Final Fantasy 7 Rebirth – Test

    final fantasy 7 rebirth

    Mit Final Fantasy 7 Rebirth geht die Neuauflage des legendären FF7 in die zweite Runde. In ein neues Kampfsystem verpackt knüpft die Geschichte nahtlos an den ersten Teil der Remake Trilogie an und bringt ein paar völlig neue Storylines mit dazu. Alles Wissenswerte erfahrt ihr hier bei uns im Test!

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    Für diesen Test spielten wir Final Fantasy 7 Rebirth auf Playstation 5

     

    Eine kühne Behauptung zum Start: Es gibt wohl kaum jemanden, der Mitte der 90er Jahre eine Playstation 1 besessen und nicht Final Fantasy 7 gespielt hatte. Die mitreißende Story und der satte Umfang (wer erinnert sich nicht an die legendären vier schwarzen CDs) waren völlig zurecht der finale Durchbruch für JRPGs auf dem Weltmarkt. 2020 erschien der erste Teil der Remake-Trilogie und überzeugte mit moderner Grafik, frischem Gameplay und sogar einigen Story-Neuerungen. Final Fantasy 7 Rebirth ist der nun zweite Teil und geht genau diesen Schritt konsequent weiter.

    final fantasy 7 rebirth

     

    Nach Remake ist vor Rebirth

    Square Enix bewies schon in Remake und der Erweiterung Intergrade ein feines Gespür. So wurde der rote Faden der Story natürlich beibehalten, jedoch um sinnvolle Verästelungen ergänzt. Besonders die Nebenfiguren, aber auch alle Hauptcharaktere kamen häufiger und deutlicher zu Wort. So manches Teammitglied der AVALANCHE, also jener Gruppe von Ökoterroristen, wurde besser ins Szene gesetzt und bekam deutlich mehr Tiefgang, als es damals 1997 im Original überhaupt möglich gewesen wäre. Was in der Kurzform heißt: Wer das Original mochte, wird Final Fantasy 7 Rebirth lieben!

    Inhaltlich geht es im Grunde fast nahtlos dort weiter, wo Final Fantasy 7 Remake, also der erste Teil der Trilogie, aufhörte. Und ohje, das sah schon mal weitaus besser aus für unsere Crew. Cloud Strife samt seiner Gefährten Barret, Red 13 und Tifa gerät in die Fänge der schier übermächtigen Shinra. Wer sich jetzt die Frage stellt, wie es dazu kam, der hat zwei Möglichkeiten. Entweder spielt ihr selbst das mehr als lohnenswerte FF 7 Remake, optional auch noch Intergrade, oder aber ihr schaut einen Film via Optionsmenü, der alle Ereignisse des Vorgängers in wunderschönen Sequenzen nacherzählt.

    Spielerisch geht es in Final Fantasy 7 Rebirth raus aus der Stadt Midgar und rein in die offene Spielwelt. Im ersten Moment klingt dies wie ein kleiner Widerspruch, denn im Grunde ist Rebirth ein sehr gradliniges und storybasiertes RPG, was gar nicht zu viele Freiheiten zulässt. Dennoch könnt ihr in einer Art semi-offenen Spielwelt so allerhand Dinge tun oder lassen, am Ende führen sie euch dann auch immer wieder zurück zum roten Faden. Je nach Verspieltheit variiert die Zeit, die ihr ins Spiel stecken müsst dürft. Bleibt ihr konsequent auf dem Pfad der Geschichte, sind es schon satte 40 Stunden pures Vergnügen. Rafft ihr euch zu diverse Nebenmissionen und Minispiele auf, sollen es angeblich sogar deutlich über 100h sein – laut Game Director Naoki Hamaguchi.

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    Neue Storylines verleihen mehr Tiefgang

    Dabei gelingt nicht immer ein flüssiger Übergang zwischen der Story und den sonstigen Aufgaben. In den großen und sehr weitläufigen Arealen wird man hier und da zum Handlanger für Einwohner und soll diverse Sammelquests erledigen. Diese Art von Quest stellt den Tiefpunkt des Spiels und gleicht einer Arbeitsbeschaffung für Cloud und Konsorten. Es hätte sie im Grunde gar nicht gebraucht, aber in Rebirth gibt es eben ein rudimentäres Crafting-System, was wohl dem Zeitgeist geschuldet ist.

    Hier können wir Ausrüstungen herstellen, die sich fast nie lohnen, oder Verbrauchsgüter, die schon etwas sinnvoller sind. Gebraucht hätte es diese Art von Crafting nicht, da wir ohnehin regelmäßig Händlern begegnen und uns den wünschenswerten Kram einfach kaufen. Sinnstiftend ist es also kaum und Anspruch hat es keinen.

    Wie gesagt, es ist ein etwas nerviges Mitgebsel in diesem ach so wunderschönen Spiel. Meckern auf hohem Niveau nennt man es beiläufig, aber es ist eben auch ein erwähnenswerter Aspekt. Wesentlich besser haben uns die anderen Arten von Nebenmissionen geschmeckt. Es tun sich regelmäßig neue Infos und Häppchen auf, die euch so tief in die Spielwelt saugen, wie es das Original niemals hätte schaffen können. Sprecht mit den Menschen und lasst sie ihre Geschichte erzählen.

    Auf diese Weise erfahrt ihr nicht nur mehr über diese retro-futuristische Welt, sondern auch mehr über das Team, über SOLDAT, über Beweggründe und über tieftraurige Ereignisse. Besonders spannend und in vielerlei Hinsicht erhellend ist beispielsweise eine recht frühe Sequenz, die auf die besondere Beziehung von Cloud und Sephiroth eingeht. Wer auf gute Geschichten steht, kommt in solchen Momenten voll auf seine Kosten.

    Wobei die Geschichte als Gesamtwerk nicht ganz einfach zu verstehen ist. Spoiler lassen wir an dieser Stelle natürlich aus, nur so viel: Stellt euch auf verworrene Handlungen ein, die teilweise in alternativen Zeiten und Parallelwelten spielen. Multiversum alá Final Fantasy, in der natürlich Oberschurke Sephiroth seine Hände maßgeblich im Spiel hat. Und ja, ihr müsst euch auch wieder auf DIE Szene einstellen. Wobei… so ganz klar ist es an dieser Stelle doch nicht… oder doch? Erlebt es selbst und versucht euch an der Hirnakrobatik rund um Aerith. Im Fokus dabei steht selbstverständlich wieder das Gerangel zwischen ihr und Sepiroth samt weißer und schwarzer Materia.

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    Von Chocobos und Minispielen

    Dass es zahlreiche Aufgabe in Final Fantasy 7 Rebirth zu erledigen gibt, wisst ihr jetzt. Die weniger coolen Sammelaufgaben halten sich dabei in ihrer Summe zurück und es gibt viele abwechslungsreiche, spaßbringende und geschichtsverbindende Nebenmissionen. Ob ihr sie überhaupt angeht, bleibt in den meisten Fällen euch überlassen. Ihr könnt euch hier in der Spielwelt ein Stück weit verlieren und etliche Stunden mit allem abseits der Hauptgeschichte verbringen.

    Beispielsweise Chocobos fangen, um mit ihnen schnell von A nach B zu kommen. Auf dem Rücken des ikonisch gelbes Reittier seid ihr im Nu in ganz neuen Arealen angekommen. Für Abwechslung sorgen die Rennen, die ihr mit dem Federvieh bestreiten könnt. Setzt ihr euch gegen Rivalen durch, winken Ruhm und Goodies – nur Zweiteres davon ist wirklich brauchbar. Bei diesen Rennen gibt es unterschiedliche Parcours mit diversen Anforderungen an euch. Steht euch der Sinn nach einer etwas weniger nervenaufreibenden Mission, dann könnt ihr beispielsweise das Sammelkartenspiel Blut der Königin zocken. Ähnlich wie bei Gwent tun sich hierbei erst nach und nach die taktischen Möglichkeiten auf und ihr versteht Mechaniken, die ihr anfangs noch gar nicht erkannt habt. Bei den Händlern bekommt ihr obendrein neue Karten zu kaufen, so dass sich immer stärkere Decks zusammenschustern lassen.

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    Trainiert im Chadley

    Wollt ihr die Muskeln spielen lassen, steigt ihr kurzerhand in den Ring und duelliert euch per Faustkampf. Musikalisch geht es derweilen am Klavier zu, an dem ihr zahlreiche Stücke nachspielen dürft oder einfach frei nach Gusto auf den Tasten klimpert. Vom einfachen Rhythmusspiel bis hin zu Eigenkompositionen sind hier kaum Grenzen gesetzt. Und ja, die musikalischen Aktivitäten erinnern hier und da an das Gitarrenspiel aus The Last of Us. Was in diesem Falle allerdings absolut positiv zu erwähnen ist, da die Implementierung des Features passend ist und einfach tadellos gut funktioniert. Fort Gondor wurde ebenfalls überarbeitet, bei dem ihr euch über mehrere Partien als Gewinner durchsetzen müsst.

    Der Kampfsimulator Chadley lädt natürlich ebenfalls wieder zum Training ein. Hier könnt ihr euch nach Lust und Laune in simulierten Kämpfen austoben und effektive Herangehensweise testen. Natürlich schaltet ihr erneut dadurch mächtige neue Esper frei, die euch im Kampf dann als übermächtige Helfer aus so mancher Zwickmühle befreien können. Freut euch auf die Beschwörungsclips, sie waren damals schon pompös und setzen in Final Fantasy 7 Rebirth dem Treiben die Krone auf.

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    Teamkampf

    Seit Remake war klar, dass das alte rundenbasierte Kampfsystem einem in Echtzeit gewichen ist. Final Fantasy 7 Rebirth bedient sich des gleichen Systems, erweitert dieses aber hier und da. Wer Intergrade gespielt hat, der kennt vermutlich die allermeisten Features bereits.

    Wie bekannt tretet ihr grundsätzlich im 3er Team an, wobei ihr euch die Truppe selbst zusammenstellen könnt und dürft. Es gibt nur wenige Passagen, die aus erzählerischen Gründen eine fest terminierte Gruppenwahl zulassen. Je nach Figur stehen euch unterschiedliche Angriffe zur Verfügung: Während Cloud mit seinem überdimensionierten Schwert auf die Feinde im Nahkampf eindrischt, feuert Barret aus dem Hintergrund aus seiner Gatling Kugeln, usw. Mit jedem Angriff füllt sich die ATP-Leiste, mit deren Hilfe ihr besonders starke Angriffe oder Zauber entfesselt.

    Zwar füllt sich die Leiste auch von selbst, das allerdings nur sehr langsam. Aus diesem Grund solltet ihr regelmäßig die Figuren wechseln und manuell Angriffe durchführen. So füllt sich ATP deutlich schneller und ihr bekommt im Gegenzug eben auch deutlich fixer die Bombast-Zauber zur Wahl. Das Switchen der Figuren ist überdies auch hilfreich, da jede Figur über einzigartige Fähigkeiten verfügt, wogegen so manch dicker Mob anfällig ist. Das Experimentieren mit unterschiedlichen Teammitgliedern ist also höchst sinnvoll.

    Und dann wären da noch die Teamangriffe, die einfach nur verdammt schick aussehen. Klar doch, sie saugen allen Feinden natürlich auch extra viele Hitpoints aus ihrer Lebensanzeige, aber das wird fast schon zur Nebensache. Inszenierungen konnte Final Fantasy schon immer nahezu perfekt und Rebirth macht da keine Ausnahme.

    Zur Krönung gibt es obendrein noch Synergieangriffe, die ihr bei ausreichend vielen ATP-Aktionen zur Wahl bekommt. Diese sind noch eine Spur schicker, ziehen noch mehr HP dem Gegenüber ab und sind in ihrer Art unheimlich befriedigend zuzusehen. Die Kombination aus Angriffen, Team-Moves, Synchroattacken und Esper ist nicht weniger als ein Spektakel sondergleichen!

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    Mit und ohne Magie

    Einzigartig und auf ihre Art besonders ist jede Figur eures Teams, manche etwas mehr als andere. Jede und jeden von ihnen werdet ihr im Verlauf des Spiels immer weiter spezialisieren. In welche Richtung ihr das tut, das liegt einzig an euch, aber auch hier können wir nur den Tipp geben: Die gesunde Mischung macht’s. Aerith beispielsweise ist von Hause aus schon eine wunderbare Magierin. Also wäre es natürlich klug, sie dahingehend zu entwickeln.

    Zumal es Elementarangriffe gibt, die keinerlei Magiepunkte kosten. Das hilft natürlich dem Rest des Teams, da ihr somit nicht für alle Figuren gleichermaßen auch alle Elementarschäden abdecken müsst. Statt dessen nutzt ihr die erspielten Materiakugeln charakterspezifisch im jeweils eigenen Fähigkeitenbaum. Außerdem könnt ihr Waffen leveln und so z.B. ihre Grundwerte stärken. Das gilt natürlich auch für die Figuren, die neben den aktiven auch über passive Skills verfügen.

    Wenn man jetzt all die aufgezählten Angriffsarten zusammenzählt, dann kommt man im Ergebnis auf eine enorme Auswahl an potentiellen Möglichkeiten. Gerade Neueinsteiger sind mit dieser Vielfalt vielleicht etwas erschlagen und wissen (noch) nicht, wann man welchen Move taktisch geschickt nutzen sollte. Auch hier kommt euch das Spiel entgegen: Final Fantasy 7 Rebirth geht in eine Art Superzeitlupe, sobald ihr am Zuge seid und euch durch das Menü der Angriffe und Items wählt. Daher kommt es so gut wie nie vor, dass man vor Überfrachtung den Überblick verliert.

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    Kleinere Schwächen

    Es gibt ein paar kleine Details, die etwas unliebsam ins Auge springen. Die Geschichte des Spiels ist im Kern eine dramatische, ja sogar tragische mit zahlreichen ernsten Facetten. Deswegen stört ab und zu der Klamauk, den die Macher hineinbrachten. Schon im Original gab es witzige und humoristische Seitenhiebe abseits allen Ernstes, nur wirkt dieser bei Final Fantasy 7 Rebirth manchmal etwas zu überspitzt. Insgesamt sind viele Orte und Dialoge auf Jugendliche gemünzt, dem Spiel wurde eine Art Verjüngungskur verpasst. Man gewöhnt sich daran, wirklich störend sind sie ohnehin kaum, und dennoch muss man sich erst einmal hier einfinden, dass man z.B. in einer Stadt mit Segways fahren kann.

    Um den Bogen zum Ende zu spannen, noch schnell ein paar Worte zur Technik. Final Fantasy 7 Rebirth sieht phantastisch aus, das ist keine Übertreibung! Besonders die Detaildichte und das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten haben seit Remake noch mal einen ganzen Schritt nach vorne gemacht. Und diese Charaktermodelle, oh dieses Gespür für die kleinen Details, sie sind einfach großartig. Wenn es einen Negativpunkt in Sachen Grafik gibt, dann den, dass in weitläufigen Arealen immer mal wieder Objekte im Hintergrund aufploppen.

    Zum Soundtrack müssen wir wohl kaum noch Worte verlieren. Der war in den 90ern schon weltklasse und wurde mindestens genau so gut in modernisierte Samples gepackt. Zahlreiche ikonische Tracks werdet ihr sofort wiedererkennen und zu diesen gesellen sich ein paar weitere Songs. Von K-Pop bis Hard Rock ist hier alles dabei. Die deutsche Synchronisation stimmte uns ebenfalls rundum glücklich.

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    Fazit

    Der zweite Teil der Final Fantasy Remake Trilogie macht mit Rebirth erneut einen weiteren Schritt nach vorne. Im Vordergrund steht dieses Mal die geöffnete Spielwelt, die mit so wunderbar zahlreichen Details prahlt, als gäbe es kein Morgen mehr. Es ist einer dieser Aha-Momente, bei denen man im Erwachsenenalter nochmal Kind wird und die Kinnlade öffnet.

    In vielen Situationen spürt man, dass sich Square Enix wirklich gute Gedanken zur Erneuerung gemacht hat. Die Geschichte wird tiefgründiger und facettenreicher erzählt, die Minispiele sind unterhaltsam und die meisten Seitenmissionen zum Glück auch. Selbst das Kampfsystem wurde erneut verbessert, so dass die zahlreichen Gefechte niemals langweilig werden und dank wuchtiger Effekte pures Glück versprühen.

    Ein paar kleinere Schwächen bleiben zwar bis zum Schluss, aber diese können niemals den Gesamteindruck trüben: Final Fantasy 7 Rebirth ist ein unfassbar wundervolles und emotional mitreißendes Rollenspiel, das man nur jedem PS5-Besitzer ans Herz legen kann!

    Christoph
    Kind der 70er. Seit '84 Musiker, seit '85 Hobby-Jedi, seit '86 Zocker und seit 2011 hier Redakteur