Das Erfrischende an Nioh 3 ist, dass es im Souls-Kosmos nicht noch einen Mythos-Nebel aufblasen will, sondern eine neue Haltung anbietet. Ganz nach dem Motto: Boss-Muster lernen war gestern – heute komponierst du Antworten! Dieser Grundsatz beschreibt nicht nur die Kampfmechanik, er passt auch zur Struktur und zum mechanischen Grundprinzip. In seiner begrenzten Offenheit wirkt das Spiel weniger wie eine Welt, in der man sich stundenlang verliert, es fühlt sich vielmehr wie ein Soulslike-Dojo an: ein Trainingsgelände, in dem jede Abzweigung, jede Nebenprüfung und jeder Yokai-Disput dich auf die Kämpfe vorbereitet.

Open Field: „Map-clearing“ statt Entdeckungsromantik
Nioh 3 ist offener als seine Vorgänger, folgt aber einer deutlich konventionelleren Open-World-Philosophie als zum Beispiel Elden Ring. FromSoftware entwirft seine Gebiete als Rätsel, die du über Umwege, Intuition und Sturheit entschlüsselst. Team Ninja ist direkter: Die Karte soll benutzt werden und auch wirklich helfen. Regionen haben empfohlene Level, Ziele sind sichtbar und der eigene Fortschritt ist messbar. Du erkundest frei, sammelst und erledigst Herausforderungen. Dabei steigt dein Exploration Level, das nach und nach weitere Points of Interest aufdeckt. Das ist nicht revolutionär. Nüchtern betrachtet ist es klassisches, formelhaftes Map-Clearing.
Und trotzdem funktioniert es hier erstaunlich gut, weil Nioh 3 dieses Gerüst wie einen Trainingsplan nutzt. Du „läufst“ nicht nur Marker ab, du baust dir Routen, auf denen du Ressourcen, Gear und vor allem Sicherheit im eigenen Build sammelst. Praktisch heißt das: Wenn dich ein Boss gerade in feinster Soulsmanier filetiert, ist der Weg zur Lösung nicht nur „noch zehnmal sterben“, sondern auch „zwei Regionen ablaufen, ein Set vervollständigen, Ninjutsu nachziehen, Arts Gauge-Tools freischalten, zurückkommen“. Das Spiel lädt dich ein, nicht nur zu grinden, sondern auch gezielt aufzubauen. Dabei folgt es in diesem Aspekt einer eigenen Dojo-Logik: Du gehst erst wieder in den Ring, wenn du eine neue Antwort gelernt hast.

Ästhetik und Rhythmus: klassische Open-World-Reize, aber mit Soulslike-Druck
Die Gebiete sind relativ groß, dicht und visuell attraktiv: Tempelanlagen, Wälder, Reisfelder, Seen, Höhlen und kleine Dörfer formen ein farbintensives, bewusst stilisiertes Japanbild. Am Tempo ändert das wenig. Rhythmus und Intensität bleiben hoch, die Welt erlaubt dir kaum, dich wirklich einzurichten. Die Panoramen sind keine Orte zum Verweilen oder Meditieren – eher kurze Atemzüge zwischen zwei Kämpfen, bevor dich der nächste Hinterhalt daran erinnert, dass „schön“ in Nioh selten „sicher“ bedeutet.
So ordnet sich auch die Ästhetik dem subtilen Dojo-Gedanken unter: Die Schönheit der Umgebung ist eine Kulisse, die deine nächste Prüfung umso schärfer konturiert. Du schaust kurz über den See, dann zieht dich das Spiel zurück in den Fokus: Timing, Distanz, Ki.

Nioh 3-DNA meets Rise-of-the-Ronin-Handwerk
Vieles an dieser Struktur erinnert an Team Ninjas Open-World-Erfahrung Rise of the Ronin: Regionsfortschritt, Kartenlogik, die Idee, Erkundung in klare Fortschrittsstufen zu übersetzen. Man kann es so sagen: Nioh 3 verbindet die Nioh-DNA mit Ronins Weltenmechanik – und übernimmt damit bewusst eine Form, die man aus vielen Open Worlds kennt.
Normalerweise droht hier Open-World-Müdigkeit: zu viele Marker, zu viele Nebenpfade, zu viel Beschäftigung. Nioh 3 umschifft das häufig, weil es diese Struktur nicht als Selbstzweck verkauft. Die Welt ist weniger ein Ort zum Verlieren, als eine Abfolge sinnvoll gesetzter Übungen: jede Abzweigung, jedes Nebenareal ist potenziell ein weiterer Drill, bevor der nächste große Fight dich wieder auf den Prüfstand stellt.
Kampfmechanik: Die Duality stellt das Herz von Nioh 3 dar
Eines ist klar: In Nioh 3 lernst du nicht nur Bossmuster auswendig, du komponierst deine eigenen Reaktionen darauf. Anders als in manchen Soulslikes ist Zurückhaltung hier selten die beste Idee. Wer auf „safe“ spielt, verliert oft nicht nur HP, sondern das Momentum. Nioh 3 belohnt offensives, schnelles Vorgehen, und der Duality-Modus trägt dieses Tempo gekonnt und erstaunlich flüssig.
Der Wechsel zwischen Samurai und Ninja – zwei klar getrennten Rhythmen – gelingt nahtlos und unmittelbar. Und er ist nicht nur Stilfrage, sondern ein handfester Vorteil im Fight: Richtig getimt kann der Wechsel wuchtige Gegnerangriffe unterbrechen, dir Raum verschaffen und den Kampf zurück in deine Hand holen. Dieses Gefühl, nicht nur zu überleben, sondern aktiv die Schlagabtausche zu diktieren, ist eine der großen Stärken des Spiels.
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Samurai Style: Ki Pulse, Stances, Deflect, Arts Gauge → Stabilität, Druckfenster, Ressourcenführung
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Ninja Style: Tempo, Ninjutsu, Mist/Evade-Logik → Positionierung, Hinterhalt, Distanzoptionen
Der Wechsel ist nicht nur unterhaltsam, er bleibt auch bei hohem Tempo anspruchsvoll. Den Duality-Modus kann man kaum ignorieren. Nicht, weil das Spiel dich dazu zwingt, sondern weil hier sein Herz schlägt. Nioh 3 macht damit sehr deutlich: Du lernst nicht nur, was der Gegner tut. Du entscheidest, wie du antwortest. Und um in der Dojo-Metapher zu bleiben: Es reicht nicht, Techniken zu beherrschen, du musst lernen, sie im richtigen Moment zu kombinieren, bis aus einzelnen Moves eine Lösung wird.
Nioh 3-Build-Ökonomie: Blessings & Soul Cores
Was nach „Sidekram“ aussieht, ist in Nioh 3 ein fester Bestandteil deiner Build-Mechanik. An den Schreinen greifst du über Blessings gezielt in deine Werte- und Ressourcenökonomie ein, getrennt nach Kodama Blessings und Jizo Blessings, die du über Kodama Merit bzw. Jizo Merit freischaltest. Kodama-Merit erhältst du, indem du die kleinen Kodama aus der Wildnis zurück zum Schrein geleitest (inklusive spürbarer Vorteile bei deiner Elixier-Versorgung), Jizo-Merit sammelst du, indem du an den „Six Jizo-Statuen“ betest. Dazu passen die Mini-„Quests“ mit den katzenartigen Scampuss und dem neuen kleinen Wesen Chijiko: Finden, interagieren, Rewards einsacken, nicht als Deko, sondern als verlässliche Abkürzung zu Items, Guides und Upgrades, die deinen Fortschritt beschleunigen. Der stärkste Hebel in diesem Paket sind aber die Soul Cores: Drops aus härteren Yokai, die du in dein Setup integrierst, um zusätzliche Effekte und aktive Yokai-Fähigkeiten freizuschalten. Unterm Strich lohnt sich jede Abzweigung, weil du hier nicht einfach nur „Loot“ sammelst, sondern neue Stellschrauben und damit auch neue Antworten für den nächsten Bossraum findest.
Story: Power Fantasy – und warum sie hier nicht langweilig wird
Die Welt von Nioh 3 ist weniger rätselhaft und weniger auf Distanz gebaut als viele andere Soulslikes. Aber genau darin liegt eine ihrer Stärken. Statt dich mit kryptischer Mythologie auf Armlänge zu halten, setzt das Spiel auf eine klare, fast schon klassische Prämisse: Japan, 1622, Edo Castle als Machtzentrum, und Tokugawa Takechiyo kurz vor der Ernennung zum nächsten Shogun. Was nach Ordnung klingt, kippt durch familiäre Rivalität und einen dunklen Einfluss in einen Yokai-Krieg, in dem Folklore nicht Dekor ist, sondern akute Bedrohung. Du spielst keine zufällige Figur, die in ein Schicksal stolpert, sondern einen angehenden Shogun, der bzw. die von Beginn an als handlungsfähige, mächtige Persönlichkeit gedacht ist. Als ein zeitreisender Samurai, der Dämonen jagt und nach immer mehr Stärke greift, stürzt ihr euch ins Abenteuer. Nioh 3 hat kein Interesse daran, diese Powerfantasie kleinzureden oder dich permanent in Demut zu erziehen. Du wirst sterben – oft – aber du fühlst dich selten dauerhaft machtlos.
Dass diese Power nicht ins Leere läuft, liegt an der Struktur des Spiels. Die Zeitreisen sind kein bloßer Story-Gimmick, sondern ein Ordnungsprinzip. Über die Macht eines Guardian Spirits wirft dich Nioh 3 in unterschiedliche Epochen. Jede bringt neue Feindtypen, Regeln und Schauplätze mit. Sie wirken wie Variationen derselben Prüfung, als würdest du von Trainingsraum zu Trainingsraum weitergereicht. Dazu passt das wiederkehrende Fegefeuer-Motiv, der Crucible. Das ist eine höllische, von Yokai korrumpierte Zone, die in jeder Zeitperiode auftaucht. Dort gelten besonders harte Regeln. Die Welt ist nicht nur gefährlich, sie arbeitet aktiv gegen dich. Wie in einer Art Prüfungskammer, in der sich zeigt, ob Builds, Timing und deine Antworten wirklich tragen.
Das Open-Field-System verstärkt diesen Zug konsequent. Wenn du stärker werden willst, zeigt dir die Karte Optionen: Du findest neues Gear, Set-Boni, Ressourcen, stockst Heilung auf und kommst mit einem konkreten Plan zurück. Dazu passt der unkomplizierte Respec, der Builds zum Ausprobieren einlädt statt sie zur Lebensentscheidung zu machen. So bleibt das „power-hungrige“ Spielgefühl spannend, weil das Dojo nie Feierabend macht: Du wirst stärker, aber die Prüfungen werden präziser und verlangen nach besseren Antworten.
Nioh 3 – stilsicherer Soulslike-Nachhall
Ja, das Open-Field-Gerüst wirkt vertraut. Ja, das Genre ist voller wiedererkennbarer Formen. Und genau deshalb ist es überraschend, wie gut Nioh 3 damit einen Nerv trifft: Viele Spieler:innen suchen gerade nicht die nächste Welt, die sich im Mysterium versteckt, sondern eine, die eine klare Linie hat, ohne dabei den Reiz des Entdeckens komplett aufzugeben.
Und am Ende führt alles zurück zu Team Ninjas Grundkonzept: Nicht nur Muster lernen, sondern Antworten komponieren. In Nioh 3 entsteht dieses Können nicht erst im Bossraum, sondern schon lange davor. Auf Nebenpfaden, an Schreinen, im Crucible und in jedem Fight, der dich zwingt, deine Tools neu zu sortieren. Die Welt fühlt sich deshalb weniger wie eine grenzenlose Wildnis an, die entdeckt werden will, sondern wie ein Dojo. Es ist ein Trainingsraum, der dich formt, damit du am Ende nicht nur bestehst, sondern der nächsten Prüfung mit eigener Handschrift begegnest.
Nioh 3 – Allgemeine Informationen
Getestet wurde Nioh 3 auf einer PlayStation 5 Pro. Technisch wirkte das Spiel dabei stabil und klar auf Performance getrimmt, was gut zum eigentlichen Anspruch des Games passt.
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Titel: Nioh 3
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Release: 6. Februar 2026
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Plattformen: PC, PlayStation 5
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Entwickler: Team Ninja
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Publisher: Koei Tecmo
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Getestete Version: PlayStation 5 Pro (Review-Code vom Publisher)



