkehrs- und Signal-Logik funktioniert nicht immer perfekt und große Spielstände können die Hardware stark fordern. Der fehlende Multiplayer dürfte ebenfalls manchen Spieler enttäuschen.

    Trotzdem ist Transport Fever 3 eine gelungene Weiterentwicklung und bietet sowohl Neueinsteigern als auch Serienveteranen genügend Gründe, wieder ein eigenes Verkehrsimperium aufzubauen.

    Transport Fever 3 wurde Game2Gether für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers oder Händlers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

    Alex
    Meine Leidenschaft für PC-Hardware begleitet mich seit meiner Jugend. Über viele Hardware-Generationen hinweg habe ich eigene Systeme aufgebaut, getestet und weiterentwickelt – später kamen auch Konsolen und Gaming-Equipment hinzu. Bei Game2Gether bin ich vielseitig unterwegs: von Hardware und Technik über Gaming und Reviews bis hin zu aktuellen News. Mein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Hardware, wobei mich vor allem die Technik hinter den Produkten und deren praktischer Nutzen interessieren.