In der Branche gibt es unterschiedliche Tricks wieder in den Medien und auf den Monitoren der Gaming-Community zu landen. Sei es ein PR-Relaunch, ein Plattform-Port oder inhaltliche bzw. kosmetische Erweiterungen. Bei The Rogue Prince of Persia ist dieser Anlass ein handfester: Die physische Version für PlayStation 5, Nintendo Switch und Switch 2 ist da. Und plötzlich entsteht wieder Interesse, das dafür sorgt, dass man sich den Titel noch einmal genauer anschauen möchte.
Und bei The Rogue Prince of Persia, einem 2D-Side-Scrolling-Roguelite, lohnt sich das erneute Anspielen auf jeden Fall.
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The Rogue Prince of Persia – eine Stadt brennt, und Sterben bedeutet Rückkehr
Die Prämisse des Spiels ist klar und schnörkellos: Ktesiphon, die Hauptstadt Persiens, steht in Flammen. Die Hunnen haben die Stadt überrannt, ihre Schamanenmagie hat selbst den Prinzen zu Fall gebracht. Drei Tage später erwacht er in der Oase wieder und setzt erneut an, um seine Heimat zurückzuerobern und die Überlebenden zu retten.
Das ist inhaltlich keine große Erzählrevolution, hat die Marke Prince of Persia aber in diesem Fall auch gar nicht nötig. Die Geschichte erfüllt hier vor allem eine wichtige Funktion: Sie gibt dem Roguelite-Kreislauf die nötige Substanz. Das ständige Wiederanfangen ist Teil der Grundidee, die von der klaren Prämisse geführt wird. Der Tod ist nur ein kurzer Moment des Innehaltens, der den Rückweg vorbereitet. Und genau daraus zieht das Spiel einen guten Teil seiner Spannung.

The Rogue Prince of Persia – Dead Cells im Stammbaum, Persien im Anstrich
Dass Evil Empire hinter dem Spiel steckt, merkt man schnell. Das Studio, das sich über Jahre mit Post-Launch-Inhalten für Dead Cells einen Namen gemacht hat, kennt die Rogue-Mechanik sehr gut. Die Parallelen sind sichtbar, aber The Rogue Prince of Persia besitzt auch seinen eigenen Geist.
Der Unterschied liegt vor allem im Ton und im Fluss. Wo andere Roguelites oft vor allem über Druck und Eskalation funktionieren, setzt The Rogue Prince of Persia stärker auf Rhythmus. Die Biome sind schön ausgestaltete Räume, die zum Durchleben gebaut wurden. Man startet in der Oase, wählt von dort das nächste Gebiet und arbeitet sich durch Level mit eigenen Gegnertypen, Umgebungen und Belohnungen. Einige dieser Biome bieten sogar kleinere Quests, bei denen etwa Familienmitglieder gerettet, Rätsel gelöst oder versteckte Gegenstände in andere Gebiete gebracht werden müssen. Das ist keine riesige narrative Verästelung, aber genug, um die Welt nicht wie eine reine von links nach rechts gebaute Beute-Maschine wirken zu lassen.

The Rogue Prince of Persia – Parkour als eigentliche Hauptfigur
Die größte Stärke des Spiels ist nicht der Kampf. Auch nicht die Progression. Es ist die Bewegung. Und das ist bei Prince of Persia keine Nebensache, sondern eine über die Jahrzehnte gewachsene Kür.
Das schöne in Rogue Prince of Persia ist, hier fühlt sich diese Pflicht erstaunlich leicht an. Wandläufe, Sprünge, Hechtsätze, Slides, Vaults, Kicks und Angriffe greifen so sauber ineinander, dass aus Fortbewegung eine tänzelnde Choreographie wird. Gerade der Wall Run entwickelt im Test genau jene Selbstverständlichkeit, die gute Traversal-Systeme brauchen. Er verbindet die gesamte Bewegungsmechanik.
Das Ergebnis ist ein Spiel, das aufgrund seiner Dynamik große Freude macht. Durch Ktesiphon zu rennen, zu springen und Kombos zu vollführen, ist in den größten Teilen des Spiels Unterhaltung auf ganz großem Niveau. Verstärkt wird das durch Vayu’s Breath, ein System, das flüssige Bewegungsabfolgen mit mehr Tempo und betonten Animationen belohnt. Tatsächlich macht es aus der flotten Bewegung eine dynamische Eskalationskurve: Je besser man spielt, desto mehr fühlt man die Geschwindigkeit.

The Rogue Prince of Persia – Waffen, Medallions und Builds mit Kante
Natürlich bleibt es nicht nur beim Laufen. Über die Level verteilt findet man Waffen, Werkzeuge, Gold und Ausrüstung. Händler verkaufen Medaillons und andere Items, die den Build teils spürbar verändern. Diese Medaillons funktionieren im Kern wie Perks: mal praktisch, mal sehr speziell, oft genau dann am Spannendsten, wenn sie in Interaktion treten.
Das ist die Stelle, an der The Rogue Prince of Persia seine Roguelite-DNA am klarsten ausspielt. Ein Run lebt nicht nur davon, wie sauber man springt, sondern auch davon, was man für einen Build zusammenstellt. Manche Boni erhöhen den Goldgewinn, andere verändern konkrete Kampfsituationen, etwa durch Resin-Effekte nach einem Tritt gegen Gegner. Dazu kommen unterschiedliche Waffen mit eigenen Kombos und Tempi. Nicht jede davon dürfte jedem liegen, aber gerade das spricht eher für das System als dagegen. Es will keine Einheitswaffe, sondern Vorlieben.
Der Reiz liegt also nicht nur im nächsten Versuch, sondern in der Frage, welche Version des Prinzen man im nächsten Versuch sein möchte.

The Rogue Prince of Persia – der Loop trägt, die Progression nicht immer
Zwischen den Runs sammelt man Soul Cinders, eine Ressource, die sich in der Hub-Zone investieren lässt. Neue Waffen werden freigeschaltet, zusätzliche Medallions hergestellt, und damit wächst der Pool möglicher Belohnungen für spätere Versuche. Das funktioniert erst einmal gut, weil es Exploration und Kampferfolg mit langfristigem Fortschritt verbindet.
Der interessanteste Kniff: Soul Cinders sind beim Tod nicht automatisch sicher. Wer sie mit sich herumträgt, kann sie verlieren. In neuen Zonen wartet ein Altar, an dem man sie sichern kann. Oder man zerstört ihn und kassiert noch mehr. Eine kleine Soulslike-Risiko-gegen-Ertrag-Mechanik, die hervorragend zum restlichen Design passt. Das Spiel fragt nicht nur: „Wie gut kannst du spielen?“, sondern auch: „Wie gierig bist du heute?“
Weniger überzeugend ist, dass dieses System offenbar nicht dauerhaft die gleiche Zugkraft behält. Gerade zu Beginn gibt es viel freizuschalten, später dünnt das Angebot deutlich aus. Hinzu kommt ein Skill Tree, der zwar Vorteile wie mehr Heilung oder sichtbarere Belohnungen liefern kann, dabei aber eher nach Komfortverwaltung klingt als nach echter spielerischer Erweiterung. Er macht das Spiel leichter, aber nicht unbedingt spannender.

The Rogue Prince of Persia – der Schwierigkeitsgrad findet erst später seinen Biss
Nach dem ersten vollständigen Durchlauf ist Schluss nicht wirklich Schluss. Stattdessen wird mit den Awakenings ein Modifikator-System geöffnet, das verschiedene Herausforderungen zuschaltet und dafür zusätzliche Belohnungen in Aussicht stellt.
Das ist eine sinnvolle und nachvollziehbare Option, weil die frühen Runs offenbar etwas zu sanft abgestimmt wirken. Die Awakenings erlauben es, gezielt an den Schrauben zu drehen, die einen selbst interessieren, statt einfach nur stumpf Lebenspunkte hochzudrehen. Verschiedene Modifikatoren kosten unterschiedlich viel, füllen eine Anzeige und sorgen mit steigender Stufe für zusätzliche Effekte, etwa stärkere Gegner. Genau dadurch bekommt das Spiel im späteren Verlauf mehr Profil. Die Schwierigkeit wird nicht nur höher, sondern formbarer. Und das ist eine sehr angenehme Lösung.

The Rogue Prince of Persia – Musik, Stil und Flow
Ein Spiel wie dieses steht und fällt mit seinem Gefühl für Tempo. Deshalb ist der Soundtrack hier mehr als bloße Begleitung. Die Musik von ASADI verbindet traditionelle persische Einflüsse mit druckvollen elektronischen Elementen und stützt damit genau das, was das Spiel spielerisch versucht: Bewegung spürbar zu machen.
Dieser Eindruck wird auch von dem visuellen Design unterstützt. Die farbenfrohe persische Prägung ist Teil seiner Wirkung. Nicht als historische Simulation, sondern als stilistische Klammer.

The Rogue Prince of Persia – ein Roguelite, das den Namen trägt und bewusst in Szene setzt
Die physische Veröffentlichung ist ein guter Anlass, The Rogue Prince of Persia noch einmal ernst zu nehmen. Nicht, weil eine Box aus einem Spiel plötzlich ein anderes macht. Sondern weil hier ein Titel vorliegt, der unter bekannter Marke etwas ziemlich Eigenes aufzieht: ein Roguelite, dessen stärkster Einfall nicht der Tod, sondern die Bewegung ist.
Wer mit Roguelites etwas anfangen kann, bekommt hier keine Revolution, sondern ein Spiel, das seine Ideen präzise zusammenhält. Und wer Prince of Persia immer auch als Reihe über Eleganz in der Bewegung verstanden hat, findet hier vielleicht die modernste Antwort darauf. Nicht makellos. Aber mit einer sehr klaren Handschrift.
Infos zum Release
The Rogue Prince of Persia
Physischer Release: 10. April 2026
Erhältlich für: PS5, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2
Editionen: Standard Edition / Immortal Edition
Preis: 34,99 Euro / 49,99 Euro UVP
Entwickler: Evil Empire
Publisher: Ubisoft
Extras der Immortal Edition:
Steelbook mit Schutzhülle, Game-Key-Karte, doppelseitiges Poster, Kunstkarten mit Kartenmotiv

