Gothic 1 Remake – Test / Review

    Es gibt wieder volles Pfund aufs Maul. Im Gothic 1 Remake können Spieler erneut die Geschichte des gleichnamigen Klassikers von 2001 erleben. Wir haben uns angeschaut, was das Remake verbessert hat, und verraten euch, ob die Entwickler hier von Innos gesegnet wurden oder ob sie vielleicht etwas zu viel Sumpfkraut geraucht haben.

    Story

    Auch wenn die Vorlage schon rund 25 Jahre alt ist, möchten wir in puncto Story möglichst spoilerfrei bleiben. In Gothic schlüpfen wir in die Rolle des namenlosen Helden, der für nicht näher genannte Verbrechen in das Minental auf der Insel Khorinis im Königreich Myrtana verbannt wird.

    Das Tal wird seit einem Zwischenfall von einer magischen Barriere umschlossen, die nichts mehr herauslässt. Innerhalb der Barriere haben die Gefangenen das Sagen und sich in verschiedenen Gruppierungen zusammengeschlossen.

    Unsere Reise beginnt zunächst einfach: Wir sollen ein Dokument zu den Feuermagiern im Alten Lager bringen und natürlich suchen wir auch nach einem Weg aus dem Tal. Unser Botengang erweist sich jedoch als alles andere als einfach, denn zunächst vertraut uns niemand. Um Anerkennung zu finden, müssen wir uns einem der drei Lager anschließen – dem Alten Lager, dem Neuen Lager oder dem Sumpflager. Diese verfolgen jeweils ihre eigenen Ziele für das Leben innerhalb der magischen Kuppel – und natürlich für die Flucht aus ihr.

    Auf unserer Reise stoßen wir nach und nach auf ein Geheimnis, das nicht nur die Gefangenen, sondern ganz Myrtana bedroht. Und es liegt an uns, diese Bedrohung aufzuhalten.

    Abseits der rund 30 Stunden langen Hauptgeschichte können wir auch einige Nebenmissionen abschließen und die Strafkolonie frei erkunden. Wer alles sehen und erleben will, kann rund 50 bis 60 Stunden einplanen.

    Gameplay

    Eins vorweg: Anders als in vielen modernen RPGs gibt es in Gothic zu Beginn keine Individualisierungsmöglichkeiten. Unser namenloser Held sieht bei allen gleich aus. Das ist jedoch nicht weiter schlimm, da die Entwickler den Look des ikonischen Helden perfekt eingefangen haben.

    Nach einer kurzen Intro-Sequenz, bei der wir durch die Barriere in die Kolonie geworfen und gleich zur Begrüßung von einer Gruppe zusammengeschlagen werden, kommen wir in Kontakt mit Diego, der uns den Weg ins Alte Lager weist. Auf dem Weg dorthin können wir unsere erste Waffe finden und die Grundlagen des Kämpfens lernen.

    Und das ist trotz modernisierter Systeme besonders zu Beginn genauso knackig wie früher. Denn zu Beginn kann unser Charakter kaum mit dem Schwert umgehen und muss den Umgang damit erst bei verschiedenen Ausbildern in den Lagern lernen. Die Kämpfe fühlen sich dabei jedoch von Anfang an wuchtig an und Duelle können bereits durch wenige erfolgreiche Treffer entschieden werden. Kämpfe gegen größere Gruppen können hingegen schnell zum Tod führen.

    Das Kampfsystem ist sperrig. Zwar kann man auf verschiedene leichte und schwere Schläge zurückgreifen sowie blocken, ausweichen oder durch entsprechendes Skillen auch wegrollen – das Ganze ist jedoch nicht so elegant wie in anderen Spielen und fühlt sich immer etwas klobig an. Im Nahkampf stehen euch neben euren Fäusten verschiedene Waffen wie Keulen, Schwerter oder Äxte zur Auswahl und im Fernkampf könnt ihr entweder auf Bogen, Armbrust oder Magie zurückgreifen. Letztere muss jedoch erst freigeschaltet werden.

    Seid ihr jedoch ein paar Stufen aufgestiegen, habt eure Punkte etwa in die Ausbildung eures Stärkewerts investiert und entsprechende Ausrüstung aus eurem Lager erhalten, werden die Kämpfe zunehmend leichter, bis sich das Spiel im Endgame zu einer regelrechten Power Fantasy entwickelt, in der ihr einfache Gegner mühelos überrollt.

    Das hat auch Auswirkungen auf die Kampfanimationen: Während der ungeübte Held seinen Zweihänder eher schwerfällig hält und nur mühsam Schläge austeilen kann, kämpft ein geübter Charakter deutlich flüssiger und führt die Waffe wesentlich sicherer. Wer euch was beibringen kann und wie nützlich ein Skill tatsächlich ist, verrät euch das Spiel allerdings nicht.

    Gerade zu Beginn sind Kämpfe gegen Wildtiere, wie dieser Waran, eine kleine Herausforderung. Vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden.

    Auf sich allein gestellt

    Generell nimmt euch das Spiel sehr wenig an die Hand – und das unabhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad. Das zeigt sich auch am Questdesign, denn hier ist es wichtig, bei Unterhaltungen genau zuzuhören, damit ihr wisst, wohin ihr als Nächstes gehen müsst. Denn anders als in anderen Genrevertretern gibt es hier keine Questmarker oder interaktive Minimap.

    Die Karte, die ihr im Spiel erwerben könnt, ist ebenfalls nur bedingt hilfreich, da hier ebenfalls nichts eingezeichnet ist. Ab und zu bekommt ihr jedoch ergänzende Karten durch Quests, die zusätzliche Markierungen hinzufügen. Das Spiel verlässt sich darauf, dass ihr euch Orte und ihre Bewohner einprägt.

    Als jemand, der zwar mit Gothic groß geworden ist, jedoch durch die Komfortfunktionen moderner Spiele verwöhnt wurde, war diese Umstellung zunächst ungewohnt. Man findet sich jedoch schnell hinein und dieser Old-School Questaufbau sorgt dafür, dass man sich intensiver mit der Welt auseinandersetzt.

    Die NPCs fungieren dadurch auch weniger als Mittel zum Fortführen der Quest, sondern als lebendiger Teil der Welt. Sie sind in einem gewissen Grad autark, haben kleinere Tagesabläufe und kommentieren das Geschehen um sie herum oder die Konversationen, die wir in ihrer Nähe führen. Leider gibt es hier und da beim Verhalten noch einige Bugs und auch bei den Kommentaren verwechseln die Koloniebewohner des Öfteren die englische und deutsche Sprache.

    Generell sind die Welt und ihre Bewohner das klare Kernelement und Highlight des Spiels. Das überarbeitete Minental glänzt mit viel Liebe zum Detail und schafft es, Gothic 1 in ein modernes Gewand zu hüllen, ohne dabei seine Wurzeln zu verlieren. Die Spielwelt steckt voller Details, Easter Eggs und Loot, den es zu entdecken gilt.

    Neben den wesentlichen Neuerungen in puncto Grafik und Kampfsystem, wurde auch das Schlösserknacken um ein Minigame erweitert. Hier müsst ihr zum Teil recht knackige Schieberätsel lösen, um das Schloss zu öffnen. Diese können jedoch durch das Erlernen entsprechender Fähigkeiten vereinfacht werden.

    Das Spiel mit Licht und Schatten gehört zu den grafischen Highlights des Remakes, wie hier im Sumpfgebiet.

    Ton & Technik

    Die gelungene Spielwelt wird in der Unreal Engine 5 präsentiert und kann mit einer dichten Atmosphäre, vielen Details und gutem Leveldesign überzeugen. Besonders die Licht- und Wettereffekte haben uns überzeugt. Wenn man etwa in die Sümpfe aufbricht, dringen nur noch vereinzelte Lichtstrahlen durch das dichte Blätterdach und nachts wird die Umgebung durch die schwere Luft nur spärlich vom Schein der Laternen erhellt.

    Technisch legte das Gothic 1 Remake jedoch einen eher holprigen Start hin. Spieler beklagten sich über Abstürze und Performance-Probleme und auch wir hatten während unseres Tests immer wieder mit Framerate-Einbrüchen, Pathfinding-Problemen und einigen Abstürzen zu kämpfen. Einige dieser Fehler wurden jedoch bereits durch erste Patches behoben. Bis das Spiel vollständig rund läuft, ist allerdings noch etwas Feinschliff notwendig.

    Bei der Vertonung gibt es gute Nachrichten für Fans des Originals, denn viele der alten Sprecher sind für das Remake zurückgekehrt und haben ihren Charakteren erneut ihre Stimmen geliehen – allen voran Christian Wewerka, der erneut den namenlosen Helden spricht.

    Das Spiel wurde auf Deutsch, Englisch, Russisch und Polnisch vertont und verfügt darüber hinaus über Textübersetzungen in insgesamt zehn Sprachen.

    Die detailreiche Welt des Minentals setzt moderate Hardware voraus und auf dem PC sollte man folgende Voraussetzungen erfüllen:

    Mindestanforderungen

    • Betriebssystem: Windows 10/11
    • Prozessor: Intel Core i7-7700K, AMD Ryzen 5 1600X
    • Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA GeForce RTX 2070, AMD Radeon RX 6700XT
    • Speicherplatz: 60 GB verfügbarer Speicherplatz

    Empfohlene Systemanforderungen

    • Betriebssystem: Windows 10/11
    • Prozessor: Intel Core i7-7700K, AMD Ryzen 5 3600X
    • Arbeitsspeicher: 32 GB RAM
    • Grafik: NVIDIA GeForce RTX 3070Ti, AMD Radeon RX 6800XT
    • Speicherplatz: 60 GB verfügbarer Speicherplatz

    Getestet wurde das Spiel sowohl auf dem PC als auch auf dem Steam Deck. Während das Spiel auf dem PC bereits jetzt – abgesehen von den oben genannten Performance-Problemen – überwiegend rund läuft, ist Gothic auf dem Steam Deck bislang noch eine eher holprige Angelegenheit, was angesichts der Hardware-Anforderungen nicht verwunderlich ist.

    Auf den niedrigsten Einstellungen erreicht man hier vor allem in den Lagern nur rund 20 bis 25 FPS. Handheld-Spieler sollten daher besser noch etwas warten oder auf Alternativen wie Streaming über GeForce Now zurückgreifen.

    Neben der Grafik und dem überarbeiteten Kampfsystem gehört auch das Schlösserknacken-Minigame zu den großen Neuerungen im Gothic 1 Remake.

    Fazit

    Mit dem Gothic 1 Remake ist den Entwicklern ein schwieriger Spagat gelungen: Einerseits bleibt das Spiel den Stärken des Originals treu – der dichten Atmosphäre, der glaubwürdigen Welt und dem Gefühl, sich seinen Platz in der Kolonie wirklich erarbeiten zu müssen. Andererseits wurden Steuerung, Präsentation und viele Systeme sinnvoll modernisiert, ohne dabei den rauen Charakter des Klassikers zu verlieren.

    Dabei ist das Remake kein Spiel, das jedem gefallen wird. Das sperrige Kampfsystem, die geringe Hilfestellung und die teilweise noch vorhandenen technischen Probleme verlangen Geduld und Frusttoleranz. Wer jedoch bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt ein Rollenspiel, das sich angenehm von modernen Genrekonventionen abhebt und seine Spieler wieder stärker zum Entdecken und Zuhören auffordert.

    Kurz gesagt: Die Entwickler wurden nicht nur von Innos erhört – sie haben verstanden, warum Gothic bis heute einen so besonderen Platz bei vielen Rollenspielfans einnimmt.

    Gothic 1 Remake ist seit dem 5. Juni 2026 für PC, PS5 und Xbox Series S/X erhältlich. Neugierig? Anbei haben wir auch den aktuellen Trailer für euch:

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    Mehr Informationen

    Bildquelle: Alkimia Interactive, THQ Nordic

    Das Testmuster wurde Game2gether von Lootbar.com zur Verfügung gestellt. Wer nach dem Text direkt in die düstere Fantasywelt aufbrechen will, bekommt das Gothic 1 Remake dort derzeit günstiger als zum regulären Vollpreis.

    Hier gibt es das Gothic 1 Remake direkt bei Lootbar.com zu kaufen.

    Dennis Witzmann
    Seit meiner Jugend bin ich begeisterter Spieler. Ob PC oder Konsolen, ich bin überall Zuhause. Doch in den Bereichen MMO und JRPG findet man mich am meisten.