Dead or Alive 6: Last Round im Test: Starkes Prügelspiel, aber ein überflüssiges Upgrade

    Quelle: Koei Tecmo

    Mit Dead or Alive 6 lieferte Team Ninja 2019 einen durchaus gelungenen Vertreter des Fighting-Genres ab. Schnelle Kämpfe, leicht zugängliche Mechaniken und das bekannte Kontersystem sorgten dafür, dass sich der Titel trotz starker Konkurrenz behaupten konnte. Umso überraschender wirkt nun die Veröffentlichung von Dead or Alive 6: Last Round. Denn statt einer echten Neuauflage oder einer umfangreichen Definitive Edition erhält man hier im Grunde exakt dasselbe Spiel, lediglich mit einigen kleinen Ergänzungen und einer Handvoll zusätzlicher Inhalte. Die große Frage lautet deshalb von Beginn an: Warum existiert Dead or Alive 6: Last Round überhaupt?

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    Für Spieler, die Dead or Alive 6 bislang ausgelassen haben, ist Last Round zweifellos die beste Möglichkeit, in den Titel einzusteigen. Bereits im Grundpaket befinden sich fünf ehemals kostenpflichtige DLC-Charaktere, wodurch der Kämpferkader nun auf insgesamt 29 Figuren anwächst. Mit Nyotengu, Phase 4, Momiji, Rachel und Tamaki stehen beliebte Veteranen und Fanlieblinge sofort zur Verfügung. Lediglich die Gastkämpferinnen Mai Shiranui und Kula Diamond aus The King of Fighters müssen weiterhin separat erworben werden. Auch bereits gekaufte DLC-Kostüme und Spielstände lassen sich problemlos aus der ursprünglichen Version übernehmen. Wer also bereits viele Stunden in Dead or Alive 6 investiert hat, kann nahtlos weiterspielen.

    Zum Glück musste Team Ninja am eigentlichen Gameplay kaum etwas verändern. Dead or Alive 6 gehört nach wie vor zu den zugänglichsten Vertretern des Genres. Mit lediglich vier Grundaktionen Schlag, Tritt, Wurf und Konter, finden auch Einsteiger schnell ihren Rhythmus. Gleichzeitig steckt hinter diesem simplen Aufbau ein überraschend tiefes Kampfsystem. Vor allem das berühmte Konterprinzip sorgt dafür, dass jeder Angriff sofort bestraft werden kann, wenn der Gegner die richtige Antwort parat hat. Ergänzt wird das Ganze durch die bereits aus dem Hauptspiel bekannten Break Blows, Break Holds und Fatal Rushes. Diese Spezialtechniken ermöglichen spektakuläre Wendungen im Kampf und sorgen dafür, dass selbst aussichtslos wirkende Situationen noch gedreht werden können. Das hohe Spieltempo und die flüssigen Animationen sorgen dafür, dass jeder Kampf dynamisch bleibt. Gerade im direkten Duell entwickelt Dead or Alive 6 nach wie vor einen hervorragenden Spielfluss.

    Arenen bleiben spektakulär

    Auch die interaktiven Arenen gehören weiterhin zu den größten Stärken der Serie. Kämpfer werden durch Wände geschleudert, brechen durch Böden oder lösen aufwendig inszenierte Zwischensequenzen aus, wenn sie an bestimmten Stellen getroffen werden. Diese cineastischen Momente verleihen den Kämpfen zusätzliche Wucht und sorgen regelmäßig für spektakuläre Höhepunkte. Leider gibt es allerdings keine neuen Arenen. Sämtliche Schauplätze stammen unverändert aus der ursprünglichen Version von 2019. Wer lieber alleine spielt, erhält weiterhin eine solide Auswahl verschiedener Spielmodi. Neben Arcade, Survival, Time Attack, Combo Challenge und umfangreichen Trainingsmöglichkeiten kehrt auch der DOA Quest-Modus zurück. Dieser gehört nach wie vor zu den unterhaltsamsten Solo-Inhalten des Spiels. Hier warten zahlreiche kleine Herausforderungen mit unterschiedlichen Missionszielen, deren Abschluss neue Kostüme und Spielwährung freischaltet. Weniger gelungen bleibt dagegen der Story-Modus. Die Handlung wirkt weiterhin völlig zerstückelt, teilweise unfreiwillig komisch und schafft es kaum, die zahlreichen Figuren sinnvoll miteinander zu verbinden. Wer die Geschichte bereits kennt, wird kaum einen Grund finden, sie erneut zu erleben.

    Online weiterhin überraschend mager

    Auch im Mehrspielerbereich bleibt nahezu alles beim Alten. Ranglistenkämpfe und Lobby-Matches bilden das Herzstück des Online-Modus. Darüber hinaus gibt es allerdings kaum zusätzliche Inhalte oder moderne Komfortfunktionen. Gerade im Vergleich zu aktuellen Genregrößen wie Tekken 8, Street Fighter 6 oder Mortal Kombat 1 wirkt das Angebot mittlerweile deutlich veraltet. Zusätzliche Modi, saisonale Inhalte oder umfangreichere Online-Funktionen sucht man weiterhin vergeblich. Die eigentlichen Neuerungen von Last Round fallen ausgesprochen überschaubar aus.

    Neben einigen neuen Kostümen für ausgewählte Charaktere wurde lediglich ein Fotomodus integriert. Dieser erlaubt es, die Kämpfer in verschiedenen Posen und Perspektiven festzuhalten. Zwar ist der Fotomodus ordentlich umgesetzt, rechtfertigt allein jedoch kaum eine komplette Neuveröffentlichung. Gleiches gilt für die minimal überarbeitete Grafik. Die Charaktermodelle wirken etwas sauberer und einige Effekte wurden leicht verbessert, doch im normalen Spielbetrieb sind die Unterschiede kaum wahrnehmbar. Wer bereits die ursprüngliche Version besitzt, wird praktisch keine spielerischen Veränderungen feststellen.

    Die Konkurrenz entwickelt sich weiter

    Genau hier liegt das größte Problem von Dead or Alive 6: Last Round. Während Reihen wie Tekken, Street Fighter oder Mortal Kombat ihre Spielmodi kontinuierlich erweitern, ihre Geschichten ausbauen und neue Ideen ausprobieren, tritt Dead or Alive seit Jahren auf der Stelle. Das eigentliche Kampfsystem gehört zwar weiterhin zu den besten seiner Art, doch rundherum fehlt es an Innovationen. Gerade nach dem Weggang von Serienvater Tomonobu Itagaki scheint Team Ninja Schwierigkeiten zu haben, der Reihe eine klare neue Richtung zu geben. Mit Projekten wie Virtua Fighter Crossroads steht zudem bereits die nächste starke Konkurrenz in den Startlöchern, wodurch der Druck auf ein mögliches Dead or Alive 7 weiter wächst.

    Fazit

    Dead or Alive 6: Last Round bleibt auch Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ein hervorragendes Fighting Game. Das zugängliche, aber dennoch tiefgründige Kampfsystem, die spektakulären Arenen und der große Charakterkader sorgen weiterhin für schnelle und spaßige Prügeleien. Als Neuauflage wirkt Last Round allerdings erstaunlich ideenlos. Die wenigen grafischen Verbesserungen, der Fotomodus und einige zusätzliche Charaktere reichen kaum aus, um Besitzern der Originalversion einen erneuten Kauf schmackhaft zu machen. Wer Dead or Alive 6 bereits besitzt, kann diese Version guten Gewissens auslassen. Neueinsteiger erhalten dagegen das bislang vollständigste Gesamtpaket der Reihe und einen der unterhaltsamsten 3D-Prügler der letzten Jahre.