Mit den Kobra X möchte Anycubic den mehrfarbigen 3D-Druck besonders einstiegs- und budgetfreundlich gestalten. Hierfür kommt mit der ACE Gen 2 Multicolor-Technologie, ein offener Wechsler, ohne angetriebene Komponenten zum Einsatz. In Verbindung mit weiteren Optimierungen soll der Kobra X nicht nur eine bessere Druckqualität, sondern auch einen reduzierten Filamentbedarf für die Reinigung erreichen.
Vielen Dank an Anycubic* für die Bereitstellung des Druckers und PLAs.
Technische Daten:
Der Anycubic Kobra X ist ein FDM-3D-Drucker der aktuellen Kobra-Serie und richtet sich an Anwender, die hohe Druckgeschwindigkeiten mit Mehrfarben- und Multimaterialfähigkeit kombinieren möchten. Das Gerät verfügt über ein Bauvolumen von 260 × 260 × 260 mm und positioniert sich im Bereich leistungsstarker Desktop-3D-Drucker für ambitionierte Maker und semiprofessionelle Anwendungen.
Ein zentrales Merkmal des Kobra X ist die integrierte ACE Gen 2 Multicolor-Technologie, die serienmäßig den Druck mit bis zu vier Filamentfarben ermöglicht. In Kombination mit dem optionalen ACE 2 Pro System lässt sich die maximale Farbanzahl auf bis zu 19 Farben erweitern. Durch die verkürzte Distanz zwischen Filamentschneider und Düse wird der Filamentwechsel deutlich effizienter gestaltet, was sowohl Druckzeiten als auch Spülmaterial (Purge Waste) im Vergleich zu herkömmlichen Multicolor-Systemen reduziert.
Der Drucker unterstützt zudem Multimaterialdruck mit weichen und harten Filamenten. Eine adaptive Extrusionskraftregelung passt den Vorschub automatisch an die Materialeigenschaften an, wodurch Materialkombinationen wie PLA mit TPU oder PVA möglich sind. Dies soll saubere Übergänge und eine stabile Förderung auch bei stark unterschiedlichen Filamenthärten gewährleisten.
Im Bereich Geschwindigkeit ist der Kobra X für hohe Beschleunigungen ausgelegt. Die empfohlene Druckgeschwindigkeit liegt bei 300 mm/s, während eine maximale Druckgeschwindigkeit von bis zu 600 mm/s und eine Beschleunigung von bis zu 20.000 mm/s² unterstützt werden. Unterstützt wird dies durch eine integrierte Vibrationskompensation mittels Beschleunigungssensor, die Resonanzen erkennt und Druckartefakte wie Ghosting reduziert.
Für die Druckbettkalibrierung kommt LeviQ 3.0 Auto-Leveling zum Einsatz. Das System arbeitet mit einer 49-Punkt-Messung und einer laut Hersteller sehr hohen Wiederholgenauigkeit. Ergänzend sorgt eine verbesserte Wärmeverteilung des beheizten Druckbetts für eine gleichmäßige Temperatur über die gesamte Druckfläche.
Der Kobra X verfügt über eine Quick-Release-Hotend-Konstruktion mit einer serienmäßigen 0,4-mm-Düse aus gehärtetem Stahl, die sich werkzeuglos wechseln lässt. Optional sind weitere Düsendurchmesser verfügbar. Die Filamentzufuhr erfolgt über einen oben montierten Spulenhalter, der gleichzeitig zur Reduktion von Vibrationen beitragen soll.
Zur Überwachung des Druckprozesses ist eine integrierte 720p-Kamera verbaut. In Verbindung mit einer KI-gestützten Erkennung werden unter anderem Spaghetti-Fehler, Fremdkörper im Bauraum sowie fehlgeschlagene Bauteile erkannt. Zusätzlich unterstützt der Drucker Funktionen wie Power-Loss-Recovery und automatisches Fortsetzen nach Druckunterbrechungen.
Die Software-Anbindung erfolgt über Anycubic Slicer Next sowie die Anycubic App, welche Remote-Überwachung, Fernsteuerung und Zeitrafferaufnahmen ermöglichen. Der Drucker unterstützt Dual-Band-WLAN (2,4/5 GHz) sowie LAN-Verbindungen und erlaubt den Betrieb sowohl über Cloud- als auch lokale Netzwerkmodi.
In Bezug auf die Geräuschentwicklung setzt Anycubic auf ein eigenes Motion-Control-System mit aktiver Geräuschreduzierung. Laut Hersteller liegt die Betriebslautstärke im Standardmodus bei ≤ 48 dB.
| Kategorie | Spezifikation |
|---|---|
| Drucktechnologie | FDM (Fused Deposition Modeling) |
| Bauvolumen | 260 × 260 × 260 mm |
| Empfohlene Druckgeschwindigkeit | 300 mm/s |
| Maximale Druckgeschwindigkeit | 600 mm/s |
| Max. Beschleunigung | 20.000 mm/s² |
| Max. Hotbed-Temperatur | 100 °C |
| Max. Düsentemperatur | 300 °C |
| Düsenmaterial | Gehärteter Stahl |
| Düsendurchmesser | Standard: 0,4 mm / Optional: 0,25 / 0,6 / 0,8 mm |
| Multicolor-Druck | Integriert 4 Farben, erweiterbar auf bis zu 19 Farben |
| Aktive Filamenttrocknung | Optional (erfordert ACE 2 Pro) |
| Display | 3,5″ kapazitiver Touchscreen |
| Auto-Leveling | LeviQ 3.0, 49-Punkt-Messung |
| Dynamische Flow-Kalibrierung | Unterstützt |
| Vibrationskompensation | Unterstützt (Beschleunigungssensor) |
| Stromausfall-Wiederaufnahme | Unterstützt |
| Live-Monitoring | Unterstützt (integrierte 720p-Kamera) |
| Zeitraffer-Aufnahmen | Unterstützt |
| KI-gestützte Fehlererkennung | Spaghetti-Erkennung, Fremdkörpererkennung |
| Object Skip | Unterstützt |
| Konnektivität | Dual-Band WLAN (2,4 / 5 GHz), LAN |
| Druckmethoden | USB, Anycubic Slicer Next, Anycubic App |
| Empfohlene Materialien | PLA, PETG, TPU, PVA |
Über Anycubic:
Seit der Gründung im Jahre 2015 arbeitet Anycubic daran, den 3D-Druck allen zugänglich und für alle erschwinglich zu machen. Passend dazu lautet Anycubics Wahlspruch „For Freedom to Make“. Anycubic ist mittlerweile in mehr als 200 Ländern und Regionen vertreten. Innerhalb der letzten Jahre wurden so über 20 beliebte Produkte mit mehr als drei Millionen verkauften Einheiten veröffentlicht. Die wichtigsten Produkte sind 3D-Drucker im Bereich des FDM- und SLA-Drucks.
Verpackung und Lieferumfang:
Geliefert wird der Anycubic Kobra X wie üblich in einem schlichten Umkarton, der lediglich ein paar Schriftzüge aufweist. Im Inneren wird der in Portal und Grundeinheit aufgeteilte 3D-Drucker durch passgenau zugeschnittene Schaumstoffelemente geschützt. Die einzelnen Komponenten sind dabei ineinander verschachtelt sortiert.
Der Lieferumfang besteht aus dem Portal und der Grundeinheit des Druckers, den Spulenhaltern, Bowden-Tubes und diversem Zubehör, wie einem USB-Stick und einer Filamentprobe.
Design und Verarbeitung:
Nachfolgend werfen wir einen Blick auf die einzelnen Elemente des Anycubic Kobra X. Dabei folgen wir der Art und Weise, wie der Drucker zerlegt geliefert wird.
Die Grundeinheit mit Druckbett und Display:
Die Basis des Druckers ist inklusive Display und Druckbett vormontiert. Das weiße Gehäuse aus Kunststoff besitzt im hinteren Bereich zwei Öffnungen, um später das Portal an der Basis zu verschrauben. Hier ist zu erkennen, das die strukturellen Elemente der Basis als Druckgussteile aus Aluminium gefertigt sind. Das Druckbett ist auf zwei Linearführungen gelagert. Zwei enge Schlitze im Gehäuse verschließen diese so, dass möglichst wenig Verunrinigungen eindringen können. Die Kabel des magnetischen Heizbetts werden in einem mit Nylon umwickelten Schlauch nach hinten in das Gehäuse geführt. An der Rückseite befindet sich auch der Kaltgerätestecker für die Stromversorgung, sowie der Ein-/Ausschalter. Vorne rechts am Gehäuse ist das gewinkelt ausgerichtete Display montiert.
Das Portal und der Druckkopf:
Die zweite große Einheit ist das gesamte xz-Portal mit dem Druckkopf. Der Druckkopf wurde im Vergelich zu den Vorgängermodellen deutlich verändert. Am oberen Ende können aber erneut bis zu vier Bowden-Tubes angeschlossen werden, um den mehrfarbigen Druck zu ermöglichen. Ein Display auf der Vorderseite zeigt dann die aktive Filamentzuführung an. In der Grundkonfiguration ist so ein vierfarbiger Druck möglich. Mit dem neuen ACE 2 Pro und einem 4-fach-Verbinder kann man jedoch auch bis zu 19 Farben im automatischen Wechsel zuführen.
An der rechten Seite der x-Achse ist die Kamera mit Beleuchtung bereits integriert, an der linken Seite werden wir später das Tool für die Druckkopfreinigung montieren. Sehr schön ist, dass die gesamte Verkabelung und auch die Mechanik fast vollständig im Gehäuse verborgen sind.
Die Spulenhalter:
Für einen vierfarbigen Druck muss man natürlich auch vier Filamentspulen bereitstellen. Hierfür besitzt der Anycubic Kobra X einen großen zweigeteilten Filamenthalter auf der Oberseite. Dieser nimmt je Arm zwei Spulen auf und das Filament wird durch Bowdentubes dem Druckkopf zugeführt. So ist ein Verhedern des Filaments ausgeschlossen. Die Größe der Halterungen ist bei korrekter Ausrichtung für die typischen 1-kg-Spulen genau passend.
Weiteres Zubehör:
Als weiteres Zubehör finden sich nur ein paar Abdeckungen und das Tool für die Druckkopfspülung im Lieferumfang. Anders als früher üblich, ist das Display bereits werksseitig montiert.
Montage:
Die Montage des Anycubic Kobra X ist in wenigen Schritten abgeschlossen. Am wichtigsten ist hierbei das Verschrauben des Portals an der Basis, Beschriftungen der Komponenten weisen auf die korrekte Ausrichtung hin. Mit den beiligenden Kappen wird der Verschraubungspunkt schließlich noch verschlossen. Danach muss man an der Unterseite den Kabelbaum des Portals verlegen und anschließen. Dank farbiger Markierungen und unterschiedlicher Größen kann man hier nichts falsch machen. Abschließend werden die Steckverbindungen noch mit einer Blende verschlossen.
Ein weiterer Montageschritt umfasst das Tool zur Druckkopfspülung. Dieses wird links am Portal verschraubt. Fährt der Druckkopf in die Reinigungsposition nimmt dies den Filamentauswurf auf und beim Wegfahren des Druckkopfs wird dieser zur Seite weggeschossen. Somit wird sichergestellt, das der Abfall nicht den Druckbereich beeinflusst.
Bedienung und Steuerung:
Die Bedienung und Steuerung des Anycubic Kobra X ist über das integrierte Touchscreen-Display, die Anycubic App und den Anycubic Slicer Next möglich. So stehen einem von der direkten Ansteuerung bis hin zur Fernsteuerung viele Möglichkeiten offen. Natürlich sind einige Funktionen nur in der direkten Bedienung möglich.
Direkte Bedienung:
Am Drucker selber erfolgt die Bedienung über den integrierten Touchscreen. Durch das große, gut aufgelöste Display können viele Informationen auf einmal übersichtlich angezeigt werden. Der Touchscreen erfasst die Bedienung schnell und zuverlässig.
Beim ersten Start des Druckers muss man zunächst die Bediensprache auswählen. Anschließend kann man die WLAN-Verbindung konfigurieren und die Verbindung zur Anycubic Cloud herstellen. Danach kann man auch schon mit der Druckbettnivellierung und Vibrationserfssung beginnen. In unserem Fall war auch ein Firmware-Update vom Drucker erforderlich.
Das GUI ist in vier verschiedene Reiter unterteilt. Der erste Reiter ist gleichzeitig die Startseite. An einer Abbildung des Druckers sind die Heizbett- und Druckdüsentemperaturen direkt zu erkennen. Zudem wird der Materialstatus in Form von Einzelspulen oder einem angeschlossenen ACE 2 Pro angezeigt. Mit einem Klick auf „Weiter“ kommt man von hier zum Dateispeicher. Hier kann man auf den internen Speicher, einen USB-Stick oder die Cloud zugreifen, auch eine Verlaufsübersicht ist verfügbar.
Der zweite Reiter umfasst die Filamentverwaltung. Hier können wir die geladenen Filamente einsehen und, sofern kein RFID-Chip verbaut ist, die Filamentsorte und Farbe manuell einstellen. Nutzt man den Spulenhalter des Druckers kann man den RFID-Chip der Spulen durch Anhalten am Druckergehäuse einlesen. Ist ein ACE 2 Pro angeschlossen kann man von hier auch Material über den Wechsler laden und trocknen.
Über den dritten Tab erreicht man allerlei hilfreiche Funktionen. Zum einen kann man hier die Temperaturen einsehen und anpassen, zum anderen lassen sich die Achsen manuell verfahren. Zudem finden sich hier einige Druckoptionen, wie die Auto-Level- und Vibrationskompensationsfunktion, PID-Kalibrierung, Geräuschkompensation und die AI-Funktionen des Druckers.
Der vierte Reiter umfasst die üblichen Optionen. Hier kann man verschiedene Features ein-/ausschalten und den Drucker so an die eigenen Vorstellungen weiter anpassen.
Sollte man nun eine Datei ausgewählt haben, landet man zunächst auf einer Seite, die einige Details zum Modell anzeigt. Zudem kann man hier die Druckbettnivellierung, das Erfassen der Vibrationen und die Zeitlupenfunktion für den aktuellen Druck ein-/ausschalten. Eine Zeitlupe kann nur dann aufgenommen werden, wenn ein USB-Stick angeschlossen ist. Als Nächstes landet man dann in der Farbauswahl für den geplanten Druck. Anschließend lässt sich der Druck starten.
Die Anycubic App:
Über die Einbindung in die Anycubic Cloud lässt sich der Anycubic Kobra X auch mit der Anycubic App bedienen. Die App ist in drei Haupt-Tabs unterteilt. Der erste ist gleichzeitig die Startseite und dient insbesondere zur Steuerung und Überwachung der verbundenen Drucker über die sogenannte Werkbank. Zudem kann man hier auf die eigenen Dateien in der Cloud zugreifen, sowie die aktuellen Aufträge einsehen. Auch eine aktuelle Auswahl an Druckvorlagen findet sich hier. Darüber hinaus kann man hier auch mit einem Klick neue Drucke einleiten. Der zweite Tab ist eine reine Druckdatenbank, hier lassen sich Makeronline und andere 3D-Druck-Datenbanken nach Objektvorlagen durchsuchen und ein Druck kann über den Slicer der Cloud direkt eingeleitet werden. Der dritte Tab umfasst die Optionen und das Nutzerprofil.
Über die Werkbank hat man den Status der verbundenen Drucker immer im Blick. Neben dem aktuellen Betriebszustand und ggf. den Druckfortschritt sieht man hier auch Daten zu den Druckstatistiken. Wählt man einen der Drucker an, kann man, sofern eine Kamera integriert ist, zum Beispiel auch auf diese zugreifen.
Der Anycubic Slicer Next:
Der Anycubic Slicer Next hat sich nach und nach zu einem sehr umfangreichen und zuverlässigen Slicer auf Orca-Basis entwickelt. Aber auch Nutzende der bekannten Konkurrenzprogramme fühlen sich hier schnell wohl. Im Vergleich zu einigen anderen Tools bietet der Anycubic Slicer Next jedoch eine deutlich übersichtlichere und modernere Optik. Neben dem reinen Erstellen von Druckdateien, kann man hier natürlich auch den Status der via Netzwerk verbundenen Drucker einsehen und die Dateien direkt über die Cloud oder das lokale Netzwerk an den Drucker senden.
Beim ersten Start der Software muss man zunächst einen Drucker auswählen, unterstützt wird die gesamte Kobra-Serie von Anycubic. Dann empfiehlt es sich, eine Verbindung zur Anycubic Cloud herzustellen, damit man auch einen direkten kabellosen Zugriff auf die Drucker hat. Natürlich kann man auf diesem Weg auch mehrere Drucker verbinden. Es ist auch möglich manuell ein Profil eines 3D-Druckers anzulegen.
Das Programmfenster besteht aus drei Haupttabs: Prepare, Preview und Workbench. Der wichtigste Bereich ist dabei Prepare, denn hier können wir unsere Druckvorlagen einfügen und bearbeiten. Dabei stehen die üblichen Funktionen, wie Drehen, Verschieben, Teilen, Vervielfältigen und Ausrichten zur Verfügung. Sehr wichtig ist hier auch die Funktion, einem Objekt mehrere Farben zuzuordnen. Hierzu kann man entweder Filamentfarben vorgeben oder die Filamentliste vom Drucker über die Cloud importieren. Für die Farbgebung stehen verschiedene Werkzeuge zur Verfügung. Sehr praktisch ist die Option, zusammenhängende Flächen auszuwählen. Dabei kann man vorgeben, in welchem Winkelbereich die Flächen noch als zusammenhängend gelten. Man kann aber auch einzelne Dreiecke der Oberfläche einzeln wählen, die Farbe in Schichten vorgeben oder mit einer Art Pinsel frei malen.
Auf der linken Seite des Fensters kann man dann den gewünschten Drucker und das gewünschte Druckprofil wählen. Hier kann man zudem auch noch die diversen Druckparameter anpassen und so ein Finetuning vornehmen.
Ein fertig geslicetes Objekt kann man sich als Vorschau im Preview-Tab anzeigen lassen. Auch hier findet man die bekannten Optionen, wie Anzeige der Linienart, der Filamentfarbe usw. Zudem kann man hier auch nachsehen, wie viel Filament für einen Druckvorgang benötigt wird.
Der Workbench-Tab ermöglicht eine Überwachung und Steuerung der verbundenen Drucker. Ist eine Kamera am Drucker angeschlossen, kann man hier auch das Kamerabild einsehen. Darüber hinaus werden die geladenen Filamente aufgelistet und die aktuellen Temperaturen visualisiert. Man kann hier auch die Temperaturen ändern, die Achsen verfahren und Filament laden/entladen.
Druckbett-Kalibrierung:
Beim Anycubic Kobra X erfolgt die Druckbett-Kalibrierung und Einstellung des z-Offsets vollständig automatisiert. Bis auf den Klicken auf Start ist hier kein manueller Eingriff notwendig. Verstellschrauben gibt es am Druckbett nicht. Es ist werksseitig ausgerichtet und die Detailnivellierung erfolgt softwareseitig über die Kalibrierautomatik. Während der Kalibrierung wird das Druckbett an mehreren Punkten abgefahren und die Abweichungen werden dabei vermessen. So wird zum einen der z-Offset eingestellt und zum anderen werden Unebenheiten im Bett erfasst und später im Druck über die Firmware ausgeglichen. Ein sehr nutzerfreundliches Verfahren mit einer hohen Zuverlässigkeit. Besonders dann, wenn man den Drucker umgestellt oder länger nicht genutzt hat, sollte man diesen Schritt erneut durchrühren.
Druckqualität:
Um die Druckqualität es Anycubic Kobra X zu bewerten, haben wir verschiedene Testdrucke durchgeführt. Als Testfilament haben wir das Anycubic PLA und Inslogic PLA Matt genutzt.
Beim FDM-3D-Druck im Allgemeinen gibt es einige Unsauberkeiten und Fehler, die die Druckqualität schmälern können. Über einige wichtige wollen wir einen kurzen Überblick geben:
- Deutliche Freiräume zwischen den Filamentbahnen bei der unteren Schicht:
Kann durch einen zu großen Abstand der z-Achse entstehen (Z-Offset nachstellen) oder wenn zu wenig Material extrudiert wird. - Deutlich sichtbare Filamentbahnen in der Seitenansicht der Objekte:
Ungenaue Positionierung, Vibrationen, ungleichmäßige Extrusion sind nur ein paar der möglichen Ursachen. - Ghosting – sich wiederholende Schatten von Konturen
Ringing – Wellen auf der Oberfläche:
Wird in der Regel von hohen Druckgeschwindigkeiten ausgelöst und hängt mit der Trägheit des Druckkopfes zusammen. Schnelle Richtungswechsel führen so zu Vibrationen, die zu einem sich wiederholenden Muster in der Oberfläche führen.
Ghosting kann auch dadurch verursacht werden, dass die inneren Stützstrukturen nach außen durchscheinen. Hier liegt die Ursache oft in zu hohen Geschwindigkeiten, zu dünnen Wandstärken oder zu großen Überlappungen. - Stringing – Filamentfäden:
Entsteht durch nachlaufendes Filament bei Positionswechseln. Zur Vermeidung muss das Filament zurückgezogen werden. Der erforderliche Rückzug ist nicht für alle Materialien gleich. - „Pickel“ an der Oberfläche des Objektes:
Eine Ursache kann eine zu hohe Drucktemperatur sein, dann wird das Filament zu flüssig und kann unkontrolliert austreten. Aber auch eine zu hoch eingestellte Extrusionsmenge kann zu solch unkontrollierten Austritten führen. Darüber hinaus kann es sich auch einfach um die Punkte handeln, an denen der Layerübergang stattfindet, der Druckkopf also auf das nächste Layer angehoben wird. - Elefantenfuß:
Die untere Schicht des Objektes drückt sich zu den Seiten hervor. Ursächlich ist hier in der Regel eine zu tief stehende Ausrichtung der z-Achse.
Good old Benchy:
Was wäre eine 3D-Drucker-Inbetriebnahme ohne das gute, alte Benchy. Wer schon etwas länger mit dem Thema zu tun hat, wird deswegen wahrscheinlich auch eine halbe Armada sein Eigen nennen können. Das Benchy ist ein Modell eines kleinen Bootes, das einige schwere Stellen, wie Überhänge, Brücken, feine runde Konturen und noch einiges mehr bietet. Hier lassen sich so einige Druckfehler erkennen und man kann die Parameter optimieren. Besonders bei den aktuell neuen Druckergenerationen und den höheren Druckgeschwindigkeiten wird viel mit den Druckzeiten eines Benchys geworben. Allerdings sollte man hierbei immer auf das Kleingedruckte achten, denn neben der reinen Druckgeschwindigkeit beeinflusst natürlich auch die Anzahl der Wandlinien, die Füllung und die Schichtdicke die Druckzeit. Am Ende ist ein Benchy immer noch ein recht einfaches, kleines Objekt und eine hohe Druckgeschwindigkeit hierbei, ist nicht immer auf alle anderen Objekte übertragbar.
Die Druckdatei für unser Testbenchy haben wir mit dem Anycubic Slicer Next erstellt und mit verschiedenen Filamenten gedruckt. Genutzt haben wir das Standard 0,2-mm-Profil, sodass sich seine Druckdauer von etwas mehr als 40 Minuten ergab.
Auswertung des Benchys:
Unsere Testbenchys zeigen eine gute Druckqualität. Die Oberfläche ist insgesamt sehr gleichmäßig. Layerübergänge sind nur leicht zu erkennen und Unregelmäßigkeiten entstehen in der Regel dann, wenn Unterschiede in den Konturen der einzelnen Schichten bestehen. Auch die Überhänge an den Ankerklüsen, Fenstern und Türen sind sehr gut, wenn auch nicht perfekt, ausgeführt. Die Grundfläche ist homogen, die enthaltene Schrift sauber lesbar. Was besonders sauber ausgeführt wurde, ist der Überhang am Bug des Benchys, ein Zeichen für eine effiziente Druckkühlung.
Testobjekt Überhänge, Brücken und weiteres:
Ein weiterer beliebter Benchmark-Druck ist eine Platte, auf der sich Schriften, Überhänge, Brücken, schmale Zylinder und weitere Geometrien finden. Hier kann man in einem Durchgang herausfinden, ab welchem Überhangswinkel man zum Beispiel eine Stütze benötigt oder welche Spannweiten bei Brücken problemlos möglich sind (zur Datei bei Thingiverse).
Bei den Überhängen und Brückentests zeigt der Anycubic Kobra X eine insgesamt sehr gute Leistung mit nahezu fehlerfreien Überhängen. Die Lochtests weisen einen etwas geringeren Innendurchmesser auf, wie angegeben, was allerdings nicht unüblich ist. Benötigt man genaue Löcher in einem Objekt, bietet sich ein Aufbohren oder Anpassen der Bemaßungstoleranzen an. Die Teststellen zur Genauigkeit von Längen weisen nur geringe Abweichungen < 1 % auf. Auch die Schriften wurden vom Slicer gut umgesetzt und vom Drucker wiedergegeben.
Testkörper und ein Koordinatensystem:
Als weiteren Benchmark haben wir einen Würfel gedruckt, dessen Seiten eine Kantenlänge von 40 mm aufweisen, diesen haben wir als Volumenkörper mit Infill gedruckt. Als zweites Testobjekt haben wir einen Hohlzylinder mit einem Außendurchmesser von 40 mm und einem Innendurchmesser von 20 mm sowie einer Höhe von 40 mm gedruckt.
Der Volumenkörper fällt nur minimal kleiner aus, als die ursprüngliche Datei bemaßt wurde. Die Ecken sind hierbei maßgenauer als die Mitten der Seiten. An den meisten Stellen ist der Unterschied somit zu vernachlässigen. Die Seitenflächen sind sehr gleichmäßig und glatt, es sind so gut wie keine Ghosting-Effekte an den Seitenflächen zu erkennen. Da ein 3D-Drucker an spitzen Ecken immer leichte Radien aufweist, sind diese natürlich leicht abgerundet. Der Zylinder zeigt eine ähnliche Abweichung, so sind auch hier die Abmessungen nur minimal kleiner. Die Abweichungen hängen mit dem Schmelz und Abkühlverhalten des Materials, sowie Toleranzen in der Bewegung des Druckers zusammen. Sie sind jedoch so gering, dass sie nur für sehr präzise Teile relevant werden können. Man kann sie aber problemlos in den Maßtoleranzen berücksichtigen.
Um mögliche Intoleranzen des Anycubic Kobra X in der Achsausrichtung zu erkennen, haben wir ein einfaches Balkenmodell eines kartesischen Koordinatensystems gedruckt. Dieses besteht aus kleinen Balken in den drei Richtungen des dreidimensionalen Koordinatensystems. An dieses Objekt haben wir nun einen Haarwinkel angelegt, um die Rechtwinkligkeit zu überprüfen. Die Achsen zeigen sich dabei sauber rechtwinklig ausgerichtet.
Mehrfarbiger Druck:
Wenn man einen 3D-Drucker mit Farbwechsler testet, ist der mehrfarbige Druck natürlich das interessanteste Feature, das es zu testen gilt. Hierfür haben wir ein Objekt im Anycubic Slicer Next unser Logo als dreifarbiges Druckobjekt angelegt. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist der Druckkopf des Anycubic Kobra X insofern optimiert worden, das das Filamentvolumen im Druckkopf reduziert wurde. Denn für den Drucker stellen häufige Wechsel kein Hindernis dar, es entsteht jedoch eine gewisse Menge an Abfall. Bei unserem Logo kam der Druck auf eine Masse von 16 Gramm und der Abfall auf eine Masse von 5 Gramm. Daher ist immer zu empfehlen, mehrere gleiche Objekte auf eimal zu drucken, da sich so die Abfallmenge pro Objekt reduziert.
Davon lassen sich einige wichtige Maßnahmen ableiten, um effizienter mehrfarbig drucken zu können:
- Ausrichtung:
Man sollte die Objekte stets so ausrichten, dass häufige Wechsel vermieden werden. Für den Becher in der Galerie bedeutet das beispielsweise, dass man ihn senkrecht, nicht waagerecht druckt. - Anzahl:
Benötigt man ein Objekt nicht nur einmal, sondern mehrmals, sollte man möglichst viele in einem Druck produzieren. Egal ob ein oder mehrere Objekte, es entsteht immer die gleiche Menge an Abfall. Relativ gesehen ist der Anteil an Abfall pro Objekt dann aber nicht mehr ganz so groß. - Zerlegen:
Bei großen Objekten sollte man auch prüfen, ob man das Modell nicht auch zerlegt drucken und anschließend kleben kann.
Weitere Testdrucke:
Im Speicher des Druckers finden sich auch noch weitere interessante Testobjekte, so zum Beispiel ein Hai als Flaschenöffner und ein Flexi-Hai. Flexi-Tiere sind sehr gut geeignet, um die Präzision eines Druckers zu testen. Denn diese enthalten viele Überhänge und verzahnte Strukturen, die nicht miteinander verschmelzen dürfen. Das hat bei unserem Test sehr gut funktioniert.
Ein gutes Testobjekt stellen auch immer filigrane, flexible Objekte, wie die Drachenschlange dar. Hier zeigt der Drucker eine sehr gute Performance. Denn die Oberflächen sind sehr gleichmäßig geworden und die Präzision des Drucks ist auch darin zu erkennen, dass es zu keinen ungewollten Verschweißungen kam.
Den Eiffelturm haben wir ohne Stützen gedruckt, was bei diesem Modell aber nicht ohne Druckfehler möglich ist, wie hier auch an manchen Überhängen erkennbar wird. Die filigrane Strukur ist insgesamt gut geworden, zeigt sich jedoch stellenweise als zu filigran für eine 0,4-mm-Düse.
Folgerungen zur Druckqualität:
Resümiert man noch einmal die in den letzten Abschnitten beschriebenen Erfahrungen, stellt man fest, dass der Anycubic Kobra X eine wirklich sehr gute Druckqualität liefert. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen zeigen sich wieder erneute Fortschritte, nicht nur im Aufbau des Druckers, sondern auch in der Qualität. Denn hier hat Anycubic erneut Fortschritte gemacht. Auch der reduzierte Filamentbedarf für die Druckkopfreinigung ist ein großer Vorteil
Heizbett und Druckplatte:
Ein Aufheizvorgang von Umgebungstemperatur auf 60 °C Druckbetttemperatur dauert etwa 2 Minuten und ist so schnell abgeschlossen. Als Druckplatte kommt ein Federstahlblech mit PEI-Beschichtung zum Einsatz, das auf beiden Seiten rau ist. Dieser Druckplattentyp hat sich in den letzten Jahren gewissermaßen zur Standard-Druckplatte für FDM-Drucker entwickelt. Die Haftung des PLAs auf der Druckplatte ist schon bei 55-60 °C wirklich sehr gut. Man benötigt nur bei sehr kleinen Objekten einen Brim, um die Aufstandsfläche zu vergrößern. Kühlt die Platte ab, platzen die meisten Objekte von selber los, ansonsten reicht ein leichtes Biegen zum Ablösen. Die raue Oberfläche verleiht dem Druckobjekt eine wirklich sehr schöne Textur.
Fazit:
Mit dem Kobra X liefert Anycubic einen leistungsstarken und zugleich vergleichsweise zugänglichen Einstieg in den mehrfarbigen FDM-3D-Druck. Die Kombination aus hoher Druckgeschwindigkeit, solider Mechanik und der ACE Gen 2 Multicolor-Technologie macht den Drucker besonders für ambitionierte Maker interessant, die mehr als nur einfarbige Standarddrucke realisieren möchten.
Die Druckqualität bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Sowohl klassische Benchmarks als auch komplexere Testobjekte zeigen saubere Oberflächen, gute Maßhaltigkeit und eine effektive Vibrationskompensation. Ghosting ist kaum sichtbar, Überhänge und Brücken gelingen zuverlässig und auch filigrane Strukturen werden präzise umgesetzt. Besonders positiv fällt auf, dass Anycubic die Filamentführung und das Hotend weiter optimiert hat, wodurch der Filamentwechsel effizienter erfolgt und der Spülmaterialbedarf im Vergleich zu früheren Systemen reduziert wurde.
Die Multicolor-Funktion arbeitet zuverlässig und eröffnet kreative Möglichkeiten. Zwar entsteht systembedingt weiterhin Materialabfall durch Farbwechsel, dieser fällt dank konstruktiver Verbesserungen jedoch geringer aus. Mit sinnvoller Ausrichtung und Planung der Druckaufträge lässt sich die Effizienz zusätzlich steigern. Die Option, das System auf bis zu 19 Farben zu erweitern, verschafft dem Kobra X zudem ein Alleinstellungsmerkmal in seiner Preisklasse.
Auch in puncto Bedienkomfort überzeugt das Gesamtpaket: Die automatische Kalibrierung mittels LeviQ 3.0, die integrierte Kamera mit KI-Fehlererkennung, die durchdachte App-Anbindung sowie der moderne Anycubic Slicer Next sorgen für einen unkomplizierten und zeitgemäßen Workflow. Montage und Inbetriebnahme sind schnell erledigt, die Verarbeitung wirkt solide und strukturell durchdacht.
Insgesamt positioniert sich der Anycubic Kobra X als vielseitiger, schneller und qualitativ überzeugender Multicolor-3D-Drucker mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Er eignet sich sowohl für kreative Projekte mit mehreren Farben als auch für präzise technische Bauteile, und zeigt dabei, dass mehrfarbiger 3D-Druck nicht zwangsläufig kompliziert oder kostspielig sein muss.
Im Anycubic Store* ist der Kobra X aktuell (Stand: 12.02.2026) für 269,00 € erhältich. Somit ergibt sich ein wirklich sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Insbesondere, wenn man den Preis mit anderen Multicolor-3D-Druckern auf dem Markt vergleicht, die eine offene Lagerung verwenden. Spannend ist hier auch die mögliche Erweiterbarkeit mit dem ACE 2 Pro, um den Drucker so auf bis zu 19 Farben ausbauen zu können.
Der 3D-Drucker Kobra X* wurde Game2Gether von Anycubic für den Test zur Verfügung gestellt. Ein Teil der Filamente wurde von Inslogic zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme der Hersteller oder Händler auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.





