Mistfall Hunter im Test – starkes Extraction-ARPG mit harten Kanten

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    Mit Mistfall Hunter treffen Soulslike-Anleihen auf die Spannung eines PvPvE-Extraction-Spiels. Das düstere Fundament, die Build-Vielfalt und die faire Monetarisierung überzeugen. Freies Zielen ohne Lock-on, offene Balance-Fragen und die derzeit fehlende Solo-Variante der späteren Brandrgarde-Karte bremsen den Start jedoch aus.

    Entwickler Bellring Games und Publisher Skystone Games haben Mistfall Hunter am 29. Juli 2026 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S veröffentlicht. Die Standardedition kostet regulär 24,99 Euro. Auf Xbox und PC ist das Spiel außerdem im Xbox Game Pass Ultimate beziehungsweise PC Game Pass enthalten.

    Wir haben die PS5-Version rund 20 Stunden auf einer PS5 Pro gespielt. Dabei verglichen wir den Performance- und den Qualitätsmodus, testeten vor und nach dem Client-Update vom 30. Juli und waren überwiegend solo unterwegs. Zusätzlich probierten wir die verfügbaren Gruppenkonstellationen über das Matchmaking aus.

    Düstere Welt, dünne Geschichte

    Nach einem verheerenden Krieg zwischen den Göttern und den Äußeren Göttern liegt die Zivilisation in Trümmern. Aus dem vergossenen Blut der Gefallenen entstand der Gyldennebel, der Wahnsinn und Verderbnis über das Land bringt. Die geheimnisvolle Tau erweckt gefallene Krieger zu neuem Leben und schickt sie in die verseuchten Ruinen, um Gyldenblod und wertvolle Beute zu bergen.

    Das reicht als Rahmen für die Jagdzüge, entwickelt sich aber nicht zu einer besonders fesselnden Geschichte. Dafür funktioniert die düstere Atmosphäre: Verfallene Ruinen, dichte Nebelschwaden und eine bedrohliche Beleuchtung geben Mistfall Hunter eine klare Identität. Wer eine tief erzählte Kampagne erwartet, wird enttäuscht. Wer vor allem einen stimmigen Schauplatz für riskante Beutezüge sucht, bekommt genau das.

    Sechs Klassen, viel Build-Tiefe und kein Lock-on

    Im Kern steht ein bewusst langsames Third-Person-Kampfsystem zwischen Stahl und Magie. Sechs Klassen stehen zur Wahl, jede davon beherrscht zwei Waffenhaltungen. Zwischen diesen wechselt ihr mitten im Kampf. Talentbäume, aktive Fähigkeiten und Ausrüstung mit Affix-Edelsteinen eröffnen genügend Raum für eigene Builds.

    Auf dem Gamepad zeigt das System allerdings deutliche Schwächen. Mistfall Hunter setzt auf freies Zielen und verzichtet auf ein Lock-on. Gegen schnelle Gegner oder in unübersichtlichen Mehrkämpfen wird das präzise Ausrichten dadurch unnötig mühsam. Das deckt sich mit unserem Test: Das Zielen fühlte sich auf der PS5 Pro zäh an, die Trefferwirkung könnte mehr Wucht vertragen und auch der Wechsel zwischen den Waffenhaltungen wirkt bisweilen fummelig.

    Auch das Klassenbalancing bleibt in Bewegung. In aktuellen Spielerberichten gelten Fernkämpfer und Magieklassen als besonders stark, während Nahkämpfer Distanzen erst überbrücken müssen und sich dabei größeren Risiken aussetzen. Bellring Games hat bereits mit ersten Anpassungen reagiert. Auch auf eine klassische Sprinttaste verzichtet das Spiel. Das unterstreicht zwar den methodischen Ansatz, lässt längere Wege aber schwerfälliger wirken als nötig.

    Der Extraction-Loop trägt das Spiel

    Seine besten Momente hat Mistfall Hunter, wenn Beute, Zeitdruck und die Gefahr durch andere Spieler zusammenkommen. In den Ruinen sammelt ihr Ausrüstung und Ressourcen, bekämpft korrumpierte Kreaturen und müsst ständig entscheiden, ob ihr weiter plündert oder euren Fund in Sicherheit bringt. Sterbt ihr vor der Extraktion, ist die mitgeführte Beute verloren.

    Der Rückweg ist dabei kein einfacher Menüpunkt. Zunächst müsst ihr einen Wiederkehrer-Waldwicht besiegen und eine Seele der Rückkehr erbeuten. Anschließend aktiviert ihr einen Seelenbaum und öffnet über dessen Glocke den Weg zurück. Dieser Vorgang macht euch verwundbar und zieht leicht die Aufmerksamkeit rivalisierender Gyldenjäger auf sich. Genau in diesen Sekunden entfaltet das Spiel seine größte Spannung.

    Der schrumpfende Nebel verschärft den Druck zusätzlich. Er zwingt die verbliebenen Spieler immer näher zusammen und drängt sie häufig in schmale Korridore. Wartet dort bereits ein vollständiger Trupp, bleibt Solospielern kaum Raum für einen fairen Gegenangriff. Das ist nicht grundsätzlich schlecht – asymmetrische Risiken gehören zum Genre –, führt aber regelmäßig zu frustrierenden Situationen.

    Online lief unsere Testphase sauber. Sowohl solo als auch in den ausprobierten Gruppenkonstellationen über das Matchmaking hatten wir keine Verbindungsabbrüche oder auffälligen Lags. Reine Solospieler sollten trotzdem genau hinsehen: Für Brandrgarde gibt es aktuell weder auf dem normalen noch auf dem Kataklysmus-Schwierigkeitsgrad einen eigenen Solo-Modus. Bellring Games hat dessen Einführung für die Mitte der ersten Saison im September angekündigt.

    PS5-Pro-Technik: im Test stabil, andernorts weiter Baustellen

    Die PS5-Version bietet einen Performance- und einen Qualitätsmodus. Wir haben beide Varianten verglichen, den Großteil der Spielzeit aber im Performance-Modus verbracht. Auf der PS5 Pro blieb das Spiel im Online-Test stabil und gut spielbar. Die von anderen Spielern gemeldeten starken Ruckler konnten wir auf unserer Testhardware nicht reproduzieren.

    Ganz aus der Welt sind die technischen Probleme damit nicht. Bellring Games bestätigte nach dem Start, weiterhin gemeldete Stotter- und Latenzprobleme zu untersuchen. Das Client-Update vom 30. Juli korrigierte unter anderem fehlgeschlagene Wiederverbindungen auf Konsolen sowie mehrere Fehler bei der Controller-Bedienung. Wir spielten vor und nach diesem Update; der Performance-Modus lief in beiden Testphasen stabil.

    Damit gilt unser technisches Urteil ausdrücklich für die PS5 Pro. Wer auf einer Standard-PS5 oder am PC spielt, sollte vor dem Kauf aktuelle Erfahrungsberichte zur jeweiligen Plattform prüfen.

    Fairer Shop, aber ein kostenpflichtiges Grundspiel

    Die Standardedition kostet auf der PS5 regulär 24,99 Euro, die Deluxe Edition 39,99 Euro. Letztere enthält mehrere kosmetische Gegenstände und 2.500 Schicksalsmünzen. Mit der Shop-Währung lassen sich weitere kosmetische Inhalte kaufen. Bezahlte Werteverbesserungen oder andere Pay-to-Win-Vorteile gibt es nicht – ein wichtiger Pluspunkt für ein kompetitives Extraction-Spiel.

    Zum Testzeitpunkt erhalten PlayStation-Plus-Mitglieder bis zum 12. August 2026 zehn Prozent Rabatt und zahlen 22,49 Euro für die Standard- beziehungsweise 35,99 Euro für die Deluxe Edition. Das Grundspiel selbst ist nicht im PlayStation-Plus-Spielekatalog enthalten; für das Online-Spiel auf der Konsole wird ein aktives PlayStation-Plus-Abo benötigt. Im PC Game Pass und Xbox Game Pass Ultimate ist Mistfall Hunter dagegen enthalten.

    Fazit: starker Kern mit klaren Zielgruppen

    Mistfall Hunter hat den schwierigsten Teil bereits geschafft: Der Mix aus methodischem Actionkampf, düsterer Atmosphäre und riskanter Extraktion funktioniert. Besonders die letzten Minuten eines erfolgreichen Beutezugs erzeugen genau die Anspannung, von der das Genre lebt. Die sechs Klassen, zwei Waffenhaltungen pro Figur und umfangreiche Build-Möglichkeiten liefern zudem eine solide Grundlage für langfristige Motivation.

    Die Schwächen sind dennoch deutlich. Das fehlende Lock-on erschwert die Steuerung mit dem Gamepad, und die Trefferwirkung bleibt hinter der wuchtigen Inszenierung zurück. Dazu kommen die aus der Spielerschaft gemeldeten Balancevorteile für Fernkampf- und Magieklassen. Solospieler müssen zusätzlich akzeptieren, dass Brandrgarde erst im Laufe der ersten Saison einen eigenen Solo-Modus erhalten soll. Die offiziell untersuchten Stotter- und Latenzprobleme passen ebenfalls nicht zu einem vollständig ausgereiften Start – auch wenn unsere PS5-Pro-Testphase stabil verlief.

    Wer Extraction-Spiele mag, im Team spielt oder über den Game Pass einsteigt, kann schon jetzt viele gute Stunden mit Mistfall Hunter verbringen. Reine Solospieler und technisch empfindliche PC- oder Standard-PS5-Nutzer sollten dagegen die nächsten Updates abwarten.

    Wertung: 75/100

    Pro und Contra

    Pro

    • Spannender Extraction-Loop mit hohem Risiko und starken Schlussmomenten
    • Sechs Klassen, zwei Waffenhaltungen und vielseitige Build-Möglichkeiten
    • Faire kosmetische Monetarisierung ohne Pay-to-Win
    • Dichte Dark-Fantasy-Atmosphäre
    • Stabiler Performance-Modus auf der PS5 Pro
    • Sauberer Online-Betrieb im Test
    • Im PC Game Pass und Xbox Game Pass Ultimate enthalten

    Contra

    • Kein Lock-on und keine Sprinttaste
    • Zähe Zielsteuerung und schwache Trefferwirkung auf dem Gamepad
    • Teilweise fummeliger Wechsel zwischen Waffenhaltungen
    • Gemeldete Balancevorteile für Fernkampf- und Magieklassen
    • Brandrgarde noch ohne eigenen Solo-Modus
    • Gemeldete Stotter- und Latenzprobleme werden weiter untersucht

    Kurzinfo

    Plattformen PS5, PC, Xbox Series X|S
    Getestete Version PS5 Pro; Performance- und Qualitätsmodus; vor und nach dem Client-Update vom 30. Juli 2026
    Entwickler Bellring Games
    Publisher Skystone Games
    Genre PvPvE-Extraction-ARPG aus der Third-Person-Perspektive
    Veröffentlichung 29. Juli 2026
    Preis 24,99 Euro Standard; 39,99 Euro Deluxe; zeitlich begrenzter PS-Plus-Rabatt bis 12. August 2026
    Abo-Verfügbarkeit PC Game Pass und Xbox Game Pass Ultimate; nicht im PlayStation-Plus-Spielekatalog
    Spielzeit rund 20 Stunden, überwiegend solo
    USK ab 16 Jahren: dunkle Atmosphäre, Gewalt

    Mistfall Hunter wurde Game2Gether vom Publisher für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.