Citadelum – Test

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    Ave! Ziemlich genau ein Jahr nach der Veröffentlichung für PC schickt sich die antike Städte-Simulation Citadelum an, auch auf Switch 2 für Furore zu sorgen. Nun denn, packt eure Trauben und Ambrosia und folgt uns hier im Test zurück in die Welt des Pantheons.

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    Für diesen Test spielten wir Citadelum auf Switch 2.

     

    Eine historische Reise

    Ungewöhnlich, wenn auch verständlich zugleich, ist der Einstieg in Citadelum. Es gibt nämlich im Grunde keine Hintergrundgeschichte, der zeitliche Rahmen reicht allein dafür, uns hier als Städteplaner zu versuchen. Klingt zunächst etwas trocken uns ist es mit Blick auf die Präsentation auch. Nicht, dass wir uns für diese Art von Simulation tolle CGI-Zwischensequenzen oder Ähnliches erhoffen. Aber Citadelum erzählt seine Rahmengeschichte lediglich in Textboxen zum Start jeder Mission, die durchaus hübscher hätten ausfallen dürfen.

    Deutlich stärker ist das Innere des Spiels. Nach einem ausführlichen Tutorial fühlen wir uns bestens gewappnet für die kommenden Projekte, die man uns als klugem Manager vorsetzt. Satte 25 Kampagnen stehen vor uns und das beste daran: Man darf jede davon direkt wählen. Jede einzelne davon birgt ganz eigene Herausforderungen und Hindernisse. Ein netter Nebeneffekt dabei ist, dass alle Ereignisse historisch korrekt einsortiert wurden und die Hintergrundinformationen deckungsgleich mit der hiesigen Geschichtsschreibung sind.

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    Ein Rad greift ins nächste

    So historisch das Setting auch ist, so abgeklärt gibt sich das Gameplay. Für eine Stadtbau-Sim planen wir Gebäude, bauen strukturierte Wohn- und Arbeitsbereich auf und haben stets die Warenketten im Blick. Klassischerweise steht kaum eins der Gebäude für sich alleine genommen, sondern bedingt wiederum andere Bauten. Zeitgleich dazu will die Bevölkerung stets bei Laune gehalten werden, wodurch unser Ansehen bei selbiger steigt. Diese ihrerseits schaltet neue Gebäude frei, wodurch die Komplexität stetig erhöht wird.

    Ko9mplexität ist das Stichwort, denn im Kern steigt diese stetig an. Sind eure Bewohner zum Start noch mit Wasser und Getreide zufrieden zu stellen, steigt ihr Anspruch zusehends. Schnell werden neue Bedürfnisse lauter: Hygiene, Sicherheit, Unterhaltung und natürlich auch der Drang nach religiöser Aktivität will befriedigt werden. Hierbei darf man um die Gunst verschiedener römischer Gottheiten buhlen. In Tempeln können die Bewohner den Göttern ihre Gebete darbieten, während wir als Stadtherr Fest zu ihrer Ehren veranstalten. Konzentriert ihr euch dabei auf eine Gottheit, so winken besondere Boni. Dadurch vernachlässigt ihr allerdings auch andere Götter im Umkehrschluss. Ihr Zorn lässt nicht lange auf sich warten, also versucht die Waage der Gunst zu halten.

    Immer mal wieder dürft ihr euch in kleineren Schlachten auch als Feldherr beweisen. Der spielerische Anteil der Gefechte bleibt eher ein kleines Beiwerk, das die Geschehnisse und die Story weiterspinnen. Also eher Mittel zum Zweck, erwartet hier keine tiefgehende Taktikmechanismen. Dahingehend solltet ihr euer Militär nebst den Bewohnern und Warenketten auch immer mit einem Auge im Blick behalten. Später werden die Schlachten größer und die Feinde mitunter auch kniffliger, wirklich herausfordernd wird es aber zu keinem Zeitpunkt. Erkundungen, Angriffe und Verteidigungen wechseln sich im Grunde regelmäßig ab.

    Je weiter ihr voranschreitet, umso wichtiger wird euer Verhältnis zu Nachbarstädten. Öffnet Handelswege, betreibt regelmäßige Routen und haltet den Austausch hoch, damit euch hilfreiche Boni winken.

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    Einsteigerfreundlich

    Citadelum präsentiert sich als ein sehr einsteigerfreundliches Spiel. Die Art von Simulation, von der wir hier sprechen, bekommt nach wenigen Minuten gerne eine ganz eigene Dynamik, in der man verstehen muss, wie welche Mechanismen miteinander verknüpft sind. Wer Anno oder die Caesar-Reihe kennt, der fühlt sich in Citadelum ab dem Start heimisch und legt intuitiv los. Umso angenehmer, dass Genre-Einsteiger hier vorbildlich an die Hand genommen und herumgeführt werden. Neulinge sollten so guit wie keine offenen Fragen mehr am Ende des Tutorials haben.

    Auf der anderen Seite bleibt Citadelum häufiger an der Oberfläche und geht im Detail nicht ganz so sehr ins Klein Klein, wie es andere Spiele im gleichen Genre gerne mal machen. Was für Einsteiger einen großen Vorteil mit sich bringt, lässt Veteranen gelegentlich kalt. Mehr Tiefe, insbesondere bei den Schlachten, hätte durchaus sein dürfen.

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    Technik mit Macken

    Ziemlich früh fiel uns auf, wie häufig Citadelum automatisch speichert. Eigentlich eine coole Sache, wären da nicht die zeitgleich auftretenden Ruckler, die ein Autosave auf der Switch 2 mit sich bringt. Gerade beim Scrollen fallen die sekundenlangen Stocker extrem auf und sind, je nach Situation, sogar richtig ärgerlich. Andererseits waren wir um das regelmäßige Speichern dankbar, denn Citadelum stürzte in unserem Testzeitraum mehrfach ab. Softwareabbrüche mit einer Fehlermeldung katapultierten uns zurück ins Hauptmenü der Konsole, einmal gab es einen kompletten Freeze der Switch 2. Unschön und hier ist sicherlich Abhilfe mittels Patch bereits auf dem Weg – in Kombination mit dem Autosave wurde es immerhin erträglicher.

    Passend für die Switch 2 Spielversion wurde Citadelum die Steuerung per Maus spendiert. Sprich, ihr nutzt den JoyCon vertikal auf einer Oberfläche aufliegend als Maus. Diese Variante der Steuerung ist optional und kann das Scrollen via Stick ersetzen. Der Maus-Modus funktioniert tadellos und bietet eine klasse Einsatzmöglichkeit für die Simulation. Lediglich ein Wechsel von klassischer Gamepad-Steuerung hin zu Maus (oder umgekehrt) ist unnötig schwierig – was allerdings nicht am Spiel liegt. Die Switch springt bei einem Steuerungswechsel zurück ins Hauptmenü und möchte dort die Controllerart als jeweiligen Standard definieren. Im besten Falle entscheidet ihr euch für eine der Steuerungsmöglichkeiten und bleibt dann bei dieser, um den nervigen Wechsel zu vermeiden.

    Grafisch zeigt sich Citadelum von einer schönen und funktionalen Seite. Die Simulation präsentiert sich zurückhaltend und unspektakulär, was für flüssige Bildraten und gute Erkennbarkeit auf dem Bildschirm sorgt. Selbst im Handheld-Modus sind alle Texte sehr gut lesbar und auch wenn die Pixeldichte etwas schrumpft, erkennt man alle wichtigen Details. Musikalisch gibt es zeitlich angepasste Töne zu hören, die im Grunde ähnlich dezent im Hintergrund laufen und das Geschehen passend untermalen. Wird es mal hektischer oder es steht ein besonderes Event an, tauchen plötzlich Fanfaren auf und sorgen für akustische Leckerbissen.

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    Fazit

    Citadelum macht sehr schnell klar, dass es ein waschechter City-Builder im antiken Rom sein möchte und genau das schafft das Spiel auch. Für Vielspieler solcher Simulationen dürfte die Tiefe etwas enttäuschend sein, während Gelegenheitsspieler zu keinem Zeitpunkt über- und unterfordert sein werden. Der stets wachsende Schweregrad entspringt der Verkettung neuer Warenoptionen. Ist dieser Stein erst mal ins Rollen geraten, landet man in einem kleinen rabbit hole mit immer neu auftauchenden Herausforderungen.

     

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur