Tales of Berseria Remastered im Test: Eine starke Story trägt das Abenteuer

    Quelle: Bandai Namco

    Mit Tales of Berseria Remastered erscheint eine Neuauflage eines JRPGs, das bereits bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung einen besonderen Ruf genoss. Während viele Rollenspiele vor allem durch ihre Spielmechanik oder ihre offene Welt glänzen, war Berseria schon immer ein Titel, der vor allem durch seine Geschichte und seine Figuren in Erinnerung blieb. Genau darin liegt allerdings auch die Herausforderung dieser Remaster-Version. Eine Neuauflage eines bereits bekannten Spiels steht immer vor der gleichen Frage: Was rechtfertigt ihre Existenz? Idealerweise bietet ein Remaster technische Verbesserungen, modernisiert das Gameplay oder erweitert bestehende Inhalte. Bei Tales of Berseria Remastered zeigt sich jedoch relativ schnell, dass die Entwickler einen eher vorsichtigen Ansatz gewählt haben. Die meisten Systeme bleiben nahezu unverändert. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Spiel an Qualität verloren hat. Vielmehr bleibt das Abenteuer das, was es schon immer war: ein stark erzähltes JRPG, dessen größte Stärke eindeutig im narrativen Bereich liegt.

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    Eine Spielwelt mit begrenzter Vielfalt

    Wer sich auf die Reise durch die Welt von Tales of Berseria begibt, wird schnell feststellen, dass die Erkundung nicht unbedingt zu den stärksten Aspekten des Spiels gehört. Gerade die Dungeons wirken häufig monoton gestaltet und gehören nicht zu den abwechslungsreichsten Beispielen des Genres. Viele Abschnitte bestehen aus langen Korridoren oder relativ schlichten Arealen, die sich optisch stark ähneln. Während andere JRPGs versuchen, ihre Spielwelt mit markanten Orten und abwechslungsreichen Umgebungen lebendig wirken zu lassen, wirkt Berseria in dieser Hinsicht oft zurückhaltender. Auch das Leveldesign folgt einem relativ klassischen Aufbau. Spieler bewegen sich von Abschnitt zu Abschnitt, aktivieren Schalter oder öffnen neue Wege, ohne dass dabei besonders komplexe Rätsel entstehen. Zwar gibt es Puzzle-Elemente, doch diese fallen meist so simpel aus, dass sie kaum eine echte Herausforderung darstellen. Hinzu kommt ein relativ hoher Anteil an Backtracking. Viele Quests führen Spieler zurück in bereits besuchte Gebiete, wodurch man bekannte Orte mehrfach durchqueren muss. Dieser Aufbau vermittelt gelegentlich den Eindruck eines Spiels, das seine vorhandenen Inhalte mehrfach nutzt, um die Spielzeit zu verlängern.

    Das Kampfsystem zwischen Dynamik und Einfachheit

    Auch das Kampfsystem kann diese Schwächen nur teilweise ausgleichen. Grundsätzlich orientiert sich Berseria an der dynamischen Actionstruktur moderner Tales-Spiele und erlaubt es Spielern, relativ frei mit Angriffskombinationen zu experimentieren. Spieler können unterschiedliche Fähigkeiten miteinander verbinden und individuelle Kombo-Ketten erstellen. Dieses System sorgt zunächst für eine gewisse Freiheit im Kampf und erlaubt verschiedene Spielstile. Im direkten Vergleich mit anderen Teilen der Reihe, etwa Tales of Graces f, wirkt das Kampfsystem jedoch etwas weniger ausgereift. Ein Kritikpunkt ist dabei die Rolle von Zufallseffekten. Bestimmte Mechaniken entscheiden teilweise zufällig darüber, ob eine Angriffskette verlängert werden kann. Dadurch entsteht gelegentlich das Gefühl, dass der Ausgang eines Kampfes nicht ausschließlich von strategischen Entscheidungen abhängt. Ein weiterer Punkt betrifft das Balancing. Besonders die Hauptfigur Velvet kann mit ihrer Fähigkeit Break Soul ganze Gegnergruppen relativ mühelos besiegen. Sobald Spieler diese Mechanik effektiv einsetzen, verlieren viele Kämpfe einen großen Teil ihrer Herausforderung. Selbst auf höheren Schwierigkeitsgraden entwickeln sich einige Begegnungen daher eher zu kurzen Machtdemonstrationen als zu taktischen Gefechten.

    Viele Systeme, aber wenig Druck zur Nutzung

    Dabei besitzt Tales of Berseria eigentlich mehrere Mechaniken, die für mehr strategische Tiefe sorgen könnten. Ausrüstung kann zusätzliche Fähigkeiten freischalten, Waffen lassen sich verbessern und Charakterwerte individuell anpassen. Theoretisch bietet das Spiel damit ein solides Fundament für ein komplexes Fortschrittssystem. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass viele Kämpfe kaum Anpassungen erfordern. Spieler investieren Zeit in Menüsysteme, optimieren ihre Ausrüstung oder verbessern Fähigkeiten, nur um anschließend festzustellen, dass diese Anpassungen im eigentlichen Spielverlauf nur begrenzten Einfluss haben. Da viele Gegner auch ohne umfangreiche Vorbereitung relativ leicht zu besiegen sind, verlieren einige dieser Systeme schnell an Bedeutung.

    Präsentation zwischen Anime-Stil und technischer Vergangenheit

    Auch die audiovisuelle Präsentation zeigt, dass Tales of Berseria ursprünglich aus einer anderen Konsolengeneration stammt. Der Soundtrack von Motoi Sakuraba begleitet das Abenteuer solide, bleibt jedoch über weite Strecken eher unauffällig. Nur wenige Stücke bleiben langfristig im Gedächtnis. Besonders Velvets eigenes musikalisches Thema gehört zu den stärkeren Kompositionen und unterstreicht die emotionalen Momente der Geschichte. Grafisch erinnert das Spiel trotz Remaster-Bezeichnung stark an seine Ursprünge. Viele Elemente wirken weiterhin wie ein Titel aus der PlayStation-3-Ära. Die Charaktermodelle besitzen zwar den typischen Anime-Stil der Reihe, doch die Spielwelt selbst bietet nur begrenzte visuelle Abwechslung. Städte und Landschaften wirken teilweise schlicht und wiederholen sich optisch relativ stark.

    Kleine Verbesserungen im Remaster

    Ganz ohne Anpassungen kommt die Remaster-Version allerdings nicht aus. Einige Komfortfunktionen wurden ergänzt, die den Spielfluss zumindest leicht verbessern. So wurde beispielsweise die Laufgeschwindigkeit der Figuren erhöht, wodurch längere Wege weniger Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem steht die Schnellreise bereits früher im Spiel zur Verfügung, was das häufige Backtracking etwas entschärft. Zusätzlich kann der sogenannte Grade Shop bereits im ersten Spieldurchgang genutzt werden. Dadurch lassen sich bestimmte Boni früher freischalten. Diese Änderungen sind durchaus sinnvoll, verändern das grundlegende Spielerlebnis jedoch nur in begrenztem Maße.

    Eine der besten Geschichten der Tales-Reihe

    Trotz aller Kritik bleibt ein entscheidender Punkt bestehen: Tales of Berseria gehört weiterhin zu den erzählerisch stärksten Spielen der gesamten Reihe. Die Handlung erzählt eine ungewöhnlich düstere Geschichte über Rache, Verlust und moralische Konflikte. Im Mittelpunkt steht Velvet, eine Protagonistin, die zu den komplexesten Figuren der Serie zählt. Ihre Entwicklung von einer verletzten jungen Frau zu einer von Rache getriebenen Kämpferin bildet das emotionale Zentrum des Spiels. Diese Mischung aus Wut, Trauer und Entschlossenheit verleiht der Geschichte eine Intensität, die im JRPG-Genre nicht selbstverständlich ist.

    Unterstützt wird Velvet von einer hervorragend geschriebenen Gruppe von Begleitern. Besonders die exzentrische Hexe Magilou sorgt mit ihrem Humor und ihrer unberechenbaren Persönlichkeit für viele der denkwürdigsten Momente des Spiels. Auch die Sprachausgabe trägt viel zur Wirkung der Figuren bei. Die Performance von Cristina Valenzuela verleiht Velvet eine emotionale Tiefe, die viele Szenen besonders eindrucksvoll macht.

    Fazit

    Tales of Berseria Remastered bleibt ein bemerkenswertes JRPG, vor allem wegen seiner Figuren und seiner Geschichte. Die emotionale Erzählweise und die starke Charakterentwicklung gehören weiterhin zu den größten Stärken des Spiels. Die Neuauflage selbst fällt allerdings eher zurückhaltend aus. Technische Verbesserungen sind minimal und verändern das Spielerlebnis kaum. Für Spieler, die Tales of Berseria bislang noch nicht erlebt haben, bleibt das Abenteuer dennoch ein hervorragender Einstieg in eine der erzählerisch stärksten Geschichten der Reihe. Wer das Original bereits kennt, wird hingegen nur wenige überzeugende Gründe finden, diese Remaster-Version erneut zu spielen.