NBA 2K27 im Test: Starke Defense, bessere Karriere, aber langsam fehlt der Glanz

    Quelle: 2K

    Wer die NBA-2K-Reihe seit vielen Jahren begleitet, kennt das alljährliche Dilemma nur zu gut. Einerseits gehört die Basketballsimulation von 2K weiterhin zum Besten, was das Sportgenre spielerisch zu bieten hat. Andererseits werden die Unterschiede zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ablegern zwangsläufig kleiner. Genau an diesem Punkt befindet sich NBA 2K27. Nach den durchaus spürbaren Verbesserungen des Vorgängers setzt 2K dieses Jahr weniger auf große technische Neuerungen und konzentriert sich stärker auf gezielte Anpassungen. Die Modi sind weitgehend bekannt, die grundlegende Präsentation ebenfalls.

    Die wichtigsten Veränderungen finden auf dem Court statt und ausgerechnet die Defensive spielt dabei die Hauptrolle. Grundsätzlich fühlt sich NBA 2K27 sofort vertraut an. Wer viele Stunden mit NBA 2K26 verbracht hat, muss weder das virtuelle Basketballspielen neu lernen noch mit einem komplett anderen Spielgefühl rechnen. Einen vergleichbaren technischen Sprung wie den ProPLAY-Motion-Engine-Ausbau des vergangenen Jahres gibt es diesmal nicht. Dafür wurde an vielen kleinen Stellen geschraubt, die zusammengenommen durchaus Einfluss darauf haben, wie Partien ablaufen.

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    Endlich mehr Kontrolle in der Defensive

    Die größten Neuerungen betreffen die Verteidigung. Shot Contests lassen sich jetzt differenzierter ausführen. Wird der rechte Stick nach oben gehalten, verteidigt der Spieler besonders aggressiv und versucht, dem Schützen möglichst wenig Raum zu lassen. Hält man ihn dagegen nach unten, agiert der Verteidiger vorsichtiger. Das ist vor allem dann praktisch, wenn ein Spieler bereits mit Foulproblemen zu kämpfen hat und nicht bei jedem Abschluss maximal aggressiv attackieren soll.

    Auch die Dribble Cutoffs wurden überarbeitet. Mit einer kurzen Bewegung des rechten Sticks nach links oder rechts versucht der Verteidiger, den Weg des ballführenden Spielers mit einem schnellen Schritt abzuschneiden. In Kombination mit dem rechten Trigger wird daraus ein wesentlich aggressiverer Ausfallschritt, mit dem sich Drives zum Korb stoppen lassen. Gerade im Online-Spiel ist diese Neuerung willkommen. Menschliche Gegner spielen schließlich selten so strukturiert wie eine echte NBA-Mannschaft. Stattdessen wird gedribbelt, bis irgendwo eine Lücke entsteht, und genau dagegen fehlten defensiv teilweise die richtigen Werkzeuge. NBA 2K27 gibt einem nun wesentlich mehr Möglichkeiten, vor dem Gegenspieler zu bleiben.

    Durchaus einige Verbeserungen

    Momentan schießt das System allerdings etwas über das Ziel hinaus. Gute Verteidiger sind teilweise derart effektiv, dass selbst deutlich schwächere Gegner überraschend schwer zu überwinden sind. Das fällt beispielsweise in Triple Threat innerhalb von MyTEAM auf. Eigentlich klare Matchups werden unnötig zäh, weil Drives und Abschlüsse konsequent gestört werden können. Hier dürfte 2K nach Veröffentlichung noch an der Balance arbeiten müssen. Die stärkere Defensive wirkt sich gleichzeitig auf das Shooting aus. Die grünen Bereiche der Wurfanzeige fallen kleiner aus und können sich sogar noch während eines Sprungwurfs verändern. Schließt ein Verteidiger im letzten Moment die Distanz, schrumpft das vermeintlich perfekte Timingfenster plötzlich zusammen. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig und dürfte gerade online für einige frustrierte Reaktionen sorgen. Gleichzeitig ist es eine nachvollziehbare Veränderung, denn gute Verteidigung besitzt dadurch endlich wieder unmittelbaren Einfluss auf einen Abschluss.

    Als Ausgleich stehen offensiv zusätzliche Möglichkeiten zur Verfügung. Rhythm Shooting bleibt insbesondere für Spieler interessant, die mit dem rechten Stick werfen. Dabei wird dieser zunächst nach unten gezogen und anschließend passend zum Rhythmus der Wurfbewegung wieder nach oben bewegt. Neu hinzu kommt das sogenannte No Dip Shooting. Wer unmittelbar nach einem Pass abschließen möchte, hält beim Fangen den linken Trigger und drückt auf der PS5 sofort Viereck. Dadurch wird der Ball ohne zusätzliche Ausholbewegung direkt Richtung Korb geschickt. Gerade für schnelle Catch-and-Shoot-Situationen ist das eine gelungene Erweiterung. Etwas zwiespältiger fallen die neuen Anzeigen bei Dunkings aus. Grundsätzlich gefällt die zusätzliche spielerische Herausforderung, doch das Timingfenster verändert sich abhängig von der Verteidigung. Da Dunk und Closeout nahezu gleichzeitig stattfinden, bleibt teilweise kaum Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Der Ansatz ist interessant, benötigt aber etwas Eingewöhnung.

    MyCAREER entwickelt sich zum heimlichen Star

    An Umfang mangelt es NBA 2K27 erwartungsgemäß nicht. Wer sich vollständig auf das Spiel einlassen möchte, kann problemlos Dutzende oder sogar Hunderte Stunden investieren. Positiv fällt dabei auf, dass der permanente Druck, wirklich jeden Inhalt absolvieren zu müssen, etwas geringer wirkt als zuletzt. Fortschritt entsteht in fast allen Bereichen, sodass sich die investierte Zeit etwas respektierter anfühlt. Besonders überraschend ist MyCAREER, das sich dieses Jahr zu einem der stärksten Modi entwickelt. Natürlich übernehmen wir erneut die Rolle von MP und erstellen unseren eigenen Basketballspieler. Anschließend wartet eine enorme Menge an Inhalten zwischen der eigentlichen NBA-Karriere und The City.

    The City ist erstmals vollständig koedukativ. Weibliche und männliche Charaktere treten gemeinsam an, was längst überfällig war und sich vollkommen natürlich in die bestehende Struktur einfügt. Neu ist außerdem Casual Corner, das entspanntere Partien mit einer Mischung aus menschlichen Spielern und KI-Teamkollegen ermöglichen soll. Als Einstiegspunkt für neue Spieler funktioniert die Idee grundsätzlich, auch wenn die Realität schon kurz nach Veröffentlichung etwas anders aussieht. Wenn Charaktere mit Gesamtwertungen weit über 90 auftauchen und eine Partie praktisch im Alleingang dominieren, verliert der Begriff „Casual“ schließlich schnell seine Bedeutung.

    Pay-to-Win?

    Unabhängig von der gewählten Aktivität wird der eigene Spieler kontinuierlich verbessert. Erfahrungspunkte fließen in Bereiche wie Shooting, Playmaking oder Physis. Durch Levelaufstiege werden Badge Tokens verdient, die wiederum für Fähigkeiten eingesetzt werden können. Hochwertigere Badges benötigen entsprechend mehr Tokens. Hinzu kommen die GOAT Skills. Dabei handelt es sich um massive temporäre Attributverbesserungen, die aktiviert werden, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Wer beispielsweise fünf Dreipunktewürfe versucht, kann „The Long Ranger“ aktivieren und seinen Dreierwert für einige Minuten erheblich steigern. Solche Fähigkeiten verleihen Partien zusätzliche Dynamik und belohnen bestimmte Spielstile.

    Ein altes Problem bleibt allerdings bestehen: Geld. The City wird bereits von Spielern bevölkert, die erhebliche Summen echtes Geld investiert haben, um ihre Charaktere möglichst schnell auf Gesamtwertungen von 90 und mehr zu bringen. Wer ohne zusätzliche Ausgaben kompetitiv spielen möchte, trifft dadurch auf einen erheblichen Nachteil. Das Pay-to-Win-Problem zieht die Multiplayer-Erfahrung weiterhin deutlich nach unten. Eine amüsante Ausnahme bilden die Proving Grounds. Dort wird ohne Wurfanzeige gespielt und plötzlich zeigt sich, dass nicht jeder hochgezüchtete Charakter automatisch von einem entsprechend guten Spieler gesteuert wird.

    Fire & Concrete erzählt eine überraschend gute Geschichte

    Auch erzählerisch legt MyCAREER zu. Die diesjährige Geschichte trägt den Titel „Fire & Concrete“ und begleitet MP zunächst während seiner Zeit an der San Sebastian High School. Seine Zukunft scheint gesichert. Er gilt als aufstrebender Star und ein Wechsel zu Duke steht praktisch bevor. Nach dem State Championship Game trifft MP allerdings eine folgenschwere Entscheidung, die seine Karriere komplett aus der Bahn wirft. Statt des direkten Weges zum College-Star beginnt eine deutlich kompliziertere Reise Richtung NBA, die ihn unter anderem durch die G League führt. Die Geschichte funktioniert überraschend gut und schafft es eher als viele frühere MyCAREER-Kampagnen, echtes Interesse an MPs Entwicklung zu erzeugen.

    Auch die schauspielerischen Leistungen können sich sehen lassen. Die größte spielerische Ergänzung innerhalb der Karriere hört auf den Namen Running Mates. Dabei erstellen wir einen zusätzlichen Teamkollegen, dessen Archetyp sich an echten NBA-Spielern orientiert. Dieser Partner begleitet MP während seiner Karriere und kann entweder von der KI oder einem menschlichen Freund gesteuert werden. Gute Teammate Grades bringen Tokens ein, mit denen Attribute und Badges des Running Mate verbessert werden können. Dadurch entsteht die Möglichkeit, gezielt ein Duo aufzubauen, dessen Stärken sich gegenseitig ergänzen. Gerade im Koop ist das eine der interessantesten Neuerungen von NBA 2K27.

    MyTEAM tritt zunehmend auf der Stelle

    Weniger Fortschritt gibt es bei MyTEAM. Oberflächlich hat sich gegenüber NBA 2K26 nur wenig verändert. Eine sinnvolle Neuerung betrifft immerhin die Kartenentwicklung. Jede Spielerkarte kann nun Erfahrung sammeln und Level aufsteigen. Dadurch werden zusätzliche Attributverbesserungen oder weitere Badge-Slots freigeschaltet. Im Prinzip besitzt damit jede Karte eine abgeschwächte Form des früheren Evolution-Systems. Die Verbesserungen sind zwar nicht riesig, sorgen aber dafür, dass Lieblingskarten länger brauchbar bleiben. In der Praxis wird man viele davon trotzdem relativ schnell gegen stärkere Alternativen austauschen. Eine weitere sinnvolle Änderung betrifft das Auktionshaus. Dieses funktioniert nun plattformübergreifend auf allen Konsolen. Der wesentlich größere gemeinsame Markt sorgt für stabilere und vernünftigere Kartenpreise. Hochwertige Diamond-Karten lassen sich teilweise bereits für rund 5.000 MTP erwerben, während vergleichbare Karten in früheren Jahren auf isolierten Plattformmärkten durch künstlich aufgeblähte Preise deutlich teurer sein konnten.

    Clutch Time Online und Triple Threat Online kehren ebenso zurück wie die übrigen bekannten MyTEAM-Modi. Triple Threat Park bleibt eine der unterhaltsamsten Varianten, während insbesondere Gauntlet dieses Jahr positiv auffällt. Der Einzelspieler-Roguelite-Modus schickt die gesamte eigene Kartensammlung durch eine Reihe von Partien. Verliert man oder gehen die verfügbaren Karten aus, endet der Durchlauf. Jede eingesetzte Karte steht für den Rest des Runs nicht mehr zur Verfügung.

    Zusätzlich zwingt die KI gelegentlich bestimmte Karten in die Aufstellung. Dadurch werden Spieler genutzt, die ansonsten vermutlich für immer unberührt in der Sammlung geblieben wären. Das bringt etwas Abwechslung in die gewohnte Kartenjagd. Trotzdem macht sich langsam Stillstand bemerkbar. Zum Start steht lediglich eine NBA- und eine WNBA-Domination-Sammlung zur Verfügung. Weitere dürften über saisonale Inhalte folgen, doch frühere Ableger boten bereits zum Launch mehr Auswahl. MyTEAM war jahrelang einer der wichtigsten Bestandteile von NBA 2K, wirkt inzwischen aber zunehmend so, als hätte The City ihm den Rang abgelaufen.

    MyNBA zeigt Basketball von seiner besten Seite

    Wer das reine Basketballspiel von NBA 2K27 erleben möchte, sollte ohnehin einen Blick auf MyNBA werfen. Hier kommen echte NBA-Spieler zum Einsatz und genau dort kann die ProPLAY-Technologie ihre größten Stärken ausspielen. Bewegungsabläufe, typische Aktionen und individuelle Eigenheiten sorgen dafür, dass sich Stars tatsächlich wie ihre realen Vorbilder anfühlen. Eine besonders gelungene Ergänzung sind die Go-To Shots. Durch das Halten des rechten Sticks nach oben lässt sich der charakteristische Wurf eines Spielers ausführen. Wird zusätzlich der rechte Trigger verwendet und der Stick entsprechend bewegt, stehen typische Dribbling-Aktionen zur Verfügung. Solche kleinen Details tragen enorm dazu bei, den Stars zusätzliche Persönlichkeit zu verleihen.

    Für Franchise-Fans gibt es weiterhin MyNBA, MyGM, MyGM Lite und separate Playoffs. Neu hinzu kommt MyNBA Legacy. Hier wird eine NBA-Legende ausgewählt, die während der Partien fest gesteuert wird. Im Laufe der Karriere können Attribute und Badges weiterentwickelt werden. Nach jeder Saison darf die Legende gewechselt werden, alternativ begleitet man denselben Spieler über seine gesamte Laufbahn. Das System geht sogar noch weiter. Eine Legacy kann theoretisch über einen Zeitraum von 100 Jahren aufgebaut werden. Sobald die ursprüngliche Legende irgendwann ihre Karriere beendet, kann deren Kind übernehmen und die Geschichte fortsetzen.

    Das ist eine herrlich übertriebene Idee und gibt langfristig orientierten Spielern eine weitere Möglichkeit, ihre ganz eigene NBA-Geschichte zu schreiben. MyGM bleibt derweil die richtige Adresse für alle, die sich besonders tief in das Management eines Teams einarbeiten möchten. Individuelle Trainingspläne, komplette Mannschaftskalender und zahlreiche weitere organisatorische Entscheidungen ermöglichen eine enorme Detailtiefe. Wie bei MyCAREER und MyTEAM kann problemlos ein dreistelliger Stundenumfang entstehen, wenn man sich vollständig auf diesen Modus konzentriert.

    Fazit

    NBA 2K27 ist keine Revolution und versucht auch gar nicht erst, eine zu sein. Wer NBA 2K26 intensiv gespielt hat, wird viele Modi, Abläufe und Systeme sofort wiedererkennen. Die diesjährigen Verbesserungen sind gezielter und weniger spektakulär als beim Vorgänger, treffen aber ausgerechnet den wichtigsten Bestandteil eines Basketballspiels: das Geschehen auf dem Court. Besonders die überarbeitete Defensive macht einen spürbaren Unterschied. Shot Contests, Cutoffs und der stärkere Einfluss von Verteidigern auf das Wurftiming sorgen dafür, dass gute Defense endlich wieder entsprechend belohnt wird. Momentan ist das Ganze teilweise etwas zu aggressiv abgestimmt, doch hier lässt sich vergleichsweise einfach mit zukünftigen Updates nachjustieren. Offensiv sorgen Rhythm Shooting, No Dip Shooting und die neuen Go-To Shots für zusätzliche Möglichkeiten. Gleichzeitig bleibt das grundlegende Spielgefühl hervorragend. Wenn echte NBA-Stars dank ProPLAY ihre charakteristischen Bewegungen und Würfe zeigen, gehört NBA 2K27 weiterhin zur absoluten Spitze der Sportspiele.

    Auch MyCAREER macht einen überraschend großen Schritt nach vorne. Fire & Concrete erzählt eine unterhaltsame Geschichte, Running Mates bringt eine interessante Koop-Komponente und The City entwickelt sich weiter. Umso ärgerlicher bleibt das aggressive Monetarisierungsmodell, durch das Spieler mit dicker Brieftasche im Online-Bereich erhebliche Vorteile erhalten können. MyTEAM zeigt dagegen erste deutliche Ermüdungserscheinungen. Kartenentwicklung und das plattformübergreifende Auktionshaus sind sinnvolle Neuerungen, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Modus langsam auf der Stelle tritt. NBA 2K27 besitzt damit nicht mehr ganz den Glanz, mit dem NBA 2K26 im vergangenen Jahr überraschen konnte. Das Fundament ist jedoch weiterhin hervorragend und der Umfang enorm. Wer Basketball liebt, erhält erneut eine der besten Sportsimulationen auf dem Markt. Nur wird langsam deutlich, dass die Serie zum Ende dieser Konsolengeneration dringend wieder einen größeren Sprung gebrauchen könnte.