Honkai: Nexus Anima in der Preview: HoYoverse kann auch Monster sammeln

    Monster sammeln, sie entwickeln und anschließend in taktische Teamkämpfe schicken: Auf den ersten Blick bedient Honkai: Nexus Anima einige ziemlich bekannte Ideen. Trotzdem fühlt sich der neue Titel von HoYoverse nicht einfach wie der nächste Versuch an, Pokémon nachzueifern.

    Das liegt vor allem an den Anima selbst, die teilweise herrlich ungewöhnlich gestaltet sind, aber auch am Kampfsystem. Statt den Kreaturen in klassischen Runden einzelne Befehle zu geben, stellt ihr vor jedem Kampf ein vollständiges Team zusammen, positioniert eure Einheiten und versucht, ihre Fähigkeiten möglichst sinnvoll miteinander zu kombinieren.

    Ich durfte Honkai: Nexus Anima bereits im Rahmen des aktuellen Evolution Tests auf PC anspielen. Dabei handelt es sich um eine geschlossene und kostenlose Beta ohne aktive Monetarisierung. Sämtliche Inhalte können sich bis zur Veröffentlichung noch verändern und auch der Spielfortschritt wird nach dem Ende des Tests gelöscht.

    Trotzdem lässt sich schon jetzt ziemlich gut erkennen, wohin die Reise gehen soll. Und um es direkt vorwegzunehmen: Honkai: Nexus Anima hat mich deutlich schneller bekommen, als ich zunächst erwartet hatte.

    Vorab: Vielen Dank an HoYoverse für die Bereitstellung des Keys und die Möglichkeit, bereits während der Beta in euer neues Spiel einzutauchen!

    Story

    Eine Welt voller zerbrochener Verbindungen

    Bevor wir uns mit niedlichen Kuchenwerfern und kleinen Hunden mit Schwertern beschäftigen, wirft uns Honkai: Nexus Anima erst einmal eine ordentliche Portion HoYoverse-Lore entgegen.

    Die Grundlage der Welt bilden die sogenannten Aspects. Dabei handelt es sich um philosophische und wissenschaftliche Konzepte wie Liebe, Hass, Licht, Dunkelheit, Leben oder Tod. In der alten Welt existierten diese Aspects noch als miteinander verbundene Gegenstücke und wurden durch den Nexus zusammengehalten.

    Dann kam es zum sogenannten Sundering. Die bestehenden Verbindungen wurden durchtrennt, der Nexus zerbrach und die Welt wurde in 81 voneinander getrennte Planes aufgespalten.

    Die verbliebene Energie der Aspects verteilte sich über diese neue Welt und manifestierte sich unter anderem in Form der Anima. Die sammelbaren Wesen sind damit nicht einfach nur zufällig aufgetauchte Monster. Sie stehen in direkter Verbindung zu den grundlegenden Konzepten dieser Welt, was sich sowohl in ihren Designs als auch in ihren Persönlichkeiten und Fähigkeiten widerspiegelt.

    Unsere Reise führt uns zunächst nach Iia, einer idyllischen Stadt innerhalb der Plane of Reality. Der Ort wirkt auf den ersten Blick ruhig, freundlich und beinahe schon gemütlich. Hinter den bunten Häusern und entspannten Bewohnern verbirgt sich jedoch eine deutlich größere Geschichte über die zerbrochenen Planes, ihre Herrscher und die Frage, was damals tatsächlich mit dem Nexus geschehen ist.

    Vom ruhigen Erwachen zur Verfolgungsjagd

    Zu Beginn erwacht unsere Hauptfigur ohne klare Erinnerung daran, wer sie eigentlich ist oder wie sie an diesen Ort gelangt ist. Dabei taucht früh der Name Euergetes auf, dessen Bedeutung zunächst ebenso unklar bleibt wie die Vergangenheit des Protagonisten.

    Das Spiel wirft euch jedoch nicht sofort in den großen Weltuntergang. Stattdessen werdet ihr zunächst sehr behutsam an Iia und die grundlegende Steuerung herangeführt.

    Drei kleinere Quests dienen gewissermaßen als längeres Tutorial. Ihr bewegt euch durch die Stadt, lernt erste Bewohner kennen, erledigt überschaubare Aufgaben und bekommt nach und nach erklärt, wie Interaktionen, Erkundung und die Anima funktionieren.

    Dieser Einstieg wirkt zunächst fast schon wie ein entspanntes Cozy Game. Ihr spaziert durch eine wunderschöne Stadt, helft den Bewohnern bei ihren Problemen und lernt das alltägliche Leben in Iia kennen.

    Dann zerbricht die Realität buchstäblich vor euren Augen.

    Die zunächst ruhige Handlung kippt plötzlich deutlich stärker in das, was man von einem Honkai-Spiel erwarten würde. Die Umgebung verändert sich, die Hauptfigur gerät ins Visier unbekannter Gegner und aus dem gemütlichen Stadtrundgang wird eine Verfolgungsjagd.

    Gleichzeitig führt das Spiel seine ersten Gegenspieler ein und deutet an, dass die Vergangenheit der Hauptfigur eng mit dem Sundering und den zerbrochenen Verbindungen der Welt zusammenhängen könnte.

    Dieser Bruch funktioniert überraschend gut. Gerade weil Honkai: Nexus Anima sich zu Beginn so viel Zeit für Iia und seine Bewohner nimmt, wirkt der Moment, in dem die vertraute Realität plötzlich auseinanderfällt, umso stärker.

    Ein wirklich langer Prolog

    Allerdings muss man auch sagen: Der Prolog ist sehr lang.

    Bis sämtliche grundlegenden Systeme erklärt sind und die eigentliche Handlung richtig ins Rollen kommt, vergehen einige Stunden. Neben den ersten kleineren Quests erwarten euch zahlreiche Gespräche, Zwischensequenzen und ausführliche Erklärungen zur Welt.

    Das Spiel möchte nicht nur ein paar Monster verteilen und euch möglichst schnell in die nächste Arena schicken. Es will zunächst erklären, wer die Menschen von Iia sind, wie diese Welt funktioniert und warum die Existenz der Anima überhaupt von Bedeutung ist.

    Mir persönlich hat der Einstieg trotz seiner Länge gut gefallen. Die Geschichte ist schön inszeniert, die Charaktere funktionieren miteinander und Iia ist ein angenehmer Ausgangspunkt für das Abenteuer.

    Gleichzeitig verstehe ich jeden, der irgendwann einfach nur sein Team zusammenstellen und endlich richtig kämpfen möchte. Wer möglichst schnell beim eigentlichen Creature-Collector-Gameplay ankommen will, braucht definitiv Geduld.

    Wer bei HoYoverse-Spielen dagegen gerne Dialoge liest, sich mit der Lore beschäftigt und kein Problem damit hat, wenn sich eine Geschichte viel Zeit für ihren Aufbau nimmt, dürfte sich deutlich schneller zu Hause fühlen.

    Drei Werte beeinflussen eure Gespräche

    Abseits der großen Handlung besitzt die Hauptfigur drei zentrale Charakterwerte, die sich im Laufe des Spiels weiterentwickeln.

    Diese Werte dienen nicht einfach nur als zusätzliche Zahlen im Menü, sondern beeinflussen auch eure Gespräche mit anderen Figuren. Abhängig von ihrer Ausprägung können bestimmte Antworten, Reaktionen oder Gesprächsverläufe verfügbar werden.

    Das erinnert ein wenig an die Social Stats aus Persona. Dort entscheidet beispielsweise das eigene Wissen oder Selbstvertrauen darüber, welche Unterhaltungen und Beziehungen weitergeführt werden können.

    Honkai: Nexus Anima übernimmt dieses Prinzip nicht vollständig, setzt aber eine ähnliche Idee ein: Die Entwicklung der Hauptfigur findet nicht nur über ihre Kampfstärke statt, sondern auch über persönliche Eigenschaften, die sich auf soziale Situationen auswirken.

    Dadurch erhalten Gespräche zumindest teilweise eine spielerische Funktion. Statt Dialoge ausschließlich weiterzuklicken, lohnt es sich, die Werte der eigenen Figur und mögliche Antwortoptionen im Blick zu behalten.

    Wie weitreichend dieses System im fertigen Spiel ausfallen wird, lässt sich anhand der Beta noch nicht abschließend sagen. Die Grundlage gefällt mir aber sehr gut, da sie der Hauptfigur etwas mehr Persönlichkeit und Entwicklung verleiht.

    Quests, bei denen Antworten tatsächlich etwas verändern

    Positiv überrascht haben mich außerdem einige der Nebenquests.

    Neben klassischen Aufgaben, bei denen ihr bestimmte Orte besucht, mit Figuren sprecht oder kleinere Probleme löst, gibt es interaktivere Missionen mit unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten.

    Eure Auswahl kann verändern, wie eine Situation weitergeht oder welches Ergebnis ihr am Ende erreicht. Dabei entstehen zwar keine vollständig neuen Hauptgeschichten, zumindest nicht in dem Umfang, den ich bisher gesehen habe. Dennoch fühlt es sich gut an, wenn eine Antwort mehr auslöst als nur einen leicht veränderten Dialogsatz.

    Einige dieser Quests lassen sich erneut spielen, wodurch ihr andere Entscheidungen und Ausgänge ausprobieren könnt. Das sorgt für zusätzlichen Wiederspielwert und passt überraschend gut zu einem Spiel, das ohnehin stark auf das Sammeln, Kombinieren und Experimentieren ausgelegt ist.

    Gerade zusammen mit den drei Charakterwerten entsteht hier ein System, das auch abseits der Kämpfe unterschiedliche Herangehensweisen belohnt.

    Gameplay

    Erkunden, sammeln und ein eigenes Team aufbauen

    Abseits der Geschichte bewegt ihr euch durch verschiedene Gebiete, erfüllt Aufgaben und begegnet immer wieder neuen Anima.

    Der grundlegende Ablauf ist schnell verstanden: Ihr entdeckt eine neue Kreatur, nehmt sie in eure Sammlung auf, levelt sie und überlegt anschließend, ob sie einen Platz in eurem Team verdient.

    Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele verschiedene Anima zu besitzen. Die Kreaturen übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Kampf.

    Manche Anima eignen sich besser dafür, gegnerische Angriffe abzufangen und das restliche Team zu schützen. Andere verursachen aus sicherer Entfernung Schaden, greifen besonders schnell an oder unterstützen ihre Verbündeten mit zusätzlichen Effekten.

    Dadurch entsteht relativ schnell der bekannte Creature-Collector-Effekt: Eigentlich wollte man nur kurz eine Quest abschließen, plötzlich sitzt man jedoch seit zehn Minuten im Teammenü und überlegt, ob die süße Erdbeer-Kreatur nicht doch besser in die aktuelle Aufstellung passt.

    So funktionieren die Kämpfe

    Die Kämpfe in Honkai: Nexus Anima laufen größtenteils automatisch ab. Das bedeutet allerdings nicht, dass ihr einfach nur euer stärkstes Monster auswählt und anschließend beim Zuschauen einen Kaffee trinken könnt.

    Vor Beginn eines Kampfes stellt ihr mehrere Anima auf einem begrenzten Spielfeld auf. Bereits ihre Position entscheidet darüber, welche Kreatur zuerst angegriffen wird, welche schnell an den Gegner gelangt und welche etwas geschützter im Hintergrund bleiben kann.

    Robustere Anima können beispielsweise weiter vorne stehen und den ersten Ansturm abfangen. Empfindlichere Kreaturen platziert ihr dagegen besser dahinter, damit sie ihre Fähigkeiten einsetzen können, ohne sofort aus dem Kampf genommen zu werden.

    Sobald ihr eure Aufstellung bestätigt habt, beginnen die Anima selbstständig zu kämpfen. Sie suchen sich ihre Ziele, führen normale Angriffe aus und aktivieren ihre jeweiligen Fähigkeiten.

    Ihr entscheidet also nicht wie in einem klassischen rundenbasierten Rollenspiel bei jedem Zug, welche Attacke eine bestimmte Kreatur einsetzen soll. Der Großteil der taktischen Arbeit findet bereits vor dem eigentlichen Kampf statt.

    Ihr müsst erkennen, welche Anima sich gegenseitig ergänzen, welche Positionierung gegen den nächsten Gegner sinnvoll ist und ob euer Team genügend Schaden, Schutz und Unterstützung mitbringt.

    Eine einzelne starke Kreatur kann viel ausmachen. Wenn der Rest des Teams jedoch nicht zu ihr passt oder sie direkt zu Beginn von mehreren Gegnern umzingelt wird, ist der Kampf trotzdem schnell vorbei.

    Planes und Traits bestimmen eure Teamzusammenstellung

    Zusätzlich zu ihren individuellen Fähigkeiten gehören die Anima unterschiedlichen Planes an. Jede dieser Planes ist im Kampfsystem mit einem eigenen Trait verbunden.

    Nehmt ihr mehrere Anima mit, die demselben Trait angehören, entsteht eine zusätzliche Synergie innerhalb eures Teams. Die betreffenden Einheiten erhalten dadurch besondere Effekte oder verstärken sich gegenseitig.

    Das Prinzip erinnert stark an die Traits aus Teamfight Tactics.

    Dort gehören Figuren ebenfalls verschiedenen Gruppen oder Klassen an. Stellt ihr genügend Einheiten derselben Gruppe auf das Feld, wird der entsprechende Trait aktiviert und verleiht eurem Team zusätzliche Vorteile.

    In Honkai: Nexus Anima funktioniert die Grundidee ähnlich. Statt lediglich die Kreaturen mit den höchsten Einzelwerten auszuwählen, müsst ihr überlegen, welche Planes und Traits gemeinsam ein funktionierendes Team ergeben.

    Vielleicht ist ein bestimmtes Anima für sich genommen nicht eure stärkste Einheit. Es kann trotzdem einen Platz im Team verdienen, weil es einen wichtigen Trait aktiviert oder eine bereits vorhandene Synergie verstärkt.

    Dadurch entstehen mehrere Ebenen bei der Teamplanung: die individuelle Fähigkeit eines Anima, seine Rolle auf dem Spielfeld, seine Position und der Trait seiner Plane.

    Genau hier entwickelt das Kampfsystem für mich seinen größten Reiz. Ein Team besteht nicht einfach aus den fünf seltensten oder stärksten Kreaturen. Es muss als Gesamtheit funktionieren.

    Was hat das mit Teamfight Tactics zu tun?

    Quelle: Riot Games / TFT

    Wer Teamfight Tactics kennt, wird das grundlegende Prinzip schnell wiedererkennen. Auch dort stellt ihr verschiedene Einheiten auf einem Spielfeld auf und lasst sie anschließend automatisch gegeneinander kämpfen.

    Der Reiz entsteht nicht dadurch, während des Kampfes permanent Angriffe auszuwählen. Stattdessen trefft ihr die wichtigsten Entscheidungen bereits vorher: Welche Einheiten nehme ich mit? Wo stelle ich sie hin? Welche Traits möchte ich aktivieren? Welche Fähigkeiten funktionieren gemeinsam? Und wie passe ich mein Team an den nächsten Gegner an?

    Ihr benötigt allerdings keinerlei Erfahrung mit Teamfight Tactics, um Honkai: Nexus Anima zu verstehen.

    Die ersten Kämpfe sind einfach genug aufgebaut, um das System schrittweise kennenzulernen. Das Spiel führt neue Mechaniken langsam ein und gibt euch ausreichend Zeit, verschiedene Aufstellungen auszuprobieren.

    Mit der Zeit kommen jedoch immer mehr Anima, Traits, Fähigkeiten und mögliche Kombinationen dazu. Genau dadurch wird aus einem zunächst recht einfachen Auto Battler ein zunehmend taktisches System.

    Nach einer Niederlage hatte ich selten das Gefühl, ausschließlich mehr leveln zu müssen. Oft reicht es bereits, die Positionen zu verändern, einen anderen Trait zu aktivieren oder eine einzelne Kreatur auszutauschen.

    Gerade weil ich selbst sehr gerne Teamfight Tactics spiele, hat mich das System direkt abgeholt. Es bietet genügend Strategie, ohne dass jeder einzelne Kampf direkt in eine halbe Stunde Theoriearbeit ausartet.

    Bis zu drei menschliche Charaktere greifen aktiv ein

    Die menschlichen Charaktere stehen nicht wie eure Anima dauerhaft auf dem Spielfeld. Stattdessen bilden sie eine zusätzliche aktive Ebene innerhalb der Kämpfe.

    Im Verlauf des Spiels könnt ihr bis zu drei menschliche Charaktere gleichzeitig in eure Gruppe aufnehmen. Zu Beginn stehen noch nicht alle Plätze zur Verfügung, die weiteren Positionen werden jedoch relativ früh im Spielverlauf freigeschaltet.

    Jeder dieser Charaktere bringt eine eigene aktive Fähigkeit mit. Diese wird nicht automatisch ausgelöst, sondern kann von euch während des Kampfes gezielt eingesetzt werden.

    Dadurch seid ihr nach dem Start einer Auseinandersetzung nicht vollständig zum Zuschauen verdammt. Ihr beobachtet, wie sich der Kampf entwickelt, und entscheidet selbst, wann die Fähigkeit eines Charakters den größten Unterschied machen könnte.

    Je nach Figur kann eine solche Fähigkeit beispielsweise Gegner unter Druck setzen, Schaden verursachen oder das eigene Anima-Team unterstützen.

    Da ihr bis zu drei Figuren mitnehmen könnt, stehen euch im späteren Verlauf mehrere aktive Eingriffsmöglichkeiten zur Verfügung. Ihr müsst also nicht nur darauf achten, welche Anima und Traits zusammenpassen, sondern auch darauf, welche menschlichen Charaktere eure Strategie am besten ergänzen.

    Ein Team mit vielen offensiven Anima könnte beispielsweise von einer Fähigkeit profitieren, die zusätzliche Unterstützung oder Kontrolle mitbringt. Umgekehrt kann eine aggressive Charakterfähigkeit dabei helfen, einen Kampf schneller zu beenden.

    Die menschlichen Figuren haben dadurch eine klare spielerische Funktion, ohne den Anima ihre eigentliche Hauptrolle wegzunehmen.

    Außerhalb der Kämpfe könnt ihr die freigeschalteten Figuren zudem selbst spielen und mit ihnen durch die Welt laufen. Ein neuer Charakter ist damit nicht nur ein zusätzlicher Knopf während eines Kampfes, sondern auch eine neue Figur für die Erkundung.

    Anima, Entwicklung und Progression

    Mehr als nur niedliche Begleiter

    Das Herzstück des Spiels sind ganz klar die Anima. Und HoYoverse hat sich bei ihren Designs teilweise wirklich ausgetobt.

    Bobabirb gehört beispielsweise zum Aspect der Insatiability und ist ständig auf der Suche nach noch mehr Essen. Cublade ist dagegen ein junger Hund, der eine Klinge aus Knochen auf dem Kopf trägt und trotz seines niedlichen Körpers ziemlich stur sein kann.

    Dann gibt es Scorscythe, dessen Klingen-Schwanz sich in eine Sense verwandelt und dabei seine Farbe von eisigem Blau zu aggressivem Rot wechselt. Deutlich weniger bedrohlich ist Vulberry, dessen Fell an Erdbeercreme erinnert und das seine Zuneigung unter anderem dadurch zeigt, dass es mit Kuchen um sich wirft.

    Mit Camcorgi existiert außerdem ein energiegeladener Kamera-Hund, dessen Fotos aufgrund seiner Begeisterung gerne einmal verwackeln.

    Diese Beispiele zeigen ziemlich gut, wie breit die Designs aufgestellt sind. Es gibt niedliche Tiere, seltsame Fantasiewesen, kleine Kämpfer und deutlich bedrohlichere Kreaturen.

    Natürlich lässt sich bei einem Spiel über sammelbare Monster kaum vermeiden, dass man gelegentlich an Pokémon oder andere Creature Collector denkt. Honkai: Nexus Anima kopiert die bekannten Designs jedoch nicht einfach.

    Viele Anima besitzen eine eigene Persönlichkeit, eine kleine Hintergrundgeschichte und visuelle Details, die direkt mit ihrem jeweiligen Aspect zusammenhängen. Dadurch fühlen sie sich eher wie tatsächliche Bewohner dieser Welt und weniger wie eine bloße Liste bunter Kampfeinheiten.

    Leveln, verstärken und entwickeln

    Gesammelte Anima könnt ihr leveln, verstärken und weiterentwickeln.

    Eine Entwicklung erhöht nicht nur ihre Kampfkraft, sondern verändert auch ihr Erscheinungsbild. Gerade bei besonders niedlichen Anima ist das natürlich gefährlich, denn manchmal möchte man die kleine Version eigentlich einfach behalten.

    Gleichzeitig gehört es zu den motivierendsten Momenten des Spiels, zu sehen, was aus einer Kreatur nach ihrer Entwicklung wird und welche neuen Möglichkeiten sie im Kampf erhält.

    Das Fortschrittssystem erzeugt einen angenehmen Kreislauf. Ihr entdeckt neue Anima, probiert ihre Fähigkeiten aus, levelt vielversprechende Kandidaten und baut anschließend neue Teams um sie herum.

    Durch die Traits kommt eine zusätzliche Ebene hinzu. Ein neues Anima ist nicht nur wegen seiner persönlichen Fähigkeit interessant, sondern kann auch den Zugang zu einer neuen Synergie ermöglichen oder eine bestehende Teamkombination vervollständigen.

    Dabei hatte ich bisher nicht den Eindruck, dass ausschließlich die seltensten Kreaturen interessant sind. Auch kleinere oder zunächst unscheinbare Anima können durch ihre Rolle und ihren Trait gut in eine bestimmte Aufstellung passen.

    Gerade für ein Spiel mit so vielen sammelbaren Wesen ist das wichtig. Wenn am Ende ohnehin nur fünf offensichtlich stärkste Anima relevant wären, würde der größte Teil des Sammelreizes schnell verloren gehen.

    Gacha-System

    Was kann überhaupt gezogen werden?

    Wenig überraschend besitzt auch Honkai: Nexus Anima ein Gacha-System. Schließlich handelt es sich weiterhin um ein Spiel von HoYoverse.

    Über dieses System könnt ihr sowohl neue Anima als auch menschliche Charaktere erhalten. Beide Arten von Ziehungen erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen.

    Die Anima sind eure eigentlichen Einheiten auf dem Spielfeld. Ein neues Anima bringt eine eigene Fähigkeit, eine bestimmte Rolle und die Zugehörigkeit zu einer Plane beziehungsweise einem Trait mit.

    Dadurch kann bereits eine einzelne neue Kreatur eure Teamplanung verändern. Vielleicht ergänzt sie eine vorhandene Strategie, aktiviert einen bisher fehlenden Trait oder ermöglicht eine komplett neue Kombination.

    Die menschlichen Charaktere werden dagegen nicht als normale Einheiten zwischen eure Anima gestellt. Ihr könnt sie außerhalb der Kämpfe aktiv spielen und ihre individuellen Fähigkeiten während einer Auseinandersetzung manuell einsetzen.

    Da ihr maximal drei menschliche Charaktere gleichzeitig ausrüsten könnt, bestimmen sie gewissermaßen euer aktives Fähigkeitenset für den Kampf.

    Ein gezogener Charakter ist damit nicht nur ein alternatives Aussehen für eure Spielfigur. Er kann beeinflussen, wann und wie ihr selbst in eine Auseinandersetzung eingreift und welche Unterstützung euer Anima-Team erhält.

    Grundsätzlich finde ich diese Trennung interessant. Die Anima bilden das taktische Grundgerüst und bestimmen eure Positionierung, Rollen und Traits. Die menschlichen Figuren stellen dagegen die aktiven Fähigkeiten bereit, mit denen ihr während des Kampfes noch einmal selbst eingreifen könnt.

    Neue Figuren bedeuten neue Spielmöglichkeiten

    Durch dieses System erfüllen beide Gacha-Kategorien einen klaren Zweck.

    Bei den Anima zieht ihr neue Bausteine für eure eigentliche Teamkomposition. Jede zusätzliche Kreatur erweitert potenziell die Auswahl an Traits, Rollen und möglichen Synergien.

    Bei den menschlichen Figuren zieht ihr dagegen neue aktive Fähigkeiten und gleichzeitig neue spielbare Charaktere für die Erkundung der Welt.

    Das macht die Ziehungen spielerisch relevanter als ein reines Kostüm- oder Sammelsystem. Gleichzeitig entsteht dadurch aber auch ein potenzielles Problem: Interessante Teamkombinationen oder besonders hilfreiche aktive Fähigkeiten könnten langfristig davon abhängen, ob ihr beim Gacha Glück habt.

    Interessant, aber wirklich notwendig?

    Genau deshalb konnte ich mich während der Beta nicht von dem Gedanken lösen, dass Honkai: Nexus Anima eigentlich kein Gacha-System gebraucht hätte.

    Das Sammeln der Anima macht bereits von selbst Spaß. Die Welt ist darauf ausgelegt, neue Wesen zu entdecken, ihre Fähigkeiten auszuprobieren und ihre Entwicklungen freizuschalten.

    Dazu kommen die Traits, die unterschiedlichen Rollen und das Experimentieren mit verschiedenen Teamkombinationen. Allein diese Systeme bieten bereits genügend Motivation, um immer weiter nach neuen Anima zu suchen.

    Ein klassisches Freischaltsystem über Quests, Erkundung oder besondere Herausforderungen hätte meiner Meinung nach hervorragend zum Aufbau des Spiels gepasst.

    Durch das Gacha entsteht dagegen potenziell eine zusätzliche Einschränkung. Nicht nur bestimmte menschliche Charaktere, sondern möglicherweise auch strategisch interessante Anima könnten langfristig davon abhängig sein, ob man bei einer Ziehung Glück hat.

    Wie problematisch das tatsächlich wird, lässt sich aktuell allerdings nicht seriös beurteilen. Während des Evolution Tests ist keine Monetarisierung aktiv. Entsprechend können weder Preise noch tatsächliche Ziehungsraten oder die langfristige Großzügigkeit des Systems abschließend bewertet werden.

    Das System selbst funktioniert und die verschiedenen möglichen Belohnungen machen Ziehungen interessant. Trotzdem bleibt mein Eindruck: Honkai: Nexus Anima besitzt bereits genügend starke Ideen, um Spieler auch ohne Gacha langfristig zu motivieren.

    Character Design

    Bei den Anima darf es richtig kreativ werden

    Beim Design der Anima zeigt Honkai: Nexus Anima für mich eine seiner größten Stärken.

    Die Kreaturen folgen keinem einheitlichen Schema. Einige sind rund, niedlich und offensichtlich darauf ausgelegt, irgendwann direkt als Plüschtier im Merchandise-Shop zu landen. Andere wirken kantiger, aggressiver oder deutlich abstrakter.

    Besonders gut gefällt mir, dass viele Anima bereits durch ihre Form und Farbgebung eine kleine Geschichte erzählen. Ein Wesen aus dem Bereich Insatiability sieht anders aus als eine Kreatur, die für permanente Eroberung und Konflikt steht.

    Auch ihre Animationen tragen viel dazu bei. Manche Anima hüpfen aufgeregt durch die Welt, andere bewegen sich schwerfällig oder wirken bereits durch ihre Haltung deutlich selbstbewusster.

    Selbst kleinere Kreaturen besitzen dadurch einen überraschend starken Wiedererkennungswert.

    Und ja, natürlich werden Vergleiche mit Pokémon aufkommen. Das ist bei einem Creature Collector praktisch unvermeidbar. Honkai: Nexus Anima schafft es meiner Meinung nach aber, genügend eigene Ideen einzubringen.

    Die Anima fühlen sich nicht wie leicht veränderte Kopien bereits bekannter Monster an. Stattdessen besitzen sie einen eigenen Stil, der gleichzeitig gut in die farbenfrohe Welt von HoYoverse passt.

    Typisch HoYoverse, aber nicht komplett eintönig

    Bei den menschlichen Charakteren erkennt man dagegen sofort, welches Studio hinter dem Spiel steckt.

    Die Figuren sehen hochwertig aus, tragen aufwendig gestaltete Kleidung und besitzen teilweise so viele kleine Accessoires, dass man sich fragt, wie lange das morgendliche Anziehen eigentlich dauert.

    Gesichter, Haare und Körperproportionen entsprechen weitgehend dem bekannten HoYoverse-Stil. Eine vollständige Revolution beim Character Design solltet ihr daher nicht erwarten.

    Trotzdem fand ich die bisherige Besetzung abwechslungsreicher, als ich zunächst vermutet hatte.

    Nanafey ist eine neugierige junge Bewohnerin von Iia, die sich begeistert in neue Abenteuer stürzt. Bai Mei besitzt als aktuelle Novarch of Reality eine deutlich strengere und autoritärere Ausstrahlung.

    Olympia fungiert als kommissarische Leiterin der Iia-Niederlassung des True Nexus Syndicate. Herocrates ist dagegen Vizepräsident der Iia Nexus Association und ein Gelehrter auf dem Gebiet der Animology.

    Die Figuren unterscheiden sich dadurch nicht nur in ihren Farben oder Frisuren, sondern auch in ihren Rollen, Silhouetten und ihrer gesamten Präsentation.

    Auch bei Alter, Geschlecht und Auftreten wirkt die bisherige Auswahl teilweise vielfältiger als in manch anderem HoYoverse-Titel. Neben den erwartbaren jungen Anime-Figuren gibt es auch Charaktere, die etwas reifer, strenger oder weniger verspielt auftreten.

    Man sollte diese Diversität allerdings nicht übertreiben. Viele Figuren sind weiterhin makellos, schlank und auf eine sehr klassische Anime-Ästhetik ausgelegt.

    Wer komplett unterschiedliche Körperformen, besonders ungewöhnliche Gesichter oder radikal neue Designs erwartet, wird sie hier vermutlich nicht finden. Die Menschen sind eben weiterhin sehr typisch HoYoverse.

    Innerhalb dieses bekannten Stils ist die bisherige Auswahl für mich trotzdem ziemlich gelungen. Ich hatte bei mehreren Charakteren direkt Lust, mehr über sie zu erfahren oder sie selbst zu spielen.

    Und genau das ist bei einem Gacha-Spiel natürlich durchaus beabsichtigt.

    Grafik

    Visuell hinterlässt Honkai: Nexus Anima bereits in der Beta einen sehr starken Eindruck.

    Besonders Iia ist wunderschön gestaltet. Die Stadt wirkt nicht nur wie eine hübsche Kulisse für die ersten Quests, sondern besitzt verschiedene Bereiche, Geschäfte und kleine Details, durch die sie tatsächlich bewohnt erscheint.

    Die farbenfrohe Architektur passt hervorragend zu den Anima, ohne dass alles zu überladen wirkt. Gerade in ruhigeren Momenten hatte ich viel Spaß daran, einfach durch die Straßen zu laufen und mir die Umgebung genauer anzusehen.

    Auch die Animationen können überzeugen. Menschliche Charaktere bewegen sich flüssig, Zwischensequenzen sind aufwendig inszeniert und die Anima erhalten zahlreiche kleine Bewegungen, die ihre Persönlichkeit unterstreichen.

    In den Kämpfen fliegen teilweise viele Effekte gleichzeitig über den Bildschirm. Trotzdem konnte ich dem Geschehen meistens gut folgen.

    Das ist gerade bei diesem Kampfsystem wichtig. Schließlich muss man erkennen können, warum eine bestimmte Aufstellung funktioniert oder weshalb das eigene Team plötzlich innerhalb weniger Sekunden auseinanderfällt.

    Technisch handelt es sich noch um eine Beta. Kleinere Fehler, Balancing-Anpassungen und Veränderungen bis zum Release sind daher zu erwarten. Die grundsätzliche visuelle Qualität ist aber bereits jetzt sehr hoch.

    Sound

    Auch der Soundtrack hat mich während meiner bisherigen Spielzeit überzeugt.

    Die Musik in Iia unterstützt die gemütliche und leicht verspielte Atmosphäre der Stadt, während Kämpfe und wichtigere Story-Momente deutlich dynamischer begleitet werden.

    Besonders während des langen Prologs trägt der Sound viel dazu bei, dass sich die zahlreichen Dialoge und Zwischensequenzen nicht trocken anfühlen.

    Die Musik drängt sich selten unangenehm in den Vordergrund, bleibt aber trotzdem im Gedächtnis und unterstützt den starken Kontrast zwischen dem entspannten Beginn und den späteren, deutlich dramatischeren Ereignissen.

    Auch die Fähigkeiten der Anima besitzen passende akustische Rückmeldungen. Angriffe fühlen sich dadurch wirkungsvoller an und selbst kleinere Kreaturen klingen nicht so, als hätten sie alle denselben Effekt aus einer allgemeinen Soundbibliothek erhalten.

    Ob der Soundtrack über die gesamte Spielzeit hinweg genügend Abwechslung bietet, lässt sich anhand der Beta noch nicht abschließend sagen. Der bisherige Eindruck ist allerdings durchweg positiv.

    Fazit

    Honkai: Nexus Anima ist für mich schon jetzt deutlich mehr als „Pokémon von HoYoverse“.

    Die Anima sind kreativ gestaltet, besitzen eigene Persönlichkeiten und erfüllen unterschiedliche Rollen innerhalb des Kampfsystems. Besonders die Mischung aus Sammeln, Entwickeln und taktischem Auto Battler funktioniert überraschend gut.

    Auch ohne Erfahrung mit Teamfight Tactics lässt sich das grundlegende System schnell verstehen: Ihr stellt euer Team zusammen, entscheidet über die Positionen eurer Anima und versucht, durch ihre Planes und Traits sinnvolle Synergien zu aktivieren.

    Anschließend beobachtet ihr, ob eure Strategie aufgeht, könnt über bis zu drei menschliche Charaktere aber weiterhin aktiv in den Kampf eingreifen.

    Dadurch schafft Honkai: Nexus Anima eine angenehme Balance zwischen Vorbereitung und direkter Beteiligung. Ihr müsst nicht jede einzelne Attacke selbst auswählen, seid aber auch nicht vollständig zum Zuschauen verdammt.

    Dazu kommen eine interessante Welt, abwechslungsreiche Quests, drei Charakterwerte mit Einfluss auf Gespräche, hochwertige Animationen und ein sehr guter Soundtrack.

    Der extrem lange Prolog dürfte allerdings nicht jeden Spieler abholen. Auch das Gacha-System hinterlässt bei mir gemischte Gefühle.

    Es ist interessanter aufgebaut, als ich zunächst erwartet hatte, da sowohl neue Anima als auch menschliche Figuren konkrete spielerische Möglichkeiten eröffnen. Gleichzeitig wirkt es aber wie eine Mechanik, die das Spiel gar nicht zwingend gebraucht hätte.

    Vor allem die spätere Monetarisierung wird entscheidend sein. Wenn starke Anima, wichtige Traits oder besonders nützliche Charakterfähigkeiten nur schwer erreichbar sind, könnte das den taktischen Reiz schnell beschädigen.

    Nach meinen bisherigen Eindrücken landet Honkai: Nexus Anima bei einer vorläufigen Wertung von 85 von 100 Punkten, zumindest gemessen innerhalb des Gacha-Genres.

    Bis zur Veröffentlichung kann sich noch einiges verändern. Die Grundlage ist für mich aber bereits jetzt erstaunlich stark.

    Honkai: Nexus Anima kombiniert eine typische HoYoverse-Welt mit einem Creature Collector und einem Kampfsystem, das endlich einmal nicht nur auf bekannte Rollenspielmechaniken setzt.

    Und ganz ehrlich: Ich möchte hauptsächlich wissen, welche absurden Anima sich HoYoverse als Nächstes ausdenkt.

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    Jessi
    Hi, ich bin Jessi! Schon seit meiner Kindheit begleitet mich Gaming und für mich gibt es kaum etwas Schöneres, als in die verschiedensten Welten einzutauchen und die verrücktesten Geschichten zu erleben. Ob Shooter, RPG, Roguelike oder Visual Novel: Vor mir ist kein Genre sicher.