Marathon im Test: Anspruchsvoller Extraction-Shooter mit überraschend viel Tiefe

    Quelle: Bungie

    Rund um den Release von Marathon wurde im Vorfeld viel diskutiert. Für manche entspricht das Spiel nicht dem, was sie sich von Bungie wünschen, andere vermissen den Geist früherer Halo-Zeiten. Doch wenn man all diese Stimmen einmal ausblendet, zeigt sich schnell: Marathon ist ein mutiger und eigenständiger Schritt für das Studio. Ein Spiel, das nicht sofort jeden abholt, aber mit der Zeit immer mehr überzeugt. Genau das zieht sich wie ein roter Faden durch die Erfahrung. Der Einstieg ist bereits gut, teilweise sogar sehr stark, doch je tiefer man eintaucht, desto mehr offenbart sich, wie durchdacht und komplex dieses Spiel eigentlich ist. Marathon verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft, belohnt diese aber mit einem der intensivsten Multiplayer-Erlebnisse der letzten Jahre.

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    Eine starke Sci-Fi-Prämisse ohne klassische Kampagne

    Die Ausgangssituation ist klassisch Bungie: Vor über hundert Jahren verschwand das Kolonieschiff UESC Marathon spurlos auf dem Weg nach Tau Ceti IV. Erst ein plötzliches Notsignal bringt Bewegung in die Sache. Megakonzerne schicken sogenannte Runner los, digitalisierte Bewusstseine in künstlichen Körpern, um Ressourcen zu bergen und das Geheimnis der Kolonie zu lüften. Die Geschichte wird dabei nicht über eine klassische Kampagne erzählt, sondern entfaltet sich über Umgebungsdesign, Codex-Einträge und Dialoge mit KI-Fraktionen. Das erinnert stark an Destiny und funktioniert auch hier erstaunlich gut. Wer sich darauf einlässt, entdeckt nach und nach eine komplexe Welt voller Intrigen, technologischer Abgründe und mysteriöser Ereignisse. Zwar fehlt eine echte Singleplayer-Erfahrung, doch im Vergleich zu vielen anderen Multiplayer-Titeln bietet Marathon deutlich mehr erzählerische Tiefe. Dass man sich mehr davon wünscht, spricht eher für die Qualität der Welt als dagegen.

    Klassischer Extraction-Loop mit überraschender Spannung

    Spielerisch setzt Marathon auf das bekannte Extraction-Prinzip: Man landet /*auf einer Karte, sammelt Ausrüstung, erfüllt Aufträge und versucht anschließend zu entkommen. Stirbt man, ist alles verloren. Gelingt die Flucht, wird man stärker und besser vorbereitet für den nächsten Run.Was diesen Loop so besonders macht, ist die Konsequenz. Jeder Einsatz fühlt sich bedeutungsvoll an. Jede Entscheidung kann darüber entscheiden, ob man erfolgreich extrahiert oder alles verliert. Dieses permanente Risiko sorgt für eine konstante Grundspannung, die sich deutlich von klassischen Shootern unterscheidet. Die Maps gehören zu den größten Stärken des Spiels. Sie sind nicht nur optisch abwechslungsreich, sondern auch clever designt. Überall gibt es versteckte Wege, alternative Routen, verschlossene Räume und geheime Abkürzungen. Selbst nach vielen Stunden entdeckt man noch neue Details. Das sorgt für eine enorme Langzeitmotivation. Gleichzeitig sind die Karten kompakt genug, um keine unnötigen Leerläufe zu erzeugen. Jede Runde bleibt dynamisch und intensiv. Besonders gelungen ist, wie vertikal die Maps aufgebaut sind. Kämpfe finden nicht nur auf einer Ebene statt, sondern oft über mehrere Höhen hinweg. Das eröffnet zusätzliche taktische Möglichkeiten und sorgt für abwechslungsreiche Gefechte.

     

    Hoher Schwierigkeitsgrad als bewusste Designentscheidung

    Marathon ist kein Spiel für zwischendurch. Die Time-to-Kill ist niedrig, Gegner reagieren schnell und Fehler werden hart bestraft. Gleichzeitig ist auch die KI überraschend aggressiv und zwingt Spieler dazu, strategisch zu agieren. Diese Kombination aus PvE und PvP erzeugt eine ständige Anspannung. Man ist nie wirklich sicher. Selbst wenn keine Spieler in der Nähe sind, kann die Umgebung jederzeit zur Bedrohung werden. Das macht das Spiel fordernd, aber auch unglaublich belohnend. Jeder erfolgreiche Run fühlt sich verdient an. In Sachen Gameplay liefert Bungie einmal mehr ab. Die Waffen fühlen sich präzise, wuchtig und abwechslungsreich an. Jede Waffe hat ihren eigenen Charakter und lässt sich durch Modifikationen weiter individualisieren. Besonders das Trefferfeedback überzeugt. Jeder Schuss hat Gewicht, jede Eliminierung fühlt sich befriedigend an. Unterstützt wird das Ganze durch ein starkes Sounddesign und exzellente Controller-Features. Hier zeigt sich die Erfahrung des Studios deutlich. Marathon gehört spielerisch zu den besten Shootern seiner Art.

    Build-Crafting sorgt für Langzeitmotivation

    Der eigentliche Kern des Spiels liegt im Build-Crafting. Spieler wählen verschiedene Runner-Shells mit individuellen Fähigkeiten und passen diese durch Mods, Perks und Ausrüstung weiter an. Das System ist komplex, aber genau darin liegt seine Stärke. Mit der Zeit entwickelt man ein besseres Verständnis dafür, welche Kombinationen funktionieren und wie man seinen Spielstil optimiert. Besonders interessant ist, dass es keine klassischen stärkeren Waffen gibt. Stattdessen werden bestehende Waffen verbessert und angepasst. Das sorgt für mehr Individualität und verhindert, dass sich das Spiel nur um Loot-Raritäten dreht. Marathon funktioniert sowohl alleine als auch im Team hervorragend. Im Koop steht die Zusammenarbeit im Vordergrund, während Solo-Runs eine deutlich intensivere und vorsichtigere Spielweise erfordern. Alleine unterwegs zu sein, verstärkt die Spannung enorm. Man muss jede Bewegung abwägen und ständig auf Geräusche achten. Diese Momente gehören zu den intensivsten Erfahrungen, die das Spiel bietet.

    Der Grind als zentrales Element

    Ein großer Bestandteil von Marathon ist der Fortschritt über Fraktionen. Spieler erfüllen Aufträge, sammeln Ressourcen und schalten neue Ausrüstung frei. Jede Fraktion bietet dabei eigene Vorteile und Spielstile. Das sorgt für langfristige Motivation, kann aber auch abschreckend wirken. Marathon ist kein Spiel, das man nebenbei spielt. Es verlangt Zeit und Engagement. Wer sich darauf einlässt, wird jedoch mit einem sehr befriedigenden Fortschrittssystem belohnt. Mit dem Cryo Archive bietet Marathon ein starkes Endgame. Diese spezielle Zone stellt besonders hohe Anforderungen an Spieler und belohnt sie mit wertvoller Ausrüstung. Hier zeigt sich das volle Potenzial des Spiels. Taktik, Vorbereitung und Teamplay sind entscheidend. Jeder Fehler kann das Ende eines Runs bedeuten. Dieses System verleiht dem Spiel eine klare langfristige Zielstruktur. Optisch hebt sich Marathon deutlich von vielen Genre-Konkurrenten ab. Statt realistischer Militärästhetik setzt das Spiel auf einen stilisierten, farbenfrohen Look. Auch technisch überzeugt das Spiel. Die Performance ist stabil, Ladezeiten sind kurz und die Darstellung bleibt selbst in hektischen Gefechten sauber.

    Fazit

    Marathon ist ein anspruchsvoller, aber unglaublich lohnender Extraction-Shooter. Er richtet sich klar an Spieler, die bereit sind, Zeit zu investieren und sich intensiv mit den Systemen auseinanderzusetzen. Mit starkem Gunplay, tiefgehenden Mechaniken und einer faszinierenden Spielwelt bietet Marathon eine Erfahrung, die sich deutlich von der Konkurrenz abhebt. Wer dranbleibt, wird mit einem der spannendsten Multiplayer-Spiele der letzten Jahre belohnt.