Serious Sam feiert ein ungewöhnliches Comeback. Mit Serious Sam: Shatterverse löst sich die markante Shooter-Reihe von ihren Wurzeln und wagt den Sprung in den Multiplayer mit Roguelike-Elementen. Mit dabei sind Level voller absurder Action, bekannter Gegnerhorden und ikonischer Waffen. Ob die Rechnung schlussendlich aufgeht? Da sind wir uns nicht ganz sicher, wie ihr in unserem Test erfahren werdet.
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Serious Sam: Shatterverse erschien am 31.August für PC, Playstation 5 und Xbox Series. Für unseren Test spielten wir auf Playstation 5. Ein Key wurde uns kostenfrei zur Verfügung gestellt, was natürlich keinerlei Einfluss auf unsere Wertung hat.
Ein Multiversum voller Sams
Multiversen sind spätestens seit Marvel jeder und jedem ein Begriff. Serious Sam: Shatterverse greift nun jene Grundidee auf, dass es nicht nur eine Realität gibt, sondern mehrere. Und genau hier greift Dauerrschurke Uber Mental ein. In verschiedenen Universen eliminiert er die unterschiedlichsten Versionen von Sam „Serious“ Stone und so will er sich schlussendlich die Alleinherrschaft über alle Universen sichern. Als Gegenschlag bereitet Sam das Serious Program vor: Mehrere Versionen von Sam sollen versammelt werden, um so gemeinsam gegen Uber Mental und seine Schergen in den Kampf zu ziehen.
Der gewohnte, derbe Humor
Eine von fünf Versionen von Serious Sam könnt ihr zum Spielstart auswählen, wobei beim unmittelbaren Beginn nur eine Version in den Startlöchern steht. Die anderen vier schaltet ihr allerdings bereits nach wenigen Spielrunden frei, so dass man schnell die volle Auswahl genießen darf. Alle Varianten sehen ganz unterschiedlich aus, erinnern jedoch in ihrer Grundidee stets an den echten Sam. Wichtiger als die Optik sind die Skills, denn jede Figur verfügt über einen eigenen Ultimate. Zur Wahl stehen ein Alien Sam mit vier Armen, ein Comic Sam mit sonderbaren Körperproportionen, ein Retro Sam mit reduzierten Polygonen, ein weiblicher Sam und der heruntergewirtschaftete Broken Sam.
Etwas schade finden wir die fehlende Option, einen eigenen Sam zu kreieren zu können. Ein Charaktereditor hätte wohl wenig Aufwand gekostet, aber einen spürbaren Mehrwert bei der Vielfältigkeit vermittelt. Im Gegensatz dazu sind die Dialoge, die die Sams untereinander in den Kämpfen führen, alle recht gelungen. Der allseits bekannte Humor, gespickt mit wüsten Beschimpfungen und derben Kraftausdrücken, spiegelt sich hier in so ziemlich allen Situationen wieder. Vielleicht klingt das erst mal banal, ist es jedoch bei genauerem Hinsehen nicht. Serious Sam: Shatterverse wurde nämlich nicht von Croteam entwickelt, sondern erstmals von Behaviour Interactive.
Ein Roguelike-Sam
Kommen wir zum Gameplay, das sich im Vergleich zu den bisherigen Spielen rund um Serious Sam teils deutlich unterscheidet – und sich irgendwie doch vertraut anfühlt. Denn, obwohl zu fünft, tauchen wir in bekannter Manier in weitläufige Areale ein und metzeln gefälligst alles nieder, was uns vor die Schrotflinte kommt. Oder die Gatling. Oder den Raketenwerfer. Oder, oder, oder. Serious Sam: Shatterverse bietet einen enormen Pool an Ballermännern, der sich aus altbekannten und neuen Prachtexemplaren zusammensetzen. Diese wählt ihr über ein Menürad aus. Je nach Situation benötigt ihr diesen Schnellzugriff auch dringend, denn unterschiedliche Gegnertypen erfordern mitunter eine andere Waffengattung, damit diese effizient aus dem Weg geräumt werden können.
Außerdem verfügt ein jeder Sam über einen flinken Dash zum Ausweichen, Sprünge und dem überaus wichtigen Nahkampf. Habt ihr einen Feind in den roten Bereich geballert, dann könnt ihr diesen mittels Nahkampf ausschalten und erhaltet ein paar Hitpoints zurück in die HP-Leiste. Nach einiger Spielzeit wurde uns klar, dass dies die effektivste Möglichkeit ist, um Lebenspunkte zurück zu ergattern, denn Medipacks und Co. sind eher Mangelware.
Zum bekannten Gameplay gesellen sich in Serious Sam: Shatterverse nun erstmals Roguelike-Elemente mit dazu. Im Spiel werdet ihr verschiedene Biome durchqueren, deren Level mit jedem neuen Anlauf generiert werden. Unterwegs sammelt ihr quasi im Vorbeigehen Erfahrungspunkte, die ihr dann in Verbesserungen stecken dürft. Bekanntlich stärkt man damit die Spielfigur in ihren Werten oder pimpt Waffen für mehr Schaden. Nach einem Durchlauf bleiben dann ein paar dieser Fortschritte permanent, die euch den nächsten Durchgang etwas erleichtern. Allerdings sind hier einige Fortschritte wirklich nur marginal, so dass man für eine echte Stärkung schon einige Zeit ins Spiel investieren muss. Gerade beim Spielstart nervt es, wenn man gefühlt kaum bis gar keine Fortschritte erzielt und den nächsten Durchlauf angeht. Erst mit der Zeit eröffnen sich die vielzähligen Möglichkeiten, die man dank der Upgrades erhält. Dann und erst dann kommen auch die unterschiedlichen Sam-Versionen so richtig zur Geltung.
Chaotische Mischung
Sollte unterwegs mal einer eurer Mitspieler das Zeitliche segnen, bekommt ihr einen Warnhinweis mit der Position und ein Zeitfenster für die Wiederbelebung. Bei all der Hektik übersieht man schon mal die Warnung, was für unnötigen Frust sorgen kann. Explosionen, unzählige Gegner auf dem Bildschirm und irgendwo pulsiert der Hinweis, dass eine Sam-Variante kurz vor dem Ableben ist. Das hätte durchaus etwas offensichtlicher gestaltet werden dürfen, immerhin verliert man so unter Umständen nicht nur ein wichtiges Teammitglied, sondern der Rest des Durchlaufs wird auch noch ungleich erschwert.
Überhaupt ist die Darstellung von wichtigen Informationen ein Grundproblem des Spiels. Aufgrund des Chaos‘ ist man mit seiner Aufmerksamkeit oft schon beim nächsten Gegner. Im Getümmel übersieht man dann einfach zu oft, wann die feindliche Lebenspunkteleiste im roten Bereich ist und man zur heilenden Nahkampfattacke ansetzen kann. Im Multiplayer achtet gefühlt niemand auf die Hitpoints und ob man einen erfolgreichen Nahkampf ausführen kann, obliegt dem Zufall.
Fazit
Schlussendlich verschenkt Serious Sam: Shatterverse viel Potential, was als Fan der Reihe ärgerlich ist. Gerade am Anfang mit den ersten Durchläufen kommt nahezu gar kein Gefühl der Progression auf. Und an diesem Punkt wäre es verständlich, wenn viele Spielerinnen und Spieler (vor)schnell die Flinte ins Korn werfen und das Spiel wieder beiseite legen. Im Umkehrschluss belohnt Serious Sam: Shatterverse all diejenigen, die am Ball bleiben und nicht entmutigt aufgeben. Wenn das Upgrade-System mal so richtig angefangen hat, dann steigen Dynamik und Spielspaß ungleich mehr.
Im Grunde aber steht Sam das neue Roguelike schon ziemlich gut, auch wenn es hier und da noch etwas hapert. Die Idee, durch generierte Abschnitte innerhalb unterschiedlicher Biome für Abwechslung zu sorgen, funktioniert allerdings nur bedingt. Der Grund hierfür ist simpel: Es gibt zu wenige Biome.
Bleibt abschließend die Frage, in wie fern sich Shatterverse als Spiel für die Dauer etablieren kann. Die Konkurrenz ist groß und die Einzigartigkeit der Figur Sam ist nahezu das einzige Pfund, was man hier in die Waagschale werfen kann.





