Die Ursache ist bekannt: KI-Rechenzentren, Server-Speicher und HBM (High Bandwidth Memory, besonders schneller Speicher für KI-Beschleuniger und High-End-GPUs) ziehen Produktionskapazität ab. Entscheidend ist jetzt nicht mehr, warum RAM teurer wurde, sondern ob der Gipfel erreicht ist und da sieht es weiterhin schlecht aus.

Der Markt ist im Mai 2026 weiterhin teuer und tendiert nach oben.
Für Deutschland beschreibt PC Games Hardware die Lage klar: Seit Juli 2025 haben sich DDR5-Module und DDR5-Kits um mehr als 310 Prozent verteuert. DDR4 und DDR3 liegen mit rund 250 Prozent Aufpreis ebenfalls nicht mehr im Schnäppchenbereich. Die alte Ausweichstrategie „Dann eben ältere Plattform“ funktioniert also nur noch begrenzt.
Noch wichtiger als die Ladenpreise sind die Vertragspreise. Sie zeigen, was Hersteller, OEMs und Großkunden bezahlen — und was später beim Endkunden ankommt. TrendForce erwartet für das zweite Quartal 2026 bei PC-DDR5 weitere Preissteigerungen von 43 bis 48 Prozent, bei PC-DDR4 von 35 bis 40 Prozent. Das Tempo der Preissteigerung nimmt gegenüber den extremen Vormonaten zwar etwas ab. Aber „langsamer teurer“ ist eben nicht „billiger“.
Auch die aktuellen Marktdaten zeigen keine echte Trendwende. Der Spotmarkt bewegt sich zwar nicht einheitlich: Manche DDR5- und DDR4-Chips steigen leicht, einzelne einfachere eTT-Varianten geben minimal nach. Das ist aber keine Entspannung, sondern eher ein kurzes Durchatmen. Breite Rückgänge oder eine Rückkehr zu alten Preisen sind daraus nicht abzulesen.
Für die nächsten zwei bis drei Monate bedeutet das: RAM bleibt teuer und kann noch teurer werden. Besonders DDR5 steht unter Druck, weil moderne PCs, Notebooks und OEM-Systeme darauf angewiesen sind. DDR4 ist ebenfalls keine sichere Rettungsinsel mehr, weil auch ältere Speicher-ICs knapp sind. Wer im Sommer 2026 auf deutlich fallende RAM-Preise hofft, setzt auf ein sehr dünnes Brett.
Die Expertenaussagen gehen in dieselbe Richtung. Gartner erwartet, dass kombinierte DRAM- und SSD-Preise bis Ende 2026 um 130 Prozent steigen könnten. Dadurch würden PCs im Schnitt um 17 Prozent und Smartphones um 13 Prozent teurer. IDC rechnet ebenfalls mit steigenden PC-Durchschnittspreisen und einem schwächeren PC-Markt. Das Thema trifft also längst nicht nur Selbstbauer, sondern komplette Geräteklassen: Notebooks, Komplett-PCs, Smartphones, Konsolen und günstige Einstiegsgeräte.
Wann wird es wieder günstiger?
Kurzfristig wohl gar nicht. PC Games Hardware erwartet hohe Einzelhandelspreise mindestens bis Mitte oder Ende 2027. TechInsights sieht den möglichen DRAM-Höhepunkt eher im Jahr 2026, mit Beruhigung 2027 — aber nicht zwingend mit einer Rückkehr zu alten Tiefpreisen. SK-Group-Chef Chey Tae-won geht sogar davon aus, dass der globale Wafer-Engpass bis 2030 anhalten kann. Das heißt nicht, dass jeder RAM-Riegel bis 2030 absurd teuer bleibt. Es heißt aber: Die Produktionsbasis wächst nicht schnell genug, um die Nachfrage locker zu bedienen.
Dazu kommen langfristige Lieferverträge. Samsung arbeitet laut Reuters mit Großkunden an Drei- bis Fünfjahresverträgen, und SK Hynix bekommt ungewöhnliche Angebote großer Tech-Konzerne, die sich Speicherlieferungen sichern wollen. Solche Verträge binden Kapazitäten. Für normale Käufer bleibt dadurch weniger Spielraum. Der klassische RAM-Zyklus — Knappheit, Ausbau, Überangebot, Preisverfall — könnte diesmal deutlich zäher laufen.
Für Käufer ist die Lage damit ziemlich eindeutig: Wer RAM wirklich braucht, sollte Preisalarme setzen und bei einem halbwegs fairen Angebot zugreifen. Wer nur aus Spaß aufrüsten will, kann warten, sollte aber nicht auf schnelle Wunder hoffen. Die RAM-Billigzeit ist nicht nur kurz pausiert. Sie ist vorerst vorbei.

Für Gamer sind die Alternativen entsprechend pragmatisch.
Wer noch einen brauchbaren Rechner hat, sollte eher gezielt aufrüsten als komplett neu bauen — etwa GPU, SSD oder CPU, wenn dort ein gutes Angebot auftaucht. Wer dagegen jetzt einen neuen Gaming-PC braucht, sollte Fertig-PCs ernsthaft gegenrechnen. Der Eigenbau ist durch die hohen SSD- und RAM-Preise nicht mehr automatisch günstiger. Komplettsysteme mit 32 GB RAM können aktuell attraktiver sein, wenn CPU, GPU, SSD und Netzteil sauber passen. Dafür bleibt beim Selbstbau die bessere Kontrolle über die Komponenten. Kurz gesagt: Wer basteln will, baut selbst und zahlt den Aufpreis bewusst. Wer einfach spielen will, fährt im Mai 2026 mit einem guten Komplettangebot oft vernünftiger.
Quellen:
- PC Games Hardware: RAM-Barometer für Deutschland; DDR5 seit Juli 2025 mehr als 310 Prozent teurer, DDR4/DDR3 rund 250 Prozent teurer; hohe Preise voraussichtlich bis Mitte/Ende 2027. (PC Games Hardware)
- The Elec / TrendForce: Prognose für Q2 2026; PC-DDR5-Vertragspreise plus 43 bis 48 Prozent, PC-DDR4 plus 35 bis 40 Prozent. (The Elec Inc.)
- TrendForce: Aktuelle DRAM-Spotpreise mit gemischten Bewegungen bei DDR5, DDR4 und eTT-Varianten. (TrendForce)
- TrendForce: DDR5-Retailpreise in Deutschland fielen im März 2026 kurzzeitig, lagen aber weiter rund 408 Prozent über Juli 2025. (TrendForce)
- Gartner: Prognose für 2026; kombinierte DRAM- und SSD-Preise plus 130 Prozent bis Jahresende, erwartete PC-Preise plus 17 Prozent und Smartphone-Preise plus 13 Prozent. (Gartner)
- IDC / Tom’s Hardware: Erwartete steigende PC-Durchschnittspreise 2026 durch Speicherknappheit; einzelne Anbieter verkaufen bereits Prebuilts ohne RAM. (Tom’s Hardware)
- Reuters: SK Hynix erhält ungewöhnliche Angebote großer Tech-Konzerne zur Sicherung von Speicherlieferungen, inklusive möglicher Finanzierung von Produktionslinien und EUV-Anlagen. (Reuters)
- Reuters: Samsung arbeitet mit Großkunden an Drei- bis Fünfjahresverträgen für Chips. (Reuters)
- Reuters: SK-Group-Chef Chey Tae-won erwartet einen globalen Wafer-Engpass bis 2030. (Reuters)
- The Register / TechInsights: Einschätzung, dass DRAM-Preise 2026 ihren Höhepunkt erreichen könnten und frühestens 2027 Beruhigung möglich ist. (theregister)
- The Guardian: Bericht über steigende Preise und verschwindende Billigmodelle bei Laptops, Smartphones, Konsolen und anderen Consumer-Geräten. (The Guardian)
- PC Gamer: Aktuelle Gaming-PC-Deals; höhere RAM- und SSD-Kosten machen vorkonfigurierte Systeme mit guter Ausstattung interessanter. (PC Gamer)
- TechRadar: Beispielrechnung zu Fertig-PCs, bei denen der Aufpreis auf 32 GB RAM derzeit günstiger wirken kann als ein späteres RAM-Upgrade. (TechRadar)
- MSI: Ratgeber zur Speicherknappheit 2025/2026 und zu sinnvoller PC-Bau- beziehungsweise Upgrade-Planung. (us.msi.com)

