Ric Roman Waughs Greenland 2 ist die Fortsetzung des überraschend erfolgreichen Katastrophenfilms von 2020 doch wo der Vorgänger mit emotionaler Nähe und realistischem Stress punktete, verliert sich das Sequel in einem pausenlosen Trommelfeuer an Katastrophen, das zwar unterhält, aber kaum Zeit für menschliche Tiefe lässt. Der Film startete am 8. Januar 2026 in Deutschland,
Die Prämisse: Aus dem Bunker ins Chaos
Fünf Jahre nach dem verheerenden Einschlag des Kometen Clarke leben John Garrity (Gerard Butler), seine Frau Allison (Morena Baccarin) und ihr Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) immer noch in einem Bunker auf Grönland. Die Welt ist verseucht, Strahlungsstürme wüten über die Oberfläche, und Fragmente des Kometen schweben weiterhin in der Umlaufbahn. Die familie muss nach Europa fliehen zum einzig vermeintlich sicheren Ort: dem gigantischen Einschlagskrater des Kometen.
Diese Grundidee ist reizvoll und erinnert an klassische Road-Movie-Narrative in postapokalyptischen Settings. Der Film trägt im Original den Untertitel „Migration“, was nicht nur die geografische Reise der Familie beschreibt, sondern auch subtil auf aktuelle gesellschaftspolitische Migrationsdiskurse anspielt ein Aspekt, der allerdings nur oberflächlich gestreift wird.
Gerard Butler verkörpert John Garrity mit der ihm eigenen robusten Präsenz. Der schottische Actionstar bringt eine gewisse Everyman-Qualität mit, die seinen Charakter nahbar macht – auch wenn er nie ganz davon loskommt, „bigger than life“ zu wirken. Morena Baccarin als Allison fungiert als moralischer Kompass der Geschichte und liefert eine nuanciertere Performance als im ersten Teil ab. Ihre Chemie als Ehepaar trägt die emotionalen Momente, die der Film bietet.
Die visuellen Eindrücke sind stellenweise bemerkenswert: Eine Szene in einem fast versunkenen Liverpool, ein ausgetrockneter Ärmelkanal mit einer wackeligen Seilbrücke, oder ein Schützengraben-Kampf, der an den Ersten Weltkrieg erinnert – all das sind atmosphärisch dichte Momente, die in Erinnerung bleiben.
Das große Problem: Logik als Nebensache
Doch so beeindruckend die Action auch sein mag, „Greenland 2″ krankt an fundamentalen erzählerischen Schwächen. Die größte davon: Die Handlung wirkt zerfasert und springt von einer lebensbedrohlichen Situation zur nächsten, ohne je innezuhalten. Die Familie hat konstant pures Glück, immer den richtigen Weg zu nehmen, am richtigen Ort anzukommen, und genau dort zu sein, wo sie sein sollen. Diese Zufälle gab es auch im ersten Teil, doch dort wirkten sie subtiler und glaubwürdiger.
Die zentrale Prämisse – dass ausgerechnet der Hauptkrater des Kometeneinschlags nach nur fünf Jahren zum Garten Eden geworden sein soll, geschützt vor Strahlung und Umweltverschmutzung – ist wissenschaftlich absurd und wird nie plausibel erklärt. Der Film ignoriert systematisch die eigenen Regeln seiner dystopischen Welt: Woher stammen Munition und militärische Infrastruktur in einer vollständig verwüsteten Gesellschaft? Warum kämpfen eine „Ost-Koalition“ und eine „Westliche Allianz“ gegeneinander, ohne dass der Film auch nur ein Wort darüber verliert?
Nathans Diabetes, im ersten Teil ein zentrales Handlungselement, spielt hier kaum noch eine Rolle eine verpasste Gelegenheit, die Fragilität des Überlebens in dieser Welt zu thematisieren. Stattdessen verkommt die Geschichte zu einer episodischen Aneinanderreihung von Gefahren, die fast schon videospielhaft wirken.
Charaktere unter den Rädern
Während „Greenland“ (2020) mit 78% auf Rotten Tomatoes und einem Metascore von 64 als „generally favorable“ eingestuft wurde, liegt die Fortsetzung nur bei enttäuschenden 48-58% (je nach Zeitpunkt der Bewertung). Der Critics Consensus bringt es auf den Punkt: „The world ends more with a whimper in Greenland 2: Migration compared to its predecessor’s big bang thrills, but Gerard Butler’s sturdy star power keeps this continuation reasonably compelling.“
Die zwischenmenschlichen Konflikte, die den ersten Teil prägten, fehlen hier weitgehend. John, Allison und Nathan funktionieren als effiziente Überlebenseinheit, aber ihre emotionale Tiefe bleibt blass. Neue Charaktere werden eingeführt, nur um kurz darauf eliminiert zu werden. Diese Disposable-Charakter-Struktur mindert die emotionale Investition des Publikums erheblich. Was mich auch noch stört das man das wertvollste was man hat Leuten anvertraut die man 2 Stunden kennt diese Sache mit gibt. Das ergibt doch keinen Sinn.
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Zum Vergleich: Der erste „Greenland“ kostete nur 35 Millionen Dollar und spielte weltweit 52 Millionen ein ebenfalls kein Riesenerfolg, aber angesichts der Pandemie-Umstände respektabel. Die Entscheidung, das Budget für die Fortsetzung mehr als zu verdoppeln, erweist sich als strategischer Fehler.er, die menschliche Dimension des ersten Teils fortzuführen Familie, Hoffnung, Zusammenhalt in Extremsituationen. Andererseits will er größer, härter und spektakulärer sein, was zu einer Überfrachtung mit Actionszenen führt, die den Charakteren die Luft zum Atmen nehmen.
Die olitische Subtext-Ebene Migration, Flucht, die Frage nach Menschlichkeit in Krisenzeiten wird zwar angedeutet (der Originaltitel „Migration“ ist hier eindeutig), aber nie konsequent verfolgt. Stattdessen bleibt es bei oberflächlichen Anspielungen auf Boulevardzeitungsniveau.
Für Fans von Gerard Butler und actionlastigem Popcorn-Kino bietet „Greenland 2″ durchaus Unterhaltung die visuelle Inszenierung, die Effekte und die schiere Geschwindigkeit der Ereignisse verhindern Langeweile. Doch wer den subtilen, bodenständigen Realismus des ersten Teils schätzte, wird hier enttäuscht.
Fazit
Greenland 2 ist eine Fortsetzung, die zwar handwerklich solide inszeniert ist und einige spektakuläre Momente bietet, aber unter fundamentalen Erzählschwächen leidet. Die Logiklöcher sind größer als der Clarke-Krater, die Charaktere bleiben blass, und die emotionale Tiefe des Vorgängers geht in einem pausenlosen Trommelfeuer von Katastrophen verloren.
Die The-Anna-Diaries-Kritik bringt es präzise auf den Punkt: Der Film „kratzt nur an der Oberfläche seiner eigenen Vision“. Man hätte sich Zeit nehmen können, zu zeigen, wie es Menschen außerhalb von Bunkern überhaupt geschafft haben zu überleben – oder wie sich kleine Gemeinschaften zur gegenseitigen Hilfe zusammenschließen. Stattdessen wird alles einer rasanten Action-Montage geopfert
Bewertung: 5/10 – Spektakulär inszeniert, aber narrativ holprig. Ein Film, der unterhält, ohne nachhaltig zu beeindrucken.

